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Bericht des Leutnants Schorm von der 6./PzRgt 5 über den Angriff auf Tobruk im Mai 1941

Wir beabsichtigen, Tobruk zu nehmen. Mein 4. Angriff auf die Stadt. Aufstehen um 03.30 Uhr, Abmarsch um 04.30 Uhr. Wir verloren in der Dunkelheit und im Staub die Verbindung, schlossen dann jedoch wieder auf. Wir durchfuhren nacheinander die Enge, in der so viele unserer Kameraden bereits gefallen waren. Dann entfalteten wir uns - die 6. Kompanie links, die 5. Kompanie rechts, dahinter Stab, 8. und 7. Kompanie. Das Regiment wird nun von Hohmann geführt und besteht aus der 5. Kompanie (früher 1. und 2. Kompanie), der 6. Kompanie (5. und 6. Kompanie), der 7. Kompanie (die übrig gebliebenen) und der 8. Kompanie (4. und 8. Kompanie) - insgesamt 80 Panzer. Die britische Artillerie schoß plötzlich auf uns. Wir greifen an. Kein deutscher Spähtrupp war zur Aufklärung voraus angesetzt. Eine Kanonenreihe nach der anderen tauchte in der dreieckigen Feldbefestigung vor uns auf. Die 2 leichten Züge der Kompanie und meine Gruppe sollen aus der Flanke anfallen. Ich greife an. Ein Funkspruch besagt, dass der Kompaniechef der 6. Kompanie einen Kettentreffer hat. Dann geschieht alles ganz schnell. Ein fürchterliches Krachen vorn rechts. Artillerietreffer? Nein? Es muß eine Mine gewesen sein. Eine rasch abgesetzte Funkmeldung: "Schorm auf eine Mine gefahren, versuche in unserer eigenen Spur zurückzusetzen." 5 Meter zurück, eine neue Explosion - jetzt links. Nun ist es vorbei mit dem Fahren. Weitere Funkmeldung: "Beim Rückwärtssetzen erneut auf Mine gefahren. Sitze um auf Panzer 623." 100 Meter zurück durch Artilleriefeuer - habe es geschafft. Funkbefehl: "Panzer zurücksetzen, hinter Höhenrippe." Den Männern im "Minen-Panzer" geht es den Umständen entsprechend gut. Der Feind greift mit Panzern an, wird aber im Kampf bezwungen. Vorsichtig zurück. Dann sichere ich zusammen mit dem letzten Panzer der Kompanie und Leutnant Rocholl nach Norden. 9 Panzerkampfwagen Typ III und 3 Panzerkampfwagen Typ II der 6. Kompanie mußten wegen Minenschäden aufgegeben werden. In meinem Zug der Zugführerwagen und die beiden Panzer der Gruppenführer. Selbstverständlich setzt der Feind das Feuer auf uns noch einige Zeit fort. Eine leichte Veränderung der Stellung: vorwärts, rechts - rückwärts, links! Mit der Ankunft des Kompaniechefs soll ich zusammen mit Leutnant Dim nach vorn, um die Panzer zu bergen. Während wir unterwegs sind, erhalten wir aus einer Enfernung von 550 Metern Feuer von Maschinengewehren und Panzerabwehrkanonen. Ich bringe sie mit Sprenggranaten zum Schweigen und fahre mit dem Heck voraus in der Spur des Panzers 624. Dann beginnt die mühselige Bergungsarbeit. Das Panzerabwehrfeuer beginnt erneut und muß durch Leutnant Dim mit anhaltendem Maschinengewehrfeuer unter Kontrolle gebracht werden. Leutnant Dim fährt dabei ebenfalls auf eine Mine und beschädigt eine Kette. Endlich bewege ich mich mit dem Panzer 624 im Schlepp langsam fort, durch die Lücke und dann noch weitere 800 Meter. 250.000 Mark sind gerettet. Die Besatzung ist wirklich erleichtert, ihren Panzer wieder zurück erhalten zu haben. Weiter zurück zur Abteilung. Es ist nun später Nachmittag. Sturzkampfbomber und zweimotorige Kampfflugzeuge haben den Feind kontinuierlich angegriffen. Trotzdem führen die Briten mit Panzern wiederholt Gegenstöße. Sowie die Flugzeuge verschwunden sind, beginnt die Artillerie mit wütendem Feuer.

Es beginnt dunkel zu werden. Was ist Freund und was ist Feind? Schüsse werden kreuz und quer abgegeben, oft auf die eigenen Truppen und auf vorn eingesetzte Panzer, die sich auf ihrem Weg zurück befinden. Plötzlich eine Funkmeldung! Die Briten greifen die Lücke mit Infanterie an. Es ist tatsächlich wahr. 2 Kompanien sitzen von ihren Motorfahrzeugen zum Kampf ab. Alle Sorten von Leuchtsignalen steigen auf - grün, rot, weiß. Leuchtkugeln zischen in der Nähe unserer Maschinengewehre hernieder. Es ist bereits zu dunkel, um zu zielen. Sicher ist der Angriff des Gegners ein Fehler. Die kleinen Fiat-Ansaldo Panzer mit Flammenwerfern fahren nach vorn, um das Dreieck zu säubern. Lange Flammstrahlen aus Masulöl, dicker Rauch, furchtbarer Gestank! Wir sichern bis 23.45 Uhr und ziehen uns dann durch die Enge zurück. Es ist eine Wahnsinnsfahrt durch den Staub. Um 3.00 Uhr hatte ich einen Imbiß neben dem Panzer. 24 Stunden im Panzer eingeschlossen - mit schrecklichen Gelenkschmerzen und Muskelkrämpfen als Folge und was für einen Durst!