Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Berichte » Bericht der 21. Panzerdivision (Kampferfahrungen mit britischen Truppen)

Kampferfahrungen mit britischen Truppen

Bericht der 21. Panzerdivision über die Kampferfahrung der britischen Truppen (Sommer 42)

1. Feindliche Taktik und Kampfweise.
Starke Anlehnung der Truppen an befestigte Stellungen, Stützpunkten, Minenfeldern und Geländehindernissen.
Massierter Einsatz bei Infanterieangriffen unter starker Artillerieunterstützung.
Verstärkter Einsatz von Nebelgranaten bei Annäherung, zur Vortäuschung von Angriffsabsichten, aber auch zur reinen Täuschung. Neuartige Nebelgranaten mit etwa 400 Meter langem Nebelstrich zur Zielbezeichnung und zum Einschießen.
Eine auffallend schlechte artilleristische Unterstützung von Panzerangriffen. Nach erfolgtem Durchbruch hört sie völlig auf. Vermehrte Neigung zu Nachtangriffen, dabei Niederhalten der Feindartillerie durch Kennzeichnung der Stellungen mit Leuchtfallschirmen und Leuchtbrandsätzen von Flugzeugen aus.
Rückgrat der feindlichen Abwehr ist die Artillerie, wobei weniger die Zahl der Geschütze, sondern der große Munitionseinsatz ausschlaggebend ist.
Ausnutzung der Höchstschussweiten, um sich dem Feuerbereich der feindlichen Artillerie zu entziehen.
Hervorragende Feuerdisziplin, auch in kritischen Situationen Anwendung von Nebel, auch bei Feindangriffen, um die feindlichen Verbände in Unordnung zu bringen, oder das Loslösen vom Gegner zu verschleiern.

2. Eigene Taktik und Kampfweise.
Die Erfahrung der letzten Angriffe gegen befestigte Stellungen erfordern eine genügend lange Vorbereitungszeit.
Der Mangel an artilleristischen Aufklärungsmitteln macht eine halbtägige Vorbereitungszeit notwendig.
Die Wahl des Angriffszeitpunkts hat ausschließlich nach taktischen Gesichtspunkten zu erfolgen. Der Bereitstellungsraum ist möglichst zu einer Tageszeit zu beziehen, der dem Gegner die Beobachtung erschwert.
Die Zweckmäßigkeit des Aufsitzens der Schützen auf Panzer beim Angriff kann nicht abschließend beurteilt werden, da noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.
Der erhebliche Munitionseinsatz des Gegners erfordert, dass die Abwehrkräfte beweglich gehalten werden müssen, um ein Zerschlagen von Personen und Material in festen Stellungen zu verhindern. Bei Abwehr von Feindangriffen hinter Minenriegeln ist die Stärke der Truppe so zu bemessen, dass dem Gegner das Schlagen von Minengassen verwehrt wird.

3. Feindliche Panzerverwendung.
Der geschlossene Einsatz starker Panzerverbände wurde bisher nur am 27.7.42 beobachtet. Die feindliche Führung ist offenbar noch nicht in der Lage Panzerverbände schnell und wendig zu führen.
Allgemein wird beobachtet, dass der Gegner seine Panzerverbände aufteilt.
Erkennbar ist das Bestreben die Panzer in der Abwehr in weit überflügelnder Linie einzusetzen, um in die Flanke des Angreifers zu gelangen.
Auffallend ist in den letzten Wochen das geringe Auftreten der bekannten Panzertypen Mark IV, V und VI. Zur Führung des Feuergefechtes werden weitgehend die US-Panzer mit 7,5 cm Kanonen eingesetzt.

4. Eigene Panzerverwendung.
Die Grundsätze der Panzerführung haben sich bewährt.

5. Allgemeine Fragen.
Es herrscht Mangel an geeigneten Aufklärungsmitteln.
In den großen Wüstenräumen ist eine unmittelbar meldende Luftaufklärung unerlässlich.
Der Gegner verfügt über weit überlegene Aufklärungsmittel.

6. Änderungen und Verbesserungsvorschläge.
Die Schützen verfügen über keine Panzernahbekämpfungsmittel (Panzerhaftladungen, Brandflaschen).
Die größeren Pak-Kaliber des Gegners und die Schussweiten der US-Panzer bedingen eine größere Zahl an Panzern IV lang.
Ein Mangel ist das Fehlen von Nebelwerfern oder Nebelgranaten.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05