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Heinrich Erichsen - mit dem Pz.Gren.Rgt 47 in Afrika

  Name: Heinrich Erichsen
  Rang: Soldat
  Einheit: Panzer-Grenadier-Regiment 47
 
Würden Sie bitte Ihr Leben vor dem Krieg beschreiben?

Ich wurde 1924 in Kiel geboren. Meine Eltern waren "Mittelstand". Kiel hatte damals eine massive Arbeitslosigkeit, da die Werften nicht viel Tätigkeit ausübten. Die Arbeiterviertel waren sehr unter kommunistischem Einfluss. Die Viertel der oberen Klassen hatte viele vormalige Offiziersfamilien. Ich weiss nicht ob Sie wissen, dass die kaiserliche Flotte sich 1918 weigerte gegen die Engländer auszulaufen. Soldatenräte hissten die rote Flagge, Offiziere wurden verhaftet. Ich weiss dieses nur von meinen Eltern und älteren Verwandten. Da Deutschland nur eine kleine "Reichsmarine" erlaubt wurde unter dem Versailler Vertrag, war nur wenig davon nachgeblieben. Mein Vater war ein Veteran des Ersten Weltkrieges in der Preussischen Armee in Frankreich. Wie die Aufstände der "Roten" stattfanden und Veteranen zu Freikorps bei der neuen Reichsregierung aufgerufen wurden, war mein Vater während des Kappputsches in Berlin dabei. Unser Leben als Kinder, ich hatte eine Schwester die drei Jahre älter war, war nicht sehr schlecht. Wir hatten eine Mietwohnung, genug zu essen und ich erinnere mich nur an die Wahlzeiten wenn Panzerwagen und berittene Polizei auf der Strasse waren. Insbesondere in 1932 fur die Reichstagswahlen. In Kiel, die Kommunisten und die NSDAP sowie Deutsch-Nationalen (Stahlhelm) - alle hatten uniformierte Verbaende die aufeinander prallten in Gaststätten wo Wahlversammlungen stattfanden und auf der Strasse. Ich war noch nicht 9 Jahre alt, als am 30 Januar 1933 die NS/Deutsch National Koalition die "Macht uebernahm". Es dauerte ja nicht lange fuer die "Gleichschaltung" (Auflösung der Jugendverbände der anderen Parteien und der Kirchen) und der Uebernahme von vielen in die Hitlerjugend begann. (natuerlich nicht der Kommunisten und Sozialdemokraten).
Das Leben wurde besser in ein paar kurzen Jahren da die Werften mit der Aufrüstung begannen und Minenwerfer und andere Kriegsschiffe vom Stapel liefen. Bald folgten Zerstoerer, Kreuzer und Panzerschiffe. Erwachsenen hätten doch die "Handschrift an der Wand" lesen müssen, was hier vorging. Da mein Vater Polizeibeamter war, wurde Politik nicht viel diskutiert. Er machte Entschuldigungen wie "wo gehobelt wird fallen Späne". Das führte zu lebhaften Diskussionen mit meinem sozialdemokrtischem Onkel und meinem anderen Onkel, der mit uns lebte - der Bruder meiner Mutter die ein Schuhgeschaeft und Schuhmacherei zusammen hatten. Mit dem dauernden Spannungen durch wieder Militarisierung des Rheinlandes, Anschluss von Oesterreich, Sudetenland "Uebernahme"
und die Auflösung von der Tschechei . Mein Onkel sagte Hitler wuerde Deutschland zerstören, wenn mein Vater nicht dabei war. Ich war 15 wie der Krieg ausbrach und mit 16 war ich nachts beim Schnellkommando und wir mussten Brandbomben löschen und Menschen aus zerstörten Häusern retten. Da Kiel ein militaerisches Ziel war durch die Kriegsmarine, Werften, U-Boot Basis und dem Nord-Ostseekanal hatten wir "Besuch" der RAF vom Anfang an. Wir wurden ausgebombt 1941 und wohnten mit einer anderen Familie in einem Vorort in einem sogenannten "Siedlungshaus".

Wurden Sie zu dieser Zeit bereits vormilitärisch ausgebildet?

In der HJ, die 1935 (glaube ich) Pflicht wurde, wurden wir ausgebildet mit Kleinkaliber Gewehren, vormilitärischer Ausbildung und Spezialausbildungen. Ich war in der Nachrichten HJ da ich am Telefonwesen interessiert war. Wir wurden von der SS ausgebildet.

Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre Eltern als der Krieg begann?


Meine Familie war geteilter Meinung. Zwei meiner Onkel sagten es würde das Ende Deutschlands werden. (natuerlich hatten sie recht).Mein Vater war nich zu Hause viel wegen Dienst durch Flegerangriffe usw.

Gab es einen Wendepunkt dieser Eindrücke?

Ich wurde im May 1942 eingezogen in Ratzeburg Holstein zu einer Panzerabwehr Einheit. Wir wurden nach Dänemark (Tondern) gebracht und hatten die doppelte Aufgabe: Besatzung und Grundausbildung. Der Teil,in Deutschland Nord-Schleswig genannt und in Dänemark Süd Jütland, fiel an Dänemark nach der Völkerbund bestimmten Abstimmung in 1920 oder so.Es hatten ein grosse Zahl von Volksdeutschen. Wir sagten den Dänen wir seien hier um Euch zu beschützen und diese antworteten "Wir brauchen nur Schutz gen Euch!"
Nach der rationierten Wirtschaft zu Hause war dies wie ein Paradies, da die Schlachterläden, Konditoreien usw. voll von Waren waren, die es schon lange nicht mehr zu Hause gab. Wir konnten ein Lebensmittelpaket im Monat nach Hause schicken. Wir teilten die Kaserne mit dänischem Militär, da wir nich im Kriegszustand mit dem Land waren. Es wurde besetzt vor der Besetzung von Norwegen. Meine Mutter war in Norschleswig geboren! Am Ende der Grundausbildung bekamen wir einen Feldwebel, der den ersten Winter in Russland mitgemacht hatte und den "Gefrierfleisch Orden" trug. Wir waren für Russland bestimmt. Aber nach der alliierten Landung in Nord Afrika im November brauchte man Freiwillige, die tropenfähig waren. Der Feldwebel sagte, du wirst in Russland umkommen - melde Dich nach Afrika! Ich machte das.

Wie begann Ihre militärische Ausbildung? Meldeten Sie sich freiwillig?

Nein schon oben erwähnt. Von Tondern kam ich nach Lübeck, was schon heftige Zerstörungen von der RAF hatte.Die Ersatzeinheit für die Panzerarmee Afrika wurde aufgestellt. Wir fuhren wie üblich in Güterwagen vom Norden durch die "Ostmark", Brenner Pass, Florenz, Rom, Neapel nach Reggio de Calabria am Stiefel von Italien. Von dort mit einer Flotte von Ju-52 nach Tunis. Die RAF kam immer von Malta, wenn eine grosse Landung bevorstand, da die Briten den deutschen "Code" gebrochen hatten.. Meine militaerische Laufbahn war nicht lang. Ich wurde dem 47. Panzergrenadier Regiment zugestellt als Panzerabwehr. Wir nahmen an vielen kleinen Kampfhandlungen teil, mit Italieners und anderen Kampfgruppen gegen Briten und Freien Franzosen und am Kasserine Pass gegen die Amerikaner, Das war die größte Kampfhandlung, an der ich teilnahm und einer der letzten erfolgreichen Unternehmen des gesamten Afrikakorps und der Panzerarmee Afrika bevor Rommel nach Deutschland zurückkehrte.

Wurden Sie ausgezeichnet? Bitte schildern Sie die Gründe?

Nein keine Auszeichnungen, keine Beförderungen. Im ersten Sammellager sollten wir noch einen Rang höher befördert werden, aber ich hatte kein Interesse daran.

Gibt es besondere Ereignisse, an die Sie sich erinnern?

Die gesamten deusch/italienischen Streitkräfte kapitulierten im Mai 1943 auf der Kap Bon Halbinsel nahe Tunis. Der Befehl war: Munition, Treibstoff und Verpflegung erschöpft, nach Befehl daher nicht in der Lage den Kampf fortzusetzen, "Das Afrika-Korps muss weiterleben, Hei Safari".
Von Tunis brachte uns ein Küstenfrachter nach Algier in ein englisches Lager und dort in das Hospital wegen Dysenterie
In Tunis - U-Boot Angriff im Hafen, vieleVerwundete. Alle "Kranken" im Hospitalszug nach Oran. Dort amerikanisches Lager unter franzoesischer Bewachung. Dann mit einem "Liberty Schiff' im Konvoi durch Gibraltar und Zick-Zack Kurse mit Zerstörer Eskorte in drei Wochen
nach den USA. In der Lageluke, eine Decke, keine Essgeschirr, da alles abgenommen wurde. Unten keine Toiletten oder Waschanlagen. Kalte Dosen (C-Rationen der US Armee)

Wie war die Unterbringung/Verpflegung?


In Zelten oder in Erdlöchern. Kalte Rationen, keine Früchte oder Gemüse. Aber besser wie die der Italiener.

Wie war der Eindruck bezogen auf die Verbündeten?


Im großen und ganzen keine guten Soldaten. Schlecht ausgebildet, bezahlt und Offiziere oft nicht an der Front.

Wie war die Ausrüstung (Menge und Qualität)?


Unsere Ausrüstung war gut, und die US Armee hat davon viel uebernommen: Form des Helms, Koppel nicht Leder, Stiefel auch so (Vietnam und Gulfkrieg gebraucht bei den US)

Wie war das Verhältnis zu den Vorgesetzten?

Nach der Ausbildung, gut.

Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?

In Fort Knox Kentucky. Wir wurden von der Arbeit zurückgebracht und der Kommandant verlas die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Schildern Sie bitte die Stationen Ihrer Kriegsgefangenschaft bis zu Ihrer Heimkehr.

Ich gab schon an bis zur Landung in New York. Entlausung nach der langen Reise in der Lagerluke. Im Pullmanzug nach Texas. Essen wurde von Trägern zum Sitz gebracht, wir durften nicht den Sitz verlassen und mussten die Hand heben, wenn wir die Toilette besuchen wollten. Erstes Lager Hearn Texas (ich wohne 1 ½ Stund bei Auto von dort hier. Ermordung des Dolmetschers des Kommandanten ein KG, ich war Kompanie Sergeant (US) Uebersetzer und fürchtete für mein Leben und bat um Versetzung. Wurde mit einer Gruppe von 500 nach Ft. Knox gesandt, da das Lager von Italienern geräumt wurde, nach der Freilassung dieser KGs.)
Ich blieb hier bis Maerz 1946, als wir nach Hause gehen sollten. Aber in Liverpooil endete diese Reise. 11/2 Jahre arbeitete ich in der Landwirtschaft in Schottland und nach der Aussonderung in Gruppe weis, grau und schwarz (die meisten waren grau"Politisch indifferent", schwarz SS)
Und weis ältere mit politischen Anti-Hitler "back-ground".
Entlassen1947 in Munsterlager.

Ich habe ein Buch über mein Leben, geschrieben bei meiner Frau, es ist in Englisch und am amerikanischen amazon.com erhaeltlich. Der Titel (vom Verfasser gegeben) "The Reluctant Warrior, former German POW finds peace in Texas".

Die Geschichte geht weiter. Ich war Übersetzer für den "British Resident Officer" Kiel von 1947 bis 1953 als ich nach den USA auswanderte. Ich hatte einen "sponsor' ehemaliger KG in Ft.Knox der Flüchtling aus Schlesien war und in Kiel landete. Er hatte viele Verwandte in Minnesota. Er erhielt sein Visum 1952 und half mir ein Jahr später nachzukommen.
Nach den üblichen Problemen sich in einem fremden Lande auszufinden, heiratete ich eine Amerikanerin. Wir begannen eine adoptions agentur (non-profit) adoptierten 3 Kinder, hatten einen Sohn. Nun ist eine meiner adoptierten Toechter aus Bogota, Kolumbien der Leiter der Agentur die ich fur 20 Jahre geleitet habe (unser web-site http://www.losninos.org)


Ich danke Herrn Erichsen für das Interview.