Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Berichte » Der Afrika Feldzug aus Sicht der Art. Abt im Afrika Rgt. 361 - Part VI

17. Juni: 90.le. Division

Frühmorgens - etwa 4 Uhr - finden Spähtrupps die gegnerischen Stützpunkte leer vor, jedoch gibt es auch hier eine Menge Gerät und Verpflegung zu finden, infolge des überstürzten Aufbruchs des Feindes. Unsere Infanterie dringt in den Stützpunkt vor und findet im Stützpunkt und in den umliegenden Minenfeldern noch 210 Engländer und Inder (29. Brigade der 5. indischen Division (3 Batl.) und vom englischen Worcester-Rgt.). Dem größeren Teil der Besatzung ist allerdings der nächtliche Ausbruch gelungen. Im Laufe des Vormittags war die "El-Adem-Box" erobert. Damit war der letzte und stärkste Stützpunkt um Tobruk gefallen. Unter den Beutepapieren wird eine Karte mit eingezeichneten Stützpunkten im Süden und Minenfeldern, die bisher nicht bekannt waren, gefunden. Das Btl. Kaiser (mit 1. Batterie 361) erhält um 8.00 den Auftrag, Belhamed zu besetzen, Kampfgr. Kost (2. Batterie) mit einer Komp. El Duda,
während Rest bei Carmuset verbleibt. SV 288 mit 3. Batterie 361 besetzt Sidi Rezegh.
Die 1. Batterie findet 2 Lkws mit Verpflegung. Einige finden auch alkoholische Bestände, die aber teilweise am Fundort schon "überprüft" werden. Morgens vereinzelte Tieffliegerangriffe. Unsere Luftwaffe ist nicht sichtbar.
Mittags erhält die Division vom Pz-AOK neue Einsatzbefehle zum Vormarsch Richtung Osten. Die Verbände werden umgegliedert.
- Kampfgruppe Loeven mit Gruppe Kost (II/JR 155) mit 1.KompPzJäger 190 und 2. Batterie 361
- Kampfgruppe Kaiser (I/JR155) dazu PzJäger 190 und 1. Batterie 361
- Kampfgruppe Menton (SV288) mit 3. Batterie 361 und Restkomp. PzJg 605
- Div.-Reserve Rest Fla-Batt. 606 (Briel), 1./F1aG, Stab Art.Abtlg. 361, DivKampfstaffel, Pi.-Batt.900
Die Div. beginnt um 17.00 mit Abmarsch in die Räume westlich Belhamed (hier lag JR 361 bei den schweren Kämpfen Ende November 1941), El Duda und Sidi Rezegh (SV 288). Am Abend sind alle Einheiten eingetroffen und haben die Verbände der 21. PD abgelöst. Art.Abtlg-Stab (bei Div) liegt etwa 5 km westl. Sidi Rezegh. Die Tagestemperaturen betragen mittags 34 - 38° C. 
Oberst Marcks übergibt die Führung der Div. an den bisherigen Kdr. der 15. Schtz.Brig.(nicht mot. Teile Sch.Rgter 200 u. 3G1), Oberst Menny. Über Verwendung Oberst Marcks und Oberst Loeven wird am Abend von O.B. entschieden. Oberst Loeven erhält die Führung der 15. Schtz.Brig., Oberst Marcks übernimmt wieder seinen alten Kampfverband (SchRgt155).
Während die 90. leichte Division noch vor der El-Adem-Box lag, war die 21. PD des DAK an uns vorbei vorgestoßen, und hatte am 18. Juni morgens die Straße "Via Balbia" bei Gambut und die Bahnlinie von Marsa Matruh über Sidi el Barani nach Fort Capuzzo bis Raum Tobmk erreicht.
Die 8. Armee hatte im Kriege die Bahnlinie Alexandria - Marsa Matruh bis an den Außengürtel von Tobruk verlängert und konnte über diese Linie Tobmk mit Nachschub versorgen. Im Laufe des Tages war die Säuberung zwischen Tobruk und Gambut, ca. 50 km östlich von Tobruk, durchgeführt. Gen. Rommel wollte damit die Aufmerksamkeit des Gegners von Tobruk ablenken, gleichzeitig aber die für den Angriff auf Tobruk notwendige Rückenfreiheit gewinnen. Vor allem aber sollte durch diesen Vormarsch die gegnerische Luftwaffe, die sich durch ihre kurzen Anflugstrecken außerordentlich unangenehm bemerkbar gemacht hatte, von ihren Plätzen bei Gambut verdrängt und während des Angriffes auf Tobruk ausgeschaltet werden.
Die 15. Schützenbrigade war - soweit aus den Unterlagen der Division feststellbar - im Frühjahr 1942 aus den "unbeweglichen" Teilen (nicht motorisiert) der 90. leichten Division aus JR 200 und JR 361 gebildet worden. Damals hatten die Einheiten ihre Fahrzeuge zur Motorisierung von Rgt. 155 abgegeben. Diese nicht motorisierten Infanterie-Teile wurden in der Gruppe Crüwell bei der Offensive im Norden der Ain el Gazala-Front zwischen dem Mittelmeer und an den südl. liegenden ital. Infanterie Divisionen eingesetzt. Sie führte schon Ende Mai Angriffe durch, um den Gegner zu täuschen. Nach dem Zusammenbruch der Ain el Gazala-Front wurde die Schützenbrigade vor dem Angriff auf Tobruk in den Bereitstellungsraum des DAK im Süden von Tobruk vorgezogen. Links von der Schützenbrigade schlossen sich im Bogen über Westen nach Norden bis zum Mittelmeer die ital. Infanterie-Divisionen an. Vom Süden über Osten nach Norden lagen die deutschen Verbände.

18. Juni - Art.Abtlg. 361

Der Tag ist verhältnismäßig ruhig. Hptm. Kaul fährt am frühen Nachmittag zur Division. 16.00 Stellungswechsel für die gesamte Art.Abtlg. Stab Art.Abtlg marschiert Richtung Belhamed südöstlich Tobruk in der Nähe der Umgehungsstraße ("Achsen-Straße"), die 1941 von italienischen Bau-Einheiten erstellt wurde und außerhalb der Reichweite der Tobruk-Artillerie liegt.
Die 1. Batterie wird weiter Richtung Osten vorgezogen und bleibt vorläufig in alten Infanterie-Stellungen von 1941. Abends wieder Stellungswechsel. Nachtfahrt mit Durchschleusen durch ein Minenfeld. Ein Fahrzeug fährt auf eine Mine, kommt später aber nach.
Für uns ist der Tagesverlauf auch in der Luft ruhig.
Überraschende Begegnung in der Wüste der 3. Batterie 361
Die 3. Batterie stieß in diesen Tagen beim Vormarsch in der Wüste auf eine rastende feindliche Kolonne. Ort und Zeit sind nicht mehr einzuordnen.
Es war im Juni 1942 während des Vormarsches in der libyschen Wüste. Wir stießen irgendwo unverhofft auf eine große Anzahl verlassener englischer Fahrzeuge, voll aufgetankt und beladen mit Munition und Lebensmitteln. Wer fahren konnte, setzte sich hinter ein Steuer und weiter ging es. Leider mussten wir die meisten Fahrzeuge stehen lassen, da die wenigsten von uns ein Fahrzeug lenken konnten. Plötzlich sahen wir an einem Vorderhang in etwa 3 km Entfernung eine Menge Fahrzeuge, beladen mit Truppen, ferner Geschütze und Selbstfahrlafetten.
Waren es Deutsche oder Engländer?
Da wir selbst Beutefahrzeuge und Waffen hatten, konnte man in der Wüste oft Freund oder Feind nicht unterscheiden. Die Kolonne hielt an. Es war still und kein Schuss fiel. Oberleutnant Schreiber, unser Batteriechef, fuhr in einem VW die Kolonne entlang und befahl:
"Alles feuerbereit machen!" Geschütze und Maschinengewehr wurden in Stellung gebracht. Dann preschte Oblt. Schreiber los in Richtung der gesichteten Fahrzeuge und Geschütze, um zu erkunden.
Anscheinend hatte der englische Kommandeur die gleiche Idee wie unser Chef. Sie begegneten sich auf halbem Wege. Oblt. Schreiber bedeutete dem Enaländer und seinem Fahrer (ein Neger) sich zu ergeben, da sie umzingelt seien. Der engl. Offizier lehnte ab. Nach Ablehnung durch den englischen Offizier trennten sie sich.
Bemerkenswert ist, dass die andere Seite unseren Batteriechef herankommen ließ, ohne einen Schuss abzugeben und ihn auch wieder zurückfahren ließen und erst schossen, als wir das Geschützfeuer eröffneten.
Alles wartete gespannt. Nach einer Weile kam er zurück, hob beide Arme und rief von weitem: "Es sind Engländer. Feuer frei!" Und dann begann der Feuerzauber. Nach den ersten Schüssen antworteten die Engländer. Und zwar deckten sie uns aus allen Rohren derartig ein, dass der Chef den Rückzug befahl, nachdem ein Unteroffizier durch Vollgeschoss ein Bein verloren hatte.
Unser Geschütz mit Uffz. Robert Winter aus Dortmund als Geschützführer u. K 1 blieb zurück, deckte mit weiteren Schüssen den Rückzug der Batterie.
Dann packten auch wir ein, zurück blieben Oberleutnant Schreiber und sein Fahrer Michael (Legionär). Sie fuhren den Engländern noch ein Stück entgegen. Oberleutnant Schreiber aufrecht im VW stehend und mit der Maschinenpistole feuernd.
Wir folgten mit unserem Geschütz der Batterie und sahen noch einen Spähwagen, der uns eine Zeitlang folgte und dann aber verschwand. Bei der weiteren Fahrt sind wir auf ein brennendes englisches Fahrzeug zugefahren, unter dem eine große Anzahl Handgranaten lagen. Den Befehl von unserem Batteriechef, die Handgranaten unter dem brennenden Fahrzeug hervorzuholen, haben wir einfach nicht befolgt und haben uns stur gestellt. Der Chef bewies Größe und Format, indem er nicht auf seinem Befehl bestand und so tat, als sei der Befehl nicht gegeben worden. (Veteran Suszek)

19. Juni: Art.Abtlg./Stab

Bei einem Bombenangriff passierte nicht viel. Ich nahm aber ein Gewehr und schoss Löcher durch den Auspuff des Funkwagens. Wir hatten über Funk gehört, dass in der Nähe ein Verpflegungslager erbeutet wurde.
Dann fahren wir mit dem Wagen zum Abtlgs.-Adjutanten Lt. Wolf, und sagen, bei dem Bombenangriff sei unser Auspuff beschädigt worden. Wir fragen, ob wir uns im Gelände einen Auspuff suchen dürfen. Unser alter Auspuff mache einen solchen Krach, dass man keine Funkzeichen mehr hören würde. Zum Beweis gab unser Fahrer Standgas. Und tatsächlich, man verstand das eigene Wort nicht mehr.
Wir dürfen fahren und halten direkt auf ein riesige Verpflegungslager zu. Viele Landser sind dort. Berge von Büchsen mit Verpflegung liegen im Raum Gambut in der Wüste.
Wir suchen in erster Linie nach Obstkonserven, Milch, Schinken und andere Leckereien und laden den Wagen mit herrlichen Konserven so voll, dass nur der Fahrer sitzen kann. Wir 4 anderen stehen während der Rückfahrt auf den Trittbrettern. Bevor wir aber abfahren, sehen wir einen Major i. G. mit Fahrer in das Verpflegungslager einbiegen. Was uns besonders interessiert: Der Wagen des Majors hat genau den Auspuff, den wir brauchen. Wir warten. bis Major und Fahrer verschwunden sind, dann versuchen wir, den Auspuff auszubauen. Er ist jedoch zu heiß. Alle 5 Mann pissen zunächst darüber, um ihn abzukühlen. Eine halbe Stunde später melden wir Lt. Wolf mit Auspuff, wir seien mit Erfolg vom Suchen zurück und ein Verpflegungslager hätten wir auch nebenbei entdeckt. Er lässt sofort einen Lkw dorthin in Marsch setzen. Wir aber frotzeln, was wohl der Major i. G. für Augen macht, wenn er merkt, dass sein Wagen keinen Auspuff mehr besitzt.
Am Abend Stellungswechsel.
In der Nacht geht es über die Umgehungsstraße südöstlich Tobruk - "Achsenstraße" - über Belhamed auf die Via Balbia Richtung Gambut. Die 15. und 21. PzDiv. marschieren in der Nacht in Gegenrichtung nach Westen auf Tobruk. (Veteran Kromer)
19. Juni - östlich Tobruk -
Am 19. Juni wurde die Aufstellung der Verbände zum Angriff auf Tobruk fortgeführt. Das Vorziehen in die Bereitstellungsräume war am Abend abgeschlossen.
90.le.Div. halte die Rückensicherung nach Osten im Raum Bir Bu Creimisa - Sidi Rezegh - Belhamed durchzuführen. Noch am Abend erhielt die Division den Befehl, sofort über Gambut und Richtung Bardia vorzugehen und den Raum Gambut-Bardia zu besetzen. Dort verbliebene Teile der 21. Panzer-Div. - ein Btl. S.R.104 - wurden unterstellt. Noch im Laufe des Abends wurde Bardia durch eine deutsche Kampfgruppe besetzt.
Die Abteilung Art. 361 halte am 19. Juni keine Kampfeinsätze.
Die 1. Batterie marschiert in etwa nordöstlicher Richtung auf die Via Balbia und weiter auf der Via Balbia Richtung Bardia. Dann Ruhe. Feldstellung: Westlich Bardia, das vom Gegner schon geräumt war. Die Funker der Abteilung halten an diesem 19. Juni einen guten "Verpflegungstag" durch die Verpflegungsbeschaffung am Vortage.
Wenig später kommt ein Angriff englischer Bomber. Sie fliegen immer mit 18 Maschinen. Man schaut dann nach oben, um zu sehen, ob sie abwerfen. Dies konnte man gut beobachten, wenn die Bomben ausgelöst wurden und hat dann noch etwa 1 Minute Zeit in Deckung zu gehen oder mit dem Wagen seitlich in die Wüste zu fahren.

2. Batterie

Die Batterie liegt im Raum Belhamed - südöstlich von Tobruk -. Das Verpflegungslager, bei dem der Funktrupp der Abteilung einen neuen Auspuff und einen mit Lebensmitteln vollgeladenen Funkwagen zurückbringt. wird auch bei der 2. Batterie bekannt und ein Lkw dorthin geschickt. U. a. brachte er große Konservenbüchsen mit kondensierter gesüßter Milch zurück, gleich in der Batterie-Stellung verteilt, die als "Flüssigkeit" sofort unverdünnt getrunken wurde. Der Erfolg war verheerend. Alle. die dieses Milch-Konzentrat getrunken hatten, hatten in den nächsten Stunden "heftige Darmstörungen". Die Batterie war personell bis zum nächsten Morgen nicht mehr einsatzfähig. Zum Glück war am Vormittag die Wirkung weitgehend "abgeflaut" und die Einsatzfähigkeit wieder weitgehend vorhanden. Das angedrohte Kriegsgerichtsverfahren unterblieb stillschweigend.

20. Juni. 1942

Die 15. Schützenbrigade mit den Infanterie-Regimentern 200 und 361 wird in den Bereitstellungsraum des DAK südöstlich Tobruk für den Angriff am 20. Juni auf Tobruk vorgezogen.
Die 90. leichte Division rückt über die Via Balbia nach Osten vor. Bardia wird um 5.00, Fort Capuzzo um 7.00 feindfrei gemeldet.
Die Batterien bleiben den bisherigen Kampfgruppen unterstellt. Kpfgr. Marcks, 1. u. 2. Batterie (JR155), Kpfgr. Menton 3. Batterie (SV288). Die 1. Batterie (Gruppe Kaiser I/155) steht am Morgen in Bereitschaftsstellung an der Via Balbia ca. 2 - 3 Km westlich Bardia. Die 2. Batterie (Gruppe Kost II/155) ca. 8 km weiter westlich an der Via Balbia, die 3. Batterie (SV288) an der Via Balbia auf der halben Strecke zwischen Bardia und Fort Capuzzo. 

1. Batterie

Vormittags fährt die Hälfte der Batterie in die Bucht von Bardia zum Baden. Eine Stunde Zeit zum Säubern des Körpers. Seit 23. Mai war Waschverbot!!
Fast alle Angehörigen der Abteilung haben seit Ende Mai kein Wasser mehr zur Körperpflege gesehen. Den Genuss im Meer, sich jetzt waschen zu können, kann nur derjenige nachempfinden, der die gleiche Situation selbst erlebt hat, eine Zeit von 4 Wochen ohne Waschmöglichkeit war. Nach Rückkehr fährt die 2. Hälfte nach Bardia zum Baden.
Mittags Weitermarsch Richtung Süden. Stellung irgendwo in der Wüste. Trotz der Ruhepausen sind wir alle übermüdet. (Veteran Schweyher) Bei einem Bomberangriff Verlust eines Geschützfahrzeuges.
Über die 2. u. 3. Batterie liegen keine Angaben vor.
Beide Batterien hatte am 20. bzw. 21. auch die Möglichkeiten des Badens in der Bucht von Bardia.
Am gleichen Tag. 20 Juni, begann Gen. Rommel um 5.30 mit dem Angriff auf Tobruk. Die 15. Schützenbrigade, Infanterie-Regimentern 200 und 361 der 90, leichten Division unter Führung von Oberst Menny, nahm an dem Angriff mit der 15. und 21. Pz.Div teil.
Die 361er hatten am Nachmittag schon Flughafen und am Abend den Hafen eingenommen. Damit befanden sich zwei Drittel des Festungskampffeldes in deutscher Hand. Am 21.06. morgens wurde der Angriff gegen die im Westteil der Festung zusammengedrängten restlichen Teile der Besatzung fortgesetzt. Gegenüber dem mit außerordentlichen Schwung vorgetragenen deutschen Angriff brach auch der letzte Widerstand des Feindes zusammen. Die dort noch stehenden Teile der 2. süd-afrikanischen Division ergaben sich, dabei wurden auch 30 unversehrte Inf.-Panzerkampfwagen, die Reste der 32. Heeres-Panzerbrigade, erbeutet. Irgendwelche Übergabeverhandlungen haben nicht stattgefunden; die einzelnen feindlichen Verbände ergaben sich während der Kampfhandlungen. Im Laufe des Vormittags wurden auch die letzten Widerstandsnester an der Straße nach El Adem und an der Via Balbia im Südostteil der Festung beseitigt. Am 20. und 21. wurden die Verbände der 90. le. Division im Raum südlich Bardia und nordwestlich vor Fort Capuzzo zur Flankendeckung des Angriffs auf Tobruk umgruppiert.
21.06.: kam folgender Funkspruch an Abtlg-Stab: (Auszug)
"Lage Tobruk 20.06. Im Laufe des Vormittags gelang Einbruch in Festungsgürtel im SO. 13.30 wurde beherrschendes Höhengelände und Wegegabel 7 im südlichen Hafen im Kampf genommen. 16.00 besetzten Panzerkräfte Hafen Tobruk."
Die Abteilung wird nach Süden bis auf einige Kilometer vor Fort Capuzzo vorgezogen. 20 Panzer greifen an. 5 werden abgeschossen. Wir beziehen Gefechtsstand in der Nähe der 1. Batterie bei einem Autofriedhof.
Am Nachmittag erfahre ich, dass sich in der Nähe eine Wasserstelle befindet. Ich gehe zu Hptm. Kaul und frage, ob ich Wasser holen kann. Nach 2 Stunden kann ich endlich fahren.
Bei der 1. Batterie leihe ich mir ein Beiwagen-Krad und organisiere an der Wasserstelle einen Lkw. Zuerst soll ich aber bei der Division einen Offizier abholen. Nach der Tagesmeldung (18.00) fahren wir zum Tross. Bei Ankunft beim Tross Angriff von Bombern.
Hier treffe ich auch den Leutnant, den ich abholen sollte. Es ist mein Schulfreund Eberhard Häusler aus Freiburg. (Veteran Kromer) Fort Capuzzo wurde besetzt, musste aber später wieder aufgegeben werden. Spähtrupps der Aufkl.-Abt. 3 fühlten gegen Sidi Omar vor. An der ägyptischen Grenze werden überall stärkere Feindbesetzung festgestellt. Die hier stehenden Feindkräfte; 10. ind. und 1. südafrik. Division, beschränkten sich jedoch lediglich darauf, eigene Vorstöße abzuwehren. Im Abschnitt Bardia - Capuzzo wurden ausgedehnte Versorgungslager vorgefunden. Durch die Einnahme von Tobruk konnten aus der großen Beute die Infanterie-Einheiten der Division motorisiert werden.
Der Divisionskdr. Gen. Kleemann übernimmt am 21. Juni nach Rückkehr aus dem Lazarett wieder die Führung der Division.

22.06.1942

Stellungswechsel für die l. Batterie. Aus der mühsam geschanzten Stellung haben wir keinen Schuss abgegeben. Mittags sammeln in der Kampfgruppe zum Vorstoß nach Ägypten.
22.06. Am Vormittag werden Fahrer für eine Beutekolonne nach Tobruk gesucht. Ltn. Häusler führt. Ich melde mich. (Veteran Kromer) Auf der Via Balbia Richtung Tobruk begegnen wir endlosen Kolonnen. Wir fahren an Minenfeldern vorbei und kommen am späten Nachmittag auf die Höhen von Tobruk. Hier suchen wir ohne Erfolg Fahrzeuge, die fahrbereit sind. Immer noch werden Gefangene abtransportiert. Die Beute ist riesig. Verpflegungslager, Munitionslager. Gegen Abend fahren wir nach Tobruk. Von der Höhe aus als reizendes Städtchen anzusehen, aber zerschossen.
23.06. Den ganzen Vormittag suchen wir Fahrzeuge. Durchfahren ganz Tobruk. Am Nachmittag haben wir endlich 6 Lkws zusammen. Die englischen Fahrer hatten Befehl, an allen Fahrzeugen die Verteilerfinger am Motor abzumontieren. Deshalb war kein Wagen fahrbereit. Als wir dahinter kamen. durchsuchen wir alle Gefangenen nach Verteilerfingern.
Wir laden Munition und fahren bei Einbruch der Dunkelheit los. Ich fahre eine Selbstfahrlafette. Sie besitzt einen angebauten Hühnerstall mit Hühnern. Der Fahrersitz liegt so hoch, dass man mit einer Leiter hochklettern muss. Die Hühner hat man uns aber bald gestohlen. (Veteran Kromer)
Vom 22. auf 23. Juni wird die 2. Batterie auf die Via Balbia südlich Bardia vorgez

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER