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Erinnerungen eines Abteilungskommandeurs - Sommer 1942 in Ägypten -

Der Nachfolger des verwundeten Hptm. Kaul wurde Hptm. Dr. Wermke. Er wurde vom Heerespersonalamt im Juni 1942 nach Afrika in Marsch gesetzt.
Er war damals schon 48 Jahre alt. Ende Juli 1942 ging ich nach Nordafrika. Von Eberswalde mit der Bahn über Berlin, nach Tarent und von dort mit einem Blohm u. Voß-Flugboot mit 100 Mann nach Tobruk, wo wir nach vierstündigem Flug im Hafen wasserten. Der Hafen bot ein eindrucksvolles Bild von versenkten alliierten Kriegsschiffen. Ich ließ die 10 Leutnante und Oberleutnante, die man mir in Eberswalde mitgegeben hatte, am Hafen und ging in der Mittagshitze in die Stadt, um mich in der Ortskommandantur zu erkundigen, wie wir zur etwa 600 km entfernten Front kämen. Jeden Abend gingen Munitions- und Verpflegungskolonnen dorthin ab. Wir sind mit einer solchen Transportkolonne in drei Nachtfahrten an die Front bei El Alamein gekommen.
Etwa 20 km vor der Frontlinie gab es an der Straße eine Empfangsstelle. Ein anderer Hauptmann sortierte alle eintreffenden Urlauber und Neuankommenden und leitete diese zu ihren Truppenteilen weiter. Ich musste mich in dem etwa 10 km entfernten, in den Dünen liegenden Armeeoberkommando der Panzer-Armee melden. Ich bin dann bei großer Hitze und Sandsturm die 10 Kilometer dorthin gestiefelt. Es empfing mich der Armee-Adjutant Oberst S.. Er teilte mir mit, ein Befehl über meine Verwendung liege vor, ich würde Kommandeur der I. Abteilung des Artillerieregiments 190 in der 90. le.Afr.Div. Es sei eine sehr gute Abteilung. Mein Vorgänger war durch Verwundung ausgefallen.
Ich fuhr zunächst zurück zu der Sammelstelle an der Straße, um meinen Koffer zu holen. Der Hauptmann dort erkundigte sich über meine Verwendung und sagte mir: "Sie haben eine sehr schöne Abteilung bekommen". Mir schwoll der Kamm. Beim Troß der Artillerie-Abteilung begrüßten mich der Oberzahlmeister und der Hauptwachtmeister der Stabsbatterie. Ich fuhr am nächsten Morgen mit dem Oberzahlmeister mit zwei Lastkraftwagen Verpflegung zur Abteilung nach Süden in die Wüste. Zunächst etwa 50 km nach Süden, dann einen Haken nach Osten, nach ? km nach Südwesten und so weiter. Mir ging jede Orientierung verloren, dass an den Wendepunkten eine alte Konservenbüchse (wahrscheinlich ein größerer Blech-Behälter) im Wüstensand gelegen hatte, war meiner Aufmerksamkeit entgangen. Drei Wochen später konnte ich es auch.
Nach sechsstündiger Fahrt näherten wir uns einer Ansammlung von Zelten, die in weiten Abständen in der Wüste standen. "Das ist der Abteilungsstab" sagte der Oberzahlmeister. Wir fuhren an einem Zelt vor, zwei junge Männer in Hemd und kurzer Hose, jeder einen blonden Christusbart im Gesicht, traten heraus. Sie meldeten sich: Oberleutnant von Schirp, Chef der 1. Batterie und bisher stellvertretender Abteilungsführer, und Oberleutnant Kreutzer, Abteilungsadjutant. Im Zelt kam es zu einer mir unvergesslich Unterhaltung.
Ich stellte mich als neuer Abteilungskommandeur vor und sagte, sowohl der Armeeadjutant Oberst S. wie auch der Hauptmann an der Empfangsstelle hätten mir gesagt, ich bekäme eine besonders schöne Abteilung. "Ach Gott, Herr Hauptmann, wie man es nimmt", sagte Oberleutnant Kreutzer, der rheinischen Humor besaß, " bei uns sind nur Soldbuch und Erkennungsmarke deutsch, sonst nichts." Das war der erste Schlag für mich. Ich fragte weiter: "Aus Ihrer Sprache höre ich, dass Sie, von Schirp, Balte und Sie, Kreutzer, Rheinländer sind, was sind die Männer der Abteilung für Landsleute?" "Nun" , antwortete Kreutzer, "das sind Angehörige aller deutschen Länder." Ich: "Das ist aber ungewöhnlich, die meisten Truppenteile sind doch aus einer deutschen Landschaft hervorgegangen." Kreutzer: "Dies hier sind alles ehemalige französische Fremdenlegionäre." Das war der zweite Schlag für mich, die "besonders schöne Abteilung" war wohl ein Irrtum. OLL Kreutzer klärte mich auf. In den 1940 zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Waffenstillstandbedingungen war ein Passus enthalten, dass alle deutschen Angehörigen der französischen Fremdenlegion, die freiwillig zurück nach Deutschland kommen wollten, zu entlassen seien. Die Artillerie-Abteilung bestand im großen Gerät und Geschützen aus Beutebeständen. Die 1. und 2. Batterie hatte engl. Kanonenhaubitzen (Kal. 8,76 cm), die 3. Batterie war mit russischen Feldkanonen (Kal. 7,62 cm) ausgerüstet. Dieses Geschütz bewährte sich bestens als Panzerknacker, Zugmaschinen für die Geschütze gab es nicht, dafür rund 60 Lastkraftwagen aller Art, englische französische, amerikanische, kanadische, nur keine deutschen. Mein Kommandeurwagen war ein erbeuteter englischer Panzerspähwagen, in dem ich mir in der steinreichen Wüste nichts als blaue Flecke holte. Am wertvollsten waren zwei erbeutete Wassertankwagen, sie fuhren täglich abwechselnd etwa 200 km zu einer glaubersalzhaltigen Wasserquelle zwischen Fuka und Marsa Matruh, wo ein Andrang wie beim Ausverkauf herrschte. Jeden Morgen wurden aus dem Tankwagen die vier Feldküchen und Feldflaschen der Männer der Abteilung gefüllt, dann war er leer. Ganz vortrefflich war der Instandsetzungszug der Abteilung unter seinem Führer Xylander. Er residierte beim Troß und hielt unter schwierigsten Verhältnissen in der Wüste den buntgemischten Fahrzeugpark der Abteilung in Ordnung. Xylander kam in jeder Woche einmal zu mir, um Bericht zu erstatten. Einmal, nachdem ich etwa vier Wochen die Abteilung führte, bat er mich nach seinem Bericht, vor das Zelt zu kommen. Da stand zu meiner großen Überraschung ein fast fabrikneues Kfz 15, der planmäßige deutsche Kommandeurwagen. Er weidete sich an meiner Überraschung und berichtete: Er war zweimal wöchentlich mit zwei Lkw und Leuten seines Instandsetzungszuges auf das Schlachtfeld von Tobmk gefahren, wo etwa 6000 beschädigte deutsche und englische Kraftfahrzeuge herumstanden. Er hatte ausgebaut, was brauchbar war, und für mich ein neues Kfz 15 zusammengebaut. Planmäßig sollte jede Batterie zwei leichte Maschinengewehre besitzen. Als ich einmal in einer Ruhestellung eine Revision vornehmen ließ, wurde mir gemeldet. dass jede Batterie 32 Maschinengewehre besäße. In Afrika hatte eben jeder anständige Mann sein Maschinengewehr. Dazu gehörte auch mein Bursche, ein treuer zuverlässiger Mann. Er versorgte mich auf dein "kleinen Dienstweg" mit Nachrichten über Interna der Abteilung. Waschen und rasieren gab es in der Wüste von El Alamein natürlich nicht, wir hatten alle Mehrmonatsbärte und stanken. Die stärkste Belastung bildete im Sommer die große Hitze und die Fliegenplage. Die Temperatur sank von 40 Grad mittags auf 20 Grad abends. Dieser Temperatursturz erzeugte am Abend ein Kältegefühl, man zog alles an, was mau hatte. Wenn wir eine neue Stellung bezogen, waren am ersten Tag etwa 10 kaum bemerkte Fliegen da_ am zweiten waren es 1000 und am dritten Millionen. Essen und Schreiben konnte man nur mit Hilfe eines Mückenschleiers. Am schlimmsten war es in der Nähe italienischer Stellungen, die Italiener gaben nicht viel auf Sauberkeit. Unsere Tropenhelme waren englisch, die Zelte italienisch und die Verpflegung bestand überwiegend aus Beute-Konserven, die aus dem großen Verpflegungslager in Tobruk stammten. Warmes Essen konnte nur abends ausgegeben werden. Der Staub war auf dem Marsch die größte Plage. Das lag daran, dass der Wüstensand nicht körnig ist, wie der Sand an deutschen Stränden, sondern dünn wie der feinste Mehlstaub. Jedes Fahrzeug erzeugte eine große Staubwolke. Die Folge war, dass wir mit Abständen von 100 bis 200 Meter fahren mussten, der vom Vordermann erzeugte Staub war dann etwas gelichtet und Fahrzeuge mit schlechten Bremsen hatten beim Halt genügenden Auslauf. So hatte meine Abteilung mit 6O Fahrzeugen eine Kolonnenlänge von etwa 10 km. Die Marschgeschwindigkeit in der steinreichen Sandwüste betrug 25 bis 40 Kilometer.
Als meine 3. Batterie unter Führung ihres Batteriechefs durch die Wüste zu einer Kampfgruppe eines Grenadierregimentes zur neuen Stellung fuhr, näherte sich von links rückwärts eine Staubwolke. Als die beiden Führerfahrzeuge auf zwei Meter nebeneinander waren, beugte sich aus dem anderen ein Kopf heraus und fragte: "Are you Englishman?" Es waren Engländer. Der Batterie-Chef verneinte und beide Seiten gingen sofort in Feuerstellung und beharkten sich. Als er merkte, dass in dieser englischen Staubwolke mehr steckte, als er vermutet hatte, brach er das Gefecht ab und zog sich unter großer Staubentwicklung nach Süden zurück.
Um ähnliche, nicht seltene Vorfälle zu vermeiden, gab das Armeeoberkommando folgenden Befehl heraus: Die Kommandeure der Infanteriebatallione und Artillerie-Abteilungen hatten beim Kolonnenmarsch in ihrem Wagen eine drei Meter hohe Holzstange zu führen, die oben ein Zeichen Dreieck, Viereck, Kreis, Halbmond und andere trug. Eine Liste der verteilten Zeichen lag bei. Nun konnte man mit dem Fernglas leichter erkennen, welcher Truppenteil in einer wandernden Staubwolke steckte.

Zweite Schlacht vor El Alamein - Sechs-Tage-Rennen

Am 30. August traten im Süden der El Alamein-Front die motorisierten deutsch-italienischen Verbände zum Vorstoß auf das Nildelta an. Nil-Delta bis zum Suez-Kanal vorzugehen. 
1. Batterie: 30. August abends: Lt. Häussler (v.B.)
Ende August 42 hieß es auf dem Hauptverbandsplatz Nähe El Daba: Der Platz muss für zu erwartende Neuaufnahmen geräumt werden; die entscheidende Schlacht beginnt es geht jetzt nach Kairo! Wer wollte da nicht dabei sein! Entweder zurückverlegt werden oder gesund melden.
Die linke Hand verbunden, den rechten Fuß mit Binde im Turnschuh, meldete ich mich zuversichtlich bei meiner Batterie zurück.
In der Nacht vom 30. auf 31. Aug. Beginn des Vorstoßes. Unsere "90.leichte" tastete sich nachts vorsichtig ins Vorfeld der gegnerischen Stellungen. Bei der Spitze fuhr ich mit Uffz. Volk, Gefr. Schulz als Funker und Fahrer Zielinsky in einem leichten Beute-Lkw, um über Funk das Feuer unserer weiter zurückstehenden Batterie zu leiten. Noch in der Nacht blieb unsere Spitze in einem verminten Geländeengpaß stecken; durch die hochgehenden Minen war der Gegner aufmerksam geworden und seine "Nebelkrähen" setzten über uns die "Christbäume", es war dadurch taghell. Es setzte auch schon das konzentrierte Artillerie-Feuer ein; jeder sprang in ein Loch oder Trichter und Fahrer Zielinsky musste das Fahrzeug in die Nacht zurückbringen. Der neben mir kauernde Pionier-Offizier erhielt durch Melder den Befehl: " Pioniere sofort das Minenfeld räumen!" Ein Befehl, der in dieser Situation eigentlich fast einem Todesurteil gleichkam. Die armen Kerle mussten fast aufrecht mit ihren Stangen nach Minen stochern, ohne Deckung gegen die heftig feuernde Artillerie und von oben durch die "Nebelkrähen". Mancher ist damit mit einer Mine in die Luft geflogen; aber schließlich war der Weg frei. In der folgenden Nacht fuhr meine B-Stellen-Besatzung bei der Infanteriespitze dem befohlenen Ziel entgegen. Wenige hundert Meter links von uns bewegte sich parallel zu uns eine andere Gruppe, die Motorräder bei sich hatten. Es konnten nur Italiener sein. Die Dämmerung wechselt fast schlagartig von der Nacht zum Tag und wir mussten mit Schrecken feststellen, dass diese "Italiener" Neuseeländer waren. Sofort ging der Feuerzauber los. Wir waren zu weit vorgeprescht - vor die eigene Infanterie.
Es war kaum Zeit, um mit den Händen eine kleine Kuhle in den Sand zu scharren, um wenigsten den Kopf halbwegs geschützt wegstecken zu können. Das Fahrzeug musste sofort in Deckung, und wir drei bleiben - ausgerüstet mit Funkgerät, Marschkompaß und Fernglas - am (vermutlich vorgesehenen) Einsatzort.
Wir wagen kaum, uns zu rühren, jede Bewegung wird sofort mit gezieltem Gewehrfeuer des gut eingegrabenen Gegners beantwortet und ihre Granatwerfer beschießen uns unablässig. Über Funk ist es uns möglich, unsere Batterie auf sie zu richten. Wir drei auf dem Präsentierteller und in der Falle. Als auch noch der Akku nach einem Treffer auszulaufen begann, wurde es kritisch. Im letzten Moment konnten wir noch einen neuen anfordern. Es ist fast schon Mittag, jetzt schien dem Gegner die pralle Sonne ins Gesicht und die Luft flimmert in der glühenden Hitze. Man konnte es riskieren, vorsichtig zu uns her zu kriechen.
Aber zu unserer Überraschung braust Fahrer Zielinsky mit dem Lkw heran, wirft den Akkukasten heraus, reißt den Lkw herum und verschwindet wieder. Jetzt war natürlich die Hölle los! Der Gegner erkannte wohl, dass er uns noch nicht erledigt hatte, aber wir können über Funk wieder Artillerie-Feuer anfordern. Dennoch kamen noch schlimme Stunden für uns, bis wir im Schutz der Dunkelheit unbemerkt aus der Falle entwischen konnten. Ein Glück, dass der Gegner nicht wusste, wie viel wir waren. Unser Fahrzeug hatte in den paar Minuten unzählige Gewehreinschüsse erhalten, aber samt Fahrer diese tollkühne Akkulieferung überstanden. Nach einem solchen Tag feierte man am Abend "Geburtstag".

31. August

Erste Feindberührung, Durchfahren von Minenfeld-Gassen, die von den Pionieren geräumt werden. Ein eigener Angriff wird vom Gegner abgewiesen.

1. September

Die Division gliedert sich im erreichten Raum ein zur Abwehr gegnerischer Angriffe von Norden.
Durch die starke Abwehr des Gegners war der Vorstoß bereits am 1. Sept. vor den Stellungen im Südraum des Alam-Halfa-Rückens liegengeblieben. Auch in den Führungsebenen der Divisionen gab es Ausfälle. Am 31. August morgens fiel der Kommandeur 21. Pz.Div, General von Bismark. Gen. Nehring, Kommandierender General des DAK wurde verwundet. Oberst Bayerlein übernahm die Führung des DAK.
Am 1. September waren die Treibstoff-Vorräte bereits so gering geworden, dass ein von Gen. Rommel vorgesehener Angriff auf die beherrschende Höhe 132 nicht durchgeführt werden konnte.

2. September

Schweres Artilleriefeuer und laufende Bombenangriffe der britischen Bomberverbände. Die Division verbleibt in ihren Stellungen, da die Pz.Div. Littorio nicht rechtzeitig zur Stelle ist. Gen. Rommel entschließt sich, den Angriff einzustellen und die Verbände in die Ausgangsstellungen zurück zu führen.
Bei dem Einschwenken auf den Alam-Halfa-Rücken hatte die im Westen des Divisionsabschnittes angreifende Kampfgruppe Rgt. 200 so starke Verluste, dass die Kampfgruppe zurückgezogen werden musste. Das ital. XX-Korps wurde in diesen Abschnitt eingeschoben. In der Nacht vom 3. auf den 4. September griff die verstärkte neuseeländische Division in diesen Abschnitt an. Die Italiener konnten dem Angriff nicht Stand halten. Der Einbruch wurde am 4. September durch Teile der Rgter. 155 und 361 abgeriegelt.
Über die Tage bis zum 5. September sind über den Einsatz der Art. Abtlg. 190 nur wenige Angabe von Kameraden der 3. Batterie vorhanden, die aber die Gesamt-Situation der Art.Abtlg. wiedergeben.
Am 30. Sept. marschieren die Batterien bei den Kampfgruppen Rgt.200 (Briel) und Rgt. 36 1 (Panzenhagen) abends in der beginnenden Dunkelheit nördlich der Qattara-Senke in Richtung Osten. Kurz vor Mitternacht stoßen die Spitzen der Kampfgruppe 361 auf eine Minensperre. Ein Fahrzeug war bereits auf eine Mine aufgefahren. Der Gegner eröffnete sofort das Feuer auf die in der mondhellen Nacht sichtbaren deutschen Einheiten. Bereits am 31. August ist die Abwehr des Gegners so stark, dass eigene Angriffe abgewehrt werden. In den folgenden Tagen liegen unsere Einheiten durch Mangel an Treibstoff weitgehend bewegungsunfähig in der Wüste südlich des Alam-Halfa-Rückens.
In den folgenden Tagen wurden wir laufend von der gegnerischen Artillerie beschossen. Die gegnerische Luftwaffe bombardiert uns tagsüber mit geschlossenen Verbänden in regelmäßigen Zeitabständen. Die eigene Luftwaffe war nicht zu sehen, sie war auch zahlenmäßig deutlich unterlegen. Abends ab etwa 22.00 Uhr bis morgens um 5.00 Uhr laufende Angriffe durch Kampfflieger, die die Wüste durch Leuchtbomben an Fallschirmen erhellen und im Zielwurf angriffen. Durch die weit gefächerte Aufteilung und Eingraben, soweit dieses möglich ist, sind die Ausfälle niedrig. Aber die materielle Überlegenheit des Gegners am Boden und in der Luft, die weitgehende Unfähigkeit auf der eigenen Seite in dem praktisch deckungslosen Gelände den Gegner bei seinen Angriffen abzuwehren, waren sehr belastend für die Truppe.

4. September

Weiterhin heftiges Artilleriefeuer aus den gut ausgebauten Stellungen und Fliegerangriffe. In der Nacht vom 4. auf 5. September Stellungswechsel zum Rückmarsch in die Ausgangsstellungen. Der Rückmarsch verlief ohne Kampfhandlungen, da der Gegner nicht nachdrängte. Unser damaliger Abteilungskommandeur Hptm. Wermke beschreibt in seinem Bericht:
In seinen Eindrücken aus einer Zeit in Nordafrika (Aug. - Okt. 1942) berichtet er, dass "der Kraftfahrer-Offizier der Abteilung bei der Versorgung einen guten Freund hatte", der ihm bei seinen (dienstlichen) Besuchen immer I Faß Kraftstoff mitgab. Nach verschiedenen Besuchen hatte die Abtlg. einen "schwarzen Bestand" für den Notfall. Hptm. Wermke hatte beim Vormarsch bei dem Angriff auf Alam Halfa an zwei Stellen einen Teil der "schwarzen" Bestände vergraben lassen. Beim Rückmarsch wurden diese wieder "aktiviert" und die Abteilung erreichte beim Rückmarsch Anfang September die alte Stellung ohne Fahrzeugverlust.

5. September

Die Division ist mit allen Einheiten im Laufe des Tages wieder in den Ausgangsstellungen vor dem 30. August. Sie hat die Aufgabe den Abschnitt Südrand Deir el Munasib bis Werk Bab el Qattara zu verteidigen. Kampfgruppen-Gliederung 
Kampfgruppe Rgt. 155 (Major Kost) 3. Batterie 190 "rechts eingesetzt 
Kampfgruppe Rgt. 200 (Major Briel) 1. Batterie "mitte"
Kampfgruppe Rgt. 361 (Obstl. Panzenhagen) 2. Batterie "links"
Im Abschnitt zwischen Kpfgr. 200 und Kpfgr. 361 ist Gruppe General Ramke eingesetzt, die aus deutschen und ital. Fallschirmjägern besteht; verstärkt wird sie durch schwere Waffen des II:/Pz.Gren.Rgt. 361.
Die 2. Batterie hatte in Aug./September deutsche Geschütze erhalten , leichte Feld-Haubitze 1FH 18). Im September trat ein Rohrkrepierer an einem Geschütz auf, die Geschützmannschaft blieb zum Glück unverletzt. (Veteran Phillipp)

6. September

Im Bereich der Kampfgruppe 200 (Major Briel) werden etwa 30 Panzer und 50 Fahrzeuge erkannt. Durch Beschuss der 1. Batterie mit Fla 25 werden ein Panzer und ein Spähwagen bewegungsunfähig geschossen.
Bei der 3. Batterie erhält ein Geschütz bei dem Kommando "Feuerbereitschaft", bei dem die Geschützmannschaft vollständig am Geschütz ist, einen Einschlag durch Artillerie-Beschuss. Der Geschützführer Uffz. Maneke und Kan. Diener werden tödlich getroffen. Die Kam. Angenendt und Gartz werden verwundet und kommen ins Lazarett nach Marsa Matruh.

7. September

Die 1. Batterie (Kampfgruppe 361) schießt bei einem örtlichen Erkundungsvorstoß einen Panzer bewegungsunfähig. Bis zum 18. September ist an der Front weitgehend Ruhe bis auf die üblichen Feuerüberfälle der Artillerie und einzelnen Erkundungsvorstößen. Am 8. September wurde der Div.-Kdr. General Kleemann verwundet und nach Deutschland verlegt. Die Führung der Div. hatte bis zum 17. September Gen. Ramcke, Kdr, der Fallschirm-Jäger-Brigade.
Für die I. Art.Abtlg. 190 sind die kommenden Tage verhältnismäßig ruhig. Der Gegner macht vereinzelt Erkundungsvorstöße, um unseren Frontablauf nach dem "6-Tage-Rennen" zu erkunden.
Am 14. September fallen bei starkem Artillerie-Beschuss am frühen Morgen in der 3. Batterie die Kam. Rommel und Gefr. Roewer.
Die Abteilung hat durch Verluste verringerte Geschützausstattung. Nach der Kriegsgliederung vom 12. September ist der Geschützbestand in der
- 1. Batterie 3 engl. Beutegeschütze (8,76 cm); 2. Batterie 3 engl. Beutegeschütze (8,7G cm); 3. Batterie 3 deutsche Feld-Haubitzen 1FH 18 (10,5 cm)
Das 2 cm - Fla-Geschütz, das viele Male bei der Abwehr von Tieffliegerangriffen Schlimmeres verhüten könnte, geht an die Fla-Kompanie. Der Geschützführer, Gefr. Quadflieg, wird zur Schreibstube versetzt.

Quelle: LIBYEN - AEGYPTEN - TUNESIEN von KARL SCHWEYHER