Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Berichte » Der Afrika Feldzug aus Sicht der Art. Abt im Afrika Rgt. 361 - Part V

9. Juni 2. Batterie 2. Batterie (Lambricht)

Funkverkehr zwischen vorgeschobenem Beobachter (VB) und Batterie-Stellung (Auszug)
VB-Besetzung: Lt. Müller, vorgeschobener Beobachter H. Klemp u. A. Lambricht, Funker
6.50 Lt. Müller an Batterie: Schuss-Entfernung 5800 m bis 5950 m 7.04 Feuerpause
8.00 Lt. Müller 
dieselbe Seite
Anfrage nach Entfernung 
8.18 Feuerpause
11.46 Ltn. Müller
Schussentfernung 5400 - 5800 m 
12.44 Entfernung 7000 - 6500 m
13.30 Panzer aus rückwärtiger Richtung 5 Panzer verharren im Angriff 
Feuerbefehl für ganze Batterie - Halt 
14.18 Neues Einschießen!
14.35 Feuerbefehl: ganze Battr. MZ 42 
14.47 Verständigungsprobe
Meldung an "Vogelscheuche" (Vogelscheuche war der Deckname für unsere Art.-Abt. 361 im Funksprechverkehr)
Panzer haben sich zurückgezogen. 
keine Beobachtung mehr (möglich) 
O. Wm. Liebe Muni-Meldung vorbereiten
(Kampfgruppe) Marx bittet um Artillerie-Unterstützung auf Bir Hacheim, da Angriff stecken geblieben.
Anfrage bei "Vogelscheuche" (= b. Abt.) 
Lt. Müller hat 2. Zug frei mit 30 Schuss 16.40 Wechsel
16.40 Wechsel
Chef = Oblt. Berndt war zum VB gekommen 
16.44 Entfernungen 5000 m - 5400 m - 5700 m 
FB = Feuerbereitschaft melden
17.06 (Entfernung) 5625 m - 5600 m
17.15 OWm. Liebe soll Major Kost (Kampfgruppe SV 288, anrufen und fragen, ob ihm das Feuer gefällt und ob Chef 2. Batt. die einzelnen Nester auf Höhe ausräuchern soll (weitere Angaben über Art.Feuer)
Meldung an Chef, der sich noch b. VB befand: Batterie musste 70 Schuss Sprenggranaten an Vogelscheuche = Abtl. abgeben. 
17.45 Entfernung 5650 m
Von "Vogelscheuche" Anfrage an Chef von Kampfgruppe Oberst Marx: Wieviel MG-Nester ausgeräuchert sind. Antwort: 3 MG-Nester, davon 1 (Nest) mit schwerer Waffe gespickt. (weitere Feuerbefehle an Batterie)
Meldung an Oberst Marx: Munilager in Brand geschossen (weitere Feuerbefehle)
18.14 Anfrage an Lt. Müller, ob westlich der Festung noch Feind

 

Die Masse der englischen 7.mot.Brigade - mindestens 2 verstärkte Bataillone und 1 Aufklärungsabteilung - befand sich im Raum westlich und südwestlich Rotonda Mteifel mit dem Auftrag, den Nachschub zu unterbinden. Die gegen diese Verbände angesetzte Aufkl.-Abtl. 33 drängte den hier hartnäckig Widerstand leistenden Feind nach Südwesten und Süden zurück, so dass der Versorgungsverkehr nicht mehr unmittelbar gefährdet war.
Die Luftwaffe griff wiederum mit stärksten Kräften in den Kampf um Hacheim ein.
In der Zeit vom 2. - 9.6. waren deutsche und italienische Flugzeuge gegen die Festung Hacheim eingesetzt. Die Verluste bei den Angriffen mit Sturzkampfbombern waren erheblich. Am 9. Juni wurden von Flak und gegnerische Luftwaffe 40 Maschinen abgeschossen.
Um 12.00: Der Auszug aus den Aufschreibungen des Funkverkehrs am 9. Juni zwischen v.B. an Batterie von Kam. Lambricht - Funker auf B-Stelle - gibt ein Bild von dein Einsatz der Artillerie. Wmst. Batzer wird schwer verwundet.
In der Zwischenzeit ist bekannt geworden, dass in Bir Hacheim auch Fremdenlegionäre in den freifranzösischen Einheiten sind.
Es mangelt nicht an Gerüchten. besonders bei unseren Legionären. Dic Nacht auf den 10. Juni verläuft ruhig.
10. Juni: Am Morgen und Mittag je 1 Stukaangriff mit 70 Ju 87 und Ju 88.
Generaloberst Rommel beobachtet 20 Meter neben uns.
Anschließend Angriff der Kampfgruppe Baade, 15. Pz-Div.
Der von Norden gegen die Festung angreifenden Kampfgruppe gelingt ein tiefer Einbruch in das Hauptkampffeld. Nachdem die Truppe sich durch stark minenverseuchtes Gelände hindurchgearbeitet hatte, wurde die stark ausgebaute und beherrschende Höhe 186 (2,5 km nordwestlich Bir Hacheim) genommen. Damit befand sich einer der wichtigsten Punkte des Festungskampffeldes in eigener Hand. Der Angriff war mit stärkster Unterstützung durch Armee-Artillerie und Luftwaffe durchgeführt worden. Der Feind hatte jedes einzelne Widerstandsnest bis zum äußersten verteidigt. Seine Verluste waren außerordentlich hoch. Für die Batterien ist der Tag ruhig. Der Angriff der Nordgruppe gewinnt zwar Boden, erreicht aber nicht den Kern (Ridotta) der Befestigungen und bleibt dort liegen.
Nachmittags nochmals Stuka-Angriff auf Bir Hacheim. Das Feuer der Flakgeschütze ist schwächer geworden.
In der Nacht vom 10, auf den 11. Juni bricht die Besatzung aus Bir Hachem mit Erlaubnis des engl. Oberkommandos aus.
22.00 - 1.00 Uhr Ausbruch des Feindes. Im Abwehrfeuer der südlichen Stützpunkte. vor allem Fla.-Batl.606, Pz.-Jg.Abt.605 und in den um Hacheim gelegten Minenfeldern bleibt ein großer Teil der Fahrzeuge und ihre Besatzung liegen. Einen Teil jedoch, mit der Überzahl der Führer, gelingt es durchzubrechen. Die ganze Div. ist ab 6.00 Uhr alarmiert, jedoch ereignet sich nichts Wesentliches. Vor allem bleibt der Feind, der von außen her die Div. umschließt, während der Nacht ruhig. Gegen Morgen werden die Gefangenen gesammelt und die Beute gesichtet.
In der Nacht vom 10./11.6. zog die britische Führung die westlich Rotunda Mteifel befindlichen und zur Störung der Versorgung angesetzten Kampfgruppen der 7. Panzer-Division zunächst südlich Bir Hacheim zurück. Diese Maßnahme stand offensichtlich im Zusammenhang mit der Absicht, die unhaltbar gewordene Verteidigung von Bir Hacheim nunmehr aufzugeben. Die Besatzung von Bir Hacheim unternahm demzufolge in der Nacht einen Ausbruchsversuch nach Westen, bei dem der Kommandant mit einem Teil der freifranz. Brigade im Schutze der Dunkelheit entkommen konnte. Sie vereinten sich mit der 7. mot. Brigade südlich Hacheim und rückten dann mit ihr in Richtung El Gobi und El Adem ab.
11. Juni: In den Befestigungsanlagen war ein kleiner Teil der freifranzösischen Brigade zurückgeblieben.
Der Angriff gegen Bir Hacheim von Süden durch 90.le.Div. führte bereits um 06.45 Uhr zur Wegnahme der Ridotta Hacheim. Der Höhenzug nordostwärts davon wurde besetzt und etwa 500 Gefangene eingebracht. Von Norden drang die Kampfgruppe Baade im Hauptkampffeld weiter vor. Es wurde nur noch geringer Widerstand geleistet, so dass bereits in den frühen Vormittagsstunden die gesamte Festung in eigener Hand war. Damit war der südliche Eckpfeiler der feindlichen Gesamtstellung gefallen und die Bedrohung der eigenen Kräfte aus Süden ausgeschaltet. Die Masse der 1. freifranz.Brigade war vernichtet; die Brigade musste in das Nil-Delta zurückgenommen werden und ist im Verlauf des ganzen Sommers 1942 nicht mehr aufgetreten. Bei der Art.Abtlg. ist es bei allen Batterien noch ruhig. Die im Süden stehenden gegnerischen Verbände (7. engl. Pz-Division) haben sich zurückgezogen.
Die 1. Batterie schickt im Laufe des Vormittags zwei Lkws zur Beutesuche los. Sie kommen aber ohne Erfolg zurück. Von der 1. Batterie fahren Wmstr. Wieler und Funker Wagner kurze Zeit nach Bir Hacheim. Von der 2_Batterie erkennt Funkwagenfahrer Brettschneider (Legionär) unter den Toten einen Kameraden aus der Legionszeit.
Lage am 11. Juni: Durch den Ausbruch der Besatzung aus dem Wüstenfort Bir Hacheim als südlicher Pfeiler war die von den Briten errichtete Stützpunkt-Linie von Ain el Gazala bis nach Bir Hacheim in ihren südlichen Teil zu 2/3 in Besitz der deutschen und italienischen Verbände. Unsere im Raum Bir Hacheim eingesetzte Division, Teile vom DAK (Kampfgruppe Baade JR 115) und die italienischen Verbände von Trieste und Pavia waren wieder verfügbar. Das im Raum nordwestlich von Bir Harmat in Abwehrstellung liegende DAK (15. und 21. PD) u. Div. Ariete konnten seit dem Fall der "Box" der 150. engl. Brigade am 1. Juni mit Nachschub versorgt werden.
Den Vorstoß dieser Verbände am 5. Juni in nordöstliche Richtung nach Acroma führte zu heftigen Kämpfen der Panzer-Einheiten bei Knightbridge - Kreuzungspunkt der West-Ost-Piste Trigh-Capuzzo und Nord-Süd-Piste Trigh Bir Hacheim von Bir Hacheim bis Acroma -. Der Stoß nach Norden, um den Nordteil der Ain el Gazala-Linie von Osten einzuschließen, glückte nicht. Dem Gegner gelang es unter hohen Verlusten, den Vorstoß abzuwehren. Unsere Verbände mussten sich wieder in den "Wurstkessel" zurückziehen. Die 21. PD im Norden, Div. Ariete im Osten und die 15. PD des DAK im Süden bis 11. Juni.

11. Juni:

Befehl von der Div. Bereitstellung zum Vormarsch
10.00 Stellungswechsel 13.00 Fahrt in Bereitschaftsraum
15.00 Die Div. hält sich zum Abmarsch Richtung El Adem bereit. Dazu gliedert sie sich in 3 Kampfgruppen wie folgt: Kampfgruppe Loeven rechts (JR155), Kampfgruppe Menton (SV288) links, Kampfgruppe Marcks (JR3G1) hinter Kampfgruppe Loeven. Mit einer Verzögerung von einer halben Stunde infolge des Auseinanderliegens der einzelnen Teile der Div. tritt die Division aus dem befohlenen Raum 15.30 gegen Osten an. Während des Marsches liegt auf den Kolonnen zeitweise starkes Artl.-Feuer von 2-3 Feindbatterien. Diese Battr. werden jedoch von rasch abgezweigten eigenen Batterien unter Feuer genommen und durch das schnelle Vorrücken der Div. zum Stellungswechsel veranlasst.
Die Abteilung ist aufgegliedert in die Kampfgruppen: 
1. Batterie Kampfgruppe Marcks (Jensch/Kaiser) _
2. Batterie Kampfgruppe Loeven (Briel/Kost/F1a606)
3. Batterie Kampfgruppe Menton (SV288) (Kirchner) mit 2./Art.Abtlg. 408)
Marschrichtung: Nord-Ost -El Adem
Gegen 20.00 sind die Kampfgruppen 12 km südöstlich El Adem. Kurze Rast während der Nacht.
2. Batterie (Lambricht)
Nachdem der nächtliche Schlachtenlärm verklungen war, erhielt auch unsere 2. Batterie, die der Kampfgruppe Maj. Kost JR 155 unterstellt war, die entsprechenden Befehle zum Weitermarsch in Richtung Nord-Ost auf EI Adem.
Nach ca. 3 Stunden Kompassfahrt durch die Wüste kam plötzlich die Meldung nach vorn, dass ein Geschützfahrzeug durch Motorschaden liegengeblieben ist. Der VB-Funktrupp, dem auch ich angehörte (Lambricht), bekam vom Battr.-Chef die Anweisung, zu diesem Fahrzeug zu wechseln und nach dessen Instandsetzung, durch Funkverbindung mit der Batterie, sofort nachzukommen. Wir fanden auch bald den Wagen, der jetzt einsam und verlassen in der Mittagssonne stand. Der Fahrer sowie Geschützführer Uffz. Kamps bemühten sich gemeinsam, den Schaden zu beheben. Hin und wieder sauste ein Fahrzeug, ob Freund oder Feind konnten wir durch den aufwirbelnden Staub nicht erkennen, an uns vorbei. Der Tag neigte sich seinem Ende, die Reparatur war bis dahin erfolglos geblieben.
Wir Funker versuchten nun mit unserer Einheit in Funkkontakt zu kommen. Sie meldete sich nicht. Auch mit der Abteilung mit dem schönen Decknamen "Vogelscheuche" erhielten wir keine Verbindung. Allmählich wurde es uns mulmig zumute. Bevor es völlig dunkel wurde, bemerkten wir mehrere Fahrzeuge, die in einiger Entfernung von uns umherkurvten. Sie kamen aber nicht näher und waren auch bald in der Dunkelheit verschwunden. Bei uns wurden Wachen eingeteilt, die auf jeden Fall vorbeifahrende Fahrzeuge anhalten sollten, sofern es sich um deutsche oder italienische handeln würde. Am nächtlichen Himmel konnten wir im Norden und Osten Leuchtkugeln aufsteigen und Geschützfeuer aufblitzen sehen.
Die Nacht war kalt und sternenklar, wer nicht auf Wache stand, verfiel in einen unruhigen Schlaf.
Als es hell wurde, machte der Posten auf einige Fahrzeuge aufmerksam, die langsam und zögernd auf uns zukamen. Uffz. Kamps beobachtete mit seinem Fernglas das Verhalten dieser Wagen. Vorsichtshalber ließ er das Geschütz in Stellung bringen. Als die Fahrzeuge nun näher kamen, stellte er fest, dass es sich um 3 kleine Kettenfahrzeuge und 1 kl. offenen Lkw handelte. Er ließ daraufhin einige Schuss aus unserer (russ.) Kanone abgeben. Die Kolonne zog sich schleunigst zurück.
Nach etwa 15 Minuten kamen unsere ungebetenen Gäste, nun aber aus ihren MG-Waffen heftig auf uns schießend, aus verschiedenen Richtungen mit hohem Tempo direkt auf uns zu. Unsere Kanoniere und wir anderen auch mussten in Deckung gehen, in wenigen Augenblicken waren die Karreten in unserer Nähe. Die Besatzungen sprangen ab, schrieen "Hand's up" und fuchtelten wild gestikulierend mit Pistolen und langen Messern vor unseren Gesichtern herum. Einige sprangen dann auf unseren Lkw, wühlten in unseren Habseligkeiten und warfen verschiedene Sachen herunter. Danach schleppten sie alle vollen Kanister - mit Benzin oder Wasser gefüllt - auf ihre Fahrzeuge. Dann trieben sie uns, insgesamt 8 Deutsche zu je 2 Mann verteilt auf ihre Karreten und dem kl. Lkw, an den unsere Kanone angehängt worden war. In großer Hast und Hektik ging es ab in südlicher Richmung in die Wüste.
Mein Funkkamerad Heinz Klemp und ich waren zusammen auf einer dieser Karreten gelandet. Auf ihr befanden sich 3-4 wildaussehende Neuseeländer. Als erstes nahmen sie uns unser Soldbuch ab, wir mussten die Schuhe ausziehen und unsere Armbanduhr abliefern Auf die vielen Fragen, die sie uns auf englisch stellten, antworteten wir mit Achselzucken und Kopfschütteln. Zu essen und zu trinken bekamen wir den ganzen Tag nichts. Sie selbst bedienten sich von dem, was sie von unserem Lkw ergattert hatten. Den ganzen Tag über kurvten sie mit uns durch die Wüste. Wir hatten das Gefühl, dass sie von ihrer Truppe versprengt waren und nun den Anschluss an sie wieder suchten. Auch als die Dunkelheit hereinbrach, ging die Fahrt ins Ungewisse, mal nach Osten, mal nach Süden, weiter.
Plötzlich hielten die Fahrzeuge an und die Besatzungen hielten eine aufgeregte Beratung ab. Nach dem Aufsitzen pirschten sich die Wagen langsam in eine Richtung vor, aus der Licht und Feuerschein auftauchten. Dann war plötzlich die Hölle los! Leuchtkugeln gingen hoch und aus allen Richtungen wurde geschossen und geschrieen. Ehe wir begriffen hatten, was passiert war, wurden wir von italienischen Soldaten von den Fahrzeugen gezerrt und bezogen samt unseren "Bewachern" erst mal eine deftige Tracht Prügel. Dann mussten wird uns auf die Erde legen, wobei die Italiener noch mit Fußtritten nachhalfen. Nachdem es etwas ruhiger geworden war, machten wir Deutsche uns durch lautes Zurufen und schwenken unserer Mütze bemerkbar. Es kam ein bärtiger Italiener auf uns zu, der uns auf Deutsch ansprach. Er war Südtiroler und gehörte einer Bersaglieri-Einheit an. Jetzt erst merkten die Italiener. dass unter den "Tommy's" auch Deutsche waren, Durch vielerlei Gesten und wortreichen Entschuldigungen, gaben sie zu erkennen, dass ihnen die unfeine Behandlung sehr leid täte. Wir erzählten Ihnen dann, dass wir seit 2 Tagen von den Neuseeländern, ohne Essen und Trinken zu bekommen, durch die Wüste geschleppt worden seien und dass sie uns alles Brauchbare abgenommen hätten. Daraufhin fielen unsere Retter nochmals über die Kameraden der anderen Feldpostnununer her and nahmen ihnen alles Angeeignete wieder ab. So kamen wir wieder in den Besitz unserer Soldbücher, Uhren_ Schuhe usw. Wir selbst nahmen ihnen _ihre langen Buschmesser ab mit denen sie uns so oft bedroht hatten. Nun wurden wir zum Zelt des ital. Kommandeurs geführt. Wir schilderten ihm. was uns widerfahren war, und baten ihn sehr. uns baldmöglichst wieder zu unserem "Haufen" zu bringen. Nach reichlichem
Essen und Trinken. verfielen wir bald in einen tiefen erholsamen Schlaf. Am frühen Morgen ging es dann mit dem engl. Lkw, an dem unsere Kanonc noch angehängt war. mit ital. Begleitung in nord-ostw. Richtung, wo wir auch bald auf eine deutsche Kampfgruppeneinheit stießen. Von dort wurden wir weitergeleitet zu einer Nachschubstaffel,_ die dann am Abend zu unserer Kampfgruppe stieß. Es war schon dunkel, als wir bei unserer Batterie eintrafen. Unser Chef, Ob.-Lt. Berndt. wollte uns zunächst eine gewaltige "Zigarre" verpassen, wegen verschuldetem Nichtnachkommen. Als wir aber von unserem Abenteuer berichtet halten. gab er jeden von uns die Hand und sagte, er freue sich sehr, dass wir wieder glücklich bei der Batterie gelandet seien. Sehr wichtig sei auch. dass wir die Kanone mitgebracht hätten, denn diese würde in den nächsten Tagen dringend gebraucht. Scherzhaft fügte er noch hinzu, dass wir nun die im März verliehene "Deutsch-Italienische-Erinnerungsmedaille" zu würdigen wüssten. (Veteran Lambricht) 

Stab Art. Abtlg.

Am 12. Juni Angriff der Division auf El Adem. Abmarsch 5.15. Uhr Die Abteilung fährt mit Kampfgruppe Loeven. Morgens englische Tiefflieger und Bombenangriffe. Gegen 9.00 stoßen wir auf El Adem vor. Wir werden von einer englischen Batterie, welche auf der Höhe liegt, unter Feuer genommen. Die 8,8 Flak geht sofort in Stellung und schießt auf 500 Meter Entfernung. 3 Geschütze werden außer Gefecht gesetzt. 1 Geschütz der 8,8 Flak bekommt einen Treffer.
Wir richten auf dem Flugplatz eine B.-Stelle ein und beschießen mit den 10 cm Kanonen der 2/408 die englische Artillerie. Raum Flugplatz El Adem wird von der Infanterie, Kampfgruppe Loeven (Kost/Briel) mit 2. Batterie 361 besetzt.
4 englische Panzer brechen durch, einer davon wird abgeschossen. Da ein deutsches Geschütz schwenkt, bekommen wir von der eigenen Batterie Feuer. Wir fahren durch El Adem zur Division am Trigh Capuzzo. Während wir beim Divisionsgefechtsstand sind, macht die "Royal Air Force" einen Bombenangriff auf den Trigh Capuzzo. Sie trifft jedoch wenig.

13. Juni

Die Nacht auf den 13. Juni verläuft ruhig. Der Gegner hat seine Kräfte um die Division verstärkt. Wir werden es im Laufe des Tages bis in die Dunkelheit zu spüren bekommen. Verstärkte Luftaufklärung und Tieffliegerangriffe der gegnerischen Luftwaffe, die im Laufe des 13. Juni zunehmen. Auch der Divisionsgefechtsstand liegt unter Artillerie-Beschuss und muss Stellungswechsel durchführen. Von der Armee wird für 14.00 Absetzen nach Westen befohlen. Die Division liegt im großen Bogen um El Adem. Kampfgruppe Loeven mit 2. Batterie Raum Flugplatz El Adem. Kampfgruppe Marcks im Bogen gegen Osten und Südosten mit 1. Batterie 361. Anschließend im Süden Kampfgruppe Menton (SV 288) mit 3. Batterie.
Im Westen die Division mit Gefechtstrossen. Artillerie-Beschuss aus verschiedenen Richtungen. Vormittags schlechte Sicht. Außer Fliegerangriffen im Laufe des Tages verhältnismäßige Ruhe. Auswirkung der Tiefflieger- und Bombenangriffe sind gering. Geringer Ausfall an Lkw. Hingegen sind die Leute enttäuscht, dass sich den ganzen Tag über kein einziges deutsches Flugzeug trotz Anforderung sehen lässt.

12.30 Uhr: Erneuter Spruch O.B.: "Lage sehr günstig, sofort Absetzen." 
14.00 Uhr: Erneute Forderung auf Absetzen. Div.Kdr. ist unter diesen Umständen augenblicklich nicht in er Lage, Befehl O.B. durchzuführen, da es außerdem der Div. so ziemlich an allem (Munition. Wasser, Verpflegung) fehlt. Mag auch die große Lage, so wie O.B. funkt, günstig sein, die Div. spürt auf jeden Fall davon nichts. Im Gegenteil ist die Lage der Div. recht ungemütlich. An Nordfront sieht man rings um die Div. Spähwagen, Panzer oder feindliche Stützpunkte und das Artl.-Feuer macht sich recht unangenehm bemerkbar. Besonders auf Div.-Gef.St., der gegen 10.00 Uhr in ein Wadi nordwestl. Punkt 174 verlegt wurde, hat sich der Feind, der die Fahrzeugansammlung der Nachr.Kp und Trosse am Djebelrand bemerkt, bald eingeschossen und deckt den Gef.St. mit gut sitzende Lagen ein. Gegen 15.00 Sandsturm. Kurz nach 15.00 Befehl von der Panzer-Armee Richtung südwestlich absetzen auf Nezuel el Mreeli.
Reihenfolge: Gruppe Loeven (JR 155) (mit 2. Batterie), Gruppe Marcks (mit 1. Batterie), (JR 155) und Gruppe Menton (SV 288) (mit 3. Batterie) Bei der Durchfahrt ca. 2 - 3 km südlich Stützpunkt Kirchner (SV 288), gerät die Division in konzentriertes Feuer des Gegners. Div.Stab entschließt sich zur größtmöglichsten Fahrt durch die Feuerzone. Die Durchfahrt gelingt mit geringen Ausfällen. Nach 12 km Halt zum Auflaufen der restlichen Fahrzeuge - Igelbildung. 12 km Marsch nach Westen
19.00 Div. igelt sich nach Versorgung ein.
24.00 Befehl von OB Gen. Rommel zum Antreten auf El Adem am nächsten Morgen. 

Stabsbatterie

Bei dem letzten Anlauf auf Tobruk 1942 gelangten Teile der Stabsbatterie morgens in die Senke bei El Adem. Die Stellung war vom Gegner Hals über Kopf verlassen worden. Vor einem Zelt stand ein Bettgestell mit engem Maschendraht überzogen und es standen gefüllte Becher mit Tee, Teller mit Zwieback, Margarine und Marmelade darauf. Wir setzten uns auf die umstehenden Hocker und waren dabei, den Rest des Frühstücks zu verzehren. In der Nähe hatte der Waffenmeister ein Geschütz zur Reparatur auseinander genommen, als Oberleutnant von Schirp kam, uns wohlwollend beim Frühstück zusah und in seiner lässigen Art sagte, dass der Gegner bald zurückkommt, wir könnten aber weiter frühstücken, aber anschließend in Gefangenschaft gehen. Wir sprangen auf unsere Fahrzeuge. der Waffenmeister mit seinen Leuten schoben das Geschützrohr auf den Lkw und fuhren auf einer steilen Piste aus dem Wadi nach oben. Die 'Tommys" tauchten unten schon auf, sie lagen in ihren Löchern und wir hatten sie nicht bemerkt. Unser Kühlwasser kochte. Auf der schmalen Piste stockte alles. Eine Schießerei mit Handfeuerwaffen begann, um zu verhüten, dass die Tommys vor uns oben waren. Wir fuhren oben weiter und unsere 2 cm Flak hielt uns die Gegner vom Leibe.
Am Vormittag, als wir noch in der Nähe des Flugplatzes waren, griff ein Tiefflieger an. Alles sucht Deckung.
Uffz. Komor stand am Flieger-MG und gab einen kurzen Feuerstoß hinter dem Tommy her und er verschwand dann hinter einer Erhebung. Plötzlich eine schwarze Rauchwolke, also Abschuss. (Veteran Becker) 

1. Batterie

Der Angriff der Kampfgruppe Marcks mit 1. Batterie 361 stößt von Süden kommend östlich an El Adem vorbei.
In der Nähe einer ehemaligen Signalstation bekommen wir aus der linken Flanke Feuer. Die Batterie geht in Stellung. Bei einem Tiefflieger-Angriff um die Mittagszeit wird San-Gefr. Kirsch leicht verwundet. Sonst keine -Ausfälle. Ab und zu Artillerie-Beschuss aus verschiedenen Richtungen.
Für die 1. Batterie im Laufe des Vormittags 3 - 4x Stellungswechsel. Es herrscht eine nervöse Stimmung. (Veteran Schweyher)
Die am Morgen im Süden auf dem Djebel vorgehende Kampfgruppe Menton mit 3. Batterie 361 stößt auf einen stark ausgebauten, verdrahteten und verminten Stützpunkt. Starker Feindwiderstand. Kampfgruppe geht in Verteidigungsstellung.
An der ganzen Front der 90. leichten Division starke Angriffe des Gegners, z. T. mit Panzerfahrzeugen. Um die Mittagszeit wird der Stützpunkt Kirchner der Kampfgruppe Menton von Panzern und Spähwagen angegriffen. Der Stützpunkt hat nur wenig Panzer-Abwehrwaffen. Major Kirchner kann die Lage wieder bereinigen, da keine Infanterie des Gegners nachrückt. Die 3. Batterie steht ca. 3 km östlich im 2. Stützpunkt von SV 288 und bleibt verschont.

14. Juni - Stab Art.Abtlg.

Fahrt Richtung Süden. Wieder Artillerie-Beschuss in die große Fahrzeugkolonne. Es entsteht eine regelrechte Flucht. 50 Meter hinter uns Volltreffer auf einen Lkw. Vor uns brennen 3 Lkws. Rechts schießt der Gegner mit schwerer Flak und 8,76 cm Geschützen. Wir biegen nach links ab. Dazu Sandsturm. Durch das Detonieren der Granaten und die Staubwolken des Gibli fahren wir mit Vollgas, bis vor uns das Mündungsfeuer einer engl. Batterie auftaucht, welche im direkten Beschuss in die Kolonne hält. Nach rechts. Wir fahren so schnell es möglich ist durch die Wüste. Als ich hinter uns blicke, sehe ich, dass sich ca. 100 Fahrzeuge uns angeschlossen haben.
Der Beschuss hört auf. Wir halten auf weiße Leuchtkugeln zu, welche von Zeit zu Zeit abgeschossen werden. General Kleemann stößt zu uns. Die Division sammelt sich wieder. Die Verluste sind geringer , als es den Anschein hatte. Alle Funkwagen kamen durch. Der Fernsprechwagen bekam einen Treffer. Fahrer Hand durch Beschuss verloren. Uffz. Burkhard verletzt. Rolf Miesbach blieb schwer verletzt liegen, da ihn niemand bemerkte. (Veteran Kromer) Die 3. Batterie ist ohne Verluste durchgekommen, wie wir beim Sammeln in der Dunkelheit feststellten..
Die Art.Abtlg. hat an diesem Tag erhebliche Verluste. Von der Stabsbatterie Kam. Steinigeweg. Die 2. Batterie ist am stärksten betroffen. Die Kameraden, Marten, Scholz  und Weimann sind gefallen.
Am 14. Juni greifen bei der 1. Batterie gegen 19.00 tieffliegende Jäger an. Unser Fla-Geschütz mit Gefr. Quadflieg kann den 2. Jäger mit etwa 40 Schuß abschießen. Brennend stürzt die Maschinen auf einer Anhöhe ab. Der Pilot kann vorher mit dem Fallschirm abspringen. (Quadflieg) 19.00 igelt sich die Div. in 3 eng zusammenliegende Stützpunkten für die Nacht ein. Nacht für Div. ruhig. Man merkt jedoch, daß überall Bewegung herrscht an dem in allen Himmeisrichtungen aufflammenden Leuchtzeichen in den verschiedensten Farben, damit sich die Verbände, die in der Finsternis auseinandergekommen sind, wieder zusammenfinden sollen.

15. Juni

Am Morgen geht die Division zum 3. Mal gegen El Adern vor. Mittags ist der Flugplatz El Adern in unserer Hand.
Die 1. u. 2. Batterie gehören zu den zusammengefassten Kampfgruppen Marcks und Loeven, jetzt Kampfgruppe Loeven. Die 3. Batterie verbleibt weiter bei der Kampfgruppe Menton (SV 288)
Gegen 11.00 erreicht mit Unterlaufen des gegnerischen Artilleriefeuers die Kampfgruppe Menton mit der 3. Batterie El Adem, allerdings mit erheblichen Ausfällen an Menschen und Gerät. Nordwestlich von EI Adem liegt der Stützpunkt Sani el Bartruna. Aus diesem Stützpunkt starkes Artilleriefeuer. Auf der Höhe vor dem engl. Stützpunkt, der von uns eingeschlossen ist, wird der Abt. Gefechtsstand aufgeschlagen.
Gegen 11.00 Bombenangriff von 9 Bombern. Nur Splitterwirkung. Am Nachmittag umfahren wir den Stützpunkt. In einem Wadi finden wir den Regt. Gefechtsstand (JR 155) von Oberst Loeven. (Kromer) Um 19.00 fällt der Stützpunkt Bartruna bei einem Panzerangriff durch die 15. PD. Das stärkste Befestigungswerk im Vorfeld von Tobruk liegt ca. 6 km südlich von El Adem. Dieser Stützpunkt "El Hatian" ist belegt mit 1. Batl. indischer u. 1. Batl. engl. Truppen.
Die 2. Batterie Olt. Berndt wird von Selbstfahrlafetten angegriffen. 1 Toter, 7 Schwerverwundete. Hptm. Kaul schlägt die Angreifer mit Unterstützung von 4 Spähwagen zurück. Wir fahren in der Dunkelheit zum Gefechtsstand zurück. Olt. von Schirp und ich stehen während der Fahrt auf den Trittbrettern. Wie immer habe ich den Kompass in der Hand und führe die Fahrzeugkolonne durch die Wüste. (Veteran Kromer) 1. Batterie Standort 16.00 wahrscheinlich südlich El Adern bei Kampfgruppe Kaiser L/JR 155

Zwei schwere Bombenangriffe am Abend mit Tieffliegern fordern am 1. Geschütz der 1. Batterie in der Feuerstellung vier Gefallene und einen Verwundeten. Kam. Astor wurde so schwer an der Hand verletzt, das ihm später im Feldlazarett der 1.,3.,4. und 5. Finger der linken Hand amputiert werden mussten.  Geschütz unbrauchbar.
Die Nacht vom 15. auf 16. Juni ist wieder ruhig. 3. Batterie
Mit Oberleutnant Schreiber auf dem Flugplatz EI Adern.
Nach Einnahme des englischen Feldflugplatzes durch deutsche Truppen bezog die 3. Batterie dort Stellung. Der Flugplatz wird von Jagdflugzeugen angegriffen und wir suchten Deckung hinter einem abgeschossenen deutschen Stuka. Auf diesen Stuka hatten die Engländer "Kulturträger" in deutsch aufgemalt. Bei einem Angriff fanden zwei Kameraden den Soldatentod. Einer war Uffz. Bestmann, den anderen Namen habe ich vergessen. Wir haben Bestmann in eine englischen Steinunterkunft getragen. Dort starb er etwas später. Ich konnte ihn kurz vor seinem Tod noch einmal besuchen.
Als es Abend wurde, wurden die beiden Kameraden begraben. Währenddessen fuhr eine Panzerkolonne vorbei. Oblt. Schreiber sprach ein Gebet und hielt eine kurze Ansprache.
Im Laufe des Tages tauchte plötzlich vor uns eine lange Fahrzeugkolonne auf. Auf kurze Entfernung nahmen wir sie unter Feuer. Die Kolonne fuhr aber durch eine Mulde und unsere Geschütze schossen darüber hinweg. Zum Glück. Nachdem die Kolonne fast außer Sicht war, befahl Oblt. Schreiber unserer Geschützbedienung zu einen Spähtrupp, um ein in einiger Entfernung stehendes Fahrzeug mit zwei Soldaten zu kassieren. "Wenn es Engländer sind, gefangen nehmen." Ausgeschwärmt mit entsicherten Gewehren gingen wir drauf zu. Als wir näher kamen, sahen wir einen deutschen Offizier und Fahrer neben dem Fahrzeug. Wir wurden befragt: "Habt ihr Idioten uns beschossen? Wir bringen Nachschub." So schnell wie, möglich verschwanden wir. Olt. Schreiber hatte, wie ein Feldherr, die Szene mit dem Fernglas beobachtet. Nach unserer Meldung machte er ein ungläubiges Gesicht. Dabei beließ er es aber auch. (Veteran Suszek) Die Kampfgr. Loeven, die den Stützpunkt El Hatian nehmen soll, kommt infolge starken Abwehrfeuers aller Waffen, Verminung und Verdrahtung des Stützpunktes und der geringen Gefechtsstärke der Kompanien, wo sämtliche Leute an die schweren Waffen gebunden sind und dementsprechend keine Stoßkraft vorhanden ist, nur langsam vorwärts. Er liegt im Raum um el Hatian, diese wird bei uns als El Adem - Box bezeichnet. Erst in den Abendstunden gelingt es, trotz hartnäckigen Feindwiderstandes in die vorgeschobenen Stellungen und bis an den Minenzaun heranzukommen. Auch hier sind die Verluste hoch.Um 19.00 weiterer Angriff der Kampfgruppe Loeven mit zusätzlicher Unterstützung von schwerer Artillerie durch Arko 104 (Heeresartillerie). Angriff wird bei Dunkelheit eingestellt.

16. Juni

Kampfgruppe Loeven greift 9.00 den Stützpunkt "El Hatian" nach starker Artl. Vorbereitung Div.- und Armee-Artl. erneut an. Im vollkommen deckungslosen Gelände gelingt es jedoch nur einige hundert Meter voranzukommen. Gegen Mittag liegt Angriff fest.

Art.Abteilung Stab

Am Morgen vorziehen zur Beobachtung in das Wadi ostwärts der El Adem-Box. Am Nachmittag 10 feindliche Jäger (Hurricane), die allerdings abdrehen als 2 eigene Jagdflugzeuge auftauchen, deren Anwesenheit in der letzten Zeit selten war. Nach einiger Zeit Angriff von 9 Bombenflugzeugen, die ihre Bomben in einiger Entfernung abwerfen. Am Abend Rückfahrt in die Nachtstellung. (Veteran Kromer) Die 3 Batterien der Abtlg. sind in den Stellungen des Tages. Im Vergleich zu den vergangenen Tagen ist für alle Batterien ein ruhiger Tag.
Die Division erhält vom Pz-AOK 15.00 den Befehl, den Stützpunkt enger zu umschließen und auszuhungern. Durch Gefangene ist bekannt geworden, dass im Stützpunkt Wassermangel herrscht. 
16. Juni - Bericht aus der 3. Batterie
Während des Vormarsches im Sommer 1942 war die 3. Batterie der Kampfgruppe SV288, Oberst Menton, unterstellt. An einem Morgen, im Juni 1942, kam der Befehl zum Stellungswechsel vor der "El-Adem-Box". Nach einer geraumen Fahrzeit fiel plötzlich das Gelände ab und wir befanden uns in einer Senke von etwa 3 km Länge.
Wir hatten gut die Hälfte der Senke durchquert, als es hieß: "Feuerstellung." Unsere Zugmaschinen fuhren einen Bogen und wir brachten die vier russischen Geschütze in Stellung. Vor uns lag deutsche Infanterie, vor ihnen befand sich ein Minenfeld, dahinter, am Ende der Senke, an einem Vorderhang, lag gut eingegraben der Gegner. Die Stellung war mit zahlreichen MG's bestückt. Die Gegenseite hatte freies Schussfeld, unsere Infanteristen kamen nicht vorwärts. Hinter uns eine deutsche schwere Feldhaubitzen-Batterie, die aber zu weit schoss, und nicht viel ausrichtete.
Wir waren in Feuerstellung gegangen und sofort kam das Kommando: "Feindliche Stellung vor uns, 1000 m, Feuer frei." Alle vier Geschütze schossen. Die Granaten lagen genau im Ziel. Für die Gegner war dieser direkte Beschuss demoralisierend. Bald darauf ergaben sie sich und kamen mit erhobenen Händen aus ihren Stellungen. Sie kamen heil durch das Minenfeld auf unsere Batteriestellung zu, worden flüchtig untersucht, konnten alles behalten, was sie bei sich hatten und warteten dann auf den Abtransport.
Die Infanterie bahnte nun eine Minengasse und zusammen mit unserem Batteriechef, Oberleutnant Schreiber, nebst Fahrer und Funker, wurde eine Anhöhe besetzt. Bald kam der Befehl durch:
"Ein Geschütz nach vorn!" Das Geschütz, an dem ich war, wurde vorgezogen. Wir setzten uns in Marsch durch die Minengasse. Uns stockte der Atem, als sich Stacheldraht in den Ketten unserer Zugmaschine verfing. Der Fahrer merkte davon nichts, aber wir kamen heil vorne an.
Auf der Anhöhe lagen die Infanteristen flach am Boden und riefen uns zu, in Deckung zu gehen, da Scharfschützen in der Mähe waren. Den gut gemeinten Ratschlag konnten wir leider nicht folgen, da wir unser Geschütz in Stellung bringen mussten, und in dem flachen Gelände eine prächtige Zielscheibe abgaben. Wir schoben das Geschütz nach vorn, so dass das Rohr über die Anhöhe ragte.
"Feindliche Pakstellung vor uns, 50 Meter, Feuer!" Nie vergesse ich, wie wir das Geschütz auf die sagenhaft kurze Entfernung von 50 m einstellten und die Feind-Pak unter Feuer nahmen. Nachdem wir einige Schüsse abgegeben hatten, rief Oberleutnant Schreiber: "Auf, marsch, marsch!"
Mit der Infanterie stürmte er, aus seiner Maschinenpistole feuernd, vor und diese Stellung wurde genommen.
Was wir an Verpflegung vorfanden, konnten wir gut gebrauchen. Einige Kameraden kleideten sich neu ein, da unsere Uniformen im Laufe der Zeit doch z. T. stark verschlissen waren, denn der Gegner war gut ausgerüstet. Was wir noch vorfanden, war sehr interessant: genaue Aufzeichnungen der Geschütze, Selbstfahrlafetten, Gefechtsfahrzeuge usw., unserer Division. Sie wussten also genau, mit wem sie es zu tun hatten. Plötzlich die laute Stimme unseres Batteriechefs: "Was hockt ihr hier noch herum, der Widerstand ist doch längst gebrochen." Kaum ausgesprochen, duckte er sich, denn eine Kugel pfiff vorbei. Ob wir wollten oder nicht, über das Gesicht, das der Chef jetzt machte, mussten wir doch grinsen.
Inzwischen war hinter uns einiges passiert. Einige Fahrzeuge unserer Einheit hatten sich nach vorn in Marsch gesetzt, dabei war eins auf eine Mine gefahren, wobei es einige verwundete Kameraden gab. Ebenso war eine 3,7 cm-Pak, die zu unserer Unterstützung nach vorn gezogen werden sollte, war mit samt Bedienungsmannschaft auf Minen aufgefahren. Wir machten uns fertig, um in unsere Ausgangsstellung zurückzufahren. Ein Sanitätsoffizier ging über das Gefechtsfeld, ein weißes Tuch schwenkend, um die Verwundeten zu versorgen. (Veteran Suszek) In der Nacht Bewegungen im Stützpunkt "El Hatian". Gegen 24.00 brechen Teile der Besatzungen in kleineren und größeren Gruppen im Süden bei L/JR155 und im Nordosten bei IL/JR155 aus. Uffz. Schmidt (Abteilung) nimmt 12 Inder gefangen. Bei der 1. Batterie nimmt die Bedienung Quadflieg des Fla-Geschützes noch in der Nacht 11 Inder gefangen. (Veteran Schweyher)

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER