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Interview mit Hans-Joachim Prahl - Flak Einheit

  Name: Hans Joachim Prahl
  Rang: ---
  Einheit: Flak Regiment 135 - Kampfgruppe Wolz
 
Würden Sie bitte kurz Ihre militärische Laufbahn vor der Versetzung nach Afrika beschreiben?

Ich wurde als Abiturient nach dem RAD zur Wehrmacht einberufen und wurde als Funker bei einem Flakregiment in Mährisch-Ostrau ausgebildet.

Wurden Sie abkommandiert oder haben Sie sich freiwillig gemeldet?

Ich habe mich freiwillig beim Flakregiment 135 (Oberst Wolz) nach Afrika gemeldet.

Gab es ein spezielles Training bzw. eine Einweisung für den Kampf in der Wüste und wenn ja, wie sah dieses aus?

Ja. In Augsburg-Pfersee beim Flak-Regiment 135. Übungen im Gelände.

Wie erfolgte der Transport nach Afrika?

Meinen Funkwagen habe ich in Brindisi an Bord eines Transportschiffes gebracht. Sämtliches Personal , also auch ich, wurde von Trapani( Sizilien) nach Tripolis(Libyen) mit der Ju 52 geflogen.

Können Sie sich noch an Ihre ersten Erlebnisse nach der Ankunft in Afrika erinnern?

Ja ! Mein Funktrupp wurde komfortabel in der Wohnung einer evakuierten italienischen Familie untergebracht.

Schildern Sie kurz, wie lange und in welchen Einheiten Sie in Afrika eingesetzt waren.

Ich war von Anfang 1942 bis Oktober 1942 in Afrika beim Stab Flakregiment 135, Kampfgruppe Wolz.

Heutzutage wird das Afrika-Korps immer in Verbindung mit dem Mythos Rommel genannt. Wie dachte und sprach man über ihn bei den Soldaten?

Man sprach mit Achtung und Ehrfurcht über Rommel.

Hatten Sie jemals Kontakt zu Generalfeldmarschall Rommel?


Ja. Darüber habe ich in der DMZ und auch vor Jahren in der OASE berichtet.


Fühlte man sich damals als "Afrikakämpfer" als etwas Besonderes oder war es aus der damaligen Sicht ein Kriegsschauplatz, wie jeder andere?

Ja. Man fühlte sich als "Afrikaner" als etwas Besonderes.

Rommel genoss bei den alliierten Soldaten großen Respekt. Wie dachte man bei Ihnen über den Befehlshaber der gegnerischen Seite "Bernard Montgomery" und die Gegner im Allgemeinen?


Mit Respekt sprach man auch über Montgomery.

Wie wurde man über die kriegerischen (und politischen) Ereignisse unterrichtet?

Mein Funktrupp hatte in unserem Kfz.17 die Gelegenheit Radio zu hören. Debattiert wurde darüber nicht.

Wie dachte man über die italienischen Soldaten bzw. die italienische Führung, bzw. wie war der Kontakt zu Ihnen?


Als Soldaten wurden die "Itaker" von uns nicht hoch bewertet. Ihre Ausrüstung war schlecht.

Wie sah der Alltag in Afrika aus? In Bezug auf Verpflegung, Kleidung, Freizeit, Urlaub, Kontakt zur Heimat, etc.

In meinem Funkwagen hatten wir meistens genug Wasser und Verpflegung. Urlaub war uns unbekannt. Die Feldpost funktionierte gut.

Gab es Kontakte zu alliierten Kriegsgefangenen?

Ja. Besonders nach dem 21.06.42 in Tobruk.

Gab es Kontakte zu Einheimischen?

Nein.

An welchen Gefechten/Operationen haben Sie direkt teilgenommen?


Schlacht um Bir Hacheim ( Mai 42 ), Eroberung von Tobruk
(20.06.42.) und anschließend die Einnahme von Marsa Matruch. Schlacht von El Alamein von August bis Oktober 42. Durchbruch am Ruweisat Rücken. Wir unterstanden z.T. der 90.Leichten, z.T. der 15.PzDiv. und z.T. der 21.PzDiv.

Können Sie alliierte Einheiten benennen, mit denen sie in Kampfhandlungen verwickelt waren?

Über die gegnerischen Einheiten in diesem Schlachten gibt es zahlreiche Veröffentlichungen. Wir hörten darüber nur von gefangenen Indern, Schotten, Neuseeländern und Australiern.

Wie veränderte sich im Laufe der Zeit die Nachschublage in Bezug auf Munition, Treibstoff, Lebensmittel, etc.?

Nach der Eroberung von Tobruk war die Nachschublage zunächst gut, während der Schlacht von El Alamein wurde die Versorgung mit allem täglich schlechter.

Wie kamen Sie aus Afrika heraus?

Nach Verwundung und schwerer Erkrankung (Ikterus) im Okt.42 mit der Ju 52 von Tobruk nach Kreta unter Feindbeschuss und hohen Verlusten ausgeflogen.

Wie verlief der weitere Krieg für Sie nach Afrika?


Versetzung von der Luftwaffe zur Kriegsmarine im August 44.

Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?

Im Marinelazarett Kiel-Wik.

Sind Sie nach dem Krieg noch einmal zum Kriegsschauplatz Afrika zurückgekehrt?

Ja, 2 mal 1975 und 1991.

Ich danke Herrn Prahl für das Interview.