Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Berichte » Der Afrika Feldzug aus Sicht der Art. Abt im Afrika Rgt. 361 - Part VII

Die Kämpfe um El Adem und der Vormarsch bis zur ägyptischen Grenze waren für die Art.Abtlg. verlustreich. In den Tagen des 14. und 15. Juni fielen von der Stabsbatterie die Kam. Kordes und Steinigeweg, von der 2. Batterie Astor, Marien. Scholz und Pitscheid und von der 3. Batterie Uffz. Bestmann. Die l. Batterie hatte glücklicherweise keine Gefallenen zu verzeichnen. Die Ausfälle durch Verwundungen waren bei allen 3 Batterien erheblich.
Am 23. Juni nachmittags beginnt der weitere Vormarsch nach Osten über die ägyptische Grenze. Die 90. leichte Division stößt bei Fort Capuzzo durch den Grenzzaun nach Ägypten vor. Der gegnerische Widerstand ist gering (gegen 18.00). Die Kampfgruppe Menton (SV288) verbleibt mit 2. Batterie im bisherigen Raum bis die nachrückenden Italiener eintreffen.

1. Batterie

Am späten Nachmittag überschreiten wir mit der Kampfgruppe die Grenze in der Nähe von Fort Capuzzo. Reste des Grenzzaunes, den die Italiener vor dem Kriege gebaut hatten. sind noch zu sehen.
Voraus fahren erbeutete leichte Panzer, die zur Erkennung die Fahne über das "Oberdeck" gespannt haben. lm Nachtmarsch geht es nach vorgegebener Kompasszahl Richtung Osten. (Veteran Schweyher) 
Unser Fahrzeugbestand besteht überwiegend aus Beutefahrzeugen. Die Artillerie-Geschützausstattung ist "Original englisch". (Veteran Scherer)

24. Juni 1942

Nachdem sich am Vortage herausgestellt hatte, dass der Gegner die Grenzstellung aufgab und hinhaltend kämpfend auf die Marsa Matruh-Stellung zurückging, befahl der Oberbefehlshaber rücksichtslose Verfolgung. Als Tagesziel wurde der allgemeine Raum 50 km südostwärts Sidi Barrani befohlen.
Die 90. le. Div. kommt sehr rasch vorwärts. Schon während der Nacht vom 23./24.6. bestand keine Feindberührung mehr. Am Morgen konnte nur noch nach Osten ausweichender Feind festgestellt werden.
Unsere Kampfgruppen umfahren südlich den Ende 1941 umkämpften Halfaya-Paß, entlang der Eisenbahnlinie Marsa Matruh nach Fort Capuzzo. Wir fahren stark aufgefächert in breiter Formation (Flächenmarsch). Die Fliegerangriffe haben etwas nachgelassen, dafür laden Bomber in Vierer-Formation ihre Bomben ungehindert auf die fahrenden Kolonnen ab. Wir fahren deshalb weit auseinandergefächert.
Im Laufe des 24. Juni wird die Kampfgruppe mit der 1. Batterie 12 mal angegriffen. Die Kameraden Heising und Golumbiewski fallen durch Bombenvolltreffer am Geschütz. Kan. Rügamer stirbt an seinen Verwundungen im Lazarett. (Veteranen Quadflieg/Schweyher) Nachts gehen die Bombenangriffe mit Leuchtschirmen weiter. Der Gegner hat durch seinen Rückzug nur geringe Flugentfernungen vom Flugplatz. Unsere eigenen Jäger sind nicht zu sehen. Eigene Luftabwehr ist nicht vorhanden.
Der Batterie-Chef der 2. Batterie Obtl. Berndt wird bereits am 17. Juni verwundet. Als Nachfolger kommt Hptm. Kroupa und als Batterie-Offizier Obtl. Schwabel.
Wm. Batzer wird schwer verwundet und stirbt im Feldlazarett. Von der 3. Batterie sind für diese Tagen wenig Angaben vorhanden. Kam Burgmüller fällt am 25. Juni durch Bombenangriffe.
Die Verluste der Division durch die laufenden Bombenangriffe sind hoch. Im Laufe des 24. Juni (mittags und abends) bei Kampfgruppe Menny und Div-Stab 70 Schwerverwundete. 
25.6. Der allierte Oberbefehlshaber im Mittleren Osten, General Auchinleck, übernimmt die Führung der 8. engl. Armee.
26.Juni: Gen. Rommel wird zum Feldmarschall befördert. Er bestimmt als nächste Angriffsziele El Alamein - Alexandria - Nilmündung - Kairo unter Kenntnis der Zurückstellung der Malta-Operation durch Commando Supremo und OKW.
Am 25. Juni weiterer Vormarsch Richtung Osten zum Angriff auf Marsa Matruh, dem bisherigen Hauptquartier der 8. engl. Armee. 
Am 26. Juni ist der Ring um Marsa Matruh trotz Minenfelder bis Südost erreicht. Die Division liegt ca. 20 km südsüdostwärts Marsa Matruh. Im Bereich der 1. Batterie sind ca. 20 Bombenangriffe von 4 Bombern zu verzeichnen, die in fast regelmäßigen Zeitabständen ihre Bomben bei uns abladen. Eigene Abwehr in der Luft und auch am Boden nicht vorhanden. Der Erfolg ist gering. In der Nacht gingen die Angriffe von einzelnen
Flugzeugen weiter. Dabei wird auch der Verfasser durch einen Splitter im Knie verwundet.
Am 27. Juni stoßen die Kampfgruppen bis zur Küstenstraße ans Meer östlich Marsa Matruh vor. Am Abend ist Marsa Matruh eingeschlossen. In der Nacht versuchen die eingeschlossenen gegnerischen Verbände nach Süden durch Kampfgruppe Menton durchzubrechen. Mit Unterstützung starker Teile der Armee-Artl. gelingt es der Kpfgr. Menton, z. T. im Nahkampf den Durchbruchsversuch zu vereiteln und dein Gegner hohe Verluste beizubringen. Daraufhin zieht der Gegner sich zurück und versucht einen zweiten Durchbruch in südostw. Richtung auf das D.A.K., auch dieser wird zurückgewiesen. Nur schwachen Teilen des Feindes gelingt es im Schutze der Nacht durchzubrechen. Beide Durchbruchsversuche unternahm der Gegner in betrunkenem Zustande. Mehrere tausend Gefangene wurden hierbei eingebracht. Bei der 3. Battr. fällt Kam. Envig.

28. Juni

In den frühen Morgenstunden starkes feindl. Ari1.Fcuer (2 le. u. 1 schw. Battr.) auf Gruppe Marcks in der Küstenebene. 1./Flak (2-8,8 cm Gesch.) versucht Feindbattr. zum Schweigen zu bringen. Nach den ersten Abschüssen wird die deutsche Flak-Battr. jedoch derartig vorn feindl. Artl.Feuer und Jabos eingedeckt, dass sie Stellungswechsel machen muss. Der Feind versucht nun, mit seiner gut eingebauten Artl. und unter Einsatz starker Tiefflieger- und Jabo-Angriffe die Div. zu zerschlagen und den Weg für die in Marsa Matruh eingeschlossenen Verbände nach Osten freizumachen. 13.00 Uhr meldet Oberst Marcks, dass Feind mit Panzern und einem Schtz.Btl. in breiter Front (Flächenmarsch) im Angriff von Westen nach Osten auf seine Kampfgruppe angetreten sei. Da die Kpfgr. nur noch über 4 einsatzbereite Russenpak (7,G2 cm) verfügt, bittet er um sofortige Pakverstärkung. Div.Kdr setzt sofort die gesamte Pz.Jaeg. Abt. 190 bei Gruppe Marcks ein.

29. Juni

In den Morgenstunden erstürmten 90.le.Div. von Osten und Aufkl.-Abt. 580 und Kampfstaffel A.O.K. von Süden die Festung. Der feindliche Widerstand war zusammengebrochen. Nunmehr drangen auch Bersagleri des XXI.A.K. von Westen her in den Festungsbereich ein.
Unmittelbar nach dem Fall von Marsa Matruh trat 90.le.Div. den Vormarsch auf der Küstenstraße an. In schnellem Vorgehen erreichte sie noch in der Nacht den Raum 10 km ostwärts El Daba. Der Division folgten die mot. Gruppen des XX.A.K.(ital). Die Batterien können sich aus großen Beutebeständen besonders mit Fahrzeugen aller Art und Verpflegung eindecken. Obstkonserven sind besonders beliebt zur Abwechslung der eintönigen Verpflegung.
Kam- Kromer (Stabsbatterie-Nachrichtenzug) erbeutet einen Lkw und fährt 42 Gefangene zum Sammellager. Nach dem Abliefern im Lager muss er feststellen, dass auch die Brot und Kekskonserven restlos verschwunden sind.
Bei der Befehlsausgabe durch Gen. Rommel auf der Straße ostwärts von Marsa Matruh für den weiteren Angriff - nächstes Ziel war El Daba -, wurden die dort versammelten Kommandeure und Kampfgruppenführer von einem schweren Stuka-Angriff der eigenen Luftwaffe überrascht. Es gab Tote und Verwundete. Auch unsere 3. Batterie wurde schwer getroffen. Nach Aussagen von einigen Kameraden unserer Abteilung, die zufällig bei diesem Angriff in Sichtnähe von General Rommel waren, waren die Meinungssäußerungen von Gen. Rommel verständlicherweise laut und nicht "stubenrein". (Veteran Lambricht)
Die Division tritt zum weiteren Vormarsch nach Osten an. Mitternacht erreichen die Spitzen Tel Shageray ca. 7 km westlich Sidi Abd el Rahmann.
Bei Fuka und El Daba leistet der Gegner kaum Widerstand und die Division erreicht ihr Tagesziel.
Die Artillerie-Abtlg. 361 hatte seit Beginn der Offensive am 26. Mai bis zum 29. Juni erhebliche Personalausfälle u. Geräteverluste. Das Kriegstagebuch der Division meldet einen Personalbestand zu diesem Datum:

9 Offizierie, 40 Uffz., 180 Mannschaften, wahrscheinlich ist in diesen Zahlen der Troß nicht enthalten.
Der Waffenbestand (Geschütze):
1. Batterie 4 engl. Geschütze und 2 leichte Art. Geschütze
2. Batterie 1 russ. Geschütz und 2 leichte Art. Geschütze
3. Batterie 4 russ. Geschütze und 2 leichte Art. Geschütze
Die deutsch-ital. Panzerarmee in Nordafrika erreicht die Enge von El Alamein 100 km westlich von Alexandria mit nur noch 70 Panzern und Panzerspähwagen.
Am 30. Juni geht morgens der Vormarsch weiter. Mittags ist der Bereitstellungsraum bei Tel el Aisa erreicht, ca. 12 kam westlich El Alamein.
Gen. Rommel erhält von Mussolini den Befehl nach Kairo vorzustoßen. Mussolini begibt sich im Juli nach Derna mit der Absicht, auf einem Schimmel an der Spitze der Truppen in Kairo einzuziehen.

1. Juli 1942 -1. Alameinschlacht

Nach der Einnahme von Marsa Matruh, dem Hauptquartier der 8. Armee, trat die Division um 3.15 zum Angriff gegen Osten an. Am Morgen gegen 7.30 bleibt der Angriff liegen. Die Division weicht nach Süden aus. Sie bildet südöstlich von El Alamein Abwehrfronten gegen Süden und Norden. Neuer Angriff um 16.00 nach Nordosten. Nach anfänglichen Erfolgen unter starkem gegnerischen Artillerie-Feuer bleibt der Angriff liegen, da die Division über keine einsatzfähige Artillerie mehr verfügt. Der Gegner liegt in gut ausgebauten Stellungen und ist uns artilleristisch in der Abwehr stark überlegen. Nachmittags schießen unsere Batterien aus den wenigen noch vorhandenen Rohren, um erkannte Bereitstellungen von Panzern und Lkws um einen Angriff soweit zu stören, dass dieser Angriff nicht stattfindet.
Durch einen Sandsturm war die Division zu weit nach Nordost von der vorgesehenen Angriffsrichtung abgekommen und damit zu nahe an die gegnerischen Stützpunkte. Außer dem Abwehrfeuer machen uns die Bomber u. Tiefflieger stark zu schaffen.

1. Juni Stab (Bericht Veteran Kromer)

Hauptmann Kaul hatte die Angewohnheit, oft in aller Frühe "auf Erkundung" zu fahren, wie er es nannte.
In seinem Wagen fuhren mit: Abtlgs-Adjutant Lt. Wolf, Fahrer Herbert und Melder Toni Bathe.
Ich folgte mit meinem Funkwagen. Wenn wir Feindberührung bekamen, musste ich Funksprüche absetzen, wo sich der Gegner befand oder um die eigene Artillerie einzusetzen.
Außerdem nahm Hptm. Kaul stets ein Geschütz mit und einen Lastwagen mit Munition. Bei dem Geschütz handelte es sich um eine in Russland erbeutete 7,62 cm Kanonen-Haubitze.
Wenn in der Ferne eine Feindkolonne erkannt wurde, ließ er das Geschütz in Stellung gehen zum Beschuss des Gegners. Die Engländer schossen meist mit ihrer Artillerie zurück.
Einmal merkten wir erst nach einem Artillerieduell von 20 Min., dass der vermeintliche Gegner unser italienischer Bundesgenosse war. Der Krieg in Afrika war kein Stellungskrieg wie im Osten, bei dem sich Deutsche und Russen oft auf kurze Entfernung gegenüber eingegraben hatten.
In der Wüste fuhren motorisierte Kampfgruppen und suchten den Feind. Zur Tarnung schleppten wir Reisigbüschel an Seilen hinter den Fahrzeugen her. Auf dem trockenen Wüstensand erzeugten sie eine riesige Staubwolke. Selbst wenn es sich nur um wenige Fahrzeuge handelte, sollte der Feind glauben, hier kommt ein großer Verband. Hauptmann Kaul fuhr mit uns an diesem Tag - wie schon oft - auf Erkundung. Er fuhr mit seinem Fahrzeug voraus mit Leutnant Wolf (Adjutant), Fahrer Herbert und Melder Toni Bathe. Dann folgte mein Funkwagen. Den Schluss bildete das Geschütz und der Munitions-Lkw.
Unsere Wagenkolonne fuhr auf der Küstenstraße Richtung Alexandria. Von der Stellungslinie bei EI Alamein wussten wir damals noch nichts. Am Abend vorher war ich bei der Division gewesen. Ein Uffz. zeigte in Richtung Osten und sagte: "Sehen Sie den Höhenzug in der Ferne. Dort liegt der Gegner. "
Beim Fahren auf der Küstenstraße bemerkte ich plötzlich, dass wir an den vorgeschobenen Stellungen der Infanterie vorbei ins Niemandsland fuhren. Die Infanteristen gaben uns Zeichen, anzuhalten. Sie riefen uns außerdem zu, der Gegner habe sich am Ende der Straße, am Beginn einer Steigung. eingegraben. Aber der Wagen von Hptm. Kaul fuhr weiter. Also mussten wir ihm folgen.
Auch im Wagen des Kommandeurs regte sich eine Stimme. Lt. Wolf sagte zu Hptm. Kaul, er schlage vor, nicht auf der Straße weiter zu fahren und in die Wüste einzubiegen.
Aber Kaul winkte ab. Er gab seinem Fahrer Zeichen mit Daumen und Zeigefinder. Damit signalisierte er, welche Geschwindigkeit er haben wollte. Fahrer Herbert hielt sich daran.
Zunächst war der Wagen von Hptm. Kaul nur ca. 20 Meter vor uns. Mit kam die Sache nicht geheuer vor. Ich sagte dann meinem Fahrer, er solle den Abstand vergrößern. Zuerst auf 50 Meter und dann auf 100 Meter. Die Engländer ließen das vordere Fahrzeug bis auf ca. 300 m herankommen. Dann eröffneten sie schlagartig das Abwehr-Feuer. Der Wagen von Hptm. Kaul wurde sofort getroffen.
Als der Beschuss begann und der Wagen Treffer erhielt und fahruntüchtig wurde, befahl Hptm. Kaul: "Aus dem Wagen fallen lassen und sich regungslos stellen."
Ihm und Lt. Wolf gelang dies, Melder Toni Bathe aber nicht. Zwischen Bathe und Lt. Wolf waren im Wagen Kisten mit Lebensmitteln gestapelt. Daher wagte er es nicht, aus dem Wagen zu springen. Er wollte eine Feuerpause abwarten.
Durch Artillerie-Beschuss schlug eine Granate neben dem Wagen ein. Dadurch wurde Bathe aus dem Wagen geschleudert. Er fiel neben dem Fahrer Herbert auf die rechte Seite in Fahrtrichtung. Dabei musste er feststellen, dass Fahrer Herbert tot war.
Während des Beschusses, der anhielt, sprang Hptm. Kaul auf, zog seine Pistole, lief auf die englischen Stellungen zu und rief: "Hände hoch!"
Die Engländer ließen sich nicht beeindrucken und schossen. Durch den Beschuss wurde er auf einer Gesichtshälfte verwundet und blieb in der Nähe des Wagens liegen.
Ähnliches hatte er vor einigen Tagen bei einer Erkundung schon einmal gemacht. Obwohl die Engländer uns bemerkt hatten, die Geschütze schwenkten und auf uns zu schießen begannen, fuhr Hptm. Kaul mit uns direkt auf die feindlichen Geschütze zu und nahm die Besatzung mit gezogener Pistole gefangen.
Der Vierte, Lt. Wolf blieb unverletzt und schlug sich zu den deutschen Linien durch.
Als der Feuerüberfall begann, fuhr ich mit meinem Funkwagen ca. 100 Meter hinter dem Wagen von Hptm. Kaul. Es gelang meinem Fahrer, trotz der Einschläge von der Straße in die Wüste zu fahren und dort mit einer großen Kurve zu wenden.
Wir fuhren, so schnell es ging, im Zickzack durch die Wüste. Obwohl der Gegner mit allen Rohren auf uns schoss, wurden wir nicht getroffen.
Auch unser Geschütz und der Munitions-Lkw konnten eine Schwenkung in die Wüste vollziehen und wieder die deutschen Linien unbeschädigt erreichen.
Kurz nach dem Feuerüberfall fuhr noch ein deutscher Lkw ahnungslos ebenfalls auf der Straße in Richtung der feindlichen Stellungen. Der Fahrer sah den Wagen von Hptm. Kaul und die Verwundeten. Er wollte ihnen helfen und stieg aus, dabei wurde er selbst schwer verwundet.
Wir fuhren sofort zum Divisions-Stab und meldeten den Vorfall. Dieser schickte einen Sanitätswagen der Art.Abtlg. nach vorne. Auf dem Dach saß ein Sanitäter, der die Rot-Kreuz-Flagge schwenkte:
Rechts auf dem Trittbrett stand unser Abteilungsarzt Dr. Überholz und links ein Sanitätsunteroffizier.
Die Engländer waren so fair, nicht zu schießen. Hptm. Kaul und Kamerad Bathe wurden in den Sanka geladen, sowie der Fahrer des Lkws. Der gefallene Herbert wurde ebenfalls mitgenommen. Am Schluss stand unser Arzt Dr. Überholz in Richtung Gegner, legte die Hand an die Mütze und salutierte, als Dank für das faire Verhalten der Engländer. (Veteran Bathe)

2. Juli vor El Alamein

Morgens 4.00 Angriff Kampfgruppe Menny mit Infanterie von Rgt. 361 ohne eigene Artillerie-Unterstützung. Die Munition ist knapp geworden. Dieser und weitere Angriffe im Laufe des Tages bleiben liegen. - Die Gefechtsstärke der Division beträgt noch 1328 Köpfe. Die Situation, die auch für die kommenden Tage gültig ist, gibt anschaulich das Kriegstagebuch vom 2. Juli der Division wieder:
Die stark erschöpften deutschen Verbände scheinen diese letzte Festung der Engländer vor dem Nil-Delta mit eigenen Kräften nicht mehr bezwingen zu können. Der Feind setzt alle verfügbaren Luftstreitkräfte gegen die angreifende Afrika-Armee an. In Abständen von oft nur 20 - 30 Min. greifen 15, 18, oft sogar 21 Bomber mit entsprechendem Jagdschutz an. Wenn auch der sichtbare Erfolg dieser schweren, rollenden Bombenangriffe und Tieffliegerangriffe aufgrund der weiträumigen Aufstellung der Gefechts- und Trossverbände nicht wesentlich ist, so ist die moralische Wirkung auf die Truppe doch umso größer. Jeder sehnt sich nach deutschem Jagdschutz und weiß doch, dass die deutsche Afrika-Luftwaffe nicht so schnell vorverlegt werden kann. Vereinzelt erscheinen, von der Truppe stürmisch begrüßt, deutsche Jäger, die natürlich nicht in der Lage sind, derartig starke Bombenverbände anzugreifen. Die letzte Hoffnung sind nun noch die bisher wenig eingesetzten, also fast frischen ital. Divisionen (X. u. XXI. ital. Inf.Korps und XX. ital. mot. Korps). Doch von den Kameraden ist wenig zu erhoffen. Das links rückwärts der 90. le. Div. eingesetzte ital. I.R.62 der Div. Trento hatte am 2.7. den Befehl erhalten, sich in der Angriffsbewegung der 90. le. LD. weiter vorzuschieben, also auf dem linken Flügel der Div. mit anzugreifen. Wie sich später herausstellte, waren wohl 8 - 10 cm Battrn. in Stellung gegangen und 2 Inf.Btle. vorne eingesetzt worden, hatten jedoch weder geschossen noch angegriffen mit der Begründung, sie wollten das Feuer nicht auf sich lenken. So bleibt die 90.Ie.Div. denn in ihrem Nordabschnitt auf ihre eigenen Kräfte angewiesen. Verluste des Tages (soweit gemeldet): Gefallen 10 Mann, verwundet 12 Mann.
Abschlußbild des Tages: Der Feind verteidigt sich hartnäckig in seinem fest ausgebauten Stützpunkt "Nord" (betonierte Bunker, Minengürtel und Drahthindernisse, eingebaute Artl.- und Pakstellung). Weiter nach Osten hat der Feind anscheinend einen neuen Stützpunkt angelegt, aus dessen Tiefe er im Laufe des 2,7, mit mehreren Battrn. den Angriff der Gruppe Menny (JR 200 und 361 u. 2 Battr. 361) wirksam bekämpfte. 90.le.Div. ist mit ihren Restverbänden und Waffen nicht mehr in der Lage, das befohlene Angriffsziel zu erreichen und gräbt sich zur Verteidigung ein.
3. Juli: Angriffe mit dem DAK auf gegnerische Stellungen mit örtlichen geringen Erfolgen. Am 4. Juli wird ein Panzerangriff gegen 17.00 ca. 3 km vor den eigenen Linien gestoppt. 
Lt. Häussler war Ende Juni kurz nach dem Fall von Tobruk zur 1. Batterie als Ersatz eingetroffen und wurde gleich beim Vormarsch nach Ägypten als vorgeschobener Beobachter (v.B.) eingesetzt. Nach seiner Erinnerung fand der Einsatz mit der Kampfgruppe vor El Alamein Anfang Juli statt. Unsere 1. Batterie hatte zu dieser Zeit nur noch ein einziges einsatzfähiges Geschütz, ein englisches Beutegeschütz 8,76 cm mit 12 Granaten. Mit der "Streitmacht" einschließlich Muni-Lkw und eigenem Pkw, alles Beutefahrzeuge, wurde ich zu einem Sondereinsatz der "Kampfgruppe Briel" zugeteilt; wir sollten einen Erkundungsvorstoß in den britischen Verteidigungsgürtel machen. Ritterkreuzträger Major Briel, bekannter Haudegen und Draufgänger, stellte den Rest seines 2 cm Fla-Batl. nachts in der Bereitstellung auf, am Schluss der Kolonne unsere "Minibatterie". Da wir noch in der Nacht möglichst unbemerkt in das gegnerische Vorfeld kommen sollten, Befehl: alle Fahrzeuglichter abschalten, Rücklichter zukleben, keine Taschenlampen, keine Zigaretten durften glimmen: "lautlose Geisterarmee". Maj. Briel schritt seine Kolonne ab und entdeckt an einem der letzten Fahrzeuge sehr mangelhaft abgedunkelte Stopplichter. Erbost ob solcher Schlampigkeit riss er wütend eine Axt vom Fahrzeug und hackte damit kurzer Hand diese beiden Rücklichter ab. Das musste wohl einen "Kurzen" gegeben haben, zur Überraschung aller leuchteten die vorderen Scheinwerfer auf.
Im Morgengrauen blieb unser Vorstoß im heftigen Abwehrfeuer, vor allem im Abwehrfeuer etlicher Batterien stecken. An mich erging von Briel der unvergessene Befehl "Machen Sie jetzt die feindliche Artillerie zu Mus!!" Davon konnte zu Briels Verdruss kaum die Rege sein, unsere 12 Granaten waren bald verschossen und der Gegner hatte noch Hunderte. Unser Unternehmen brachte immerhin die Erkenntnis, dass man an dieser Stelle den Festungsgürtel vor El Alamein nicht ohne weiteres aufbrechen konnte. 
Am 5. Juli und in den folgenden Tagen liegt die Div. im Süden und Südosten vor der El-Alamein-Stellung ohne weitere Erfolge fest.
Am 6. Juli nachmittags Panzerangriff auf die Kampfgruppen Marcks (J.R.155 und SV 288) und Menny (J.R.200 und 361).
Der Gegner tritt um 15.50 Uhr mit 16 Panzern - mit nachfolgender Infanterie - auf Rgt. 200 und mit 12 Panzern bzw. gepanzerten Fahrzeugen auf Gruppe Marcks zum Angriff an. Mit den wenigen noch vorhandenen Pz.Abwehrwaffen und der Art. 361 wird der Panzerangriff sehr bald abgewiesen. 8 gepanzerte Fahrzeuge (4 Mark II, 3 überschwere feindl. Pz.Spähwagen und 1 le. Pz.Spähwagen) werden abgeschossen, die Restteile drehen ab. Besondere Erfolge hat hierbei das 1.R. 155, das 7 Abschüsse meldet und den feindl. Angriff abweist.
In den folgenden 2 - 3 Wochen nahm die Art.Abtlg. 361 an den wechselvollen örtlichen Kämpfen verteilt auf die Kampfgruppen der Division teil. Es ist wenig über die einzelnen Einsätze der Batterien bekannt. Am 5. Juli wird Kam. Lambricht (2. Batt.) verwundet. In der 1. Batterie wird Kam. Quadflieg (2 cm Flak) zum Gefreiten befördert und mit den EK II ausgezeichnet.
Bei den Kämpfen fallen am 5. Juli O.Kan. Gassner, 1. Batt., und am G. Juli Kam. Stratmann, 3. Batt.,. Wms. Batzer stirbt am 7. Juli im Lazarett Derna an seiner Verwundung (2. Batterie). Am 10. Juli fallen Gefr. Schenk u. Kam. Fischer 1. Batterie. In der 3. Batterie sind im Juli die Verluste hoch. Am 10. Juli Uffz. Stiwi, 17. Juli Kam. Böhm, 19. Juli Kam. Plunike, 22. Juli Kam. Segel und am 23. Juli Kan. Haertel.
Der Gegner greift immer wieder örtlich mit stärkeren Gruppen an und führt diese Angriffe gezielt auf Stellungen mit italienischen Einheiten. Am 9. Juli wird das von den Neuseeländern verteidigte Werk Bab el Qattara im Süden durch die 21. Pz.Div. genommen.
90. le. Div. und Aufkl-Abt.33 griffen im Südabschnitt nach Osten an, Feind, der gegenüber dem Vorgehen der 21. Panzer-Div. starken Widerstand leistete, kämpfte im Süden nur hinhaltend. Es gelang der 90.le.Div. bis zum Abend den beherrschenden Dschebel Khalag zu nehmen. Aufkl.Abt. 33, die über Abu Dweis vorging, fand den stark ausgebauten und gut bevorrateten Stützpunkt El Taqua unbesetzt. Am 10. Juli Angriff. Die Artillerie wird IR 361 (Kdr. Obstltn. Panzenhagen) unterstellt. Die 1. Batterie wird aus dem Vorfeld herausgezogen und fährt ca. 20 km südlich zwischen Tafelbergen und einem Salzsee in Bereitstellung. Beim Marsch fallen die Kam. Schenk und Fischer durch Bombenangriff.
Der Angriff wird vom Gegner abgewehrt. Wie jedoch die Lage am 11. und 12.7 ergab, war es gut gewesen, dass die 90.le. das befohlene Angriffsziel am 10./11. nicht erreichte, da ihr sonst die Versorgungswege durch starke Feindgruppen aus Norden und Süden abgeschnitten worden wären. Am 11. Juli wird die 1. Batterie bis auf ein Geschütz (Geschützführer Penkert) bis zum 17. Juli in Ruhestellung zurückgezogen. 2. u. 3. Batterie bleiben weiter im Einsatz. Die Division übernimmt die vom Gegner ausgebauten u. eroberten Stellungen "Garet el Abd" und "Bab el Qattara". Die Stellung Bab el Qattara wird vom SV 288 übernommen mit einer Batterie 361 und der dort bereits liegenden Artillerie vom Art.Rgt. 115. Die Art-Abtlg. wird am 11. Juli der 15. Schützenbrigade (Oberst Marcks) unterstellt (Teile JR 200 und 361).
Am 15. Juli greift die 2. neuseeländische Division aus Südosten kommend die nördlich liegenden Stellung der Division u. der 15. Pz.Div. südlich des Ruweisat-Rückens an. Die Artillerie im Raum Bab el Quattara (11 cm u. Mörser) haben nur noch etwa 30 Schuss je Batterie. Nach dem Durchbruch einer feindlichen Panzerkolonne bei Kpfgr. Lindemann (15. Pz.Div) werden die alten Stellungen vom 13. Juli wieder besetzt. Der Vorstoß des Gegners richtet sich erkennbar auf das befestigte Werk Bab el Quattara. Die Division ist gezwungen, die Verbände wieder umzugruppieren. Das I./361 u. Rgtsstab werden in das Werk verlegt. Zwischen Bab el Qattara und Djebel Kalagh wird hinter dem in den vergangenen Tagen verlegten Minengürtel ein neuer Stützpunkt mit IL/361 u. 1. Batterie Art.Abtlg. 361 angelegt.
Die Artillerie-Abteilung 361 verfügt am 16. Juli über 3 Batterien: 
1. Batterie mit 3 engl. Geschützen (Kal. 8,76 cm)
2. Batterie mit 2 engl. Geschützen (Kal. 8,76 cm) 
3. Batterie mit 3 russ. Geschützen (Ka1. 7,62 cm) 
Am 17. Juli abends wird das Infanterie Rgt. 200 aus der Div. herausgezogen und nach Norden verlegt. 
Am 18. Juli werden Teile der Division zu einer beweglichen Stoßreserve mit einer Batterie 361 zurückgezogen (Führung Hptm. Kaiser JR155). Der Tag ist bis auf feindliches Artilleriefeuer ruhig.
Bis zum 20. Juli - außer Artilleriefeuer - keine Feindberührung.
Am 22. Juli gelingt dem Gegner ein Einbruch zwischen I/155 u. I./361. Durch die gebildete Stoßreserve (Kpfgr. Briel/Fla) wird am Morgen der Einbruch abgeriegelt. 21 Panzerfahrzeuge werden abgeschossen. Den Nordteil des Div.-Abschnittes führt Oberst Menton (SV 288), den Südabschnitt übernimmt Oberst Marcks (IR 155) mit 15. Schützenbrigade und 3. Batt. 361. Die Absicht des Gegners war es, dass Werk Deir el Shein zurückzugewinnen (nördlich von Westteil Ruweisat-Rücken). Die Tage bis zum 26. Juli sind mit dem üblichen Artillerie-Feuer ruhig. Die Temperaturen liegen tagsüber meist über 35°, die vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag auf beiden Seiten keine größeren Tätigkeiten zulassen.
In der Nacht vom 26. auf 27. Juli greift der Gegner mit starkem Artilleriefeuer und Panzern die Stellung von I./361 an.
Am Morgen des 27. Juli hat er nach heftigen Kämpfen einen Einbruch von ca. 5 - 7 km erzielt. Die Armee-Reserve unter Obstltn. Ryll, II./361, 20. Panzer-Div. Littoria, 1 Batterie 361 u. 2 - 8,8 Geschütze werden zur Verstärkung zwischen I/200 und Rgt. Trieste (ital.) eingeschoben. Nach der Abwehr der gegnerischen Angriffe im Nordteil der Alamein-Front ist es bis Anfang August im Bereich der 90.le.Div. weitgehend ruhig mit dem üblichen Artilleriefeuer. Am 30. Juli werden von der 1. Batterie Kam. Penkert und Uffz. Leinen schwer verwundet.
Seit Mitte Mai war die Abteilung ständig im Einsatz als Divisionsartillerie, zwischendurch gab es einzelne "ruhige" Tage. Der Vormarsch der Achsenstreitkräfte war nach den Erfolgen des Aufrollens der Gazala-Linie mit Einnahme von Bir Hacheim nach schweren Kämpfen, Überwindung der gegnerischen Stützpunkte im Vorfeld von Tobruk und schließlich die Eroberung von Tobruk, Vormarsch nach Ägypten, Einnahme von Marsa Matruh (Hauptquartier der 8. Armee) im Juli vor den alliierten Stellungen zwischen EI Alamein und Quattara-Senke (ca 80 km Länge) zum Stillstand gekommen.
In Nordafrika wurden die Sorgen für einen ausreichenden Nachschub immer größer. Der Vormarsch nach El Alamein hatte die Versorgungswege enorm verlängert und praktisch für den Gegner stark verringert. Der Hafen von Tripolis war immer noch der Haupthafen für die Versorgung. Bengasi und Tobruk waren von der Kapazität und zusätzlich durch die Zerstörungen nur bedingt nutzbar. Die Entfernungen von El Alamein sind bis Tobruk ca. 540 km; bis Bengasi ca. 1000 km und bis Tripolis über 2000 km.
Der Transportweg war die Via Balbia, die wegen auf der großen Entfernung gegen Luftangriffe nicht geschützt werden konnte. Die erbeuteten Vorräte in Tobruk konnten für den Vormarsch nach Ägypten die Nachschubschwierigkeiten nur zeitweilig beseitigen. Die Verpflegung wurde wieder eintöniger und im August gab es zeitweilig wieder Waschverbot.

1. August 1942

Organisatorisch wurde die I. Afrika-Artillerie-Abteilung 361 als I. Abteilung Artillerie-Regiment 190 (mot) umbenannt.
Bei der 2. Batterie werden durch einen Kommandotrupp des Gegners Minen unter eigene Lkw gelegt; kein Schaden, da es frühzeitig bemerkt wird. (Veteran Phillipp) Das KTB-Div verzeichnet diesen Vorgang in der Meldung von I./Art.Abtlg. 190, dass ein feindlicher Spähtrupp - 2 Mann mit deutschem VW und Zwillings-MG - im Lager Trieste mehrere Sprengladungen unter Lkws angebracht hatte.
Dieses wurde frühzeitig bemerkt. Nach einigen Tagen Ruhe noch im Mittelabschnitt der El Alamein-Front wird die Abtg. mit 2. und 3. Batterie in den Süden an die Quattara-Senke verlegt, Raum El Taqua - Höhenzug am Nordrand der Quattara-Senke, mit JR 361, jetzt Pz.Gren.Rgt. 361. Die 1. Batterie verbleibt noch bei JR 200, jetzt PzGren.Rgt. 200.
Die Abtlg. verbleibt bis zum Abrücken am Djebel Kalagli. Die 1. Batterie liegt westlich der Piste von Deir el Shein zum Djebel Khiräg bei L/PzGr.Rgt 155 und wird später IL/200 unterstellt. Die 2. Batterie bei II./3G1 im Nordteil zwischen IL/3G1 und IL/200 etwas nordwestlich von Deir el Shein. Die 3. Batterie ca. 5 km südlich von der Art.Abtlg. mit 3 Geschützen. Bis zum 11. Aug. ist es im Bereich der weit auseinander gezogenen 90. le. Div. verhältnismäßig ruhig. Die Kampfruhe wird zu Umgruppierungen genutzt, die aber durch eine Meldung von AOK-Pz-Armee am 12. August um 10.30 unterbrochen werden. 90.1e. Div. soll sich einsatzbereit halten, am 13.8, früh zum Einsatz in nordwestl. Richtung zur Küstenstraße. Den Alliierten ist es gelungen, mit einem größeren Geleitzug (etwa 20 Transporter, 2 Flugzeugträger, mehreren Schlachtschiffe, etwa 30 - 40 Kreuzern und Zerstörern) durch die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer einzulaufen. Es besteht die Möglichkeit, dass der Feind beabsichtigt, ein größeres Landungsunternehmen in einem der nur noch sehr schwach besetzten lybischen Häfen vorzunehmen. Auf Grund dieser bedrohlichen Feindhaltung sieht sich die Armee gezwungen, einen beweglichen Verband bereitzuhalten.
Pz.Gren.Rgt. 200 mit unterstellter 1.Batt.190 wird durch Armeebefehl 12.8. nachmittags an die Küstenstraße etwa 8 km westlich Sidi Abd el Rahman verlegt.
In den Abendstunden wird bekannt, dass es unseren verbündeten Luft- und Seestreitkräften gelungen ist, den feindl. Geleitzug bestehend aus 21 Transportern, 3 Flugzeugträgern, mehreren Schlachtschiffen und Kreuzern, Zerstörern und Torpedobooten zu zersprengen.
Es gelingt nur 5 Transportschiffen Malta anzulaufen. Die vermutete Landungsgefahr ist damit ausgeschaltet worden. 
Bis 30. August blieb es weiterhin - außer gelegentlichen Artillerieüberfällen, Jäger- und Bombenangriffen und Luftaufklärung - ruhig.
PzGren.Rgt 200 wird am 17. August mit 1. Batt. 190 in den Südabschnitt verlegt. I./A.R.190 soll auf Befehl der Armee vom 18. August zur Überwachung des ostw. der im Südabschnitt eingesetzten ital. Div. Trieste gelegenen Feindraumes hinter Art.-Stellungen Trieste in Stellung gehen. Die Abteilung macht in den Abendstunden Stellungswechsel ostw. der Steinpiste. 
Der SV 288 (Oberst Menton) wird taktisch der Pz-Armee unterstellt und aus dem bisherigen Raum - Bab el Qattara - zur notwendigen Auffrischung zurückgezogen. Dieser Verband ist damit praktisch der Div. entzogen. Lediglich die Versorgung wird durch die Div. durchgeführt. Die Division erhält weitere Flak-Verbände zugeteilt, die auch für die Luftabwehr dringend notwendig sind.
Bis zum 29. August bleibt es im Raum der Div. ruhig.
Wetter: 24. August Sandsturm Temp. 37°; 25. August schön Temp. 38°

Verluste und Ersatz

Im Laufe des Monats August verlor die I. Art.Abtlg. 190 (vorher 361) 9 Mann. Die Ausfälle durch Verwundung und Krankheit, bedingt durch die klimatischen Bedingungen und die Ernährungsschwierigkeiten, waren erheblich. Gefallen sind von der 1. Batt. Kan. Kopietzka am G. August, Gefr. Hübl (Legionär) am 23. August, die Kameraden Faßbender und Anton am 25. August. 2. Batt.: Kam. Knipper am 4. August, Kam. Wahl am 20. August 3. Batt.: Kam. Baumgarten am 14. August, Kam. Groß am 28. August Stab: Oblt. Granz am 25. August und wahrscheinlich in der 2. August.Hälfte Oblt. Kohl, nähere Angaben sind nicht vorhanden.
Für den verwundeten Hptm. Kaul (Abtlg.Kdr) kam am 24. Juli Hptm. Dr. Wermke und übernahm die Führung der Abtlg. Oblt. von Schirp gab die Führung der Art.Abtlg. ab und übernahm wieder die 1. Batt.
Die 2. Batterie wurde von Hptm. Kroupa übernommen für den im Juli verwundeten Obltn. Berndt.
Die 3. Batterie führt weiterhin Oblt. Schreiber. Neben der Gefechtstätigkeit machten in den Sommermonaten und der eintönigen Verpflegung die klimatischen Bedingungen schwer zu schaffen. Es traf auf beide Seiten zu. Tagsüber war an den Fronten weitgehend Ruhe. Im August waren die heißesten Tage z. T. über 40°. Die Luftspiegelung war schon am Vormittag so stark, dass eine weitsichtige Beobachtung nicht möglich war. Transporte und Verlegungen wurden meist am späten Abend oder frühmorgens durchgeführt. Anfang August wurde das Wasser knapp und es gab für 2 - 3 Wochen Waschverbot. Die Menge Trinkflüssigkeit war äußerst knapp, wie in der Offensive. Neben der Hitze traten auch Ungeziefer (Läuse und Flöhe) in Erscheinung. (Veteran Böhm) Das Wasser musste in den Sommermonaten ab Juli von Fuka mit Wasserwagen herangefahren werden. Das Fassungsvermögen des Tankwagens ca. 3000 Liter reichte gerade für 2 Verpflegungstage Flüssigkeit. Die Entfernung nach Fuka betrug etwa 70 - 80 km. Die Besatzung des Wasserwagens (Eilmes/Blinn) war ständig unterwegs.
Die Verpflegung der Feldküche war für die aus Schutz vor Fliegerangriffen im Wüstengelände verteilten Grüppchen nur schwer heranzubringen u. a. wurden Benzinkocher ausgegeben, um Konserven-Verpflegung zubereiten zu können.
Im Laufe des August ereignet sich ein tragischer Vorfall in der 1. Batterie. Zur Batterie kamen zwei junge Offiziere als Ersatz. Am nächsten Tag bei einem Gespräch bei Oblt. von Schirp saßen alle drei auf Kanistern als Sitzgelegenheiten zusammen. Bei einem Bombenangriff von 18 Maschinen - von den Landsern als die "Sturen 18" oder auch als "Reichsparteitag-Geschwader" genannt - trauten sich die beiden Neuankömmlinge 
nend nicht in Deckung zu gehen, da Oblt. von Schirp sitzen blieb. Bei Bombenabwurf wurde einer der beiden "Neuen" getötet, wahrscheinlich Oblt. Kohl, der zweite schwer verletzt, Oblt. von Schirp blieb unverletzt. Die Ausfälle durch Bombenangriffe sind in dieser Zeit häufiger als durch Kampfhandlung und Minen-Unfälle. Am 23. August fallen in der 1. Batterie Oblt. Grantz u. Kam. Anton bei einem Bombenangriff. Kam. Sax (Schreibstube) wird beim Auffahren des Fahrzeuges auf eine Mine durch einen Splitter ins Auge verwundet. Er verliert später die Sehkraft auf diesem Auge.
Es gab auch andere Vorgänge, die ohne personelle Ausfälle endeten. Zu dem nachfolgenden Vorgang ist eine genaue Zeitfeststellung nicht mehr möglich, hat aber durch Ortsbeschreibung - Nordrand der Qattara-Senke - in der Zeit Ende August vor der 2. El Alamein-Schlacht -"6-Tage-Rennen" stattgefunden.
Der Befehlswagen des Abtlgs-Kommandeurs war am Rande der Quattara-Senke auf eine Mine gefahren. Der Fahrer war nicht verletzt. Der Fahrer war allein im Fahrzeug und zu weit in südlicher Richtung gefahren und in ein Minenfeld geraten. Oberleutnant von Schirp, ein Sonderführer (Dolmetscher), der Fahrer und Funker Becker fuhren zu der Stelle. Wir fuhren in einem Beutefahrzeug, ein 4-Rad Spähwagen. In der Nähe der Senke fuhren wir über eine Schotterpiste auf eine Anhöhe zu. Dort sollten Italiener liegen. Plötzlich war neben unserem Fahrzeug ein Einschlag. Es konnten nur die Italiener gewesen sein, sie sahen ein engl. Fahrzeug. Wir winkten und fuhren weiter, und wieder Beschuss. Wir fuhren auf den Dschebel zu. Dann haben sie uns doch als "Tedesci" erkannt und plötzlich wimmelte der Hügel von Italienern. Sie haben sich entschuldigt, nachts kommt oft der Gegner. Wir hatten ein Beute-Fahrzeug und es fehlte ein taktisches Zeichen. Man zeigte uns die Stelle, wo unser Wagen lag und auf der Fahrspur näherten wir uns vorsichtig mit Sonden nach Minen tastend. Wir holten die Geldkassette mit unserer "Kriegskasse" und andere Gegenstände heraus. Das Fahrzeug, ein Kastenwagen, war ausgebrannt. Die Geldscheine (Lire) in der Kassette waren zwar dadurch teilweise versengt, aber der Druck war noch lesbar. Sie konnten später umgetauscht werden. (Veteran Becker)

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER