Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Berichte » Der Afrika Feldzug aus Sicht der Art. Abt im Afrika Rgt. 361 - Part IX

Allgemeine Lage an der EI Alamein-Front nach dem 6-Tage-Rennen

Nach dem deutsch-italienischen Angriff - 6-Tage-Rennen - waren Verbände personell z. T. erheblich reduziert. Nach Angaben des KTB-Div war im Zeitraum vom 1. - 19. September nur 24 % des Monatsbedarfs für die deutschen Verbände eingetroffen. Die Brotration musste auf 375 gr. pro Tag reduziert werden, erst am 19. Oktober war es möglich, die tägliche Brotmenge auf 500 gr. zu erhöhen.
Die deutsche und italienische Führung rechnete mit einer Offensive des Gegners im Herbst 1942. Luft-Aufklärungsergebnisse aus dem Nil-Delta und am Suez-Kanal zeigten eine Verstärkung der Nachschubtransporte. In der Erwartung einer Offensive der 8. engl. Armee wurde die deutsch-italienische Frontlinie mit Minenfeldern in wochenlanger Arbeit als befestigte Feldstellung ausgebaut. Der Ausbau erfolgte in schachbrettartiger Form. Neben den Minen wurden vorhandene Granaten und Bomben in den "Teufelsgärten" verwendet. Gleichzeitig erfolgte eine Umgliederung der deutschen und italienischen Truppenverbände.
Die Führung der 8. Armee hatte schon länger erkannt, dass die Schwachstellen der deutsch-italienischen Panzerarmee die italienischen Truppenteile waren. Die Infanterie-Divisionen waren nicht oder nur zum Teil motorisiert (Trento, Bologna, Brescia, Pavia, Folgore). In der Waffenausrüstung waren auch die Panzerdivisionen Ariete, Littorio, in den alliierten Panzerverbänden deutlich unterlegen. Die Führung der 8. Armee ging dazu über, bevorzugt italienische Frontabschnitte bei örtlichen Vorstößen anzugreifen. Die italienischen Verbände wurden entlang der Frontlinie hinter den durch Minenfelder gesicherten Stellungen eingesetzt. Zwischen die italienischen Verbände wurden deutsche, nichtmotorisierte Truppenteile als "Korsettstangen" eingegliedert: Fallschirm-Jäger-Brigade Ramke, 164. le.Div., die im Sommer von Kreta mit Lufttransport nach Nordägypten gebracht worden war und nur leichte Waffen und Versorgungsfahrzeuge hatte. Die motorisierten Divisionen DAK u. die 90. leichte Division wurden in der Masse als Eingreifsreserve hinter die Frontlinie verlegt und gleichzeitig, soweit es möglich war, mit Ersatz, Gerät und Waffen aufgefrischt.
Die 90. leichte Division wurde ab Mitte September an die Mittelmeerküste westlich von Sidi abd el Rahmann in den Raum El Daba in Ruhestellung verlegt. Sie hatte gleichzeitig die Aufgabe, die Küstensicherung zu übernehmen. Die 8. Armee hatte am 14. September ein Landungsunternehmen auf den Hafen Tobruk unternommen. Es wurde allerdings frühzeitig erkannt und von Küstenartillerie, Luftwaffe und Marine-Einheiten verhindert. Die Verluste des Gegners vor Tobruk waren hoch: 2 Kreuzer, 1 Zerstörer und 5 kleinere Marine-Einheiten werden versenkt, über 550 Briten geraten in Gefangenschaft.
In der Führung der Division gab es einen Wechsel. Gen. Kleemann war am l. September verwundet worden. Als Nachfolger kam am 24. September Oberst Graf von Sponek (später Gen.Ltn.), der die Division bis zur Kapitulation am 12. Mai führte und ebenfalls mit in die Gefangenschaft ging.
Die Ablösung der Art.Abtlg. begann am 15. September. Am 17. bis 18. September ist die Division an der Küstenstraße ostwärts um El Daba in Ruhestellung. Mit der Division wird der Sonderverband 288 (Oberst Menton) in den gleichen Raum verlegt. SV 288 war seit April - Mai 1942 der Division unterstellt. Beim Rückmarsch im Nov-Dez. nach der Offensive der 8. Armee wird der SV 288 aus der Division ausgegliedert und den Pz.AOK direkt unterstellt.
Die Art.Abtlg. wird zwischen Sidi abd el Rahmann und El Daba entlang der Küstenstraße aufgestellt.
Stab und Stabsbatterie liegen zwischen Küstenstraße und der Bahnlinie nach Marsa Matruh ca. 12 - 15 km westlich Sidi abd el Rahmann. Die 3. Batterie weitere 5 km westlich. Die 1. Batterie nördlich El Daba in der Nähe einer kurzen Eisenbahnstrecke, die von El Daba in Nordrichtung verläuft und an der Küste endet. Wetter 18. September: bewölkt, Temperatur 32°
Den Unterbringungsraum bauen die Einheiten in Kampfgruppen stützpunktartig aus. Nach der Gesamtlage muss mit einer englischen Operation und Landungsunternehmen gerechnet werden. Ab 18. September erfolgt eine neue Kampfgruppen-Gliederung. Die 3 Batterien der Abtlg. verbleiben bei den gleichen Infanterie-Einheiten.
Kampfgruppeneinteilung und Räume in der Ruhestellung:

a) Kampfgruppe 361:
Führer: Oberstltn. Panzenhagen 
Truppen: Pz.Gren.Rgt. 361
Pz. Jg. Abt. 190 
2./A.R. 190
7. u. 9./Flak 25
Raum: Alam Abu Taqa - Tell Ghazala - Tell Abu El Guruf - Tell Sidi Shahir Ruho

b) Kampfgruppe 155: 
Führer: Major Kost 
Truppen: Pz.Gren.Rgt. 155
3. /A.R. 190 
F1a.Kp. 190 
8./Flak 25

Raum: Etwa im Umkreis von 2 - 3 km um Eisenbahnkilometer 165

c) Kampfgruppe 200:
Führer: Oberstltn. Koester 
Truppen: Pz.Gren.Rgt.200 
F1a.Batl. 606 
1./A.R. 190
Raum: Ilwet el Gamayma - Senyet Shrimbiy (5 km westl. El Daba)

In die Nähe der Stützpunkt-Räume der 3 Kampfgruppen wird im Laufe der nächsten Zeit die Div. "Trieste" verlegt. Die Kampfgruppen werden auf Zusammenarbeit mit den italienischen Verbänden angewiesen.
Die Ruhestellung wird zum Auffrischen der Verbände und zur Überholung der Waffen und Gerät genutzt.
Viel Ruhe im Tagesablauf gab es nicht. Neben formalem Exezierdienst wie in der Heimat zur Straffung der Manneszucht mussten Sicherungsaufgaben an der Küste zur Abwehr möglicher Landungsversuche des Gegners hinter der Frontlinie übernommen werden, außerdem Abstellung von Arbeitsgruppen für die Ausbesserung der Küstenstraße usw.

Die Art.Abtlg. mit den Batterien genoss die Ruhestellung an der Küste. Die Verpflegung wurde mit dem Küchenwagen täglich zu den Batterien gebracht. Der Wagen blieb aber in einer Entfernung von der Batterie-Stellung stehen und Essenholer brachten die Verpflegung zur Batteriestellung.
Am 5. Oktober begann eine kurze Regenzeit. Beim Essenfassen am Abend an der Feldküche überraschte uns plötzlich ein unheimlicher Wolkenbruch. Er dauerte nur kurze Zeit. Als wir wieder unsere Stellung erreichten, war das ganze Tal, in welchem wir lagen, unter Wasser. Unser Hab und Gut lag im Wasser. Erst am kommenden Morgen, als die Sonne wieder brannte, wie aller Tage zuvor, konnten wir daran denken, unsere Sachen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. (Veteran Vana) Diese kurze Regenzeit unterband auf beiden Seiten auch den Transportverkehr. Die Pisten waren in dieser Zeit nicht mehr befahrbar. An der Front und im rückwärtigen Gebiet war Ruhe. 
Am 7. Oktober war wieder "Trockenheit" und "Sonne". Aus der Ruhestellung mussten auch Nachschubaufgaben übernommen werden. Aus verschiedene Einheiten wurden LKW-Fahrer abgestellt, um vom Hafen Bengasi Zugmaschinen und Geschütze abzuholen. Zwei Lkw mit Fahrern (Post und Urlauber) wurden mit Ziel Hafen Bengasi in Marsch gesetzt. Fahrzeit ca. 3 Tage. Kan. Scherer (1. Batt.) fuhr von Bengasi eine von 6 schweren Zugmaschinen, vollgepackt mit Benzinkanistern. Die anderen 5 Zugmaschinen mit angehängten Geschützen. Die Geschütze wurden im Heereslager abgegeben und andere Geschütze mitgenommen. In Derna lief im Soldatenkino "Quax, der Bruchpilot" (mit Heinz Rühmann). Diese Abwechslung wurde nicht ausgelassen und auch das gute Dernaer Trinkwasser war eine willkommene Abwechslung. Ab Sollum wurden Neuankömmlinge (Ersatz) bis zur Frontsammelstelle mitgenommen. Bei der Rückkehr am 23. Oktober in die Batterie hieß es gleich "Marschbereitschaft". Die Offensive der 8. Armee hatte begonnen. Im Osten leuchtete in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober der Horizont. Die Zugmaschinen erhielten unsere Abteilung allerdings nicht. (Veteran Scherer) Ende Oktober erkrankte der Abtlg.-Kdr. Hptm. Wermke. In seinem Bericht schreibt er: Ende Oktober erkrankte ich leider an einer Nierenentzündung, verursacht durch Flüssigkeitsmangel. Ich blieb noch acht Tage mit Fieber bei der Truppe, bis mein Abteilungsarzt energisch eine Überführung in ein Lazarett verlangte. Ohne Gepäck, nur mit Zahnbürste und Mantel ausgerüstet, fuhr ich mit einem italienischen Lazarettschiff nach Bari, von dort nach Garmisch-Partenkirchen. In sechs Wochen war ich wiederhergestellt, beim Abschied erklärte mit der Chefarzt: "Ich habe Sie unter Bedenken wieder k.v. geschrieben, aber die Tropendiensttauglicltkeits-Bescheinigung kann ich Ihnen nicht geben. Sie sind mit Ihren 49 Jahren zu alt für Afrika."
Die Führung der Art.-Abteilung übernimmt der Batterie-Chef der 2. Batt. Hptm. Kroupa; Abtlgs-Adjudant ist seit dem 20. August 1942 Obltn. Kreutzer, Nachfolger von Lt. Wolf. Auch der Abtlgs-Arzt Dr. Ueberholz geht im Oktober in die Heimat zurück. Sein Nachfolger als Abtlgs.-Arzt wird Dr. Beyer bis zur Kapitulation im Mai 1943. Die Stabsbatterie führt Oblt. Brust.
Die 1. Batterie hat als Batteriechef Oblt. von Schirp, nach Verwundung von Hptm. Rave Ende Juni 1942 bis zur Gefangennahme am 29. Oktober. Sein Nachfolger ist Olt. Renneberg und anschließend Anfang 1943 Olt. Kriegisch bis zur Kapitulation.
Die 2. Batterie übernimmt nach Hptm. Kronpa Olt. Schwabcl, der seit Ende Juni 1942 in der Batterie ist. Im Juni 1942 kamen noch Lt. Rossocha (von der Kriegsschule), Lt. Fellner und Lt. Weiser und im Oktober Olt. Ullrich.
Die 3. Batterie hat Olt. Schreiber schon im April 1942 nach Versetzung von Olt. Hasse zur Division übernommen. Er führt die 3. Batterie bis zu seinem Unfall im Frühjahr 1943. Weitere Offiziere sind Lt. Schaube, Lt. Kiel und Lt. Turtur.

Einsatz der Artillerie-Abteilung in der 90. leichten Division

Gleich zu Beginn der Offensive wurde "Marschbereitschaft" befohlen. Über die Zuordnung zu den einzelnen Kampfgruppen sind keine Unterlagen vorhanden. Es kann angenommen werden, dass die letzte Kampfgruppengliederung vom 18. September noch bestand.
- Kampfgruppe PzGr Rgt. 155 (Kost), 3. Batterie
- Kampfgruppe PzGr Rgt. 200 (Koester), 1. Batterie
- Kampfgruppe PzGr Rgt. 361 (Panzenhagen), 2. Batterie
Die Division wird am 25. Okt. in den Frontbereich als Armeereserve in den Raum 15 km ostwärts von El Daba vor Sidi abd ei Rahman verlegt. Am 26.10. weitere Verlegung in die Hauptkampflinie, Raum Sidi Abd el Rahmann mit den Kampfgruppen Rgt. 155 und Rgt. 200. Die Kampfgruppe Rgt. 361 (Panzenhagen) wird der Armee unterstellt und zu einem Gegenangriff zur Abschirmung der Einbruchstelle durch die Australier bei Inf.Rgt. 125 (164 le. Div) nördlich Tell el Eysa bis zur Küste eingesetzt. Die Abtlg. ist mit der 3. Batterie im Raum Bir Latif Farahat westlich der von Sidi Abd el Rahmann bis zur Quattara-Senke verlaufenden "Frontstraße" eingesetzt.
Die Feuerstellung der 2. Batterie (Olt. Schwabel) befindet sich südlich der Küstenstraße etwa 1 km westlich der Moschee von Sidi Abd el Rahmann. Der V.B.(vorgeschobener Beobachter) der 2. Batterie, Lt. Rossacha, hatte die B-Stelle auf einer Anhöhe ostwärts der Moschee, die Lage der Feuerstellungen der 1. u. 3. Batterie ist nicht genau bekannt. Bei der 1. Batterie ist Olt. Rennebach mit Funker Ernst Krumm u. Fahrer Wagner als VB eingesetzt. Lt. Fuchs ist Batterie-Offz. In dieser Zeit muss der Abtlg.-Kdr., Hptm. Dr. Wermke (49 Jahre) wegen einer Nierenentzündung ins Lazarett nach Tripolis und anschließend in die Heimat zur Ausheilung zurück. Die Führung der Abtlg. übernimmt Hptm. Kroupa (bisher 2. Batterie). Batterie-Führer der 2. Batterie wird Oblt. Schwabel. (Fellner) Am 27. und 28. Okt. weitere Angriffe gegen die schon im Feindbesitz befindliche Höhe 28 (28 m über Meeresspiegel). Das nördlich der Küstenstraße eingesetzte PzGren.Rgt. 125 der 164. le. Div. wird der Div. unterstellt. Die Kampfgruppe Rgt. 155 im Südteil des Div.-Abschnitts hat starke Verluste. Am 27.10. führt Kampfgruppe Rgt. 200 Gegenangriffe bei starken eigenen Verlusten gegen die in die HKL eingebrochenen feindlichen Verbände. Das Angriffsziel wird nicht erreicht. Am 28.10 nachts auf den 29.10. wird die Division in alten Raum zur Abwehr gegliedert.
Am 29. Okt. führen Teile der Division einen Gegenangriff "H" (Rgt.361) durch um das II/125, das vor dem Minenkasten "H" eingeschlossen ist, zu entsetzen. Der Angriff ist nicht erfolgreich. Teile von II. Battl./125 können sich durchschlagen, ca. 1 1/2 Komp., Rest gefallen oder Gefangenschaft. 
Kampfgruppe Rgt. 200 führt Gegenangriffe bei Sidi Omar gegen eingebrochene Feindverbände. Die Angriffe bringen nur Teilerfolge. Während der Nacht vom 28. auf den 29. Okt. beginnt um 21.00 Uhr ein schlagartig einsetzendes Trommelfeuer auf dem Nordteil der Front. Vorbereitung zum offensiven Einbruch in die deutsch-italienische Front "Operation Supercharge". Die "Operation Lightfoot" hatte nicht die geplanten Ziele der Offensive erreicht, aber tiefe Einbrüche in unseren Minenriegel erzielt.
Mit der Feuerwalze sollen die Minenfelder zerstört werden. Diese durch Artillerie-Feuer vorbereiteten Abschnitte werden mit zum erstenmal eingesetzten Minen-Räumpanzern weiter geräumt und durch nachfolgende Pionier-Einheiten gesäubert.
Die 1. Batterie ist am 29. Okt. wahrscheinlich im Raum östlich Gibril Khamis. Oblt. von Schirp, Batteriefüher der 1. Batterie, war auf dem Weg zur B-Stelle. Mit im Wagen waren die Kam. Kiel, Schwarz u. Höppner. Oblt. von Schirp gab seine Anweisungen an seinen Fahrer nach Karte und Kompaß und ließ sich bei der Richtungsangabe durch seinen eigenwilligen Führungsstil nicht beeinflussen und fand sich noch in der Nacht mit Wagen und Begleitung anschließend in Gefangenschaft. Im Wagen befanden sich auch die Funkunterlagen. Oberfunkmeister Kussmann musste nach Bekanntwerden, dass er nicht die B-Stelle erreicht hatte, den Funkschlüssel (Doppelkastenschlüssel) für die gesamte Abteilung ändern (Becker, Böhm, Wagner).
Die Führung der 1. Batterie übernimmt Lt. Renneberg. Bei der 2. Batterie gerät zwischen dem 30. Oktober und dem 1. November Lt. Rossacha mit zwei Uffz. und 1 Mann in Gefangenschaft. Funkspruch 1./Art. Abtlg 190, Nr. 1239: "...seit 02.11.42 vermißt."
Lt. Fellner (2. Batterie) wird als Ersatz nach vorne geschickt. Noch während der Fahrt, knapp ostwärts der Moschee Sidi Abd el Rahmann, wurde ich von einem Kradmelder eingeholt, der mir den Befehl überbrachte, sofort die Führung des Trosses, der im Raum El Daba lag, zu übernehmen. Wer statt meiner die B-Stelle bezog, ist mir nicht mehr erinnerlich. Ich fand den Troß knapp südlich der Straße im Raum El Daba. Sein Herzstück war die Kfz-Staffel unter der Führung eines Off. des techn. Dienstes von Cavallar. Die Kameraden, die dort arbeiteten, waren Meister der Improvisation. Der Tross bestand aus 4 fahrbereiten Opel-Lkw. Alle übrigen Fahrzeuge waren engl. Beutefahrzeuge. Mehr als die Hälfte der Beutefahrzeuge war nicht fahrbereit. Die Kfz-Staffel war nicht bereit, auch nur eines dieser Fahrzeuge aufzugeben. Die nicht fahrbereiten Lkws waren das rollende Ersatzteillager.
Außerdem wurde der Laderaum der nicht fahrbereiten Kfzs gebraucht, um die Maschinen, die vielen Materialien der Abteilung und die Teile, die während des Vormarsches von Tobruk bis Alamein gesammelt worden waren, aufzunehmen.
Während der beiden ersten Tage beim Troß kamen alle paar Stunden Befehle, zu einer bestimmten Zeit abzumarschieren oder wieder zu bleiben. Ich konnte diese Befehle nur weitergeben, was meine Beliebtheit bei den Kameraden nicht erhöhte. Irgendwann am 1. oder 2. November kam dann der nicht widerrufene Befehl zum Abmarsch nach Westen. Auf Verlangen der Kfz-Staffel wurden alle nicht fahrbereiten Lkws mitgenommen. Das hatte zur Folge, dass die Lkws, die 2 Lkws zogen, hinter der geschlossenen Marschkolonne immer zurückblieben. Wenn sie dann während einer der zahllosen Bombenangriffe von der befestigten Straße abkamen, blieben sie unweigerlich mit 2 Anhängern im Sand stecken. Der Verlust der mit 2 Anhängern versehenen Lkws war die Folge. Der Verlust des Ladegutes fiel kaum ins Gewicht. Bedrückend war dann die vorzeitige Gefangenschaft der Kfz-Besatzung. (Veteran Fellner) Am 31. Oktober stirbt Wm. Venne-Dunker, 1. Batterie, im Larazett an den Folgen seiner Verwundung.
Vom 29. bis 31. Oktober verstärkt die 8. Armee nach Umgruppierungen ihre Angriffe. Es gelingt der angreifenden 9. australischen Division zwischen der Küstenstraße und der südlich liegenden Eisenbahnlinie bei Bahnhof Hütte - beim Gegner "Tompson's Post" genannt - durchzubrechen und in nord-westlicher Richtung bis in die Nähe der Küste vorzustoßen. Das vor dem Minenfeld nördlich gelegene Rgt. 125 und Bergsaglierie-Einheiten sind eingeschlossen.
Der Angriff am 31.10. mit DAK (Teile 21. Pd.Div.) und 90. le. Div. kommt bei starker gegnerischer Abwehr nur bis westlich Bahnhof Hütte. Am 1. Nov. gelingt es der Kampfgruppe Pfeiffer "Bahnhof Hütte" und die Höhe "29" zu nehmen. Rgt. 125 und die Bergsaglierie-Einheiten werden zurückgenommen. 
Der Gegner greift im Laufe des Nachmittags und nachts um 22.00 Uhr an. 
Am 31.10. werden Lt. Bitsch, ein Uffz. und Kan. Radtke zum Teil schwer verwundet (1. Batt.).
In der Nacht am 2. Okt. nach schweren Luftangriffen und einem mehrstündigen Trommelfeuer beginnt die 8. Armee mit dem Großangriff "Supercharge" beiderseits Höhe "28". Schon am 2. Nov. morgens gegen 6.00 Uhr meldet die Kampfgruppe 200, 1. Battl. eingeschlossen, im Laufe des Vormittags Teile I./155 und I./200 durch Panzer überrollt und Gefangennahme, der Rest der Kampfgruppe 200 igelt sich ein.
Bei der 2. Batterie fällt am 2. Nov. Gefr. Boxhorn.
Tagsüber finden heftige Kämpfe der Pz.Div bei Tell Aggagir statt. Unsere Panzer-Einheiten erzielen zwar beachtliche Abschusserfolge. Die 8. Armee hatte enorme Reserven, aber die Panzer-Armee hatte am Abend des 2. Nov. nur noch ca. 35 Panzer (deutsche Einheiten) und etwa die Hälfte seiner Kampfeinheiten einschl. Artillerie).
Die Div. wird in der Nacht vom 2. auf den 3. Nov. zurückgenommen. Die neue Stellung erstreckte sich von Tel el Gora in nördlicher Richtung bis zur Küstenstraße. Gen. Rommel befiehlt im Laufe des 2. Novembers den schrittweisen Rückzug auf die Fuka-Stellung. Die Südfront wird auch schrittweise zurückgenommen.
Am 3. Nov. trifft gegen Mittag der unsinnige Befehl Hitlers ein. Es war ein strikter Haltebefehl. Gen. Rommel stoppte den vorgesehenen Rückzug. Nach einer Unterredung mit Gen. Kesselring und unter dem Eindruck der Erfolge der 8. Armee mit dem Durchbruch und Vernichtung der Pz-Division Ariete, wurde der Befehl gegen 15.00 Uhr zurückgezogen und die Zurückführung der Verbände auf die Fuka - Stellung angeordnet.

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER