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Vor der Offensive Ende Mai

Die Batterien sind nach dem 20. Mai voll aufmunitioniert und aufgetankt. Wasser zum Waschen gibt es gelegentlich in "geringen" Mengen. Für die Versorgung in der Offensive gilt "Waschverbot", d. h. Wasser zum Waschen gibt es nicht. Von der Armee-Führung wird in der "Anordnung für Versorgungstruppen Nr. 8" vom 24. Mai 1942 für die Wasserversorgung folgende Menge pro Tag festgelegt:
pro Kopf 3 Liter (Verpflegung), Räderfahrzeug 4 Liter (Kühlwasser), Kettenfahrzeug 8 Liter (Kühlwasser). Das Waschverbot kann am 21. Juni "unterbrochen" werden. Bei der Aufstellung an der Via Baldia am 21. Juni gibt es die Möglichkeit, in der Bucht von Bardia zu baden, nach 4 Wochen Waschverbot.
Die Zuweisung von 3 Liter Wasser (Verpflegung) blieb bis Mai 1943 bestehen, im Sommer 1942 gab es auch manchmal weniger.
Ab 10. Mai wurden die deutschen Verbände, die motorisiert waren, nach und nach in den Raum an der Piste Segnali-Nord und -Süd verlegt, nordwestlich Bir Tengeder. Die Infanterie-Regimenter der Division waren noch nicht vollständig motorisiert. Die nichtmotorisierten Teile wurden in den Norden verlegt (15. Schützenbrigade). Die Aufstellung der motorisierten Teile der Division hatten den südlichsten Raum bei Segnali-Süd in Richtung Bir Tengeder erreicht. In nördlicher Richtung schlossen sich die 15. PD u. 21. PD an (DAK). In dem Raum bis zur Via Balbia waren die 6 italienischen Divisionen von Süd nach Nord gestaffelt. An der Via Balbia waren die nicht motorisierten Teile der 15. Schützenbrigade in Stellung. JR 200 und JR 361. IR. 155 (jetzt Schützen-Rgt.) war mit Fahrzeugen von Rgt.200 u. 361 voll motorisiert worden.
Die 1. Batterie wurde am 9./10. Mai durch eine italienische Batterie abgelöst und musste zurück in die Troß- u. Protzenstellung. Die Infanterie - Teile IR 155 - waren schon einige Tage vorher durch italienische Einheiten abgelöst worden. In den nächsten Tagen trafen nach und nach neue Fahrzeuge ein (3 Zugmaschinen, 8 Beute-Lkws. 1 Kfz-15 und 2 VW-Kübelwagen), außerdem - zur allgemeinen Überraschung - 2 russische Beutegeschütze mit Munition. Die Geschütze werden für eine Feuerbereitschaft aufgestellt. In der Nähe fahren Kettenfahrzeuge und Versorgungsfahrzeuge Richtung Süden. Gerüchte über einen zu erwartenden Angriff des Gegners machen die Runde.
Zum Waschen gibt es alle 3 Tage pro Kopf einen 1/4 Liter Wasser.
Am 9. Mai wird für die ganze Art.Abteilung die ital. Verdienstmedaille verteilt für 4-monatigen Aufenthalt in Libyen.
Am 12. Mai Luftangriff der Engländer auf eine Wasserstelle und einen Feldflugplatz der Italiener in unserer Sichtnähe. Der Schaden ist anscheinend gering.
Am 24. Mai Befehl zum Abmarsch nach Süden in die Wüste. Wm.. Wieler u. der Verfasser wurden einige Tage vorher mit einem VW-Kübelwagen losgeschickt, um die Fahrpiste abzufahren.
Die Batterie erreichte am 24. Mai abends ihren vorläufigen Bereitstellungsraum. Die engl. Luftwaffe war tagsüber aktiv. Am Abend in der Nähe Angriffe feindliche Jagdflugzeuge.
Am 26. Mai morgens Weiterfahrt in den Bereitstellungsraum. Die 1. Batt. gehört zur Kampfgruppe Marcks (Kdr. IR 155). Unsere 1. Batterie ist mit 4 engl. Beutegeschützen und zwei russischen Beutegeschützen ausgerüstet. Versorgung für 10 Tage mit 750 Granaten, für das Fla-Geschütz 2500 Schuss, Wasser, Treibstoff u. Holz für die Feldküche. Persönliche Ausrüstung "Sturmgepäck". Rucksack und Wäschebeutel verbleiben beim Troß. (Veteran Schweyher)

Offensive an der Ain el Gazala-Bir Hacheim-Front

25. Mai
Abends Luftangriff auf einen Feldflugplatz in unserer Nähe. Ein Teil der Bomben explodiert in unserer Nähe ohne allerdings Schaden anzurichten. 
26. Mai
Morgens um 9.00 Uhr Weiterfahrt in den Bereitstellungsraum. Am Nachmittag wird der Tagesbefehl des O.B. Gen. Rommel verlesen. Um 21.00 planmäßiges Antreten zum Vormarsch im Flächenmarsch. Es wird ohne Beleuchtung gefahren. Der Flächenmarsch erfolgt in einer Breite von ca. 10 km unserer Division am rechten Flügel. Links (nach Norden) seitlich gestaffelt die 15. u. 21. PzDiv, und die ital. PzDiv. Ariete. Nach Norden sind fünf italienische Divisionen nebeneinander aufgestellt. Das XX. ital. Panzer-Korps, Ariete und Trieste, die im linken Flügel eingesetzt sind und die Aufgabe haben, mit unseren Einheiten südlich Bir Hacheim zu umfahren und dann nach Norden auf El Adern vorzustoßen. Das XXI. ital. Korps - Infanterie-Divisionen geht in Richtung Osten auf die Stützpunkt-Linie des Gegners vor zur Ablenkung des Vorstoßes der motorisierten Teile im Süden.
Im Bereich der Via Balbia steht die 15. Schützenbrigade aus den unbeweglichen, d. h. nicht motorisierten Teilen der Inf.Rgt. 200 und 361 der 90. leichten Division.
Die 90. leichte Division soll am 26. Mai morgens El Adern-Flugplatz und "Knotenpunkt" der Nord-Südpiste von Bir el Gobi nach Tobruk und der Ost-West-Piste - Trigh Capuzzo - von Mechili nach Fort Capuzzo und der "Achsen-Straße" - Umgehungsstraße südlich Tobruk (1941 von ital. Bautruppen gebaut) besetzen. Die 1. Batterie fährt in der 3. Welle in der Kampfgruppe Briel (Kdr. Fla-Batl. 606)
Die Batterie fährt mit 3 engl. und 2 russische Beutegeschützen. Das 4. engl. Geschütz verbleibt in der Protzenstellung. Der Nachtmarsch verläuft in unserem Bereich ohne besondere Vorkommnisse. Die Feldküche fährt hinter den Geschützen. Tagsüber teilweise starker Wind mit Sandstürmen. Tagestemperaturen waren über 30° C.
27. Mai frühmorgens Einschwenken der Division in Richtung EI Adern. Die Bewegungen der Panzerarmee in der Nacht vom 26./27.5. verliefen planmäßig. Die feindlichen Sicherungs- und Aufklärungskräfte wichen fluchtartig zurück. Mit Tagesanbruch wurde der Raum südlich Bir Hacheim erreicht. Die dort befindlichen Minenfelder wurden ohne wesentliche Verluste überwunden. Feind - in der Hauptsache 7. mot. Brigade und 3. ind. mot. Brigade - wurde überall geworfen und hatte schwere Verluste. 90.Ie.Div. und die Aufkl.-Abtlgn. 3 und 580 am rechten Flügel der Armee gewannen gegenüber der 7. mot. Brig. rasch an Boden und hatten bereits um 9.00 Uhr den Raum 12 km südlich El Adem erreicht. Bereits auf dem Wege dorthin stießen sie auf zahlreiche Versorgungslager des britischen XXX.A.K.. das hier seine Versorgungsbasis hatte. Erst gegen Mittag kam die Div. bei El Adem in Gefechtsberührung mit feindlichen Panzern. Während die Gruppe Marcks 5 km westlich Adem von starken Feindkräften angegriffen und eingeschlossen wurde, gelang es anderen Kampfgruppen der Div. sehr starken feindlichen Kolonnen ostwärts El Adem den Weg nach Osten zu sperren und sie nach Westen zurückzuwerfen. Die Aufklärungs-Abteilungen 3 und 580 sperrten die Achsenstraße bei El Duda. Die Division hatte bei ihrem raschen Vorstoß nach El Adem über 600 Gefangene und erhebliche Beute an Fahrzeugen und Versorgungsgütern gemacht. El Adem wird entgegen dem Plan "Venezia" nicht um 8.30, sondern erst gegen 11.30 erreicht. Ca. 15 km südöstlich EI Adem auf dem südlichen Dschebelrand. 

Stab Art.Abtlg. 361

Um 6.00 biegen wir in ein Minenfeld in Richtung Tobruk ein. Die erste Linie der Engländer wird vom Angriff überrascht. Wir erbeuten Lkws. Ein Angriff von einigen Panzern wird abgewiesen und 3 Panzer abgeschossen. Hptm. Kaul nimmt die Besatzung eines Flakgeschützes gefangen und stößt zu den Trossen. Die bei uns fahrende 10 cm Batterie geht in Stellung und beschießt feindliche Widerstandsnester. Hptm. Kaul fährt mit uns vor und stößt auf Infanterie mit Pak. und wehrt einige engl. Spähwagen ab. Der AbteilungsKdr. will die unterstellte 10 cm Kanonenbatterie holen, findet sie jedoch nicht mehr. Wir fahren wegen starkem Artillerie-Feuer zurück. Wieder Vorstoß auf eine erkannte gegnerische Batterie, müssen aber 2x durch starken Beschuss abdrehen. Beim 3.ma1 finden wir die 10 cm Kanonen Batterie. Wir fahren zur Division auf der Höhe beim Trigh Capuzzo. Dort stehen 300 verlassene Fahrzeuge. In der Ferne sieht man den Flugplatz von Tobruk: El Adem. Die Abtlg. machte heute eine größere Anzahl Gefangene, darunter viele Dunkelhäutige, anscheinend indische Einheiten. Abends einigeln bei einem einzelstehenden Haus in der Wüste. (Veteran Kromer)

1. Batterie

Die Gruppe, zu der die 1. Batterie gehört. stößt auf eine lagernde gegnerische Einheit. Die Truppe ist völlig überrascht. Wir erbeuten die ersten Fahrzeuge (km-Stand durchwegs 200 - 300 Meilen). Es ist anscheinend eine Versorgungseinheit, da außer Gewehren andere Waffen nicht vorhanden sind. Auch ein Wasserwagen wird freudig erbeutet. Die Bedienung des Fla-Geschützes hat einen passenden Lkw gefunden, das Geschütz wird auf der Plattform aufgebaut und hat damit eine Selbstfahrlafette und ist schnell einsatzbereit. Bei der Weiterfahrt wird ein bereits genommener engl. Stützpunkt erreicht. Die gefangenen Gegner sind frisch gewaschen, rasiert und gut aussehend. Unser Fahrzeugbestand hat sich verbessert und Benzin wird auch gefunden und damit unsere Treibstoffvorräte ergänzt. Die Gefangenen werden auf Lkws verladen und fahren mit, bis sie an nachfolgende Einheiten übergeben werden. Wir erhalten Beschuss, gehen in Stellung, nach einigen Schüssen aufprotzen zur Weiterfahrt. Angriffe engl. Jagdflieger werden von unserem Fla-Geschütz abgewehrt. Es geht weiter Richtung El Adem, das heute Angriffs- und Tagesziel wird. Vor einem Wadi erhalten wir Beschuss von englischen Batterien. Die Einschläge liegen mitten in unserer Batterie, aber wir haben Glück, bei uns keine Ausfälle, aber bei Nachbar-Einheiten. Wir gehen in Stellung und schießen im direkten Beschuss auf die englische Batterie-Stellung. (Veteranen Quadflieg/Schweyher) Der Engländer ist, wie auch Gefangene aussagen, durch unser Erscheinen, dass er nicht erwartet hatte, derart überrascht, dass er erst in den Nachmittagsstunden zu einem ernsthaften Widerstand gegen den von allen Seiten auf ihn eindringenden Feind fähig ist. Um die Mittagszeit verstärkt sich nach der ersten Überraschung über die deutsche Offensive der Widerstand beim Gegner.
Die Kampfgruppe Marcks, die den Auftrag bekommen hat, El Adem zu nehmen, kann den Auftrag nicht durchführen, sondern wird ihrerseits von engl. Panzern hart bedrängt (Funkspruch 5 v. 27.5., 14.50 Uhr). Sie bleibt etwa 3 km südwestlich El Adem liegen.
17.20 Uhr. Ebenso ergeht es auch der Gruppe Menton (SV 288) bei dem Versuch der Division, nochmals das Tagesziel zu erreichen. Sie bleibt 6 km süd-südwestlich El Adem mit ihrem Angriff liegen. Auch der Versuch einer neuen Kampfgruppe, bestehend aus I/IR.155, FIa.Btl. 606, 2./Pi.900, zwei Battr.Aril.Abt.361 schlägt fehl. Der Angriff wird abgeschlagen.
Der Div.-Kdr. entscheidet sich daher, in der Nacht zum 27./28.5. die Division zu sammeln und zwar in einem Igel, der im Raum etwa 4 km südlich El Adem liegt. Beim Marsch am Abend in den Versammlungsraum der Division wird während der Fahrt bei der 1. Batt. Gefr. Küthe durch einen großen Granatsplitter tödlich getroffen. Die Batterie hat den ersten Gefallenen. Es wird auf einer Bahre auf ein Fahrzeug verladen.
Die Batterie sammelt sich in der Nähe einer Araber-Ansiedlung. Auftanken, Essen fassen. Die Stimmung ist gedrückt. Der Batterie-Chef Olt. Rave hält bei dem Begräbnis in der Wüste von Gefr. Küthe eine kurze Ansprache.
Wir sind übermüdet. Der Nachthimmel ist dunkel, der Mond nicht sichtbar.
Um 0.00 Bereitstellung zum Nachtmarsch in offener Formation (Flächenmarsch). Spitze fährt der Chefwagen mit Funker, dahinter die Geschütze in Abständen nebeneinander, dahinter Küche, Muni-Fahrzeuge usw. und als "Schlusslicht" das Fla-Geschütz auf Selbstfahrlafette. Bei diese Marschformation wird so mit Abstand gefahren, dass die Beifahrer der Fahrzeuge die Nachbarfahrzeuge beobachten können. Während der Fahrt bin ich eingeschlafen, mein Fahrer ist ebenfalls durch Übermüdung. Irgendwie schrecken wir durch Geräusche auf.
Vor uns in der Ferne sehen wir im Dunkel vereinzelt rote Schlusslichter. Von irgendwo hören wir durch Zuruf "Fahrtrichtung Marschzahl 10, höchstes Tempo ". Der Gegner drückt nach.
Wir versuchen im Eiltempo Anschluss zu bekommen. Als Beifahrer stehe ich mit Kompass auf dem Trittbrett und gebe nach Kompass die Fahrtrichtung an. Der Boden wird steiniger. Das Fahren - ohne Licht - erfordert Konzentration. Unser Küchenwagen (1. Batt.) taucht hinter uns auf. Während der Fahrt auf dem Trittbrett mit Kompass höre ich Stimmen. Wir finden Versprengte vom Stab, ein Fahrer und zwei Verwundete. Einer der Versprengten hat einen besseren Kompass. Während der Fahrt schließen 2 Fahrzeuge der 2. Batt. auf. Nach einer länger erscheinenden Fahrt in der Dunkelheit stoßen wir noch in der Nacht auf unsere Kampfgruppe. (Veteran Schweyher) Über den Einsatz der 2. Batterie und Stab u. Stabsbatterie liegt nichts vor. Beide Batterien waren in der Division mit eingesetzt.

Die 3. Batterie ist der Kampfgruppe SV 288 zugeteilt. Etwa gegen 10.00 Uhr stößt diese auf einen engl. Stützpunkt am Ende eines Minenfeldes, an dem wir entlanggefahren waren. Einsatz der Batterie mit 3 Geschützen in direktem Schuss auf die dort stehenden Panzer und andere Fahrzeuge sowie Zelte und Stellungen. Als mittleres und am weitesten vorn stehenden Geschütz habe ich mehrere Panzer abgeschossen und Zelte getroffen. Etwa 200 Gefangene wurden gemacht. Mein Geschütz bekam einen Treffer von einem Vollgeschosses eines engl. Panzers, wobei Kam. Wyzilla ein Arm abgeschossen wurde, Kam. Siemes Splitter in der Brust, Uffz. Heider (mein Geschützführer) verwundet. Den engl. Panzer habe ich dann abgeschossen mit dem 2. Schuss. Ich hatte als einziger im Rundblickfernrohr gesehen woher der Schuss herkam. (Veteran Hoffmann)
28. Mai
Befehl von der Division: "Sammeln" bei Bir Bu Maaps.
Die einzelnen Einheiten bekommen den Befehl zum sammeln, können aber infolge Feindeinwirkens diesen nicht durchführen, so dass am 28.5., 5.00 Uhr der Div.-Stab und die Kampfgruppe Loeven (bestehend aus: II/le.I.R.155 (ohne eine Kp.) zwei Battr. (dabei 10 cm Bttr.und Artl.Abt.361), 2 Kpn. Fla.Btl.606 bei Bir Bu Maaps eintrifft, wo die Div. nach einem abermaligem Versuch, die beiden anderen Kampfgruppen Marcks und Menton) zu sammeln, allein Richtung Pistenkreuz Trigh Capuzzo - Trigh Bir Hacheim antritt und die anderen beiden Kampfgruppen durch Funk dirigiert, 7.00 Uhr trifft Kampftruppe Loeven auf starken Panzerverband. etwa 80 und Panzer- und Panzerspähwagen. Die Überraschung sind die neuen Panzer aus USA "Pilot" (äußerst wendig) und '"General Grant" (stark gepanzert) und mit sehr starker Feuerkraft (eine 7,6 cm, eine 4 cm Kanone und ein M.G.). Die Div. igelt sich sofort ein. da Gegner versucht. von Südost und Süden mit neu eingetroffenen Panzern aus Richtung E1 Adem von Osten her die Div. einzuschließen und aufzureiben.
Es kommt beinahe zu einer Krise, als 10 bis 15 dieser Panzer mit großer Schnelligkeit, rasch feuernd versuchen, einen Einbruch in die eigene vordere. Linie zu erreichen. Mit Heranziehung von Reserven gelingt es, den Feind zurückzuwerfen. Die Munition, Betriebsstoff- und Versorgungslage ist kritisch, so dass der Entschluß gefasst werden muss, nach Westen an die eigenen Truppen (it.XX.A.K.) Anschluss zu gewinnen, um die Bestände aufzufrischen. Div.-Kdr. fasst daher den Entschluß, an der schwächsten feindlichen Stelle bis an den Trigh el Abd in der Nacht durchzustossen und entlang de, Trigh cl Abd Anschluss an die eigene Truppe bei Bir Harmat zu gewinnen. Es wird in drei Marschgruppen abmarschiert. (Marcks und Div.Stab, Loeven, Menton) Beginn 22.00 Uhr bei Gef.Std. Marcks. Durchführung des Befehls erfolgt planmäßig.
28.Mai. Um 00.00 geht es weiter. Die 2. Batterie fehlt. Wir schießen Leuchtzeichen, werden jedoch nicht gesehen. Nach kurzer Rast starten wir um 05.00 zum Aufgriff auf El Adem. Stoßen auf starken Widerstand. Schweres Artl.Feuer. Panzer sind gemeldet. Stukaangriff. Engl. Flugzeuge werfen mehrfach Bomben und machen Tiefangriffe. Unser Tross stößt zu uns. Wir bekommen wieder Verpflegung. Uffz. Lüllsdorf wird vermisst. Funkmeister Kussmami hat einen engl. Funkwagen mit Unterlagen erbeutet und wir haben mit vielen Beute-Fahrzeugen unseren Fahrzeugbestand verbessert. (Veteran Kromer) Die 1. Batterie steht gegen 9.00 irgendwo in Feuerstellung im Raum südlich/westlich El Adem. Beschuss von gegnerischer Artillerie.
Links von uns im leichtabfallenden Gelände eine 10 cm Kanonenbatterie (Olt. Heidemann). Links von unserer Feuerstellung im offenen Gelände ein "Möbelwagen". Russengeschütz 7,62 cm (Kanone) auf einer schweren Zugmaschinen aufgebaut. Stabswachtmeister Müller und Gefr. Kettenring werden verwundet. Hinter uns erhält ein Munitions-Fahrzeug Volltreffer.
Während wir noch beim Stellungsbau sind erfolgt ein Auflklärungs-Angriff von 2 Mark IV "Archibald". Die beiden Panzer fahren mit hoher Geschwindigkeit frontal auf unsere Batteriestellung. Der erste Panzer wird von einer seitlich vor unser Batterie stehenden Pak abgeschossen. Der 2. Panzer fährt durch die Stellung u. die hinter der Batterie im Gelände verteilten Lkw ohne Schaden anzurichten und dreht zur Rückfahrt. Es gelingt unserem Russengeschütz zwei Schuss abzufeuern, aber ohne Treffer. Dieser Panzer wird auf der Rückfahrt ebenfalls von einem Pak-Geschütz abgeschossen.
Nachmittags Tiefflieger-Angriffe. Durch das Abwehr-Feuer unseres leichten Fla-Geschützes drehen die einzel fliegenden Jäger ab.
28.Mai (abends): Wir sind müde, die Hitze und der fehlende Schlaf wirken sich aus. Wasser zum Waschen gibt es nicht. Der Bohnenkaffee schmeckt salzig. Abends Stellungswechsel mit Nachtmarsch in den Sammelraum. Nachts sind wie wieder "irgendwo" in der Wüste und sind froh, etwas schlafen zu können. (Veteranen Quadflieg/Schweyher) Die 3. Batterie schoss 2 Panzer ab. Um 20.30 brechen wir auf. Kanonen-Batterie 2/408 fehlt. Wir schießen deshalb immer wieder Leuchtkugeln. Eine eigene Ju 88 wirft Bomben auf uns, da niemand Leuchtzeichen schießt. Zum Glück keine Verluste. Die 10 cm-Batterie findet sich auch wieder. Rast bis zum Morgen. (Veteran Kromer) 29. Mai: Morgens ist die Div. im Raum Bir Harmat versammelt. Der Gegner greift mit Panzern von Norden her an. Nachmittags erhöhte Alarmbereitschaft wegen eines erwarteten Feindangriffes. Gegen 18.00 starkes Artillerie-Feuer mit Vorstoß von etwa 120 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Der Gegner kann einen Geländegewinn erzielen. - Abends Befehl vom OB an Division: Stützpunkt räumen und neuen Stützpunkt 6 km ostwärts Div. Ariete einzurichten. In den Minenriegel am Trigh Capuzzo bis
südlich Bir Hacheim muss eine Minengasse geräumt werden. Da der Gegner den Durchmarsch erkennt, erfolgt Störungsfeuer. Ausweichende Fahrzeuge geraten auf Minen.
In den ersten beiden Tagen hat die Art.Abtlg. bereits vier Gefallene: Ltn. Banz (Stab) und die Kameraden Küthe (1. Batt.), Nörenberg (2. Batt.) und Siemes, der nach Verwundung im Lazarett in Neapel gestorben ist.
Artillerie-Abteilung (Stab) mit Funkzug
In der Ferne erkennen wir Fahrzeuge und halten darauf zu. Es ist die Division. Die Batterien gehen in Stellung. Gen. Rommel kommt. Viele Tieffliegerangriffe. Am Abend schweres Art.-Duell aller Kaliber. Engl. Panzerangriff wird erwartet, erfolgt jedoch nicht. Mein Funkwagen fährt am Abend mit Hptm. Kaul zum Befehlsempfang zur Division. (Veteran Kromer)
Bei der 1. Batterie gegen 11.00 Tiefflieger- und Bombenangriffe. Keine Verluste. Nachmittags in einer neuen Feuerstellung bei aufkommendem Sandsturm erneut Tieffliegerangriffe. Der Lkw vom Fla-Geschütz erhält einen Treffer in einen Benzintank, bleibt aber einsatzfähig. (Veteran Quadflieg)
30.5.: Um 01.00 fährt die ganze Division durch ein Minenfeld. Die Pioniere haben eine Gasse im Minenfeld geräumt. Als wir glauben, hindurchgefahren zu sein, hören wir Abschüsse. Mir kommt dies komisch vor, weil man kein Mündungsfeuer sieht. Hauptm. Kaul lässt nach links auseinanderziehen. Wir stehen, ohne dass wir es wissen, mitten im Minenfeld. Olt. Rave steigt aus, löst eine Mine aus. Uffz. Jungk (1. Batt.) durch die Minen-Explosion verwundet. (Veteran Schweyher)
Überall gehen Minen hoch. Ich zähle am anderen Morgen 40 Fahrzeuge, die ausfielen. Da wir abseits stehen, werden wir von Pionieren einzeln herausgeholt, nachdem wir 3 Stunden im Minenfeld waren. Gegen Mittag fahren wir wieder durch ein Minenfeld und kommen zur Division Ariete. Dort wird der Gefechtsstand aufgeschlagen. (Veteran Kromer)
1. Batt.: Gegen Mittag Stellung in einem Wadi. Gen. Rommel erscheint überraschend und verfolgt in unserer Nähe das Einschießen. Nachmittags wieder Tiefflieger-Angriffe. Es werden Angriffe von einem von Nordosten anrückenden gegnerischen Panzerverband erwartet. Rechts von uns steht 8,8-Flak. Ab und zu Artillerie-Beschuss. Die Nacht ist ruhig und wir sind froh, wieder einmal schlafen zu können.
31.Mai: Abteilung mit Funkzug
Tiefflieger-Angriffe. Eigene Stukas greifen mehrfach an. 2. engl. Flugzeuge werden abgeschossen. In der Nacht Alarm, feindl. Panzer werden gemeldet. Wir graben uns ein. Der Tross geht zurück. Die Panzer kommen nicht durch. Gen. Rommel war in unserer Nähe. Er sagt: "Wir haben dem Tommy auf den Kopf geschlagen. Nun müssen wir zupacken." und hat eine gute Stimmung.
1. Batterie: Befehl Fahrzeuge einzugraben. Gegen Mittag Bereitstellung zum Angriff. Mit uns fährt eine Batt. 8,8 Flak-Geschütze. Angriffsziel ist uns nicht eindeutig bekannt. Abends rückwärts in Nachtstellung. Später erfahren wir, dass die "Box" der 150. engl. Brigade bei Got el Ualab und Sidi Mufta am nächsten Tag angegriffen wird. (Veteran Schweyher)

1. Juni
Bei dem Angriff 1. Juni auf den Stützpunkt der 150. engl. Brigade bei Got el Ualeb lautet der Befehl: Vorfahren und direkter Beschuss auf erkannte Stellungen.
5.00 Angriffsbeginn. Wir sind mit Hptm. Kaul auf der B-Stelle und schießen mit 1. Batterie und der unterstellten 10 cm Kanonen-Batterie (2. Art.Abtlg 408). Starker Beschuss von der Gegenseite, Granaten der engl.. Artillerie, Flak, Vollgeschosse von Panzern und MG-Beschuss.
Wir liegen auf Felsboden ohne Deckung. Als ich einen Funkspruch an den Wagen bringe, komme ich nur auf Händen und Füßen vorwärts. Wir liegen mit 4 Mann hinter einem Kettenkrad.
Plötzlich ein Riesenkrach. Eine Granate war in das Krad eingeschlagen. Zum Glück ein Blindgänger, ohne zu krepieren. (Veteran Kromer) In einer Feuerpause buddle ich mit den Händen ein kleines Loch. Wtm. Pöhnl ist neben mir. Hauptm. Kaul kommt. "Herr Hauptmann, ich bin hier", rufe ich ihm zu. Kaum ist er da, als 5 Meter hinter uns eine Grante einschlägt. Hauptm. Kaul hat 3 Splitter über dem Auge. Uffz. Mädele bringt ihn in ein vorgeschobenes Feldlazarett.
Wir holen bei der Division unsere Panzerjäger mit Selbstfahrlafetten. Durch ein Minenfeld stoßen wir in die stark befestigten Stellungen der Engländer und erhalten wieder starken Beschuss.
Am Nachmittag versuchen wir, Hptm. Kaul im vorgeschobenen Feldlazarett zu besuchen, finden ihn aber nicht und fahren zum Gefechtsstand zurück.
Am Abend ist er wieder da. Wir erkundigen uns nach seinem Befinden. "Gut, immer gut", meint er. Morgen soll er ins Lazarett. Er wurde nach Versorgung wieder weggeschickt. (Veteran Kromer) 
1. Batterie
Angriff auf die Stellung der 150. engl. Brigade bic Got el Ualeb. Unsere Stellung ist auf einer flachen Anhöhe. Am Horizont sind vom Gegner einzelne Personen (anscheinend Beobachter) zu erkennen.
Rechts von uns 8,8 Flak mit Zugmaschine. Weiter 2 cm Flak von Fla-Batt. 606 und engl. Beutegeschütze (Pak 4 cm). Links von uns ca. 1 km die Kanonenbatterie der Art.Abtlg. 408.
Das Feuer der englischen Batterien ist heftig und liegt gut. Die Zugmaschine der 8,8 Flak erhält Treffer. Einige Fla-Leute werden verwundet. Ein Muni-Fahrzeug explodiert. An unserem 3. Geschütz wird Uffz. Spichal und 2 Mann verwundet. Das Geschütz ist aber noch verwendungsfähig. Ziemliches Durcheinander bei uns. Von unserer Seite ebenfalls lebhaftes Feuer. Der Boden ist felsig, Eingraben ist nicht möglich. In der näheren Umgebung stehen kleine Steinhaufen ca. 50 cm hoch, anscheinend Entfernungs- und Seitenmarkierungen. Nachdem diese auch umgeworfen sind, wird das Artilleriefeuer schwächer und hört schließlich ganz auf. Unsere Munition ist fast verschossen. (Veteran Schweyher) Die Box der 150. engl. Brigade wird am Nachmittag des 1. Juni durch einen -Angriff des IL/Sch.Rgt.104 mit geringen Verlusten eingenommen. Über 10000 Mann geraten in Gefangenschaft.
Dieser Stützpunkt - der von der deutschen Aufklärung vor der Offensive nicht erkannt worden war - lag zwischen dem Trigh Capuzzo, der von El Mechili über Bir Mteifel, Knightsbrige, El Adem bis Fort Capuzzo führt und dem Trigh el Abd von Bir Mteifel nach der Bir el Gobi. Diese "Box" beherrschte die Pisten, die für den Nachschub unserer deutschen und italienischen Einheiten entscheidend waren. Das DAK (15. u. 21. PD) u. Teile des XX. ital. Korps liegen östlich dieses Stützpunktes vom Gegner eingeschlossen im "Wurstkessel", im Raum nördlich Bir Harmat und westlich vom Trigh Bir Hachein nach Acroma. Nach dem Einbruch bei Got el Ualab durch die gegnerische Stellungslinie Am el Gazala - Bir Hacheim könnten die eingeschlossenen deutschen und italienischen Verbände wieder mit Nachschub versorgt werden.
Der "Wurstkessel" (im engl. Chauldron) ist wieder offen. Die Pz.-Armee ordnet die Verbände und greift in den folgenden Tagen, im Rücken die gegnerischen Stellungslinie mit Minenfeldern, den Gegner wieder an.
Das Konzept der 8. Armee, die deutsch-italienischen Verbände hinter der befestigten Frontlinie in Minenfeldern einzuschließen und durch Unterbindung des Nachschubs "auszutrocknen", hatte keinen Erfolg. 
1. Juni: 20.00 Uhr Befehl Panzer-Armee O.B.: 2.6.. 5,00 Uhr Antreten Richtung Bir Hacheim, wo sich eine Feindgruppe von 3000 - 4000 Mann gemischter Truppen (hauptsächlich "freie Franzosen") befinden. 21.00 Uhr Kommandeurbesprechung, Bildung von zwei Kampfgruppen, Führer Oberst Marcks (SR155) und Oberst Menton (SV288) und einer Vorausabteilung, bestehend aus verstärkter A.A.33. Beim Nachtmarsch treten Schwierigkeiten durch bisher unbekannte Minenfelder auf. Außerdem Sandstürme. Die Division entschließt sich, durch alle geräumten Minengassen vom 29. Mai zu marschieren.
Am 2. Juni ist die Div. im Versammlungsraum vor dem ersten Minengürtel. Im weiteren Vormarsch auf Bir Hacheim wird eine zweite, bisher unbekannte Minensperre erkannt. Es werden 2 Marschgruppen gebildet. Gruppe Nord, Führer Div. Kdr, Gruppe Süd Führer Oberst Marcks. Marschrichtung Westen zum Anschluss an Div. Trieste.
Der Abtlg.-Stab fährt um 4.30 durch ein Minenfeld. Nachdem Hptm. Kaul ausgefallen ist, unterstehen wir Major Böckmann. Nach dem Trigh el Abd geht es wieder durch ein Minenfeld. Gen. Rommel kommt mit zwei Achtradspähwagen seiner Kampfstaffel vorbei.
Die Division wird im Südosten und Süden von Bir Hacheim aufgestellt und sperrt damit gleichzeitig die Wüstenfestung nach-Süden. Die Div. Trieste fährt gegen Mittag im Norden einen mit Panzer unterstützen Angriff, der durch Sandtreiben behindert wird. Der Angriff wird von der Besatzung Bir Hacheim abgewehrt.
Eine Aufforderung durch Parlamentäre zur Übergabe wird vom Kdr. der freifranzösischen Truppen, Oberst König, abgelehnt.
An den anderen Fronten ebenfalls "lebhafte Kampftätigkeit". Das trinkbare Wasser wird knapp. Der Versorgungsnachschub ist nicht eingetroffen. 3x am Tag eine halbe Feldflasche Kaffee. Waschen unterbleibt, weil kein Wasser vorhanden ist. Die Verpflegung besteht aus Konserven.
Das Brot ist schimmelig, wir haben aber Beute-Keks, gelegentlich auch Corned Beef aus Beutebeständen, als Ausgleich zum mageren stark gesalzenen Speck und "Einheits"-Dauerwurst.
Die 2, und 3. Batterie sind ebenfalls seit dem 26. Mai vor Bir Hacheim. Unterlagen sind bis zum 6. Mai nicht vorhanden, lediglich vereinzelte Hinweise auf die Einsätze bei den Kampfgruppen Marcks (JR 155) und Kost (SV 288) (Veteran Schweyher) 
3. Juni: Morgens Art. Vorbereitung für einen Angriff auf Bir Hacheim. Der Angriff wird 3 - 4 km vor den ausgedehnten Minenfeldern bei starker gegnerischer Abwehr eingestellt. Angriffe von Tieffliegern. Auch beim Abtlg-Stab muss der Funkwagen durch starkes Artillerie-Feuer öfters Stellungswechsel machen. Um 7.00 Stuka-Angriff auf Bir Hacheim. Gen. Rommel beobachtet den Angriff in der Nähe eines vorgeschobenen Art.Beobachtungsstandes der Art. Abtlg. (Veteran Kromer) Die 1. Batterie ist bei einem Angriff"auf andere Stellungen im Raum Bir Hacheim eingesetzt. Der Angriff verläuft erfolgreich. Die Gefangenen sind Südafrikaner und Neuseeländer. Eine Anzahl der Gefangenen macht einen nicht mehr nüchternen Eindruck. Wir vermuten, dass vorhandene Bestände auf diese Weise "vernichtet" wurden.
Es werden Geschütze einer Batterie (8.76 cm) mit Munitionsprotzen erbeutet. Die noch vorhandene Munition wird sofort zur Auffüllung unserer Bestände verwendet. Unser 3. Geschütz ist auf eine Mine gefahren. Keine Verluste bei der Geschütz-Mannschaft.
Bei der Beutesuche zur Auffüllung des Fahrzeugbestandes wird eine "Brenn"-Karrete gefunden, ein kleines, oben offenes Kettenfahrzeug mit Panzerung. Unsere Gegner verwenden dieses wendige und schnelle Fahrzeug zur Versorgung der vorderen Stellungen (Munition u. a.). Abends neue Stellung südlich vor Bir Hacheim. Tagsüber erhebliche Artillerie und Tiefliegerangriffe. Unsere 2 cm Flak wird vom Gegner stark beschäftigt. Munitions-Verbrauch ca. 900 Schuss (Veteran Quadflieg) Von den "turbulenten" Tagen bis zum Fall des Wüstenfort Bir Hacheim am 11. Mai liegen von unserer Abteilung nur Angaben von der Stabsbatterie und der 1. Batterie vor.
Die 2. und 3. Batterie waren "irgendwo" bei den Kampfgruppen der Division eingesetzt.
Durch die Angriffe der 7. mot. Brigade aus dem Südosten hatte die Division die Front vor Bir Hacheim im Nordwesten und gegen die 7. mot. Brigade im Südosten. Die anderen deutschen Divisionen und die ital. Pz.Div. Ariete waren noch im "Wurstkessel" im Raum Bir Harmat eingeschlossen, konnten aber nach dem Fall der "Box" der 150. Brigade bei Got el Ualcb über die Piste Trigh el Abd mit Nachschub versorgt werden.
Die vom Gegner angelegten großen Minenfelder zwischen Bir Hacheim und Bir Harmat behinderten eigene und auch gegnerische Bewegungen. Die französische Besatzung von Bir Hacheim leistet erbitterten Widerstand. Angriffe von ital. Panzern bleiben nach anfänglichen Erfolgen im Vorfeld liegen.
Von der Division werden die Kampfgruppen in Stützpunkte umgegliedert.
Zeitweise starkes gegnerisches Artilleriefeuer. Viele Tieffliegerangriffe. 1 Flugzeug wird abgeschossen. Am Abend machen wir Stellungswechsel, brauchen jedoch sehr lange, bis wir an Ort und Stelle sind. (Veteran Kromer) Am 4. Juni trat nach starker Artillerie-Vorbereitung die Div. um 6.00 zum Angriff an. Der Gegner leistete aus gut ausgebauten Stützpunkten so starken Widerstand, dass der Angriff eingestellt wurde. Befehl von der Heeresgruppe: Verteilung südlich und süd-östlich von Bir Hacheim
Die 1. Batt. ist an diesem Morgen dabei. Nach Verlassen der Stellung sammeln. Nach kurzer Fahrt Halt vor einer Minensperre. Das Fahren ist schwierig, die Wüste ist hier sandig. Es ist heiß und ein leichter Sandsturm kommt auf. Wir sind alle mit feinem Sandstaub "gepudert". Halt vor einem Minenfeld. 
Die Fahrgasse ist ca. 1/2 m tief. Eine schwierige Aufgabe für die Fahrer. Die Fahrzeuge müssen eng aufgeschlossen fahren. Rechts und links liegen Minen.
Feuerstellung in der Nähe einer 10 cm Kanonenbatterie Richtung Süd-Ost. Wo wir sind, wissen wir nicht. Irgendwo in der Wüste, Raum südlich von Bir Hacheim. Mittags Stellungswechsel, 16.00 wieder Stellungswechsel. Im Flächenmarsch Richtung Bir Hacheim. Nachmittags kommt Gen. Rommel. Wir fahren mit unserer Batterie "Spitze", hinter uns Gen. Rommel mit seinen Begleitfahrzeugen (Kampfstaffel des OB).
Stellung an einen leicht ansteigenden Hang. Ein 8-Rad-Spähwagen aus der Begleitgruppe Gen. Rommel fährt vor, kommt aber ohne Ergebnis zurück. Der Angriff wird auf den nächsten Morgen verschoben. Gen. Rommel bleibt über Nacht hinter unserer Stellung. In der Dunkelheit wird mir (am 2. Geschütz) ein südafrikanischer Offizier zur Bewachung übergeben, der in der Nähe gefangengenommen wurde. (Veteran Schweyher) Der 5. Juni frühmorgens beginnt mit der üblichen Unruhe. Artillerie-Beschuss aus mehreren Richtungen.
Gen. Rommel verlässt unsere Stellung in der Frühe. Links von uns (Richtung Südwest) liegen Pak und Spähwagen zur Sicherung der offenen Flanke.
Am Morgen war ein deutscher Offizier als Parlamentär zur angebotenen Übergabe in Bir Hacheim. Der Kommandant Oberst König von den "Frei-Franzosen" lehnt ab.
Der Gefechtstross ist auf Sichtweite hinter uns an einem ausgetrockneten Salzsee in Bereitschaft gegangen.
Wir haben einige Verwundete in der Batterie; Wm. Wieler fährt auf Spähtrupp.
Es sind gegnerische Einheiten mit Panzern gemeldet, die östlich hinter unserem Rücken operieren sollen.
13.00 Uhr beginnt daher der Angriff gegen eine feindl. Kampfgruppe, die sich etwa 7 - 10 km südl. Hacheim aufgestellt hat und von hier aus die nach Süden führende feindliche Versorgungspiste Bir Hacheim sichern soll. Unter dem schnell geführten Vorstoß unserer Panzerjäger und infolge geschicktcr Unterstützung durch eigene überlegene Artl., zieht sich Feind nach Westen zurück.
Unser Fla-Geschütz hat am Nachmittag einen Rohrkrepierer. Zum Glück ohne Schaden für die Geschützbedienung. Der Waffenmeister benötigt 5 Tage zur Reparatur des Fla-Geschützes. (Veteran Quadflieg) Am 6. Juni ab 7.00 heftiges Artillerie-Feuer. Der Funktrupp der Abtlg. ist unterwegs zur Tagesstellung. Wir fahren im Bogen um das Fort. Eine Hurricane schleicht sich an uns heran. Wir sehen sie zu spät, rufen dann aber "Halt". Unser Fahrer Edmund Holdermann, der das Flugzeug nicht sah, fuhr weiter. Plötzlich rattern die Maschinengewehre der Hurricane los. Die Schüsse gehen durch die Scheiben, das Dach und den Auspuff. Uns 5 Funkern passiert nichts. Nachher stehen wir bei einer 8,8 Batterie. (Veteran Kromer) 
Der Angriff beginnt um 10.00, bleibt aber im Minengürtel ca. 700 m vor dem inneren Teil der Befestigung liegen und wird um 13.30 eingestellt. Die 1. Batterie erhält morgens schon Beschuss aus mehreren Richtungen und die Einschläge liegen teilweise in der Batterie. Das Feuer ist gut geleitet und wir stecken die Nase in den Sand. Da wir unsere Fahrzeuge immer weit auseinanderziehen, wird selten ein Fahrzeug getroffen oder stark beschädigt. Unsere Geschütze schießen in 3 verschiedene Richtungen.
Die Feuerleitung des Gegners erfolgt wahrscheinlich von vorgeschobenen Beobachtern in Spähwagen, die das Feuer leiten. Gefr. Hübl (Legionär) wird am Bein durch einen Splitter leicht verwundet, bleibt aber bei uns. In der Batterie einige Leichtverwundete.
Nachmittags hört der Beschuss auf. Abends Stellungswechsel. Das Wasser ist knapp. Wasser zum Waschen gibt es nicht, da der Trinkwasser-Nachschub nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich ist. Die nächste größere Trinkwasserstation ist Tmini an der Via Balbia. (Veteran Schweyher) 
7. Juni: Der Angriff 6.00 wird verschoben. Neuer Termin 16.00. Dann Änderung auf den 8. Mai 6.00. Im wesentlichen ein "ruhiger" Tag. Die 1. Batterie bezieht morgens eine neue Stellung hinter einer flachen Anhöhe. Schussrichtung West bis Nordwest!!
Unter Fla-Geschütz ist nur noch bedingt einsatzfähig. Ein Rohr hat eine Rohraufbauchung. Jetzt steht nur noch ein Rohr zur Verfügung.
Mit den 3 engl. Beutegeschützen wird auf Bir Hacheim Störungsfeuer geschossen. In der Batterie benutzen wir engl. Kanister als Festpunkte für das Einrichten des Geschütz. Zum Beschuss als Störungsfeuer reicht es zum Richten der Geschütze.
Die 2 russ. Geschütze der Batterie feuern ab und zu in eine andere Richtung. (Veteran Schweyher ) Im Laufe des Tages 2 Stuka-Angriffe auf Bir Hacheim. Selbst aus der Entfernung war das Geheul der Jericho-Sirenen an den Stuka-Maschinen eine Belastung. Im Stillen ist jeder froh, nicht selbst im Angriffsraum zu sein.
8. Juni: Für den nächsten vorgesehenen Angriff ist Bereitstellung in eine weiter vorne liegende Stellung befohlen. Die Nacht war "ruhig". Am Morgen ist Tau auf den Eisenteilen niedergeschlagen. Die Waffenwerden kurz und intensiver geputzt, damit die Metallteile nicht rosten. Morgens um 6.00 Stuka-Angriff auf Bir Hacheim (25 Maschinen)
Die 1. Batterie wird am Vormittag aus der Stellung in eine neue Feuerstellung vorgezogen.
Befehl Störfeuer. Mit unserem Geschütz verschießen wir nachmittags in etwa 3 Std. über 200 Schuss. Der Rohrvorholer wird so warm, dass wir das Rohr immer wieder nach vorne schieben müssen. Meine Kameraden Hübl (K2),Fackler (K3), K4, Dischleid (KS) haben kräftig zu tun. Abends kommt die Feldküche. Es gibt warmes Essen. (Veteran Schweyher) Die 2. Batterie ist mit der 1. Batt. und einer 10 cm Kanonen-Batterie der Gruppe Marcks (JR 155) unterstellt. Die 3. Batterie SV 288 Gruppe Menton. Die Stellungen der 2. u. 3. Batterie westlich der zum Flugplatz Bir Hacheim südöstlich verlaufenden Piste. Die 1. Batterie etwa auf gleicher Höhe östlich dieser Piste. Die Infanterie liegt dicht vor Bir Hacheim von Osten im Bogen südlich vorbei nach Südwesten. Die AA 580 und AA 3 schirmen großflächig gegen Westen ab. Nördlich von Bir Hacheim Teile von den ital. Divisionen Pavia und Trieste und nordwestlich Kasta. Kiel (Kampfstaffel von Gen. Rommel). Für den 9. Juni ist um 7.30 wieder ein Angriff mit Artillerie-Unterstützung von Art. 361. Morgens um 6.30 Angriff von Stuka-Maschinen. Fortsetzung des Angriffs der Kampfgruppe Nord, die von 90.1e. Div. mit dem Feuer aller schweren Waffen, vornehmlich Artl., unterstützt wird. 12.00 Uhr greift Div. mit Kampfgruppe Marcks in den Inf.-Kampf ein. Infolge des vollkommen deckungslosen Geländes und drohenden Feindeingriffs von SO - O zeitweilige Einstellung des Angriffs auf Hacheim.
13.45 Uhr Befehl Div.-Kdr. an Artl. und Flak, die Rohre nach Süd-Ost und Ost zu schwenken. Teile der 4./Pz.Brig. in Stärke von insgesamt etwa 20 - 30 Panzern, etwa 50 - 6O Kfz, 2 - 3 Battr. und Selbstfahrlafetten versuchen, der hart bedrängten Besatzung von Hacheim Entlastung zu bringen. Sie versuchen durch nahes Heranfahren an die äußeren Stützpunkte die Aufstellung der Stützpunkte und schweren Waffen zu erkunden, um dann an der schwächsten Stelle anzugreifen. Diese Erkundungs- und Aufklärungsvorstöße des Feindes werden durch gut liegendes Feuer schon auf eine Entfernung von 5 km zum Scheitern gebracht. Ebenfalls ein Angriff um 19.00 aus Südost. Der Gegner bleibt aber stark. 20.00 Uhr gelingt es dem verstärkten II/Ie.LR.155 trotz seiner geringen Personalstärke - das ganze Btl. hat keine 200 Mann - durch die Minengasse nach Ausschaltung zähen Feindwiderstandes in die erste Stellung des Feindes einzubrechen. Angriff bleibt aber 200 m südl. der Ridotta liegen. Weiteres Vorkommen infolge Feindbedrohung aus Süden und dadurch notwendige Umgruppierung der Streitkräfte mit Verlagerung des Abwehrschwerpunktes nach Osten ist nicht möglich.

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER