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In Tarent (Italien)

Auf den Schiffen sind schon italienische Einheiten für Afrika. Auf der "Citta di Palermo" sind Teile des italienischen Marine-Rgts "San Marco". Diese werden aber aus nicht bekannten Gründen vor der Abfahrt wieder ausgeladen. Dafür kommen andere italienische Einheiten an Bord. Wir sind in den Laderäumen untergebracht. Zum Schlafen sind übereinandergestellte Eisenbetten vorhanden. Verpflegt werden wir von den italienischen Küchen. Unsere Feldküche mit einigen Fahrzeugen (PKW. und LKW.) sind im Schiff ebenfalls verladen. Geschütze, Zugfahrzeuge und Geräte sind wahrscheinlich noch in Neapel.
Vom 14. bis zum 19. November sind die Schiffe noch in Tarent. Nachts laufen die Schiffe vor den Hafen auf Reede in einen mit Torpedonetzen geschützten Bereich. Dienst kann außer Verpflegung fassen nicht durchgeführt werden. Freizeit und Schlafen heißt die Parole.
16. November:: Bei rauher See Wiedereinlaufen in den Hafen zur Wasser und Proviantergänzung. Die Abteilung geht von Bord zum Ausmarsch in die Stadt. Die Stadt ist sauber. Auf die Bevölkerung machen wir anscheinend einen guten Eindruck, besonders auf die jüngere Generation.
17. November: Fußdienst auf der breiten Hafenmole. Nachmittags Ausmarsch in die Stadt. Etwa 1 Stunde Freigang bis zum Rückmarsch in den Hafen.
18. November; Morgens Fußdienst, nachmittags Ausmarsch ans Meer und Baden. Eine notwendige und erfrischende Abwechslung zur Körperpflege. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte, über ein Auslaufen am nächsten Tag.

Überfahrt nach Bengasi

19. November: Im Laufe des Tages geht es wirklich los. Vor dem Hafen erhalten wir Begleitung von 2 italienische Zerstörern. An der Hafenausfahrt kommen zum Geleit 2 weitere Schiffe.
Hinter uns bleiben drei italienische Schlachtschiffe, die in der Bucht von Tarent beschäftigungslos hinter Torpedonetzen ankern, die bei einem Angriff von Torpedo- und Bombenflugzeugen in der Nacht vom 11. - 12. Nov. 1940 schwerbeschädigt wurden.
Bei gutem Wetter verläuft die Fahrt in Begleitung der beiden Zerstörer und einer deutschen Ju88 als Luftsicherung ruhig. Am 20. November nachmittags Fliegeralarm gegen 15.00 Uhr. Angriff von 3 englischen Bombenflugzeugen. Hinter dem Heck der mit Höchstfahrt laufenden "Citta die Palermo" fallen 3 Bomben ins Meer. Die leichte Flak schießt, doch der Gegner fliegt zu hoch.
Die "Citta di'Tunesia" meldet nach dem Angriff Maschinenschaden. Der Kurs wird in Richtung Kreta geändert. In der Dämmerung verlassen die "Citta di Tunesia" und die "Citta di Napoli" das Geleit und fahren in Richtung Kreta weiter. Der "Geleitzug" dreht wieder auf Richtung Bengasi. Die Nacht ist ruhig. Am 21. November erreichen wir bei sonnigem Wetter gegen Mittag Bengasi. Vor und im Hafen sind Schiffswracks zu sehen. Das Schiff kann nicht am Kai anlegen und ankert in Sichtweite des Hafens. Wir werden von zwei provisorischen Fähren durch Pioniere zum Hafen gebracht. Die Fähren bestehen aus 2 großen Schlauchbooten mit starken Außenbordmotoren, darüber eine Holzplattform und in der Mitte auf einem kleinen Holzturm der Kommandant, Nach Ankunft werden wir mit LKW. zum Badestrand mit Palmen südlich Bengasi transportiert. Die mitgebrachten Zelte werden aufgebaut. Bevor wir fertig sind, ist die Nacht angebrochen. Wir erleben zum erstenmal Afrika bei Nacht. Für uns ist die Nacht über Bengasi ruhig. In der Ferne aus der Stadt Fliegeralarm. Der Tommy macht seine nächtlichen Besuche in der Luft.
In der Stadt sahen wir beim Transport erhebliche Kriegsschäden. Das Leben läuft weiter. Aus der Ferne erleben wir in der kommenden Zeit die nächtlichen Fliegeralarme und Bombenangriffe des Gegners.
(Veteranen Quadflieg-Scherer-Schweyher)
"Citta di Tunesia" und "Citta di Napoli" erreichen nach dem Fliegerangriff im Laufe des nächsten Tages die Suda-Bucht in Kreta. Dort wird die 2. Batterie nach einigen Tagen Liegezeit auf ein kleines italienisches Kriegsschiff umgeladen. Der erneute Versuch das Mittelmeer zu durchfahren gelingt diesmal und nach knapp 2 Tagen Überfahrt legt das Schiff am 22. November 1941 im Hafen von Bengasi an. (Veteran Lambricht)
Die 3. Batterie auf der "Citta di Tunesia" erreicht nach Maschinenreparatur in der Suda-Bucht am 24. November morgens Bengasi und wird ebenfalls wie die anderen Batterien in Zelten am Strandplatz untergebracht.

Die Abteilung ist nun vollzählig in Nordafrika; allerdings ohne Geschütze und Fahrzeuge. Einige Fahrzeuge waren mit dem Transport verladen worden. Diese reichen aber nur für Transport von Lebensmitteln, Wasser usw. (Veteranen Hoffmann - Suszek)

Nordafrika - Libyen Zeltlager in Bengasi am Strand

Die Art.Abtlg verblieb dort bis zum 22. Dezember. Fahrzeuge, Gerät und Geschütze waren noch in Italien, nur ein Teil unserer Ausstattung traf im Frühjahr (März-April 1942) bei der 3. Batterie ein.
Die Abteilung wurde zum Arbeitsdienst und zu Sicherungsaufgaben eingesetzt. Die Infanterie-Bataillione des Regiments waren schon vor uns Ende Oktober in Bengasi eingetroffen und wurden nach kurzem Aufenthalt mit Transportkolonnen an die Front - südöstlich Tobruk - transportiert und am Belhamed - östlich El Adem - eingesetzt. Durch die Transportschwierigkeiten fehlte zum Einsatz die schwere Ausrüstung (Fahrzeuge, InfanterieGeschütze usw.)
Nachmittags hält der Bt1.Kdr. einen Vortrag bei der Div. über die Ausstattung seines Btl. Es fehlt fast die gesamt schwere Ausrüstung (lagert noch in Neapel) und das gesamte Handwerksgerät. Der Zustand der Bekleidung und Ausrüstung ist demzufolge schlecht, fast besorgniserregend. 12. November 1942 (KTB-Div) Am 18. November begann die britische Offensive, die dem für den 23. November von Gen. Rommel geplanten Angriff auf Tobruk zuvorkommt. Die 8. engl. Armee stößt aus der Wüste kommend im Raum Fort Maddalena - in Richtung Tobruk vor mit dem Ziel, die Festung Tobruk - Fortress on Sand - zu entsetzen und die deutsch-italienischen Truppen zu vernichten.
23. November: Angesichts der verlustreichen hin- und herwogenden Kämpfe in Nordafrika wird der Oberbefehlshaber der 8. engl. Armee, General Cunningham, durch General Ritchie abgelöst.
Das Infanterie-Rgt. 361 - noch ohne schwere Waffen und ohne Art.Abtg. 361 - wird bei den schweren Kämpfen bei Sidi Rezegh u. am Belhamed fast aufgerieben, ein größerer Teil gerät in Gefangenschaft, aus der sie sich befreien können und nach einem längeren Rückmarsch wieder zurückmelden.
7. Dezember: General Rommel entschließt sich, den Kampf um Tobruk abzubrechen und die Pz.Gr.-Afrika auf die Gazala-Linie zurückzunehmen, als sich herausstellt, dass das für einen Gegenangriff vorgesehene ital. mot. Korps nicht rechtzeitig eintreffen wird. Gegen den nur stellenweise nachdrückende Gegner vollzieht sich die Absetzbewegung in voller Ordnung unter Zurückführung von 9000 Gefangenen.
Wir hören in Bengasi durch Gerüchte über die Kämpfe Ende November um Tobruk, bei Bardia, Sollum, Halfaya-Paß, Fort Capuzzo, Sidi Rezegh.
Einsätze der I. Artillerie Abteilung 361 1. Batterie
Die 1. Batterie wird am 23. November an der Via Balbia in der Nähe einer deutschen Artillerie Einheit mit 15 cm Geschützen (sFH 18) zur Sicherung eingesetzt. Es wird ein Vorstoß engl. Panzer-Einheiten vermutet.
25. November 1941, 10.00: Uhr: Stellungswechsel mit Lkw- Transport, 17 km Fahrt in die Wüste - 1. Löhnung 170 ital. Lire
26. November 1941: Nochmals Stellungswechsel (2 km). Endgültige Stellung zwischen Dornengesträuch. Nachts Panzeralarm, der aber bald wieder aufgehoben wird.
27. November 1941: Abschluss der Schanzarbeiten. In der Ferne ein ital. Fort und ein Araberdorf. Sonst nur Sand und Geröll. Die Regenzeit beginnt.
28. November 1941: Ein starker Regenguss füllt eine Mulde. Große Wäsche ist seit einigen Tagen wieder möglich. 
30. November 1941: Aufgabe der Stellung und Rückkehr zum Zeltlager am Strand.

Ab Dezember wird die Abteilung - soweit sie nicht zu Sicherungsaufgaben herangezogen wird - als Arbeitskommando im Hafen zum Entladen von einem Transportschiff; Abfüllen von Treibstoff in 20 Liter-Kanister und im Verpflegungslagern eingesetzt.
2. Batterie
Mitte Dezember wird Ltn. Brust, der in Wahn zur Battr. gekommen war, mit einigen Kanonieren und einem Funktrupp zu einer schw. Batterie abkommandiert, die zum Pz.Art.Regt.155 geführt werden soll, das im Verband mit der 21. PzDiv. in schweren Abwehrkämpfen stand. Die Kämpfe fanden in der Wüste zwischen El Mechili und Msus statt. Wir bekamen den ersten Vorgeschmack auf vom Wüstenkrieg. (Veteran Lambricht)
3. Batterie
Etwa Mitte Dezember wurde der Geschützzug mit einigen Nachrichtenleuten und Hauptwachtmeister mit Versorgung zu einer schweren Feldhaubitz-Batterie (Kaliber 15 cm) in Marsch gesetzt. Lt. Müller wird mit der Führung dieser Gruppe beauftragt. Oblt. Hasse, Batteriechef, bleibt mit dem Rest der Batterie im Strandlager zurück. Die Geschütze dieser Artillerie-Einheit waren mit einem Vorkommando (Führung Lt. Wellmann) schon eingetroffen. Die Einheit war noch in Italien; Geschütze und Zugmaschinen standen an der Küstenstraße (Via Balbia). Der Rückzug von der Tobruk- und Sollum-Front war noch im Gange. Die Batterie wurde in die Abwehrkämpfe mit einbezogen. Der Rückmarsch von Adjedabia mitzahlreichen Stellungswechseln zog sich bis zu Jahresende hin.
Ein Teil der Versorgungstruppe mit Hauptwachtmeister Hirtz geriet beim Rückzug in Gefangenschaft. Die Versorgungs-LKW. konnten vorher zerstört werden.
Den Rückzug unserer Truppen konnten wir auf der Küstenstraße täglich durch zurückflutende Fahrzeugkolonnen erkennen. Am 22. Dezember wurden wir auf LKW's verladen, und waren am 23. Dezember 25 km vor Adjedabia. Am 24. Dezember wurden wir wieder auf eine LKW-Kolonne verteilt. Sammeln, Weiterfahrt auf der Küstenstraße und erreichen dort unseren Stützpunkt zwischen Straße und Küste in der Nähe eines kleinen Hafens bei Marsa el Brega. In dem sandigen Dünengelände verteilen wir uns. Weihnachten verbringen wir am Meer im Sand mit dem Bau von Infanterie-Stellungen.
Unser Wasserwagen holt unser Trinkwasser täglich von der etwa 90 km südwestlich liegenden Wasserstelle. Waschen können wir uns am Strand. (Veteran Quadflieg) Uffz. Knein von der 3. Batterie war vor Weihnachten mit einem Motorrad nach Bengasi geschickt worden, um die Post zu holen. Er geriet bei der Rückfahrt in engl. Gefangenschaft und berichtet über seine Erlebnisse.
Ich hatte den Auftrag, die Feldpost im Rommelhafen abzuholen. Es war immerhin eine Strecke von etwa 220 km Wüstenfahrt. Dabei hatte ich etwa 3 ltr. Sprit in einer 500er DKW. Unterwegs musste ich also zusehen, dass ich Sprit bekam. Diesen musste ich "organisieren".
Bei meiner Rückkehr nach 2 Tagen (am 24. Dezember) hatte die Batterie Stellungswechsel vollzogen. In Adjedabia auf der Frontleitstelle erkundigte ich mich nach der Stellung der Batterie. Dort wurde mir gesagt, ich müsste etwa 20 bis 30 km nach der Marschzahl "32" fahren, dort würde ich vielleicht auf die Batterie stoßen. Nach einer Fahrt von 3-5 km erwischte mich ein englischer Panzerspähtrupp. Meine Batterie war vom Gegner eingeschlossen. Meine DKW erhielt einen Schuss durch den Benzintank und so war ein Entkommen aussichtslos. Ich wurde verhältnismäßig gut behandelt. Uhr, Fotos etc. wurden mir abgenommen. Als Gefangener ging die Fahrt durch die Wüste bis zum 1. Lager Tobruk. Während der zweitägigen Fahr erhielt ich genügend Corned-Beef und Schokolade als Verpflegung.
Im Jahre 1949 hatte ich die Gelegenheit, 3 Wochen in East-Sussex (England) Jugendpflege und Jugendrecht kennen zu lernen. Dabei konnte ich eine Berufsschule besuchen. Als mir der Leiter einer Schule vorgestellt wurde, meinte ich, diesen Mann schon irgendwann im Leben gesehen zu haben. Er fiel mir durch seine Zahnlücke auf. Ich fragte ihn, ob er als Soldat in Afrika gewesen wäre. Dies bestätigte er mir. Nach längerem Gespräch stellte sich heraus, dass er der Spähtruppfiihrer war, der mich am Heiligen Abend 1941 - Marschzahl 32- bei Adjedabia gefangen genommen hatte.

Unterstellung und Verwendung der Artillerie- Abteilung

Divisionsbefehl vom 24. Dezember 1941 (Auszug):

Afrika-Rgt. 361 baut die El Agheila-Stellung und hält Marsa el Brega, Marada und Arco wie bisher mit Teilen besetzt. Abtlg. Kaul (Ari.Abtlg. 3G1) heranziehen. 
Tagesmeldung 27. Dezember 1941:
Tunis-Geschütze (schwere Geschütze) wurden von Major Schade übernommen. - Ausstattung von Ari.Abtlg. 361 mit diesen Geschützen nicht durchführbar.
Div.Befehl (Auszug) vom 8. Januar 1942:
Art. Abtlg. 361 tritt in jeder Hinsicht unter Befehl des Rgt. 361 und verbleibt im bisherigen Raum. Die ersten zwei Wochen im neuen Jahr 1942 waren verhältnismäßig ruhig.
Tagsüber Schanzarbeiben zum Schutz der Zelte und Arbeitseinsatz.
Am 2. Januar um 4.30 Uhr Wecken, anschließend Abmarsch zum Strand zum Entladen einer Motorfähre. Die Fähre hatte Motoren geladen und bei der Fahrt unter der Küste bei stürmischer See ein Leck erhalten. Sie wurde auf den Strand gesetzt zum Entladen.
Bis zum 10. Januar 1943 gab es bei den Batterien den üblichen Arbeitsdienst und Wache. Bei Ras el Ali war eine kleine Betonmole von den Italienern erbaut. Nach dem 10. Januar trafen verschiedene Küstenschiffe ein, die Nachschub brachten und von uns entladen wurden. Die Verpflegung war eintönig, deswegen war das Entladen von Küstenschiffen mit Verpflegung begehrt, um die Verpflegung etwas "aufzubessern". Aufsicht führte der Hafenkommandant. Der Batterie-Chef der 1. Batterie, Oblt. Rave, lenkte den Hafen-Kommandanten etwas von seiner Tätigkeit als Aufsichtsführenden ab, dieser war aber mit den Vorgängen der "Beschaffung" vertraut und meinte zum Batterie-Chef: "Ihre Leute arbeiten wie die Pferde und stehlen wie die Raben." Nicht immer war es Verpflegung, meist Treibstoff, Munition und andere Nachschubteile. (Veteran Scherer)

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER