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Vorgeschichte

Vor dem zweiten Weltkrieg dachte niemand in der deutschen Wehrnacht an die Möglichkeit, in einem etwaigen neuen bewaffneten Konflikt außerhalb Europas Krieg zu Lande führen zu müssen. Daher schenkte man im Heer der Pflege der 1914 -- 1916 besonders im damaligen Deutsch-Ostafrika unter der berühmten Führung des Generals v. Lettow-Vorbeck gesammelten militärischen Erfahrungen keine weitere Aufmerksamkeit. Vor Kriegsausbruch hat es im deutschen Heer nicht die geringsten Vorbereitungen irgendwelcher Art für eine Kriegführung in der Wüste gegeben. Alle Vorarbeiten operativer und organisatorischer Art sowie auf den Gebiet der Ausbildung beschränkten sich auf den europäischen Kontinent. Ohne der späteren Darstellung vorzugreifen, soll jetzt schon festgehalten werden, dass die deutschen Truppen zu Beginn des Jahres 194 fast völlig unvorbereitet auf ihre neuen Aufgaben auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz gelandet wurden.

Wie war nun die Entwicklung, die dazu führte? Bis zum Frühsommer des Jahres 1940 herrschte Ruhe im Mittelmeerraum, da Italien sich zur anfänglichen Enttäuschung der offiziellen Stellen des Deutschen Reiches, mit den es seit Mai 1939 durch ein Schutz- und Trutzbündnis verbunden war, zur "nichtkriegführenden Macht" erklärt hatte. Als dann die deutsche Westoffensive überraschend schnell zu einer militärischen Niederlage Frankreichs führte, ward die italienische Regierung anderen Sinne. Am 10. Juni 1940 verkündete Mussolini von Balkon des Palazzo Venezia einer vieltausendköpfigen Menschenmenge den Eintritt des faschistischen Italiens in den Krieg gegen Frankreich und Großbritannien. Er rief aus, man werde nicht rasten und ruhen, bis beide nunmehrigen Gegner völlig zerschmettert am Boden lägen.

Was geschah ? Wer große militärische Ereignisse erwartet hatte, kam nicht auf seine Rechnung. Ein Angriff stärkerer italienischer Heeresverbände in den Savoyer Alpen gegen französische Befestigungen konnte: nur bescheidene Erfolge erzielen und traf zudem ein bereits am Boden liegendes Heer, das inzwischen schon um Waffenstillstand nachgesucht hatte. Sonst erfolgte nichts Außergewöhnliches, da die nach Eröffnung der Feindseligkeiten einsetzende Aktivität der Flotten- und Luftstreitkräfte sich durchaus in normalen Rahmen hielt und schließlich eine militärische Selbstverständlichkeit darstellte. In Italienisch Nordafrika war lediglich vorerst erhöhte Spähtrupptätigkeit an der libysch-ägyptischen Grenze zu verzeichnen. Am lebhaftesten war es noch in Italienisch-Ostafrika, wo Truppen des Herzogs von Aosta auf britisches Territorium vorstießen. Eines aber blieb vor allem aus, ein Angriff auf das britische Sperrfort Malta, den die militärischen Fachleute in aller Welt erwartet hatten. So entsprachen die Ereignisse im Mittelmeerraum in den ersten Monaten nach Kriegseintritt wenig den geheimnisvollen Ankündigungen des italienischer- Regierungschefs, der drohend gesagt hatte, nun würden die Gegner sehen, wozu "acht Millionen stahlharter Kämpfer" in Stande wären.

Wie war nun die Lage Italiens beim Eintritt in die kriegerische Arena? Frankreichs Kriegsmacht war im wesentlichen ausgeschaltet. Die Flottenteile in Toulon fügten sich in eine Internierung unter italienischer Aufsicht, Die nach in nordafrikanischen Häfen verbliebenen Schiffe bildeten - schon aus Treibstoffmangel - keine Gefahr mehr und wurden ebenfalls interniert. Heer und Luftwaffe im europäischen Mutterland waren zerschlagen, die Reste wurden entwaffnet, während die Truppen in den nordafrikanischen Besitzungen und in Syrien auf ein für die Aufrechterhaltung der Ordnung ausreichendes Maß vermindert und unter Kontrolle gestellt wurden. Von Frankreich war also zunächst keinerlei Bedrohung zu erwarten. Dagegen war Großbritanniens militärische Stärke noch ungebrochen, zumal es infolge schwerer deutscher Führungsfehler möglich gewesen war, das Personal der Expeditionsarmee und damit die Stämme für alle später ins Feld zu stellenden Divisionen aus Belgien und Nordfrankreich zu retten. Die vorerst allerdings schwachen Land- und Luftstreitkräfte in Nordafrika sowie im Mittleren Osten waren unangetastet, die Mittelmeerflotte voll kampffähig, Gibraltar und Malta verteidigungsbereit. So blieb Großbritannien der einzige potentielle Gegner Italiens im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeer. Für England war der Seeweg von Gibraltar über Suez nach dem Fernen Osten lebenswichtig, weil er um die Hälfte kürzer war als die Route über Kapstadt. Malta als See- und Luftstützpunkt war hierfür unentbehrlich. Italien dagegen hatte seinen Kolonialbesitz in Nord- und Ostafrika zu verteidigen. Malta in britischer Rand gefährdete den Seeweg nach Libyen. Italien musste also darauf bedacht sein, möglichst schnell diesen Pfahl im Fleisch zu beseitigen, um die rückwärtigen Verbindungen der vollkommen auf Nachschub aus dem Mutterland angewiesenen Streitkräfte in Tripolitanien und der Cyrenaika auf eine sichere Grundlage zu stellen. Darüber hinaus musste ein nächster Schritt danach streben, sich auch in den Besitz von Suez zu setzen, um den Kanal für England vollens zu sperren und den eigenen Seeweg nach Eritrea und Somaland zu öffnen. Beiden Operationen konnte umso eher Erfolg beschieden sein, je früher sie erfolgten, zumal, wie schon erwähnt, die englischen Landstreitkräfte im Mittelmeerraum vorerst noch recht schwach waren.

Wie stand es nun mit der italienischen Kriegswehrmacht ? Die Flotte war der des britischen Gegners an großen, mittleren und kleinen Über- und Unterwassereinheiten zahlenmäßig erheblich überlegen. Auch in bezug auf Bewaffnung und Geschwindigkeit konnte sie sich messen. Es sollte sich aber bald herausstellen, dass der Kampfwert der italienischen Marine recht unterschiedlich, im allgemeinen geringer war. Insbesondere mangelte es an der Ausbildung im Nachtgefecht und in der Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, zwei Imponderabilien moderner Seekriegführung. Auch bei der Luftwaffe selbst traten bald einige erste Mängel in Erscheinung, die aber in erster Linie auf veraltetes Material zurückzuführen waren. Trotzdem war zunächst eine Luftüberlegenheit Italiens im Mittelmeerraum durchaus gegeben. Das Herr schließlich verfügte nach vollendeter Mobilmachung über die stattliche Zahl von rund 90 Divisionen. Von ihnen war etwa die Hälfte auf das Mutterland und die großen Inseln Sizilien und Sardinien verteilt, während die übrigen sich in Nord- und Ostafrika, auf Rhodos, in Pantelleria und in Albanien befanden. Später erforderte die Besetzung von Teilen Südfrankreichs, Jugoslawiens, Griechenlands und der Insel Korsika eine weitere Verzettelung der Verbände des Heeres, die ursprünglich in der Heimat standen. Die Divisionen selbst waren von relativ geringer Stärke, schwach und vielfach unmodern bewaffnet, nur wenige mit Panzern ausgestattet. Eine eigene Rüstungsindustrie in ausreichenden Maß bestand in den an Rohstoffen armen Lande nicht. Mit einen Wort: Italien war auf einen längeren Krieg nicht vorbereitet. Alle diese Momente erforderten gebieterisch rasches und entschlossenes Handeln, nachdem man nun einmal, ohne dazu herausgefordert zu sein, in den Krieg eingetreten war. Abwarten konnte die anfängliche Gunst der Lage nur umkehren. Aber der Sommer verging, ohne dass etwas irgendwie Entscheidendes unternommen worden wäre. Erst im September 1940 trat Marschall Graziani aus Libyen mit acht Infanteriedivisionen zum Angriff nach Ägypten an. Er stieß zunächst nur auf schwachen Gegner und drang bis Si.di Barani vor. Dort blieb er mit Rücksicht auf die unzureichende Bewaffnung seiner, zu starken Teilen aus Eingeborenen bestehenden Truppen stehen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Am 7. Dezember 1940 begann eine britische Offensive, die Grazianis Truppen fast völlig vernichten sollte. Es folgte eine Niederlage nach der anderen. Bereits drei Tage später eroberten die Engländer Sidi Barani zurück. Schon am 16. Dezember fiel Sollum, am 5. Januar 1941 ging Bardia verloren und am 21, Januar 1941 war Tobruk, die stärkste Festung Libyens, in englischer Hand. Bereits wenige Tage später standen britische Panzer in der Cyrenaika. Andere Kräfte durchquerten die Wüste. Bengasi, die Hauptstadt und der leistungsfähigste Hafen der Cyrenaika, wurde am 6. Februar genommen. Nur noch Reste der italienischen Armee erreichten die Marsa-el-Brega-Stellung in der Syrte. Zwei moderne bewaffnete britische Divisionen, von denen sich die 7. Panzerdivision, die später zu legendärer Berühmtheit gelangten "Wüstenratten", besonders hervortat, hatten nahezu 10 italienische Divisionen vernichtet und 130 000 Gefangene eingebracht. Die schon gestreifte materielle Unterlegenheit des italienischen Heeres war in erster Linie für eine Niederlage dieses Ausmaßes verantwortlich. Sie war der Hauptgrund für die vielen italienischen Niederlagen im zweiten Weltkrieg. Der größte Teil Libyens war nun in englischen Händen und sogar die Hauptstadt Tripolis gefährdet. Für die Verteidigung dieses großen Platzes blieben auf afrikanischen Boden nur noch vier schwache Divisionen verfügbar. Modern ausgestattete weitere Verbände standen im Mutterland in nennenswertem Umfang nicht mehr zur Verfügung, nachdem auch der im November 1940 unternommene Überfall auf Griechenland einen so unglücklichen, Verlauf genommen hatte, dass die italienischen Truppen längere Zeit Gefahr liefen, von Albanien aus ins Meer geworfen zu werden. Auch die Flotte hatte schwere Rückschläge erlitten, die den längeren Ausfall der schwersten Einheiten zur Folge hatten. In dieser Stunde höchster Not entsann man sich des deutschen Bundesgenossen, nachdem man im Sommer des Vorjahres sein Angebot, die bereits auf Tropenverwendung umgestellte 3. Panzerdivision nach Afrika zu verschiffen, abgelehnt hatte.

Hitler hatte bisher die Kriegsführung im Mittelmeer Mussolini ganz überlassen und auf jede deutsche Einflussnahme verzichtet. Es gehört au den merkwürdigsten Fehlern in der Geschichte der Koalitionskriege, dass zwischen beiden Bundesgenossen keinerlei Abmachungen für eine Kooperation getroffen worden waren. Nun aber musste unverzüglich helfend eingegriffen werden, wenn eine weitere folgenschwere Zuspitzung der Lage in Nordafrika noch in letzter Stunde verhindert werden sollte. Ursprünglich war nur die Entsendung eines Sperrverbandes in Brigadestärke vorgesehen. Örtliche Erkundung ergab jedoch, dass ein so schwacher Truppenkörper nicht ausreichen würde, das restliche Libyen vor dem Angriff der britischen Divisionen des Generals Wavell zu bewahren. Zwei deutsche Divisionen wurden als Mindestmaß dessen erachtet, was notwendig war, um weitere Rückschläge und den wohlmöglichen Verlust von ganz Tripolitanien zu vermeiden. Bemerkenswert dabei ist, dass man vorerst eine Rückeroberung des verloren gegangenen Gebiets gar nicht in Erwägung zog, so sehr brannte die Lage auf den Nägeln !

Erfolgreicher Beginn

Die Gründung des "Deutschen Afrika-Korps", welches aus der 5. leichten Division (später in 21. Panzerdivision unbenannt) und der 15. Panzerdivision bestand, war gleichzeitig die Geburtsstunde des deutschen Feldzuges in Nordafrika, der insgesamt eine Viertelmillion deutscher Soldaten von Heer, Luftwaffe und Marine in seinen Bann ziehen sollte. Die deutsche Luftwaffe verlegte das X. Fliegerkorps nach Sizilien und unterstellte die zur unmittelbaren Unterstützung der Erdtruppen in der Wüste vorgesehenen Verbände der Flieger- und Luftnachrichtentruppe sowie der Flakartillerie einem "Fliegerführer Afrika".

Zum Kommandierenden General des Deutschen Afrika-Korps wurde der hierzu zum Generalleutnant beförderte Generalmajor Rommel ernannt, der bereits im ersten Weltkrieg als junger Offizier der württembergischen Gebirgstruppe mit den höchsten preußischen Kriegsorden "Pour le Merite" ausgezeichnet, sich im Frankreichfeldzug des Jahres 1940 durch die glänzende Führung der 7. Panzerdivision hervorgetan hatte. Anfang Februar begab sich Rommel auf den neuen Kriegsschauplatz, der ihn vor die schwersten Aufgaben seines Soldatenlebens stellen, seinen Namen aber auch weltberühmt machen sollte. Er meldete sich bei seinem italienischen Oberbefehlshaber, dem Armeegeneral Gariboldi, der die Nachfolge des abgelösten Marschalls Graziani angetreten hatte. Hier konnte er sogleich eine unterschiedliche Beurteilung der Lage feststellen. Das italienische "Oberkommando der Streitkräfte in Nordafrika" glaubte mit den ihn noch verbliebenen schwachen Kräften sich auf eine rein defensive Behauptung eines Brückenkopfes um Tripolis beschränken zu müssen. Rommel dagegen vertrat mit großem Nachdruck die Auffassung, dass man dadurch allein keinesfalls eine Festigung der Lage erreichen könne. Er halte es vielmehr für unerlässlich, sobald wie möglich anzugreifen, bevor die Engländer nach Osten aufgeschlossen haben und zur Fortsetzung ihrer Offensive antreten könnten. Zunächst betrieb Rommel mit Hochdruck die am 11. Februar 1941 in Tripolis beginnende und bei Tag und Nacht erfolgende Ausschiffung der 5. leichten Division. Sodann eilte er in die Syrte, um sich vorn selbst ein klares Bild zu verschaffen und damit eine sichere Unterlage für sein Handeln zu gewinnen.

Alle verwendungsbereiten Verbände wurden sofort nach Agheila in Marsch gesetzt, nach Süden in Richtung, auf den französischen Fezzan gesichert. Erd- und besonders Luftaufklärung bestätigten Rommels Annahme, dass der Gegner noch weit in die Tiefe auseinandergezogen stünde. Nun galt es, keine Zeit zu verlieren. Am letzten Tage des März wird die britische Stellung zwischen Marsa el Brega und den Salzsümpfen von Marada angegriffen und nach tapferem Widerstand genommen. Erst bei Agedabia stoßen die verfolgenden deutschen und italienischen Truppen auf neue Gegenwehr, brechen aber auch diese und besetzen am 4. April Bengasi. Jetzt plant, Rommel, die noch in der Cyrenaika befindlichen britischen Streitkräfte durch Umgehung abzuschneiden. Das ist kein geringes Wagnis, denn zum ersten Mal muss die der Wüstenerfahrungen noch entbehrende Truppe eine mehr als 300 km lange, wasserlose Strecke überwinden. Aufkommender Sandsturm, der die Sicht und die Möglichkeit der Orientierung, nimmt, muss eigentlich alle Bewegungen zum Stillstand bringen. Aber Rommels eiserne Entschlossenheit ist nicht zu erschüttern. Er weist alle Bedenken zurück und sorgt unermüdlich, teilweise das Vorgehen aus der Luft überwachend, dafür, dass alles in Marsch bleibt. Bei el Mechili werden 6 Generale und 2000 Mann überrascht und gefangen genommen. So zwingt Rommel die Briten, die Cyrenaika zu räumen, um nicht abgeschnitten zu werden. Derna wird besetzt, bereits am 9. April Bardia genommen und 11. April die ägyptische Grenze überschritten. Eines aber gelingt nicht: die Festung Tobruk zu nehmen. Handstreiche und planmäßiger Angriff der 5. leichten Division und italienischer Verbände misslingen. Da Rommel nicht die in der Linie Sidi Omar - Sollum gewonnene Grenzstellung räumen wollte, entstanden nun zwei Fronten. Die eine war die eben genannte, die andere kräftezehrende Einschließungsfront um Tobruk. Die hartesten Kämpfe fanden auf den Ras eI Madaur im Westen des Belagerungsringes statt. Dort erreichten Stärke des Artilleriefeuers und Höhe der Verluste Ausmaße, die an die Materialschlachten des ersten Weltkrieges herankamen. Nicht zu Unrecht nannte die hier eingesetzte tapfere deutsche Truppe diesen Abschnitt das "Verdun von Afrika".

Tobruk, darüber konnte kein Zweifel bestehen, musste das nächste Operationsziel beider Parteien sein, Während die britische Führung den baldigen Entsatz der eingeschlossenen Truppen anstreben musste, hatte Rommel alles daran zu setzen, Tobruk noch vorher zu erobern. Vorerst war aber an diesen Angriff gar nicht zu denken, denn seit dem Beginn der Überführung der 15. Panzerdivision, deren Kommandeur, General v. Prittwitz, bald fiel, liefen die Seetransporte nicht mehr ungestört. Britische See- und Luftstreitkräfte griffen immer stärker an, so dass fast jeder Geleitzug Schiffsverluste erlitt. Dadurch wurde bis zuletzt die Überführung wichtiger Einheiten nach Afrika verhindert. Das galt besonders für Fahrzeuge aller Art und Versorgungstruppen, die zu erheblichen Teilen von 1941 bis 1943 in Italien auf ihre Verschiffung warten mussten, weil der Transportraum fehlte. Auch die Beförderung von Munition und Betriebsstoff von den Ausladehäfen Tripolis und Bengasi zur Front war bei den großen Landentfernungen stets ein schwer zu lösendes Problem, da eine durchgehende Bahnverbindung fehlte und Kraftwagenraum sehr knapp war. Nur die vorbildlichen Leistungen der Kolonnenfahrer ermöglichten es, die Umlaufzeiten ( je nach Frontlage 8 - 14 Tage) so kurz wie möglich zu halten.

Die britische Gegenoffensive ließ nicht lange auf sich warten. Schon am 15. Juni brach in der Gluthitze des Afrikanischen Sommers eine Großoffensive überlegener Kräfte bei Sollum los. Es gelang Rommels kluger und wendiger Führung aber, in mehrtätigen hin- und herwogenden schweren Kämpfen den britischen Angriff abzuwehren. In dieser Schlacht trat zum erster. Mal die englische Luftwaffe in starken Bomberverbänden auf. Hier war es auch, wo zum ersten Mal der später in Afrika alltägliche Warnruf vor geschlossen anfliegenden Bomberverbänden erscholl: "Achtung Parteitag (Geschwader)!''

Rommel gab sich keinem Zweifel hin, dass es kaum möglich sein würde, auch bei einen neuen britischen Ansturm beide Fronten zu behaupten. Deshalb beschleunigte er mit allen Mitteln die Vorbereitung des Angriffs auf Tobruk, den er von Südosten her mit der 15. Panzerdivision und Teilen der späteren 90. leichten Afrikadivision führen wollte. Der Zeitpunkt hing jedoch von der Eintreffen der benötigter. Verstärkungen - vor allem schwerer Artillerie sowie beträchtlicher Mengen an Munition - ab. Die Seetransportlage verschlechterte sich aber immer mehr, so dass der anfangs schon für Ende September geplante Angriff immer wieder und schließlich auf den Dezember 1941 verschoben werden musste. Die Hoffnung, dass Wavells Nachfolger, General Auchinleck, sch bis dahin Zeit lassen würde, schwand immer mehr dahin, wenn auch ein am 14. September unternommener Aufklärungsvorstoß der 21. Panzer-Div nach Bir Habata keinerlei Anhaltspunkte für einen baldigen Großangriff ergeben hatte.

Ernste Krise

Da ging am 18. November der Vorhang auf, der Gegner hatte es meisterhaft verstanden, der deutschen Luftwaffe seit Wochen jeden Einblick in sein Hinterland zu verwehren. Auch Agentennachrichten waren nicht durchgesickert, so dass die inzwischen unter dem Befehl Rommels gebildete "Panzergruppe Afrika" von der dritten britischen Offensive zwar nicht operativ, so doch aber taktisch überrascht wurde. Rund 100000 Mann, 900 Panzer und fast 1 100 Flugzeuge traten an diesem Tage an, um die Entscheidung herbeizuführen. Eine so starke Streitmacht hatte die Wüste noch nie gesehen ! Rommel konnte ihr nur das Afrika-Korps mit der 15. und 21. Panzerdivision und das erst am 23. November ihm unterstellte italienische motorisierte Armeekorps mit der Panzerdivision Ariete und der motorisierten Division Trieste entgegenstellen. An der Einschließungsfront von Tobruk waren das X. und XXI. italienische Armeekorps mit 5 schwachen Infanteriedivisionen und die bisher eingetroffenen Teile der 90. leichten Afrikadivision sowie deutsche schwere Artillerie eingesetzt. Er verfügte über 300 deutsche Panzer, von denen rund 50 in Werkstätten waren, 120 deutsche und 200 italienische Flugzeuge. Kurz vor dem Beginn der englischen Offensive ereignete sich übrigens eine Episode, die in gewisser Weise wohl den Auftakt zu ihr bilden sollte, von der deutschen Führung aber kaum beachtet wurde. Die in Beda Littoria inmitten der Cyrenaika untergebrachte Oberquartiermeisterabteilung der Panzergruppe wurde eines Nachts durch einen britischen Sabotagetrupp überfallen, der in der Abwehr seines Angriffs aufgerieben wurde. Erst nach dem Kriege erfuhr man, dass dieser Überfall Rommel selbst galt, den man dort vernutete, während er in Wirklichkeit schon seit August seinen Gefechtsstand bei Gambut auf dem halben Wege zwischen Tobruk und Bardia hatte. Dort hätte man sich seiner leichter bemächtigen können, zumal er grundsätzlich auf besondere Schutzmaßnahmen für seine Person verzichtete. Rommels Platz war entgegen der in allen Armeen üblichen Staffelung der höheren Stäbe niemals Hunderte von Kilometern hinter der Front, sondern stets ganz weit vorn, was anscheinend der Gegenseite nicht bekannt geworden war. Doch nun zurück zur Lage an der Front.

Der erste Stoß der Engländer richtete sich gegen die in den Raum südwestlich Bardia mit der Front nach Süden vorgestaffelten 21. Panzerdivision. Aber auch die fast 30 000 Mann betragende eingeschlossene Besatzung von Tobruk wurde sehr aktiv. Ihre zahlreichen Ausbruchsversuche konnten von den Belagerungstruppen nur mit Mühe abgewiesen werden und führten sehr bald zu gefährlichen Ausbeulungen der Einschließungsfront. Belastend war auch, dass, nachdem schon im August/ September mehr als ein Drittel der verschifften Güter verlorengegangen war, seit dem 16. Oktober kein GeIeitzug, mehr libysche Häfen erreicht hatte. In diesem Monat wurden drei Viertel des deutschen Nachschubs versenkt. Wie sollte bei weiterem Ausbleiben des Nachschubs der Bedarf besonders Treibstoff gedeckt werden? Auch die deutsche oberste Führung schien die Lage sehr ernst zu beurteilen, wie aus einem Funkspruch des Oberbefehlshabers des Heeres eindeutig hervorging. Da schien am Totensonntag, dem 23. November, eine Wende einzutreten, sich das Kriegsglück den deutschen Waffen zuzuneigen. Bei Sidi Rezegh brachte das Deutsche Afrika-Korps den britischen Truppen in einer Panzerschlacht so starke Verluste bei, dass der Armeeführer, General Cunningham, schon die Schlacht verloren gab und den Rückzug antreten wollte. Der Oberbefehlshaber Mittelost, General Auchinleck, eilte aber von Kairo zur Front, ernannte einen reuen Befehlshaber der 8, Armee, befahl ihr stehen zubleiben und meisterte so die Situation. Rommel, der nicht wusste, dass starke Teile der noch in den Grenzbefestigungen vermuteten Neuseeländischen Divisionen bereits im Anmarsch waren, verzichtete darauf, am nächsten Tage den Angriff bis zur völliger. Vernichtung des Gegners fortzusetzen und trat mit den Afrika-Korps zur überholenden Verfolgung an, um der 8. Armee den Rückweg nach Ägypten abzuschneiden. In den folgenden Tagen vermochten aber die Belagerungskräfte von Tobruk den ständigen britischen Ansturm sowohl aus der Festung als auch außen ohne Hilfe des Afrika-Korps allein nicht abzuwehren. Daher wurde der Einschließungsring immer weiter und dünner. Bereits am 27. November gelang es den Neuseeländern, die erste Verbindung mit der Festungsbesatzung aufzunehmen. Das dann nach Tobruk zurückeilende Afrika-Korps konnte die Lage nicht mehr wenden. Am 6. Dezember musste die Belagerung aufgegeben werden. Die tapferen Verteidiger von Tobruk hatten nicht umsonst acht Monate ausgeharrt! Rommel aber musste seinen ersten Rückzug antreten. Auf diesem Rückzug, der erst in dem Großen Syrte-Bogen bei el Agheila, von wo Romme die Welt in Atem haltende Frühjahroffensive ihren Ausgang genommen hatte, sein Ende fand, waren die deutsche wie die italienische Führung starken Belastungsproben ausgesetzt. Das Comando Supremo in Rom und das Heeresgruppenkommando unter dem Befehl des Generalgouverneurs Armeegeneral Bastico hatten den verständlichen Wunsch die Cyrenaiks zu behaupten, schon um eine Wiederholung des Prestigeverlustes vom Frühjahr zu verhindern, Rommel sah sich aber aus rein operativen Gründen außerstande, dieser Forderung nachzukommen, weil er sonst damit rechnen musste, vom verfolgenden Gegner abgeschnitten zu werden. Es kam über diese Frage zu sehr ernsten Auseinandersetzungen zwischen der deutschen und der Italienischen Seite, in deren Verfolg Rommel immer weder mit seinen militärischen Argumenten zu überzeugen versuchte und in der Sache unnachgiebig blieb. Es wäre in der Tat einer Selbstaufgabe gleichgekommen, wenn man in der nach Norden vorgebauchten und dadurch geradezu zur Umgehung einladenden Cyranaika stehen geblieben wäre. Folgendes galt übrigens für beide Seiten gleichermaßen: Während die Meeresküste jeweils eine gute und sichere Anlehnung für den Nordflügel bot, war die Südflanke grundsätzlich als bedroht anzusehen. Das Maß der Gefährdung sank mit der Stärke und dem Ausmaß der Treibstoffausstattung der mechanisierten Verbände, die der Verteidiger zum Schutz dieser Südflanke erübrigen und bereitstellen konnte. Da man immer auch auf frontale Angriffe bedacht sein musste, konnten die hinter den Südflügel zu staffelnden Kräfte naturgemäß nur beschränkten Umfang haben. Da ferner die Befahrbarkeit der Wüste im allgemeinen auch einem weiten Ausholen umgehender Kräfte keine Grenzen setzte, war die Gefahr des "Herausmarschiertwerdens" latent gegeben und bedeutete so eine zusätzliche Erschwerung für die in die Verteidigung gedrängte Partei.

Nach der Aufgabe der Stellung von Ain el Gazala und der kampflosen Räumung von Derna sandte Rommel die 90. leichte Afrikadivision voraus, um durch frühzeitige Besetzung von Agedabia einer etwaigen weiträumigen Umgehung des Gegners von vornherein zuvorzukommen.

Die festen Straßen durch die Cyrenaika wurden den italienischen Infanteriedivisionen zur Verfügung gestellt, bei deren nur die Artillerie motorisiert war, während alle übrigen Truppen auf für diesen Zweck vom italienischem Oberkommando vorübergehend überlassenen Kolonnen befördert werden mussten. Da dieser Kraftwagenraum durchaus unzureichend war, konnte es nicht ausbleiben, dass viele italienische Soldaten im Grunde unnötig in Gefangenschaft gerieten. Rommel hat das tief geschmerzt, wenn auch die gegnerische Propaganda behauptete, er habe den Bundesgenossen "leichten Herzens im Stich gelassen". Die Verwendung nicht voll motorisierter Truppen in der Wüste ist eben im modernen Krieg ein Unding, weil der Fußgänger in deren Weiten ein verlorener Mann ist. Das Afrika-Korps wurde zusammen mit dem italienischen motorisierten Korps quer durch die Wüste auf der Lehnenlinie el Mechili - südlich Bengasi angesetzt und erreichte sein Marschziel, ohne von den Engländern stärker behelligt zu werden. Somit standen die deutsch-italienischen Truppen am 22. Dezember im Raum südlich Bengasi und traten von dort den weiteren Rückmarsch auf Agedabia an. Der Gegner folgte langsam und verzichtete darauf, die deutsch-italienischen Rückzugsbewegungen zu stören. Am Silvestertage des Jahres 1941 vermochte das Afrika-Korps unter Führung von General Crüwell im Gebiet von Agedabia gegen britische Eliteverbände einen großen Erfolg zu erringen und eine beachtliche Zahl von Kampfwagen zu vernichten. Die in dieser Panzerschlacht erlittenen Verluste veranlasste die 8. Armee für die kommenden Wochen zu großer Zurückhaltung, welche nicht ohne Einfluss auf einen noch zu behandelnden Entschluss Rommels bleiben sollte. Inzwischen hatte sich aber auf der deutschen Seite die Gesamtlage noch aus zwei anderen Gründen nicht wesentlich entspannt. Einmal stellte die Verlegung des Luftflottenkommandos 2 mit dem II. Fliegerkorps unter dem Oberbefehl von Feldmarschall Kesselring von der Mitte der Ostfront nach Sizilien eine augenfällige Entlastung der Luftwaffe herbei. Bis dahin hatte die seit den Beginn der Offensive drückende britische Luftüberlegenheit die Benutzung der Via Balbia während der Helligkeit häufig unmöglich gemacht. Ferner war am 16. Dezember nach genau zweimonatiger Unterbrechung zum ersten Mal wieder ein starker Geleitzug in Tripolis eingelaufen und entladen worden. Allerdings hatte es des ausnahmsweisen Einsatzes italienischer Schlachtschiffe bedurft, um diesen Konvoi ohne Verluste über das Meer zu bringen. Er enthielt nicht nur größere Mengen an Betriebsstoff und Munition. sondern auch je 2 Panzerkompanien und leichte Batterien, die den Divisionen des Afrika-Korps noch an ihrer Kriegsgliederung fehlten. So war Rommel endlich für einige Zeit der Sorgen um den Nachschub enthoben und hatte außerdem einen wenn auch bescheidenen Kräftezuwachs zu verzeichnen.

Dieser Kräftezuwachs war auch sehr notwendig, denn die britische Offensive hatte sowohl die personelle wie die materielle Substanz der deutschen Truppen nicht unerheblich angegriffen. Der Verlust an gefallenen, verwundeten, kranken und in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten betrug fast ein Drittel der Iststärke vom November 1941 und konnte erst allmählich ausgeglichen werden, obwohl Ersatzpersonal laufend überflogen wurde. Erheblich stärker waren die italienischen Ausfälle von höheren Truppenführern fiel Generalleutnant Gümmermann an der Spitze der 90. leichten Afrikadivision, während der Kommandeur der 21. Panzerdivision, Generalleutnant v. Ravenstein in Gefangenschaft geriet. Sie umfassten mehr als zwei Fünftel des personellen Bestandes und waren auf der Materialseite, insbesondere bei Panzern und Artillerie, noch größer. In diesen Einbußen einbegriffen ist auch der Verlust der Ende November an der libysch-ägyptischen Grenze zurückgebliebenen deutschen und italienischen Truppen, die unter dem Kommando des Generalmajors Schmitt zusammengefasst wurden, um zu sperren und Kräfte zu binden.

Die Festung von Bardia behauptete sich dort bis zum 2. Januar 1942, während die tapferen Verteidiger von Halfaya diesen sehr wichtigen Pass noch länger .hielten und dadurch die Benutzung der festen Küstenstrassen bis zum 17. Januar 1942 unmöglich machten. Die Dauer der Abwehr wurde in erster Linie durch, den Mangel an Nachschub zeitlich begrenzt, obwohl versucht wurde, durch Unterseeboote und Abwurf aus der Luft zu helfen. Rommel hatte in übrigen von vornherein klar befohlen, dass der Widerstand bei Mangel. an Munition und Wasser einzustellen sei, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.

Die Panzergruppe deckte mit den deutschen Divisionen bis zum 10. Januar um Raum vorwärts von Agedabia das Absetzen der Verbände Richtung el Agheila und trat dann auch mit den Nachhuten den abschnittsweisen Rückmarsch dorthin an. Rommels Absicht war es, sich in der etwa 40 Kilometer breiten Stellung zwischen Marsa el Brega an der Küste und den nur schwer gangbaren Salzsümpfen von Marsada zur entscheidenden Verteidigung einzurichten.

Höhepunkte

Das Bild, welches sich Rommel bei einer gründlichen Besichtigung der neuen Stellung und der für ihre Besetzung verfügbaren Kräfte bot, war wenig ermutigend. Nach Lage der Dinge musste die 90. leichte Afrikadivision am Schwerpunkt beiderseits der Via Balbia eingesetzt, das Deutsche Afrika-Korps als bewegliche Eingreifreserve hinter der Front bereitgehalten werden. Demnach fiel den italienischen Truppen die Verteidigung des gesamten breiten Abschnittes südlich der Küstenstraße und Marada zu. Sie waren viel zu sehr geschwächt, als dass sie solch einer Aufgabe gewachsen sein konnten. Wo auch der Gegner mit zusammengeballter Kraft anpacken würde, da musste ihm schon im Verlauf des ersten Angriffstages der Durchbruch gelingen. Was war zu tun? Da ergab eine sorgfältige Untersuchung der Feindlage ein sehr wichtiges Positivum. Die 8. Armee war nach einer Verfolgung über so weite Entfernungen naturgemäß - ebenso wie im Jahr davor - weit in die Tiefe auseinander gezogen. Sie musste erst nach vorn aufschließen und vor allen ihre Nachschubeinrichtungen vor verlagern. Beides erforderte Zeit. Mit einem Wort: der Gegner befand sich zur Zeit in einem Schwächezustand, der - so paradox es klingen mag - auch bei einem Angreifer einzusetzen pflegt, wenn seine Offensive einen Raum erreicht, in dem die Truppe von der bisherigen Nachschubbasis aus nicht mehr voll versorgt werden kann. Ja, es ergab sich noch eine weitere, sehr wichtige Feststellung: Rommels Kräfte waren sogar um ein Geringes stärker, als die ihnen jetzt gegenüberstehende Kampfkraft des Generals Auchinleck. Diese günstige Kräftelage konnte für die nächsten zwei, vielleicht sogar drei Wochen anhalten. Dann aber würde der Gegner voll angriffsbereit sein. Rommel wäre nicht er gewesen, wenn er nicht sofort die sich daraus ergebenden Möglichkeiten erkannt und sie bis zum letzten auszuschöpfen verstanden hätte. Es galt wieder einmal, den Stier bei den Hörnern zu packen. Die bei längeren Zuwarten aussichtslos werdende Lage konnte nur gemeistert werden, wenn man sich entschloss, den Gegner zuvorzukommen, das Prävenire zu spielen. Am 13. Januar stand der Entschluss fest, mit sämtlichen verfügbaren Kräften anzugreifen. Nun aber kam alles darauf an, eine vollkommene Überraschung zu erzielen, damit die Engländer nicht vorzeitig ausweichen konnten. Rommel unterlies daher jede Meldung seiner Absichten sowohl an die deutsche wie an die italienische Oberste Führung. Er ging sogar so weit, selbst seinen unmittelbaren Vorgesetzten, Armee-General Bastico, nicht in Vorhaben einzuweihen. Galt er doch vor allem bei den Bundesgenossen als ein Mann, der in seinem ungestümen Vorwärtsdrang die gegebenen Möglichkeiten leicht außer acht ließ. Da wollte er sich der Gefahr eines Angriffs-Verbotes lieber erst gar nicht aussetzen. Aber auch die eigenen untergebenen Stellen wurden nur schrittweise, so spät wie möglich und allein in ihrem Sektor eingewiesen. Darüber hinaus wurden mit der Rommel eigenen Erfindungsgabe verschiedene Maßnahmen zur Täuschung des Gegners getroffen. Von ihnen sei nur die eine erwähnt, dass während der letzten Tage vor dem Beginn des Angriffe bei Helligkeit jeder Kraftwagenverkehr auf der. Via Balbia in Richtung zur Front streng verboten und unterbunden wurde. Die Natur kam übrigens den deutschen Absichten auch dadurch entgegen, dass am 19. Januar ein Sandsturm einsetzte, der die gegnerische Luftaufklärung fast völlig ausschaltete. 

Am Morgen des 21. Januar war es endlich so weit. Um 7.30 Uhr trat die 90. leichte Afrika-Division zum Durchbruch beiderseits der Küstenstraße an, während das Afrikakorps zur Umfassung mit weitgestecktem Ziel durch die Wüste angesetzt war. Als erstes Angriffsziel der nunmehrigen "Panzerarmee Afrika" (der Befehl mit ihrer Umbenennung war am Morgen des 21. Januar eingetroffen) war das Zerschlagen der britischen Angriffsvorbereitungen im Raum vorwärts Agedabia. Schon vor Mittag war die Bresche für das italienische motorisierte Korps geschlagen, das nun seinen Vormarsch antreten konnte. Die 90. leichte Division selbst ging nun Richtung Agedabia vor, bei ihrer Spitze befand sich Rommel. Leider gelang es nicht, wesentlichen Teilen des Gegnern den Rückzug abzuschneiden, zumal das Afrika Korps in unvermutet tiefsandigen Boden große Geländeschwierigkeiten zu überwinden hatte und nur sehr langsam vorwärts kam. Nachdem bereits am 22. Januar Agedabia besetzt worden war, wurde die Verfolgung nach Nordosten fortgesetzt. Rommel wollte so lange nachstoßen, wie das Verhalten des Gegners dies ohne besonderes Risiko gestattete. Er hielt an seinem Entschluss auch dann fest, als der Chef des Commando Supreno, Armeegeneral Cavallaro, nach Agedabia kam und ihn dadurch zügeln wollte, dass er das Nachziehen der beiden italienischen Fußkorps aus der bisherigen Stellung verbot. Bereits am 26. Januar stand das Afrika-Korps bei Maus, wo in überraschendem Zugriff große Beute an Panzern und Flugzeugen gemacht werden konnte. Hier wäre Rommel mit seinem Chef zweimal um ein Haar in Feindeshand gefallen, als ihr ganz tieffliegender Storch in konzentriertes Flak-Feuer geriet. Das Flugzeug erhielt zahlreiche Einschüsse und konnte nur knapp entkommen. Der geringe Widerstand des Gegners ließ den Entschluss reifen, Bengasi wieder zu nehmen. Und zwar wollte Rommel nicht etwa die Taktik des Vorjahres wiederholen, sondern quer durch die Wüste von Süd nach Nord vorgehen. Auf einen solchen Vorstoß in schlecht gangbarem Gelände würde die 8. Armee kaum gefasst sein. Am 28. Januar nachmittags setzte Rommel sich selbst an die Spitze einer aus Teilen der 90. Division und Heerestruppen zusammengesetzten Kampfgruppe, die aus dem Raum nördlich Antelat antrat. Kurz vorher aufgekommener Sandsturm mischte sich bald mit Regengüssen, so dass die Wadis (Täler) in tiefen Morast verwandelt wurden, in dem die Truppe während der Nacht vollkommen festsaß. Außerdem hatten verschiedene Truppenteile die Orientierung verloren. So schien das Unternehmen zum Scheitern verurteilt, aber am nächsten Morgen trocknete die Sonne den Boden ebenso rasch, wie er vorher aufgeweicht worden war. Kaum hatte der Verband den Vormarsch wieder angetreten, als er von einer Gruppe englischer Jagdbomber in niedriger Höhe überflogen wurde. Das konnte die Vernichtung der Kampfgruppe bedeuten, denn erfahrungsgemäß ließ der Gegner solche Ziele bis zur Dunkelheit nicht mehr los. Also erwartete man jeden Augenblick den ersten Bombenangriff. Aber, welch Wunder, man sah den ganzen Tag keinen Flieger mehr. Demnach hatten die britischen Jäger es offenbar gar nicht für möglich gehalten, dass in diesem Gebiet deutsche Truppen operieren könnten. Immer wieder zu raschem Vorgehen auffordernd, erreichte Rommel mit der Spitze schon an Nachmittag den Flugplatz Benina, wo ihn ein Telegramm Mussolinis erwartete, dass er bei eich bietender günstiger Gelegenheit ermächtigt sei, Bengasi zu nehmen. Rommel erwiderte kurz, dass er bereits vor den Toren der Stadt stünde und am 30. Januar vormittags in Bengaei einziehen werde. Dort wurde er jubelnd von der arabischen Bevölkerung begrüßt und fand alles aus Mangel an Transportraum beim Rückzug dort gelassene deutsche Kriegsmaterial unberührt vor. Am nächsten Tage wurde nordostwärts Bengasi eine südafrikanische Brigade gefangengenommen und dann die Verfolgung unverzüglich fortgesetzt, Sie oblag allein der 90o leichten Afrika-Division, während dem Afrika-Korps im Raum von Msus die dringend notwendige Möglichkeit zur Ruhe und Auffrischung gegeben werden konnte. Am 4. Februar wurde fast buchstäblich mit dem letzten Liter Betriebsstoff die Bucht von Bouba. und damit die Stellung von Alin el Gazala erreicht, welche man vor zwei Monaten hatten räumen müssen. Der gerade in Rom anwesende Göring verlangte, daaa die Armee auch nach Tobruk nehmen sollte. Daran war aber im Augenblick überhaupt nicht zu denken. Zunächst musste erst einmal der völlig erschöpften Truppe Gelegenheit zur Erholung gegeben werden. Alle weiteren Entschlüsse hingen davon ab, wie sich künftig der Nachschub gestalten würde. Auch der Gegner schien am Ende seiner Kraft, so dass eine mehrmonatige Ruhepause erwartet werden konnte. Rommel flog zum Oberkommando der Wehmacht in Ostpreußen, um dort zu berichten und Weisungen für die Kampführung im Jahre 1942 einzuholen. Er wies besonders auf die Dringlichkeit der Wegnahme Maltas als Voraussetzung für alle weiteren Planungen im Mittleren Mittelmeer hin, erhielt aber keine klaren Richtlinien. Auch Mussolini wich einer Entscheidung aus. Rommel ließ sich aber nicht vertrösten. Im April legte er dem Oberkommando der Wehrmacht und dem Comando Supremo eine eingehende Beurteilung der Lage vor, sie gipfelte einmal in der Annahme, dass die Engländer entgegen den Italienischen Hoffnungen auch im Sommer ohne Rücksicht auf die dann herrschende drückende Hitze zu einem neuen Angriff mit starken Kräften antreten würden. Daraus ergäbe sich die Notwendigkeit, ihnen wieder zuvorzukommen und Tobruk im Juni zu nehmen. Weiter sei die Eroberung Maltas geradezu eine Lebensfrage für die deutsch-italienischen Truppen in der Wüste, da nur durch Ausschaltung dieses Stützpunktes die bisherige Gefährdung des Nachschubes über See auf ein tragbares Maß verringert werden können. Es sei erwünscht, dass die Einnahme von Malta dem Angriff auf Tobruk zeitlich voranginge. Sollten die Vorbereitungen für einen kombinierten, Angriff von See und aus der Luft auf die Insel nicht in kurzer Frist beendet worden können, dann müsse der Stoß gegen Tobruk zuerst erfolgen. Die Operation Malta müsse sich aber auf jeden Fall unmittelbar anschließen.

Hitler hatte kein sehr großes Zutrauen zu den Gelingen eines Angriffes auf Malta, bei dem deutschen und italienischen Fallschirmjägertruppen eine entscheidende Rolle zufiel. Aber schließlich genehmigte er und Mussolini das Vorhaben. In Italien wurden die Vorarbeiten gemeinsam vom Comando Supremo und der Luftflotte 2 sofort begonnen und die 2. Fallschirmjägerdivision hierzu dorthin verlegt. Deutsche Kampffliegerverbände griffen von Anfang April bis Mitte Mai fast täglich mit starken Kräften die Insel an, um sie sturmreif zu machen. Es stellte sich aber bald heraus, dass die Vorbereitungen für das Unternehmen Malta nicht vor Juni abgeschlossen sein konnten. Daher sollte der Angriff auf Tobruk vorher erfolgen. Wenn nach der Eroberung Tobruks die Hauptkräfte die libysch-ägyptische Grenze erreicht hätten, sollte die Luftwaffe, die gleichzeitig nur eine der beiden Operationen wirksam unterstützen konnte, auf das Ziel Malta umschwenken. Der Angriffsbeginn für die Panzerarmes Afrika wurde auf den 26. Mai testgesetzt. Die Nachschublage hatte sich nach einem Tiefstand im April, in dem zeitweise nur Betriebsstoff für 150 km auf afrikanischem Boden verfügbar gewesen war, im Laufe des Mai recht günstig entwickelt, so dass die Vorräte an Munition und Benzin eine gesunde Grundlage für eine Offensive mit nicht zu weit gestecktem Ziel bildeten. Der Mai 1942 blieb aber leider der einzige Monat des ganzen Afrikafeldzuges, in welchem es gelang, das Soll des Nachschubbedarfs der deutschen Truppen in vollen Umfang zu überführen. Am Nachmittag des 26. Mai trat Rommel von Rotonda Segnali zum umfassenden Angriff gegen die britische 8. Armee an. Er wollte sie in der Front durch einen Angriff der beiden italienischen Infanteriekorps binden und mit allen schnellen Verbänden, nämlich den beiden Panzerdivisionen des Afrika-Korps, der 90. leichten Afrikadivision und dem aus der Panzerdivision "Ariete" und der motorisierten Division "Rieste" bestehenden italienischen XX. Korps den englischen Südflügel bei Bir el Hacheim umgehen, um von dort in die tiefe Flanke und in den Rücken des Gegners vorzustoßen. Am Morgen des 27. Mai drehte Bommel, wie immer persönlich an der Spitze seiner Truppen, bei Bir el Hacheim nach Norden ein. Die Gegenwirkung war zunächst sehr schwach, die Überraschung des Gegner: schien also geglückt zu sein. Der anfänglich günstige Eindruck änderte sich aber bald gründlich. Zwar stand die 90. leichte Afrikadivision bereits an Abend des Tages bei Sidi Rezegh südostwärts von Tobruk, aber das Afrika -Korps wurde durch sehr schwere Angriffe der Engländer in die Abwehr gedrängt und zeitweise mit Teilen des Armeestabes eingeschlossen, Rommel selbst vorübergehend von der Führung ausgeschaltet. Die Fesselung der 8. Armee durch die italienische Infanterie war völlig misslungen, so das die Briten sich mit allen Kräften auf vornehmlich die deutschen Truppen stürzen konnten Die Operation schien gescheitert, zumal vorerst nur ein dünner, nur bei Nacht benutzbarer Nachschubstrang nach Westen frei blieb. In der folgenden Zeit löste täglich eine schwere Krise die andere ab. Dennoch wies Rommel alle Vorschläge für einen Rückzug empört zurück. Er würde den Gegner solange anrennen lassen, bis dessen Substanz so geschwächt sei, dass er dann selbst die Initiative wieder an sich reißen könne. Rommels bewundernswerte Standfestigkeit gerade in diesen Tagen, in denen die Hiobsbotschaften sich oft geradezu jagten, blieb nicht unbelohnt. Am 12. Juni fiel Bir el Hacheim, der von der freifranzösischen Brigade des Generals König zäh und mit großer Tapferkeit verteidigte Eckpfeiler der Gazalastellung, in seine Hand. Sechs Tage später war endlich der Weg nach Tobruk frei. Rommels Beurteilung der Lage hatte sich bis ins letzte als richtig erwiesen, sein. nicht von Allen verstandenes, anscheinend starres festhalten an dem einmal gefassten Entschluss erfuhr eine glänzende Rechtfertigung. Aber nun zeigt sich Rommel erst ganz auf der Höhe seines Könnens, jetzt beweist er in. der Vollendung, dass er, obwohl ursprünglich Infanterist und Gebirgsjäger, als Führer großer Panzerverbände idealen Reiterführern früherer Zeiten wie Seydlitz und Zieten, dem Amerikaner Stuart und den napoleonischen Generalen, Zatour Maubourg und Nurat durchaus ebenbürtig ist. Er geht nicht etwa frontal auf sein Ziel los, sondern treibt bei Tageslicht eine Kampfgruppe südlich an der Festung vorbei in Richtung auf Bardia vor, als wenn er; wie im Vorjahr an Tobruk vorbeistoßen und den im freien Felde geschlagenen Gegner nach Ägypten verfolgen wolle. Kaum aber bricht die Dunkelheit herein, so macht die Truppe kehrt und fährt in Richtung Tobruk zurück. Rommel will den Angriff gegen die Festung wie in Vorjahr geplant von Südosten führen. Als das Afrika-Korps in diesen Raum einfährt, entdeckt man in den alten Artilleriestellungen noch die Markierungen von damals und findet ebenso die seinerzeit dort bereits ausgelagerte Munition vor, welche einen willkommenen Zuwachs für die Artillerie darstellt. Die Nacht vergeht unter in fieberhafter Eile betriebenen Vorbereitungen. Um 5 Uhr morgens wird das Feuer eröffnet. Gleich darauf beginnen die Angriffe der Sturzkampfverbände auf vorher festgelegte Punktziele in der vorderen Befestigungszone. Obwohl die gegnerischen Batterien mit gutgezieltem Feuer aus allen Rohren antworten, gelingt es vor allem dank der ausgezeichneten Unterstützung durch die Luftflotte 2, binnen kurzem eine Bresche zu schlagen. Tapfere Pioniere überbrücken mit Behelfsmaterial die Panzergräben, über die sofort die Panzerdivisionen vorrollen. Die Angriffsinfanterie ist entweder auf den Panzern aufgesessen oder folgt ihnen dichtauf, um ins Innere der Festung vorzustoßen. Bis zum Abend ist deren Front in zwei Teile gespalten. Rommel fährt alsbald gleichzeitig mit den Angriffsspitzen in den Hafen und die Stadt hinein.. Endlich ist das gelungen, was seit dem Frühjahr 1941 das Ziel aller Anstrengungen gewesen war, wofür so viel Blut vergossen wurde und um dessentwillen man so harte Strapazen auf sich genommen und dafür unter Sonne, Hitze, Staub, Fliegen und Wassermangel gelitten hatte - das heißumkämpfte und so hartnäckige und vorbildlich verteidigte Tobruk war genommen. Zudem war diese von Natur aus schon begünstigte und durch vorzüglich gebaute Befestigungen noch stärkere Festung, deren Berennung eigentlich eines langwierigen, planmäßigen Angriffs bedurft hätte, gewissermaßen in ersten Anlauf, fast sogar im Handstreich gefallen. Am 21. Juni begeben sich mit den Kommandanten, dem südafrikanischen General Klopper, mehrere Generale und rund 33 000 Mann in Gefangenschaft. Die Beute an Kriegsmaterial aller Art ist fast unübersehbar groß. Die großen Vorräte an Brennstoff Verpflegung und Bekleidung bildeten eine hochwillkommene Zubuße und einen gewissen Ausgleich für fehlenden Nachschub.

Mit den Fall von Tobruk war nicht nur ein sehr großer militärischer Erfolg errungen worden. Nein, mehr noch, der nunmehrige Generalfeldmarschall Rommel und seine Soldaten standen auf dem Zenit ihres Erfolges, sie hatten den Höhepunkt dessen erreicht, was ihnen Fortuna zugebilligt hatte. Den noch im freien Felde befindlichen Teilen der 8. Armee blieb nichts anderes übrig, als das libysche Territorium zu räumen und den Rückzug nach Ägypten anzutreten. Die vor Rommel stehende schicksalsschwere Frage war nun, ob er den weichenden Gegner mit allen Kräften auf den Fersen bleiben sollte, getreu dem alten Grundsatz, die Verfolgung "bei Tage und bei Nacht bis zum letzten Hauch von Mann und Roß" fortzusetzen, oder aber ob er entsprechend der ursprünglichen Abrede nur Teile die ägyptische Grenze überschreiten lassen sollte, um dann die Luftflotte 2 für den Angriff auf Malta freizugeben. Rommel, der angesichts seiner Erfahrungen mit der bagatellisierenden Einstellung der deutschen obersten Führung dem Mittelmeerkriegsschauplatz gegenüber daran zweifelte, dass Malta wirklich angegriffen würde, entschloss sich zur ersten Alternative und hoffte, auch die Reste des Gegners vernichtend zu schlagen und dadurch der 8. Armee den Aufbau einer neuen Front vorwärts des Nils unmöglich zu machen. Die italienische Führung und Feldmarschall Kesselring hielten dagegen ein. Festhalten der bisherigen Planung für notwendig. Hitler, der schon Ende Mai erklärt hatte, Malta solle, falls Tobruk nicht genommen werden. könne, nicht angegriffen werden, genehmigte den Vormarsch nach Ägypten. Mussolini fügte sich diesem Votum. Keiner von ihnen aber wusste, dass westlich Alexandria noch eine stark ausgebaute Stellung bestand.

Schon an 23. Juni überschreitet die Panzerarmee die libysch-ägyptische Grenze, überwindet den stark verminten Raum von Marsa Matruk und erreicht noch am letzten Junitage die Stellung von el Alamein. Hier stößt sie zum ersten Mal seit Tobruk wieder auf ein ernsthaftes Hindernis und hartnäckigen Widerstand. In diesen Tagen haben die Engländer die schwerste Krise des ganzen Feldzuges durchzustehen. Wird es gelingen, den Verfolger mit in aller Eile zusammengerafften und recht unzulänglichen Kräften zum Stehen zu bringen, oder muss man bis hinter den Nil zurück und Alexandria preisgeben, wo die Mittelmeerflotte vorsichtshalber schon die Anker gelichtet hat ? Aber diesmal ist ihnen die Kriegsgöttin hold, denn Rommel langte nur mit sehr schwachen Kräften bei Alamein an. Die vergangenen Wochen hatten manchen Verlust gekostet, viel war auch auf dem weiten Wege liegengeblieben. Mit den 50 - 60 noch einsatzbereiten deutschen Panzern und wenig Artillerie besaß seine ermattete Infanterie nicht mehr die Kraft, diese unerwartet widerstandsfähige neue Front zu durchbrechen. Sein Naschschubweg war im übrigen noch länger geworden. Da Tobruk als Kriegshafen nur eine geringe Ausladekapazität besaß, war man weiterhin vorwiegend auf Bengasi angewiesen. Die Nachschubleistung selbst war aber im Monat Juni wiederum erschreckend abgesunken und betrug kaum 7 000 Tonnen.

Nun kam es entscheidend darauf an, wer schneller erstarken und so eher die Handlungsfreiheit zurückgewinnen würde. Großbritannien besaß naturgemäß andere Möglichkeiten, seinem zur Zeit einzigen Kriegsschauplatz aus der Bedrängnis zu helfen, als sie der an vielen Fronten festgelegten "Achse" zur Verfügung standen, und es nutzte sie. Sehr zustatten kam England hierbei, das Malta die Seegebiete weiterhin abstützen konnte. In übrigen stand die Inselfestung, wie man heute weiß, da damals dicht vor dem Zusammenbruch, wäre also eine verhältnismäßig leichte Beute eines deutsch-italienischen Angriffe geworden.

Zuerst waren sowohl Angreifer wie Verteidiger so schwach, dass keiner die Initiative an sich zu reißen vermochte. Weder war es Rommel möglich, an irgendeiner Stelle den Durchbruch zu erzwingen, noch vermochten verschiedene Gegenangriffe, besonders der australischen Division, einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Der beiderseitige Mangel an Kräften hielt sich zunächst die Waage. Das sollte sich aber bald grundlegend wandeln. Zwar erstarkte Rommel allmählich wieder. Am 1. August zählte das Afrika-Korps wieder 133 einsatzfähige Panzer und verfügte ferner über zwei neue Verbände, die 164- leichte Afrikadivision und die Fallschirmlehrbrigade Ramcke. Beide waren aber auf dem Luftwege zugeführt worden und entbehrten daher der Fahrzeuge, was sich später noch bitter bemerkbar machen sollte. Auch drei neue italienische Divisionen waren in Afrika, eingetroffen, die später sehr tapfer kämpfende Fallschirmdivision Folgore, die Panzerdivision "Littorio" und die vorerst noch nicht verwendungsfähige motorisierte Division Pistoia. Die andere Seite erhielt aber viel rascher Verstärkungen aller Art. Churchill selbst flog nach Kairo und ersetzte dort den bisherigen Oberbefehlshaber Mittelost, General Auchinleck, durch den späteren Feldmarschall Lord Alexander, übertrug die Führung der 8. Armee General Montgomery und sorgte vor allem für namhafte Truppenverstärkungen, die nicht nur dem arabischen Raum entnommen wurden, sondern auch aus der Heimat und anderen Bereichen in Marsch gesetzt wurden. Ebenso wurde die Luftwaffe wesentlich verstärkt und der Nachschub bedeutend erhöht. Dieser Tatkraft des britischen Regierungschefs war es zu verdanken, dass die Englischen Truppen ab Mitte August die Front zwischen der Küste und dem Steilabfall der Quattara-Senke fest in der Hand hielten. Die tödliche Gefahr, in der man um die Wende Juni/Juli geschwebt hatte, war endgültig gebannt.

Rommel bewegte naturgemäß ununterbrochen der Gedanke, ob es doch noch möglich sein würde, die Alameinfront zu durchbrechen und auf Alexandria vorzustoßen. Die Entscheidung hing allein vom Nachschub ab, dessen Leistung, wie schon erwähnt, weiter völlig unzureichend blieb. Besonders mangelte es wie seit jeher an Betriebsstoff, dem Lebenselixier jeder motorisierten und mechanisierten Truppe. Rommel widerstand daher den an ihn herangetragenen Wünschen Mussolinis, der vorwiegend wohl aus Prestigegründen eine neue Offensive wünschte. Er gab erst dünn nach, als Feldmarschall Kesselring ihm das Einlaufen von zwei großen Tankern unter besonders starken Geleitschutz in den Hafen von Tobruk ankündigte und außerdem versprach, im Notfall täglich bis zu 400 Tonnen Benzin auf dem Luftwege zuzuführen. Darauf trat die nunmehrige deutsch-italienische Panzerarmee in der Nacht vom 30. zum 31. August zum Angriff gegen die Mitte der englischen Front an. Der Durchbruch glückte sowohl dem Afrika-Korps wie der 90. leichten Afrikadivision an zwei verschiedenen Stellen. Bei diesem Angriff fielen der hochbewährte Kommandeur der 21. Panzerdivision, Generalleutnant v. Bismarck und der Führer von Rommels Kampfstaffel, Hauptmann Kiehl, während der Kommandierende General des Afrika-Korps, General der Panzertruppen Nehring und der Kommandeur der 90. leichten Afrikadivision, Generalleutnant Kleemann, verwundet wurden. Bald darauf fand auch das "As" der Afrika-Flieger, der strahlende junge Oberst Marseille, den Fliegertod, ein unersetzlicher Verlust für die deutsche Jagdwaffe. Gleiches trifft für den später gefallenen Oberst Müncheberg zu. Da. traf die Nachricht ein, dass der bereits in den Hafen von Tobruk eingelaufene Tanker infolge falscher Befehlsgabe wieder ausgelaufen und nun vor dem Hafen durch Torpedo versenkt worden sei. Rommel wollte den Angriff sofort abbrechen, ließ sich aber durch die erneute Zusicherung, dass der Ausfall durch Lufttransporte unbedingt ausgeglichen werden würde, von der Möglichkeit einer Fortsetzung des Unternehmens überzeugen. Tatsächlich kam aber nur sehr wenig Treibstoff auf dem Luftwege bei der Armee an. Er war wohl abgesandt worden, hatte sich aber auf dem langen Wege von Italien bis hach Ägypten zum großen Teil unterwegs aufgezehrt, das heißt, er war von den Transportmaschinen selbst verbraucht worden. Die Folge war, das die deutschen uni italienischen Truppen sechs Tage hinter der feindlichen Front bewegungsunfähig bei Tage und bei der Nacht den konzentrierten Luftangriffen des Gegners ausgesetzt waren und weder vor- noch zurückgehen konnten.

Was die Truppe in dieser Woche, an Belastungen zu tragen hatte, war wohl das Höchstmaß dessen, was im letzten Kriege Soldaten überhaupt je zugemutet worden ist. Tagsüber wurden die Divisionen von 7 bis 17 Uhr pausenlos durch beschlossene Verbände bombardiert und nach einer kurzen Pause ab 22 Uhr bis 7 Uhr morgens durch Tiefflieger mit Beleuchtern in Zielwurf angegriffen. Die deutschen Regimenter haben die hier erlittenen Verluste bis zum Beginn der Schlacht von Alamein nicht mehr voll überwinden können.

Mitte September trat Feldmarschall Rommel den nun nicht mehr aufschiebbaren Erholungsurlaub an und wies vor dem Abflug in einer Denkschrift die oberste deutsche Führung nochmals eindringlichst auf die Gefahren einer ständig ungenügenden Versorgung hin. Seine Lagebeurteilung schloss mit den von ihm eigenhändig zugefügten ernsten und prophetischen Worten "Wenn es nicht gelingt, der Panzerarmee den unbedingt notwendigen Nachschub zuzuführen, ist sie nicht in der Lage, den vereinigten Kräften zweier Weltreiche, des britischen Empire und der USA, auf die Dauer zu widerstehen. Sie wird dann früher oder später das Schicksal der Halfaya-Besatzung erleiden."

Der Katastrophe entgegen

Wieder in ihren Ausgangsstellungen angelangt, betrieb die Armee mit größtem Nachdruck den weiteren Ausbau der Stellungen und, soweit materiell möglich, die Auffrischung der Truppen. Es konnte ja keinem Zweifel unterliegen, dass der Gegner noch vor Ablauf des Jahres 1942 mit noch stärkeren Kräften als bisher zu einen neuen Schlage ausholen würde. Den Zeitpunkt konnte man natürlich nur ahnen. Die ab Ende September immer wuchtigeren britischen Luftangriffe auf die Flugplätze und Nachschubbasen waren aber ziemlich sichere Anzeichen dafür, dass die dritte gegnerische Offensive nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen würde. Dementsprechend wurde auch berichtet, ohne jedoch bei der deutschen obersten Führung viel Glauben zu finden. Nur so war es möglich, dass Hitler noch am Abend des 24. Oktober, also des zweiten Angriffstages, sofortige Funkmeldung verlangte, ob es sich tatsächlich um eine regelrechte Offensive oder nur um einen Aufklärungsvorstoß der Engländer handele!

Die deutsch-italienische Panzerarmee war in der El Alamein Stellung wie folgt gegliedert: In der Front eingesetzt waren von der Küste fast zur Mitte der Front zwei italienische Korps mit vier Divisionen und die 164. leichte Afrikadivision. Um den schlecht bewaffneten italienischen Soldaten einen besseren Rückhalt zu gewähren, wurde zwischen je zwei italienischen immer ein deutsches Bataillon gewissermaßen als Korsettstange eingeschoben. An das südliche italienische Korps schloss sich in einem besonders gefährdet erscheinenden Frontabschnitt die Fallschirmlehrbrigade an. Zwischen dieser und dem Steilabfall der Quattarasenke stand in ziemlich breiter Front die Fallschirmdivision Folgore. Hinter diesen Truppen wurden drei motorisierte bzw. mechanisierte Eingreifgruppen als bewegliche Armee-Reserven bereitgestellt. Die nördliche Gruppe bestand aus der 90. leichten Afrikadivision und der Division Trieste, die beiden anderen aus je einer deutschen und einer italienischen Panzerdivision. Die Kampfkraft des Afrika-Korps war inzwischen wieder auf 230 Panzer gestiegen, zu denen noch rund 300 italienische Panzerkampfwagen mit wegen schlechter Panzerung und schwachem Kaliber nur sehr geringem Gefechtswert traten. Auf der Gegenseite versammelten sich General Montgomery mit drei Panzerdivisionen, drei Panzerbrigaden, 6 Divisionen und einer selbständigen Brigade und insgesamt 1114 Panzern. An Luftstreitkräften standen ihm 540 Jäger und über 200 meist viermotorige Bombenflugzeuge zur Verfügung, während die Armee Rommel nur durch etwa 200 Jäger und eine geringe Zahl von Kampfflugzeugen unterstützt werden konnte.

Der Großangriff der 8. Armee wurde in den späten Abendstunden des 23. Oktobers durch ein den Wüstenboden weithin erzittern lassendes mehrstündiges Vernichtungsfeuer der gesamten, über 2000 Rohre betragenden Artillerie gegen die Deutsch-italienischen Stellungen des nördlichen Frontabschnittes eröffnet. Dieses Feuer erstreckte sich auch auf die mit großen Mühen angelegten "Minengärten" vor der Hauptkampflinie und brachte einen großen Teil der dort verlegten Minen, Granaten und Fliegenbomben vorzeitig zur Entzündung. Die britische Angriffsinfanterie stürzte sich durch die geschaffene Gasse zunächst auf die italienischen Bataillone und schloss nach deren Ausschaltung die dann als Inseln stehen gebliebenen deutschen Abschnitte ein. Gemessen an seiner Übermacht waren die Fortschritte des Angreifers vorerst nicht groß, weil die deutsche Infanterie, auch wenn sie beiderseits umgangen. war, sich vorzüglich hielt. Dennoch war es sehr bald notwendig, die beweglichen Eingreifreserven nach und nach in den Kampf zu werfen. Der Stellvertreter Rommels, der tapfere General Stumme, fiel schon am 24. Oktober. Rommel kehrte am folgenden Abend zurück und übernahm wieder die Führung der Armee. Unter seinem Befehl wurde der Abwehrkampf mit größter Zähigkeit fortgeführt. In den folgenden Tagen griff die britische Offensive, stets hervorragend von der Luftwaffe unterstützt, auch auf den südlicheren, bisher nicht angegriffenen Teil der Front über und zwang zum Einsatz auch der letzten Reserven. Um die Monatswende war es klar, dass die bisher nur um wenige Kilometer zurückgedrängte Front sich nicht mehr lange würde behaupten können. Rommel sandte daher vorsorglich die 90, leichte Afrikadivision in eine Auffangstellung nach Fuka zurück. Am 2. November abends meldete er an die Oberkommandos der deutschen und der italienischen Wehrmacht, dass die Übermacht des Gegners und Erschöpfung der eigenen Truppe es gebieterisch verlangten, den Rückzug anzutreten, ehe die Front in mehrere Teile aufgespalten würde; die Zahl der einsatzfähigen deutschen Panzer sei auf 30 gesunken. Es werde schon schwierig genug sein, auf nur eine feste Straße angewiesen, sich vom Gegner geordnet zu lösen. Diese Meldung war nur als Benachrichtigung von etwas unumgänglich Notwendigem gedacht, eine Entscheidung wurde gar nicht erwartet. Um so starrer war man, als am folgenden Tage mittags ein Funkspruch Hitlers eintraf, in welchem behauptet wurde, auch der Gegner sei am Ende seiner Kraft, namhafte italienische Verstärkungen wären unterwegs, die Armee müsse jeden Fußbreit Wüstenbodens verteidigen, ihre Parole hieße "Siegen oder Sterben". - Es ist leicht vorzustellen, wie ein solcher jeden Verständnisses für die schwierige Lage barer Befehl wirken musste, nachdem Jeder sein Bestes hergegeben hatte.

Die Ausführung dieses Befehls hätte die Vernichtung der Armee innerhalb der nächsten Tage und damit den sofortigen Verlust des ganzen Kriegsschauplatzes bedeutet, während durch hinhaltenden Widerstand in abschnittsweise kämpfendes Ausweichen zumindest Zeit zu gewinnen war und man dem Gegner noch weiteren Abbruch tun konnte. Falls es gelingen sollte, den Nachschub wieder zu beleben, bestand sogar die Möglichkeit, ähnlich wie im vergangen Herbst die Lage wieder zu wenden. Aber wie sollte Rommel das innerhalb weniger Stunden einem mehrere Tausende Kilometer entfernten, mit den örtlichen Verhältnissen völlig unbekannten obersten Befehlshaber nur durch Funk verständlich machen, dass er diesen Befehl im Interesse der Kriegsführung unmöglich befolgen könne? Schließlich sah Rommel dessen Anordnungen als durch die Entwicklung der Lage überholt an und begann am späten Vormittag des 4. November den allgemeinen Rückzug. Kesselring trug zu diesem Entschluss entscheidend bei und übernahm auch seinerseits die volle Mitverantwortung für das Abweichen vom Befehl. Hitler hat Rommel seinen "Ungehorsam" nie verziehen und verstieg sich noch im Herbst 1944 zu der Behauptung, man könne "noch heute" in Alamein stehen, wenn damals die Armeeführung nicht "die Nerven verloren" hätte. Er ließ sich auch nicht davon überzeugen, dass der Rückmarsch erst in allerletzter Minute angetreten wurde, nachdem die Front bereits an mehreren Stellen durchbrochen worden war, wobei das Afrikakorps seinen dritten Befehlshaber in diesem Jahr einbüßte. General Crüwell war Ende Mai über den feindlichen Linien im Storch abgeschossen und sein Nachfolger, General Nehring, wie schon erwähnt, verwundet worden, während jetzt General Ritter von Thoma in vorderster Linie kämpfend in die Hand des Gegner fiel. Kurz darauf fand auch der neue Kommandeur der 21. Panzerdivision, Generalleutnant v. Randow, mit seinem 1. Generalstabsoffizier, v.Heuduck, den Heldentod.

Der Rückzug von Alamein wird jeden unvergesslich bleiben, der an ihm teilgenommen hat. Auf einer einzigen festen Straße wurde die Truppe fast pausenlos mit Bomben und Bordwaffen aus der Luft angegriffen. Bei Nacht wiesen die ständig in großer Zahl am Himmel stehenden Leuchtfallschirme - von den Soldaten "'Weihnachtsbäume" genannt - den Fliegern ihre Ziele. Ihre Leuchtwirkung war so stark, dass die Menschen auf der Erde zeitweise regelrecht geblendet waren. 

Die eigene Luftwaffe konnte bei Tage nur geringe, vorübergehende Erleichterung bringen. Eine weitere starke Belastung war der ständige Mangel an Betriebsstoff. Er war so groß, dass die Divisionen häufig günstige Gelegenheiten, dem im allgemeinen vorsichtig folgenden Gegner einen Schlag zu versetzen, nicht ausnutzen konnten, weil ihre leeren Tanks auch kleinere Gefechtsbewegungen nicht gestatteten. Der Seenachschub hatte seit Ende Oktober bis auf einzelne kleine "Kriegstransporter" von 400 BRT ganz aufgehört. Die Luftversorgung konnte den Ausfall nicht entfernt ersetzen, zumal sie auch vom Wetter abhängig war. Das Überfliegen von 150 Tonnen stelle eine Tageshöchstleistung dar. Einmal traf nur eine einzige Maschine mit 1,8 Tonnen Betriebsstoff ein.

Eine weitere große Sorge stellte die Unbeweglichkeit der überflogenen deutschen Verbände und der italienischen Fußtruppen dar. Die 164. leichte Afrikadivision war noch verhältnismäßig günstig dran, weil sie beiderseits der Küstenstraße eingesetzt gewesen war. Anders stand es mit der mitten in dar Wüste befindlichen Fallschirmlehrbrigade, der man Kraftwagen nicht mehr zuführen konnte. Eigentlich musste diese ausgezeichnete Truppe als verloren angesehen werden. Aber bei Sidi Barani meldete sich zur allgemeinen Überraschung und besonderen Freude die tapfere Brigade wieder zur Stelle. Unter Führung ihres Kommandeurs, des Generals Ramcke, hatte sie kurzentschlossen den Rückmarsch zu Fuß quer durch die Wüste angetreten.

Am kommenden Morgen war ihr das Kriegsglück hold. Ein des Weges kommender britischer Kraftwagen-Konvoi wurde überrumpelt und auf ihm die Fahrt nach Westen angetreten. Die Fallschirmjäger brachten sogar eine stattliche Anzahl von Gefangenen mit. Die italienische Infanterie war leider nicht zu retten. Entgegen Rommels klarem Befahl traten aber mit ihr auch die motorisierten Truppenteile wie z.B. die gesamte Artillerie den Weg in die Gefangenschaft an. Dadurch gingen etwa fünf volle italienische Divisionen verloren. Nunmehr bestand die Panzerarmee in der Mehrzahl nur noch aus deutschen Truppen.

Nicht genug damit, landeten die Alliierten am 8. November mit starken Kräften in Marokko und Algier. Eine derartige Großlandung in seinem Rücken hatte Rommel schon lange befürchtet. Was sollte er unternehmen, wenn sie weit hinter der Front, also bei Tripolis oder Bengasi erfolgte? Dann war es nicht möglich, sie so schnell abzuwehren, wie es im September bei Tobruk mit Hilfe von Flakartillerie und Alarmeinheiten gelungen war. Feldmarschall Kesselring und das Comando Supremo wussten seit längerem, dass eine alliierte Landungsflotte unterwegs war. Ihren Warnungen, dass voraussichtlich Nordafrika das Ziel dieser Armada sein würde, schenkte das OKW aber keinen Glauben. Dort rechnete man mit einer Operation gegen Südfrankreich, sah also für den afrikanischen Kriegsschauplatz keine Gefahren. Nun aber war Rommels Armee operativ umfasst, und damit war das Ende in absehbare Nähe gerückt. Die erste Auswirkung der alliierten Invasion in Französisch Nordafrika war für Rommel die, dass der geringe noch verbliebene Schiffstransportraum vordringlich dafür benötigt wurde, Tru,ppen und Versorgungsgüter nach Tunesien zu schaffen, um dort eine Abwehrfront gegen diesen neuen Gegner aufzubauen. Damit wurden die Nachschubnöte der deutsch-italienischen Panzerarmee noch brennender. Alles, was über den vorerst noch wenig gefährdeten kurzen Seeweg von Sizilien nach Tunis herübergebracht wurde, musste in erster Linie den dort eingesetzten Truppen zur Verfügung gestellt werden. Als erste Einheiten wurden auf Befehl Kesselrings eine deutsche Wachabteilung, eine Jagdstaffel und ein italienisches Bataillon nach Tunis überführt. Da erstaunlicherweise die Alliierten ihre Hand nicht auch auf Tunesien gelegt hatten, war es möglich., nach und nach dort eine allerdings äußerst dünne Front aufzubauen. Sie trat später als 5.Panzerarmee unter den Befehl des Generalobersten v. Arnim. Der Gegner fühlte aus Algier nur sehr zögernd vor, da er sich noch in der Versammlung befand. So war es in den ersten Wochen sogar möglich, örtliche Erfolge zu erringen, und die eigenen Sicherungslinien nach Westen vorzuverlegen.

Rommel setzte währenddessen seinen Rückzug in großer Ordnung fort. Es gelang auch ohne größere Verluste die für eine in der Luft unterlegene Truppe außerordentlich schwierige Überwindung der Serpentinen des Halfaya-Passes. Tobruk und Bengasi mussten kampflos aufgegeben werden. Im letzten Drittel des November langte die Armee im Raum von el Agheila und damit am Ausgangspunkt von zwei in aller Welt bewunderten Offensiven an. Hier fand Rommel endlich Muße, eine Bilanz zu ziehen, Sie gipfelte darin, dass der Kriegsschauplatz binnen weniger Monate unrettbar verloren war und dass es nun darauf ankam, möglichst wenige seiner Soldaten in Gefangenschaft geraten zu lassen. Man würde diese hervorragend bewährten Männer noch dringend bei der dann folgenden Verteidigung Italiens gebrauchen. Rommels Überlegungen gipfelten darin, das er dies Hitler selbst vortragen und ihn von der Notwendigkeit überzeugen müsse, den Vorposten Afrika aufzugeben. Nur wenn dieser Entschluss schnell falle, werde es möglich sein, eine planmäßige personelle Räumung einzuleiten.

Eine Kampfpause bei el Agheila benutzend, flog Rommel am 28. November nach Europa und landete nachmittags im Hauptquartier des OKW, wo sein Erscheinen unliebsame Überraschung,hervorrief. Man ahnte, dass er als unbequemer Mahner erschien! In einer mehrstündigen, teilweise sehr erregten Aussprache versuchte der Feldmarschall Hitler unter Aufbietung all seiner Beredsamkeit davon zu überzeugen, dass der Verlust des afrikanischen Kriegschauplatzes unabwendbar und eine sofort beginnende personelle Räumung, bei der man hoffen könne, etwa zwei Drittel der deutschen Truppen dem alliierten Zugriff zu entziehen, ein Gebot der Stunde sei. Allein, er predigte tauben Ohren. Das einzige, was er erreichte war, dass Hitler ein weiteres Ausweichen Richtung Buerat genehmigte. Dafür gab er ihm Göring auf der Rückreise mit. Dieser sollte Rommel "aufrichten" und in Italien den Nachschub wieder in Gang bringen. Das es aber bei dem Versorgungsproblem nicht etwa an Nachlässigkeiten der Absendung, sondern allein an der Unmöglichkeit lag, die Geleite ausreichend gegen Angriffe von See- und Luftstreitkräften zu sichern, wurde geflissentlich Übergangen, obwohl es schon bis zum Überdruss gemeldet worden war. Rommel kehrte innerlich zerbrochen zur Armee zurück. Er wusste nun, dass er seinen Soldaten den bitteren Weg in die Gefangenschaft nicht ersparen konnte. Ende Dezember setzten die deutsch-italienischen Truppen den Rückmarsch in die inzwischen feldmäßig ausgebaute Buerat-Stellung fort. Auch diese musste vorzeitig aufgegeben werden, weil wiederum der Betriebsstoff fehlte, um der Umgehung der Südflanke durch den Gegner wirksam entgegentreten zu können. Aus dem gleichen Grunde musste auch Tripolis, die Hauptstadt Libyens und der Stolz des italienischen Kolonialreichs am 22. Januar 1943 geräumt werden. Rommel wich nun weiter auf die Marethlinie an der libysch-tunesischen Grenze aus, die er Anfang Februar erreichte. Die dort ständigen französischen Befestigungen hätten eine erhebliche Stärke der Abwehrkraft bedeuten können, wenn sie nicht durch die Italiener 1940 geschleift worden wären. Der Rückzug von el Alamein war damit im wesentlichen abgeschlossen. Seine Durchführung über eine Entfernung von mehr als 2 000 Kilometern wird von militärischen Fachleuten aller Welt als eine unter den schwierigsten Verhältnissen vollbrachte Meisterleistung bezeichnet.

Das Ende

Bis über die Jahreswende 1942/43 war es der 5. Panzerarmee dank des sehr methodischer. Verfahrens der Alliierten gelungen, die Lage im tunesischen Raum einigermaßen zu stabilisieren, nachdem allmählich Teile von fünf deutschen Divisionen aus Deutschland und Frankreich überführt worden waren, zu denen sich noch eine Anzahl italienischer Truppen gesellte. Aber Generaloberst v. Arnim gab sich keinen Illusionen darüber hin, dass die eigentliche Belastungsprobe noch bevorstand. Die Abwehr der binnen kurzem zu erwartenden alliierten Großoffensive konnte nur dann Aussicht auf Gelingen haben, wenn die Versorgung mit Munition und Betriebstoff eine grundlegende Änderung erfuhr. Nach wie vor war die Nachschublage auf das Äußerste angespannt und nunmehr war auch bereits der kurze Seeweg durch die Straße von Sizilien in hohem Maße blockiert, wie erschreckend steigende Versenkungsziffern bewiesen. Rommel verfügte im Februar wieder über 120 Panzer und damit über fast ein Drittel seines Solls. Dieser bescheidene Kräftezuwachs gab dem Löwen die Möglichkeit zu einem kühnen Prankenhieb. Am 14. Februar stieß er aus Südtunesien in nordwestlicher Richtung auf algerisches Gebiet vor, um die Angriffsbereitschaft des neuen amerikanischen Gegners zu verzögern Er durchbrach den Kasserine-Pass, besetzte verschiedene Flugplätze im südwestlichen Algerien und versetzte dadurch die dort aufmarschierenden noch nicht kampferfahrenen Truppen der Vereinigten Staaten in erhebliche Verwirrung. Zwei britische Divisionen wurden von Nordalgerien zur Entlastung herangeführt. Noch einer Rommel'schen Offensive hatte man sich wirklich nicht versehen. Dessen Kräfte waren aber zu schwach, um - wie es Göring verlangte - bis zur Küste weiterzustoßen und so ging er am 23. Februar planmäßig wieder auf die Aufgangstellungen zurück.Er wandte sich nun seiner nächsten :Aufgabe zu, nämlich Montgomerys Aufmarschvorbereitungen gegen die Marethlinie zu stören. Bei diesem letzten, am 6. März geführten Angriff konnte er aber infolge erdrückender Luftüberlegenheit sein Ziel nur bedingt erreichen. Inzwischen waren die jetzt in unmittelbare räumliche Verbindung gekommenen beiden deutsch-italienischen Armeen zu einer "Heeresgruppe Afrika" zusammengefasst worden. Ihr erster Oberbefehlshaber wurde Rommel, der aber am 9. März schweren Herzens seinen Kriegschauplatz verlassen musste. Hitler wollte unter allen Umständen verhindern, das nach Paulus ein weiterer Feldmarschall in gegnerische Hand fiel. Das Kommando übernahm Generaloberst v. Arnim.

Am 1. März standen der Heeresgruppe Afrika für eine Frontlänge von 455 Kilometern, die der Luftlinie von Berlin nach Köln entspricht, auf jedes Bataillon im Durchschnitt eine Abschnittsbreite von 10 Kilometern entfiel. Die Gesamtzahl deutscher Panzer betrug knapp 200. Demgegenüber besaßen die Alliierten 100 Bataillone und über 1200 Panzer. Sie hatten rund 200 deutschen und italienischen Geschützen 840 Rohre mit mehr als reichlicher Munitionsausstattung entgegenzustellen. Montgomery gelang es unter gewaltigem und mustergültig aufeinander abgestimmtes Einsatz der Luftwaffe, Panzern und Artillerie nach mehrtägigen, auch für ihn sehr verlustreichen Kämpfen, den Durchbruch durch die Marethlinie zu erzwingen. Die alte Armee Rommels, die nun als "1. italienisches Armee" dem späteren Marschall Messe mit dem deutschen Geneal Bayerlein als Chef des Generalstabes unterstand, wich kämpfend in Richtung auf die neue Stellung von Enfidaville aus. Mitte März standen für den Nachschub nur noch 30 Schiffe mit einer monatlichen Kapazität von 90 000 Tonnen zur Verfügung. Da man, ebenfalls monatlich gerechnet, mit 20 Verlusten rechnen musste, war mit dieser zusammengeschrumpften Transportflotte die Überführung von nur 70000 Tonnen Versorgungsgut möglich, während 150 000 Tonnen benötigt wurden. Am 23. März traf der letzte Geleitzug im Hafen von Tunis ein. Später gelang nur noch Marinefährprähmen, Siebelfähren und anderen kleinen Schiffen, zum Teil sogar Seglern, die ,jeweils zwischen 60 und 200 Tonnen befördern konnten, die gefahrvolle Überfahrt. Allein diese kurzen und nüchternen Angaben zeigen, wie sich das Netz um die Heeresgruppe Afrika immer enger zusammenzog. Die überwältigenden Schwierigkeiten zu meistern, ging über die Kraft des nunmehr für die Versorgung verantwortlichen Oberbefehlshabers Süd, obwohl Feldmarschall Kesselring auch auf diesen Gebiet ebenso wie als Luftflottenchef in vorbildlicher Weise bemüht war zu helfen.

Mit dem Monat April brach die Zeit der entscheidenden Alliierten Offensiven an. Ihren Auftakt bildete am 7. April der Angriff einer englischen Elite-Division im Medjerda-Tal. Trotz harter deutscher Gegenwehr drang sie mit Unterstützung von 125 Panzern schließlich durch. Am gleichen Tage ging Wadi Akarit, am 10. April Sfax und wenig später Sousse verloren. Die beiden letztgenannten Orte waren wichtige Ausladehäfen für kleinere Schiffe gewesen. Am 20. April begann der Angriff der britischen 8. Armee gegen die Stellung von Enfidaville. Auch sie konnte von der 1. Italienischen Armee nicht behauptet werden, obwohl die in ihr vorwiegenden deutschen Truppen trotz der aussichtslos gewordenen Lage immer noch ihren alten Kampfgeist bewahrten. Es fehlte aber an Artilleriemunition auch für die Bekämpfung lohnendster Ziele, während der britische Angriff fast ununterbrochen von einem Hagel Bomben und Granaten begleitet wurde.

Während Montgomery die bei Enfidaville geschlagenen deutschen und italienischen Truppen nach Norden verfolgte, holte im Norden die britische 1. Armee zum Fangstoß aus, griff am 3. Mai bei Mateur unter stärkster Zusammenballung aller modernen Kampfmittel die nur noch über etwa 50 Panzer verfügende 5. Panzerarmee an, spaltete deren Front auf und drang mit ihren Vorhuten am Nachmittag des 7. Mai in Tunis ein. Bereits am nächsten Mittag fiel Bizerta, wodurch die deutsch-italienische Front völlig auseinander brach. Am 10. Mai begannen die bedingungslosen Waffenstreckungen, am übernächsten Tage erlosch auch der letzte vereinzelte Widerstand. Fast 140 000 deutsche und mehr als 100 000 italienische Soldaten traten den bitteren Weg in die Kriegsgefangenschaft an. Der Krieg in Nordafrika war beendet. 

Bilanz

Das Ergebnis dieses mehr als zweijährigen Kampfes war ein vollständiger Sieg der Alliierten, insbesondere der Engländer, dem eine totale Niederlage der deutschen und italienischen Streitkräfte gegenüberstand. Sie trugen aber nicht die Schuld an diesem tragischen Ausgang. Die Verantwortung hierfür fällt den Regierungen zu, die ihnen befohlen hatten, auf einen anderen Erdteil zu kämpfen ohne den Nachschub dorthin sichern zu können. Ungenügend mit Waffen, Munition und Betriebsstoff versorgt, einer immer größer werdenden Überlegnheit in der Luft, zur See und schließlich auch zu Lande ausgesetzt, waren sie außerstande gewesen, sich auf Dauer zu behaupten. Die im modernen Kriege letzten Endes immer ausschlaggebende Übermacht des Materials hatte auch durch hervorragenden Mut, Tapferkeit und Opfermut nicht ausgeglichen werden können.
Alle in Nordafrika und zur Unterstützung dieses Kriegsschauplatzes eingesetzten Soldaten der verschiedenen Waffen verdienen für ihre Leistungen höchstes Lob, gleichviel ob es sich zum Beispiel um das Afrika-Korps, die Verbände der Luftwaffe, die von vornherein einer aussichtslosen Lage gegenüberstehenden Tunesienkämpfer oder um die Besatzungen der Versorgungsschiffe oder ihres Geleitschutzes handelt. Auch der Gegner hat das anerkannt. Ebenso haben viele italienische Soldaten aller Gattungen Hervorragendes geleistet. Die aufopfernde Unterstützung, welche die Verbände des Fliegerführers und des Marinekommandos Afrika stets dem Heer liehen, ist besonders hervorzuheben. Die Namen des Generals Seidemann und des Kapitäns zur See Meixner sind allen Afrikanern wohlvertraut. Dreierlei wird in der Erinnerung bleibenden Wert behalten. Das ist einmal die ritterliche Art und Weise, in der auf diesem Kriegsschauplatz der Kampf bis zum letzten Tage geführt wurde. Ein weiteres ist der hervorragende Gemeinschaftsgeist, der damals die sämtlichen Entbehrungen in gleicher Weise ausgesetzten deutschen Soldaten aller Grade und Waffengattungen fest umschloss und der sie noch heute, nach über einen Jahrzehnt, in treuer Kameradschaft vereint. Und es ist schließlich - damit in engstem Zusammenhang stehend - der Name Rommel, dessen strahlender Glanz auch durch die Niederlage nicht überschattet wurde. Wenn in aller Welt jemand an den Krieg in Nordafrika denkt, so verbindet sich mit solchem Erinnern für ihn selbstverständlich der Name des Feldmarschalls Erwin Rommel als eines Vorbildes für echtes, tapferes und menschliches Soldatentum.
Aufs tiefste zu beklagen ist aber, dass auch dieser Kampf auf beiden Seiten so schmerzliche Opfer forderte. Alle Gefallenen gaben das Leben für ihr Vaterland. Ihre letzte Ruhestätte ist die Wüste und zu ihnen wandern die Gedanken der Hinterbliebenen ebenso wie die der alten "Afrikaner" aller Nationen, die sich in Afrika wie anderswo hoffentlich zum letzten Mal bekämpft haben. Ehre ihrem Andenken!