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Interview mit einem Panzerjäger (zuletzt bei der Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring)

  Name: Hans R.
  Rang: Jäger
  Einheit: ---
 
Würden Sie bitte Ihr Leben vor dem Krieg beschreiben?

Ich hatte ein schönes Familienleben mit meinen Eltern und meiner Großmutter. Von 1934 - 1938 besuchte ich die Volksschule in Michaelis, 1938 wechselte ich dann bis Ostern 1942 zur Sprachklasse. In meiner Freizeit war ich oft mit dem Rad unterwegs, unternahm etwas mit Freunden, habe gern gelesen und viel gebastelt. Von 1934 - 1943 bin ich immer mit meinen Eltern zum Onkel auf den Bauernhof gefahren. Wir haben ihm bei der Ernte geholfen und das Vieh gefüttert. Insgesamt betrachtet ging es uns gut. Jeder hatte Arbeit, die Frauen mussten nicht arbeiten, nur wenn sie wollten. Das änderte sich erst als der erste "Männermangel" eintrat, von diesem Zeitpunkt an wurden sie Dienst verpflichtet in das Verkehrswesen, Rüstung usw..

Wurden Sie zu dieser Zeit bereits vormilitärisch ausgebildet?

Es gab in meinem Leben mehrere "Stationen", bei denen ich an der Waffe ausgebildet wurde.
Mit meinem 10. Lebensjahr erfolgte die Aufnahme in das Deutsche Jungvolk. Dort war jeden Mittwoch (außer an Feiertagen) 15.30 Uhr und Sonnabend 14.00 Uhr Dienst angesetzt. Aus besonderen Anlässen auch Sonntags. Im DJ lernten wir Marschieren, Anwendung von Karte und Kompaß, das Abfassen von Meldungen und deren Weitergabe, Sport und das Schiessen mit dem Luftgewehr. Wir sammelten jedes Jahr für das Winterhilfswerk Sachen und erhielten Schulungen über die Deutsche Geschichte und Erste Hilfe. Zu Pfinsgten und in den Sommerferien wurden Fahrten (mit dem Zug oder dem Rad) in das Zeltlager gemacht.
Während meiner Lehrzeit erfolgte eine 14 tägige Ausbildung im Wehrertüchtigungslager unter militärischer Führung. Hier erlernte ich das Scharfschiessen mit dem Karabiner, dem leichten MG und der Panzerfaust sowie das Zeichnen von Geländeskizzen und wie man sich tarnt.
1944 erfolgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst Züllsdorf/Kreis Herzberg. Die RAD Abteilung war der Wehrmacht unterstellt. Wir erhielten auch hier keine Ausbildung mit dem Spaten oder ähnlichem, sondern uns wurde der Umgang mit dem Gewehr, Handgranaten, MPi und dem Panzerschreck beigebracht.

Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre Eltern als der Krieg begann?

Als Junge war ich damals begeistert, dass lag wohl vor allem an der schulischen Erziehung, dem Deutschen Jungvolk und der Propaganda allgemein. Die Wehrmacht wirkte anziehend, besonders durch ihr "Auftreten", selbst Soldaten aus dem 1. Weltkrieg waren, trotz des verlorenen 1. Weltkrieges, wieder überzeugt. Es hiess immer "Die Wehrmacht mach erst richtige Männer!!!" - bis alles zum Teufel war. Die Verherrlichung der Armee brachte ihnen viele Freiwillige, die Masse glaubte damals auch an den Sieg Deutschlands. Die einzigen, die das etwas anders sahen ,waren die Frauen, besonders als der Mann oder der Freund eingezogen wurde.
Mein Vater hat sich damals freiwillig zur Feldpost gemeldet. Er hatte damit richtig (in meinen Augen heute) gehandelt, denn er kam nicht unmittelbar an die Front. Die Feldpost hatte aber trotzdem 2000 Gefallene zu beklagen, unter ihnen auch mein Vater. Wenn man sich freiwillig meldete, hatte man die Möglichkeit zu der Waffengattung zu kommen, zu der man wollte.

Gab es einen Wendepunkt dieser Eindrücke?

Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion, dem Rückzug aus Afrika, der immer größer werdenden Zahl der Gefallenen, den pausenlosen Bombenangriffen auf die Städt sank die Begeisterung. Bei den älteren Menschen, bei den Kriegsopfern und auch den Soldaten machte sich immer mehr Bedenken über den Sieg bemerkbar und nach Stalingrad brach alles zusammen. Die versprochenen Wunderwaffen kamen nie. Die Propaganda verstand es trotzdem ein Durchhalten zu erreichen. Vor allem bei jungen Soldaten war immer noch der Ansporn nach einer Auszeichung im Vordergrund vorhanden.

Wie begann Ihre militärische Ausbildung? Meldeten Sie sich freiwillig?

Ich meldete mich freiwillig zur Luftwaffe, zum fliegenden Personal. Dafür erfolgte die erforderliche Untersuchung auf Tauglichkeit und die Ausbildung im Segelflug (A-Prüfung) in Taucha. Am 17.03.1945 erfolgte die Einberufung zum 7. Fliegerersatz-Bataillon nach Crailsheim. Hier erfolgte die Ausbildung zum Bordschützen. Hier hatten wir dauernde Angriffe von amerikanischen Jabos. Am 23.03. erfolgte die Verlegung nach Gardelegen zu den Fallschirmjägern. Ich wurde als Fallschirmjäger eingekleidet und erhielt die Ausbildung am Schirm. Am 27.03. gab es Alarm und wir wurden nur mit unserem Rucksack (mit unserer Wäsche) und dem Sturmrucksack in Waggons verladen. Nachts wurden wir ausgeladen - aber wo? Nachts marschierten wir los, über uns brummten Maschinen. Wir schmissen uns rechts und links auf Befehl in den Wald. Es waren sogenannte Nähmaschinen (Doppeldecker) der Russen. Sie warfen Bomben ab, trafen aber keinen von uns. Wir dachten alle, wir kämen in den Norden, aber wir waren im Osten gelandet. An einem Ortsschild lasen wir "Chorin". In ungefährer Kompaniestärke marschierend kamen wir im Morgengrauen in Liepe an. Hier erfolgte die Aufteilung in einzelne Züge und ebenso die Mitteilung, dass wir nun der Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring angehören. Die Bewohner und Bauern beluden ihre Wagen mit ihrem Hab und Gut, denn sie waren aufgefordert worden, den Ort zu verlassen, da es zu Kampfhandlungen kommen könnte. Das Donnern der Geschütze war Tag und Nacht zu hören, zeitweise auch Gewehrfeuer. Das war also die 2. HKL (Hauptkampflinie). Die Schützengräben auf der Anhöhe und die Panzersperren mussten wir besetzen.

Schildern Sie kurz die Stationen ihrer Ausbildung?

Arbeitsmann beim RAD in Züllsdorf - Flieger beim Flieger-Ersatzbataillon 7 in Crailsheim - Jäger bei den Fallschirmjägern in Gardelegen - Panzerjäger bei der Div. "H.G."
Ausgebildet wurde ich an folgenden Waffen: Karabiner 98, Mpi 38, Mpi 40, LMG 42, Pistole 08, Flammenwerfer, Strumgewehr, Hand- und Eierhandgranaten, Panzerfaust und Panzerschreck.

Wie ging es danach weiter? Schildern Sie bitte ausführlich Ihren militärischen Werdegang.

Wir wurden auf 3 Züge verteilt (am 28.03.45). Ich kam zum 3. Zug (Panzervernichtung). Diesem gehörten 20 Panzerjäger an. Wir hatten folgende Bewaffung: 4 Panzerschreck, 2 MG 42, 4 Flammenwerfer & 4 Panzerfäuste.
Am 30.03.1945 hatte 1 Kamerad und ich Wache an der Panzersperre als gegen 15.00 Uhr Artillerie-Beschuß einsetzte. Er bat mich auf seine Seite zu gehen und ich habe seinen Posten eingenommen. Da krachte es und er schrie auf - eine Granate war am Gang eingeschlagen. Ich hatte auch wie 2 Stiche am Oberschenkel und am Rücken bemerkt, aber meine Gedanken galten ihm und. Er blutete am Arm und am linken Bein. Ich rief die anderen um Hilfe. Sie kamen und wir brachten ihn in den Ort zum Sani. Da erst merkte ich, wie es stach. Der Sani sah nach und holte zwei Splitter aus dem Oberschenkel und dem Rücken. Ich wurde verarztet und konnte wieder zum Zug.

Wurden Sie ausgezeichnet? Bitte schildern Sie die Gründe?

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt ich zu einem dafür, dass wir einen russischen Spähtrupp zurückschlugen, der das Schiffhebewerk Niederfinow sprengen wollte, um damit das Gebiet zu überschwemmen und zum anderen für die Aushebung einer feindlichen Beobachtergruppe aus einem kleinem E-Werk im überschwemmten Odersee Gebiet. Wir konnten im Dunst mit dem Schlauchboot dorthin gelangen. Wir selbst wurden dabei von unseren eigenen Leuten beschossen, obwohl wir den Auftrag gemeldet hatten. Zum Glück passierte nichts.
Am 21.04.1945 erhielten wir den Auftrag zu erkunden, ob die Rote Armee bei Hohensaaten bereits über die Oder gesetzt hat und wie weit sie gekommen ist. Der Trupp wurde von einem Feldwebel geführt - die Räder organisierten wir uns im Ort. Wir hatten eine Mpi 40, 2 Flammenwerfer und 3 Panzerfäuste mit. Bis Oderberg fuhren wir auf der Straße - es war keine Seele zu sehen. Kurz vor Hohensaaten hörte die Straße auf und war nur noch ein schmaler Weg. Alles andere war Wald und mit Tarnnetzen bedeckt. Hier war ein großes Rüstungswerk entstanden und durch die Bäume und Sträuche auf den Dächern nicht sichtbar. Die Räder ließen wir stehen. Wir beobachteten, wie die Rote Armee mit allen Kräften übersetzte. Zweimal wurde das Übersetzten durch Infanterie verhindert, dann gab es aber keine Reserven mehr und nun konnten wir sehen, wie die Rotarmisten ohne Widerstand über die Wiese liefen. Wir sahen in die Senke hinunter ohne auch nur einen eigenen Landser zu sehen. Da hörten wir auf einmal Kettenfahrzeuge kommen. Jetzt hieß es aufpassen. Die Hallen verdeckten zeitweise die Sicht, was für uns gut war. Wir machten uns bereit - das war weniger angenehm. Plötzlich sah ich, wie sich ein Rohr eine Panzer langsam vorschob. Ich schoss mit meinem Flammenwerfer auf den Panzer und zerstörte ihn. Der Feldwebel und mein Kamerad schossen auf die Gebäude mit den Panzerfäusten, welche ganz schön splitterten, weil vieles Glas war. Geduckt rannten wir zu unseren Rädern Von der Senke hatten wir nichts zu befürchten . Drauf auf die Räder und ab ging die Post. Das wäre fast schief gegangen. Wir wußten nun aber, was vor uns stand. Am 23.04.1945 erhielt ich den Panzervernichterstreifen und das Eiserne Kreuz 1. Klasse für diesen Einsatz. Wir schlossen die Panzersperren und verminten sie.


Gibt es besondere Ereignisse, an die Sie sich erinnern?

Am 24.04.45 erfolgte der Rückzug von Liepe nach der Stecherschleuße. Wir (ich auch) wurden gegenüber des Ortes vom Waldrand von Scharfschützen beschossen und haben 2 durch Kopfschuss verloren. Am 26.04. mußten wir uns weiter zurückziehen. Wir waren nun die Nachhut. Wir durften nicht schiessen, obwohl die Russen bequem am Waldrand entlang liefen.

Hatten Sie jemals Kontakt zu Kriegsgefangenen?

Nein.

An welchen Gefechten/Operationen haben Sie direkt teilgenommen?

Niederfinow, Liepe, Oderberg, Hohensaaten, Stecherschleuße, Joachimsthal (Schorfheide)
Im Joachimsthal wurde unser Zug von den Russen mit Kavallerie angegriffen. Kurz zuvor bekam ich den Autrag mit einem Kameraden weiter vorzugehen, ob noch andere Einheiten zur Hilfe da sein könnten. Nur eine versprengte "Elsäßer Jäger" Einheit hatte sich am Anfang der Schorfheide eingeigelt. Da hörten wir auf den Waldwegen Reiter auf uns zu kommen. Wir suchten Schutz jeder für sich. Da ging die Knallerei schon los. Wir haben uns aus den Augen verloren. In Joachimsthal gab es tüchtig Feuer dem Krach nach. Als es dunkel wurde schlich ich mich zur Straße. Am Tag war dort jede Menge Betrieb - Panzerjäger, Panzer, Ari und Autos.

Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?

Ich lag in dem Wald und wurde angerufen, zuerst dachte ich, es wäre mein Kamerad - es war aber einer der Elsäßer Jäger. Wir wollten über die Straße zu einem See an dem Boote lagen und an dessen anderem Ufer die HKL verlief. Wir beeilten uns, aber das war es auch schon - russische Kavallerie holte uns ein. Wir wurden gefangengenommen und in die Schule nach Joachimsthal gebracht. Wir wurden verhört (Name, Alter, Einheit, Fotos von zu Hause wurden wieder zurückgegeben, außer das von meinem Vater (in Uniform)). Meine Auszeichungen wurden mir auch abgenommen - auch meine Uhr. Wer weiß zu was es gut war. Ich hatte gehofft auch Kameraden von meinem Zug als Gefangen zu sehen. Es muß ganz schön gekracht haben. Wir bekamen einen Teller voll mit Bratkartoffeln zum Abend. Den 28. April 1945 werde ich nie vergessen. Am 29. April wurden wir in ein Sammellager gebracht.

Schildern Sie bitte die Stationen Ihrer Kriegsgefangenschaft bis zu Ihrer Heimkehr?

Als erstes kam ich in ein Sammellager bei Groß Dölln (400 Gefangene) in dem ich am 28. und 30. April war, danach wurde ich in ein LAger nach Groß Schönebeck verlegt, welches 800 Mann fasste. Auch hier war ich nur 2 Tage (1.5 und 2.5). Am 3.5 wurde ich nach Biesenthal in ein 1200 Mann grosses Lager verlegt. Hier habe ich auch das eigentlich Kriegsende erlebt. Die Russen tanzten und schossen in die Luft. Hier erfolgte die 1. Untersuchung auf Arbeitsfähigkeit. Am 9.5. begann ein 4 Tages Marsch über Wriezen - Seelower Höhen. Hier sah man nichts anderes als Tote, Tote, zerschossene Geschütze und Panzer und wieder Tote. Grausam Menschen ohne Köpfe oder Beine, tote aufgedunsene Tiere, breitgefahrene Soldaten durch Panzerketten, Arme und Beine. Dort war die letzte große Schlacht vor Berlin gewesen. Ich habe mir einen Topf gesucht, weil ich seit der Gefangennahme nichts mehr hatte - ein Wandgobelin war meine Decke. Bei der Rast an der Oder haben wir Flusswasser getrunken, obwohl ein paar tote Landser im Wasser lagen. Weiter ging es nach Neuendamme. Das war ein ehemaliges deutsches Kriegsgefangenenlager. mit ca. 3000 Mann kamen wir dort an. Unterwegs waren etliche Landser und alte Volksturmmänner gestorben. Da haben es sogar Soldaten fertig gebracht die Schuhe zu plündern. Die Russen hatten ja die Stiefel abgenommen und den Soldaten die Schnürsenkel zurückgegeben. Vor Durst haben wir grünen Rhabarber gegessen und was war, wir bekamen Durchfall. Die Posten schimpften, wenn einer aus der Reihe tanzte, nur wer sich hinhockte um das Geschäft zu machen, konnte anhalten. Im Lager selbst gab es Wanzen. Mein Gesicht war voller Runddeln. Nach 3 Tagen ging der Marsch weiter, nachdem jeder Kohletabletten essen musste. Es gab für 10 Mann ein Brot und 1 Schlag Graupen. Nun kamen wir nach Landsberg an der Warthe (Polen) in das 5. Lager. Hier erfolgte eine erneute Untersuchung und und wir erhielten ca. 300 g Brot und Krautsuppe. Es wurden zahlreiche Gefangene zu Arbeiten außerhalb des Lagers eingesetzt. Ich kam mit weiteren 20 Mann in ein russisches Lazarett. Wir mußten die Zimmer sauber machen & Holzhacken. Die Verwundeten sahen teilweise schon grauenvoll aus und das Stöhnen habe ich heute noch sehr gut in Erinnerung. Keine Augen, keine Beine, keine Arme, manche waren im Gesicht braun von Verbrennungen im Panzer oder durch Flammenwerfer. Teilweise schimpften die Soldaten oder schmissen nach uns, aber im Großen und ganzen konnten wir uns mit Händen und Füßen verständigen.
Nach 5 Tagen wurden wir zu 60 Mann in offene Eisenbahnloren gestellt und ab ging die Fahrt Richtung Osten. Die Polen standen auf Brücken und schmissen große und kleine Steine nach uns. Die russischen Konvois schossen mit ihren MPi auf die Polen. Es ging nach Posen - dort kam ich in ein Lager mit ca. 45.000 Gefangenen - wir wurden in Hundertschaften eingeteilt. Dort fand ich auch einen Kameraden von meinem Zug wieder. Er sagte mir, dass der Kompanieführer der erste war, den er hat fallen sehen. Sie, 5 Mann, wollten zusammen mit dem Feldwebel in Richtung Autobahn flüchten, aber aus dem Wald kamen Panzer und schnitten ihnen den Weg ab. Die aufgesessnen Soldaten schmissen Handgranaten. Der Feldwebel und 3 Mann kamen um. Er und noch einer von uns haben gleich die Hände gehoben und wurden Gefangene. Die zwei wurden dann auf ein Auto geladen und nach Eberswalde gebracht. Wo der 2 geblieben ist, wußte er nicht, denn sie wurden dort verladen. Auch wir zwei kamen wieder auseinander. Nach 6 Tagen wurden wir in geschlossene Wagen verladen, 60 Kriegsgefangene rechts und links Pritschen. Die Türen wurden verriegelt. Bei jedem Halt wurde früh und abends gezählt. Wenn man da zu langsam reagiert hat, bekam man den Gewehrkolben in den Rücken. Am 30.05, kam ich dann in Moskau an. Nochmals erfolgte hier eine ärztliche Untersuchung nach Arbeitsgruppe. Nach 3 Tagen wurde ich mit 799 anderen auf einen Frachtkahn verladen und wir fuhren die Moskwa und die Oka hinunter. 7 Tage lang waren wir unterwegs, anschließend ein langer Marsch bis in das 1. Arbeitslager. Ort: Türowo. Dort mussten wir Feldarbeit leisten, Schindeln schneiden, Holz für den Winter in den Ort fahren, Bäume fällen & Eis sägen. Hier wurde ich in das Lazarett eingewiesen, weil ich offene eitrige Beine hatte. Im März 1946 wurde ich dann nach Onschkowa gebracht - 200 Gefange davon 50 Ungarn. Die nächst größere Stadt war Serpuxow. Ende November Feldarbeit auf der Solwxoye (Domäne) - ich erhielt die erste Post von zu Hause. Im Dezember 1946 erfolgte die Verlegung nach Moskau in das Lager "Eskadron". Hier bauten wir eine Kaserne für die berittene Miliz & Wohnungen auf der Leningrader Straße. 1947 besuchte uns Radio Moskau im Lager.
Aam 19.12.1949 kleidete ich mich für die Heimkehr ein - Schapka, Wattejacke, Schlosserhosen, 1 Unterhose, 1 Hemd, hohe Kunststoffschuhe. 1 reguläre Jacke hatte ich mir von dem Lagerschneider machen lassen. Mitbringsel: Zigaretten, 50 g Tee, 1 Pfund Zucker von den verdienten Rubeln. Am 20.12.1949 wurden wir in Waggons mit Kanonenofen & Brennholz verladen. Die Türen waren diesmal nicht verschlossen. 40 Mann pro Waggon - bequem zum Schlafen. Unsere Rechung ging ungefähr so: 20.12. verladen, 4 Tage bis zur Grenze, 1. oder 2. Feiertag zu Hause = falsch gedacht. In Frankfurt an der Oder standen 10 Züge mit je 3000 Gefangenen. Am 28.12.49 Entlassungsschein erhalten - jeder bekam ein Rot Kreuz Paket von den Westdeustchen ausgehändigt.
Am 29.12.49 kam ich dann in Leipzig an - ich war zu Hause.


Ich danke Herrn Hans-R. für das Interview.