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Bericht des Hauptfeldwebel Wendt über die Operation "Skorpion" (Wegnahme des Halfaya-Passes) 1941

Die 5. Kompanie des Panzerregimentes 05 wurde als Spitzenkompanie der II. Abteilung eingesetzt. Den I. Zug führte ich, die beiden anderen Züge waren links und rechts des I. Zuges in breiter Front eingesetzt. Mein Kompaniechef, Oberleutnant Gierga, hatte schon einige Male bei der Abteilung nachgefragt, ob nicht endlich ein Angriff erfolgen sollte. Dies wurde jedoch immer wieder abgelehnt. ... Jetzt handelte der Kompaniechef selbständig. Sein Befehl an die Kompanie lautete etwa: "Wendt, Sie greifen mit ihrem Zug frontal, die anderen beiden Züge von links bzw. rechts, den Feind umfassend an!"

Etwa auf 2000 m war eine englische Abteilung Ratsch-Bum mit 16 Geschützen in Stellung, die uns ständig unter Beschuß hatte. Für mich gab es nur eine Möglichkeit und die war, so schnell wie möglich an den Feind bzw. richtiger in den Feind vorzustoßen. Ich stieß meinen Fahrer, den Unteroffizier Raadts, ins Kreuz und befahl ihm noch schneller zu fahren. Er gab kurz zurück: "Ich fahre ja schon 43 und schneller geht es nicht mehr!" Auf 800 m etwa machte ich noch einmal Schießhalt, um den Feind niederzuhalten. In rasender Fahrt ging es dann in die feindliche Artilleriestellung, um diese zu überrennen. Ich fuhr etwa 300 m meinem Zug voraus und sah, auf 100 m an die ersten Geschütze herangekommen, einen Ladekanonier am englischen Geschütz eine Granate zum Geschütz tragen und dachte mir, nun mach dich fertig, jetzt ist Christi Himmelfahrt. Ähnlich mag meine Besatzung gedacht haben. Auf etwas 30 m an das 1. Geschütz herangekommen, sah ich das Mündungsfeuer und spürte sofort einen harten Schlag am Panzer und war moralisch für Sekunden tot. Der Panzer aber rollte, obwohl der Fahrer auch nicht mehr an das Gasgeben gedacht hatte, in der feindlichen Artilleriestellung aus. Ich hatte diesen Schock sofort überwunden und frage ganz allgemein: "Ist was passiert?", jedoch keiner antwortete. Dann sprach ich meine Kameraden einzeln an und jeder konnte mir bestätigen, dass nichts passiert war. Ich sah zum Turm raus, um die Situation zu überblicken und kam zu den Entschluß, sofort selbst aus dem Panzer zu springen, um die verdutzten Engländer als Gefangene an meinen Panzer heranzuwinken, denn die Besatzungen der englischen Geschütze müssen ebenfalls derartig perplex gewesen sein und meine Handlung wie einen Teufelsritt angesehen haben, denn sie waren zu keiner Handlung mehr imstande. Ein etwas abseits stehendes Geschütz versuchte durch schnelle Fahrt die Flucht zu ergreifen, das aber mein so wunderbarer Richtschütze, der Unteroffizier Thom (Tommi), durch einen Schuß, der saß, sofort in Brand schoß. Die Bedienungen kamen nur zögernd an meinen Panzer. Einen Engländer, der am Geschütz seiner Lafette liegend sich drücken wollte, packte ich am Hosenboden und versuchte ihn hochzuziehen. Er war sich dann seiner Lage wohl bewußt und tat gleich durch Gesten kund, dass er unbedingt erst einmal etwas trinken müßte. Ich verwies ihn an meinen Panzer, wo er sofort den aus salzhaltigem Wasser gekochten Pfefferminztee bekam. Noch heute mag ich keinen Pfefferminztee, denn dieser glibberige Geschmack liegt mir immer noch im Munde Nun lief alles weitere wie selbstverständlich und blitzartig. Der Pionierzug übernahm die Gefangenen und die Beute. Der Treffer, den ich bekommen hatte, war zum Glück auf eine Ersatzlaufrolle, die wir auf dem Bug des Panzers ständig hinter einem Stück Ersatzkette liegen hatten, aufgetroffen. Dadurch hatte die Granate ihre Wirkung fast ganz verloren, so dass nur die Lampen außerhalb des Panzers zerfetzt, und im Panzer lediglich das Funkgerät nicht mehr funktionierte. Inzwischen war mein Kompaniechef, Oberleutnant Gierga herangekommen, bei dem ich die Erfüllung des Auftrages mündlich meldete. Er sagte nur: "Spieß, Dich habe ich schon im Himmel gesehen." Meine Antwort: "Ich war moralisch schon bei Petrus, aber hier bin ich."

 

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05