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Interview Hermann Duemchen Nachrichtentruppe Afrika

Name: Hermann Duemchen

Rang: Obergefreiter

Einheit:---

Würden Sie bitte Ihr Leben vor dem Krieg beschreiben?

Ich bin am 30.5.21 in Berlin geboren, habe die Volksschule, mit Abschluss im April 1935, besucht. Musste dann vom April bis Dez.1935 zum Landjahr nach Spangenberg/Hessen. Vom 10.1.36 bis 30.9.38 habe ich eine Lehre als Versicherungskaufmann gemacht und bin bis zu meiner Einberufung in meinem erlernten Beruf tätig gewesen.

Wurden Sie zu dieser Zeit bereits vormilitärisch ausgebildet?

Keine vormilitärische Ausbildung, zum Arbeitsdienst brauchte ich nicht, da ich im Landjahr war.

Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre Eltern als der Krieg begann?

Den Kriegsanfang haben meine Eltern und ich mit gemischten Gefühlen aufgenommen, zumal einer meiner älteren Brüder direkt zum Einsatz kam.

Gab es einen Wendepunkt dieser Eindrücke?

Nein, auf jeden Fall nicht zum besseren.

Wie begann Ihre militärische Ausbildung? Meldeten Sie sich freiwillig?

Trotz allem habe ich mich, um auch noch etwas vom Krieg mitzubekommen, freiwillig zur Luftwaffe gemeldet und wurde am 1.7.1940 als Brillenträger leider nur zur Luftnachrichtentruppe eingezogen.

Schildern Sie kurz die Stationen ihrer Ausbildung?

Am 1.7.1940 zur Luftnachrichtentruppe nach Berlin-Kladow (Hottengrund) eingezogen. Erhielt eine 1/4jährliche Grundausbildung als Soldat und Funker, kam dann nach Dresden-Klotzsche (Kriegsschule) zur weiteren Funkausbildung.

Wie ging es danach weiter? Schildern Sie bitte ausführlich Ihren militärischen Werdegang.


2 Tage vor Weihnachten 1940 wurden wir dann Hals über Kopf und bei Nacht und Nebel auf der Bahn verladen und nach Catania/Sizilien geschickt. Von dort ging es am 15.2.1941 mit der Ju 52 nach Afrika als Vorkommando. Erste Station Bir Dufan. Meine Einheit in Afrika war das 3.Ln.Regt.(mot) Afrika. Ich habe sämtliche Vor- und Rückmärsche mitgemacht, größtenteils als Verbindungstrupp bei den Heeresdivisions-Stäben.. Im März 43 starb meine Mutter, dadurch bekam ich Sonderurlaub, danach ging kein Weg mehr zurück nach Afrika. Ich bin dann weiter bei der Ln.-Einheit in Italien, Sardinien, Korsika und wieder in Italien gewesen. Zum guten Schluß wurde ich auch als Funker zu den Fallschirmjägern versetzt und machte dort den Rückmarsch vom Nettunobogen bis in die Gefangenschaft mit.

Wurden Sie ausgezeichnet? Bitte schildern Sie die Gründe?

An Auszeichnungen erhielt ich am 1.7.42 die Erinnerungsmedaille für den italienisch – deutschen Feldzug in Afrika, am 26.7.42 das EK 2 und am 22. 5.43 das Ärmelband Afrika. Das EK 2 verlieh man mir für die Feststellung, dass ein eingenommener Flugplatz nicht vermint war. Dafür fuhr ich mit einem VW-Truppführerwagen kreuz und quer über den Flugplatz und konnte anschließend melden:“ Flugplatz nicht vermint.“ Diese Aufgabe erhielten wir als Verbindungstrupp bei einer Heeresdivision.


Gibt es besondere Ereignisse, an die Sie sich erinnern?

Ein besonderes Ereignis, das leider mit einer Enttäuschung endete, war für mich unser Durchbruch an der Alamein-Front, die ich als Verbindungstrupp beim Rommel mitmachte. Wir sind im Süden der Front durchgebrochen und in nordöstlicher Richtung vorangekommen, sodaß der Tommy halb eingekesselt war. In diesen Kessel flogen unsere Stukas ununterbrochen Einsätze und es sah so aus, als wenn das Unternehmen gelingen würde. Wir freuten uns schon auf Kairo. Nach zwei oder drei Tagen kam dann die Enttäuschung als uns unser Verbindungsoffizier mitteilte es geht zurück. Uns wurde gesagt, dass wir auf eine Meldung vom Eintreffen eines Schiffes mit Benzin in Marsa Matruk losgeschlagen hätten, dass sich dann aber herausstellte, dass das Benzin mit Wasser vermischt war, uns also der Brennstoff für den Vormarsch fehlte. Ob das stimmt, konnte mir bis heute noch keiner bestätigen.

Hatten Sie jemals Kontakt zu Kriegsgefangenen?

Nur ganz kurz, nach der Einnahme von Tobruk.

An welchen Gefechten/Operationen haben Sie direkt teilgenommen?

In Afrika 3 Vormärsche, 3 Rückmärsche, meistens als Verbindungstrupp bei den Heeresdiv.Stäben.

Wie war die Unterbringung/Verpflegung?


Die Unterbringung ergab sich nach den gegebenen Möglichkeiten, in Häusern, in Zelten oder unter freiem Himmel auch in Erdlöchern. Verpflegung war zufriedenstellend.

Wie war der Eindruck bezogen auf die Verbündeten und die Gegner?

Als Verbündeten hatten wir nur den Italiener und der konnte am besten Haare schneiden. Gegner war der Engländer und zum Schluss der Ami. Der Engländer war ein fairer Gegner, über den Ami kann man streiten.

Wie war die Ausrüstung (Menge und Qualität)?

Die eigene Ausrüstung war gut, in Afrika haben wir uns oft mit der vielleicht noch besseren Beuteware ausgestattet.

Wie war das Verhältnis zu den Vorgesetzten?


Mein Verhältnis zu den Vorgesetzten war gut bis zu der Zeit als man den Einheiten nationalpolitische Führungskrafte zuwies. Durch diese wurde ich einmal, weil ich während der Führerrede Schach spielte, zum Strafschanzen verdonnert.

Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?

Das Kriegsende erlebte ich an der italienisch – österreichischen Grenze, wo ich nach meiner Entlassung aus dem Lazarett Modena meine Einheit suchte.

Schildern Sie bitte die Stationen Ihrer Kriegsgefangenschaft bis zu Ihrer Heimkehr?

An der österreichischen Grenze fand ich einen Kraftfahrer mit LKW und 400 l Benzin drauf, der damit bis in seine Heimat nach Hamburg fahren wollte. Dem schloss ich mich an. Hinter dem Katschbergpass, ich glaube bei Rastatt erwischte uns schon der Ami. Er wies uns in ein geschlossenes Tal ein, wo wir uns mit weiteren Landsern bei einem Bauern in der Scheune einquartierten. Von dort brachte man uns in das Gefangenenlager Bad Aibling, und da dieses schon überfüllt war wurden wir in Unterhaching in der Scheune des Ortsbauernführers untergebracht. Dieser musste Ende Juli 45 die im Dorf arbeitenden Landarbeiter, die noch keinen Entlassungsschein hatten in`s Entlassungslager Weilheim schicken und bot uns die Mitfahrt an. So hatte ich schon, zum Ärger unserer Vorgesetzten im Lager, zwei Tage später meine Entlassungspapiere in der Hand und mir blieb die Verlegung in das berüchtigte Lager Bad Kreuznach erspart. Ich habe dann noch einige Wochen in Unterhaching gearbeitet und mich dann in meine Heimat nach Berlin durchgeschlagen. Auch das war nicht einfach, da die Russen oft nicht die Entlassungspapiere des Amis anerkannten.


Ich danke Herrn Duemchen für das Interview.