Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Tagebücher und Erinnerungen » Bericht des Panzerkommandanten Hermann Froembgen an die Schlacht um die Marethlinie im März 1943

Bericht des Panzerkommandanten Hermann Froembgen über den deutschen Angriff an der Mareth-Linie am 06. März 1943

Am frühen Morgen des 6. März 1943 marschierte die gewaltige Panzerkolonne in die Hochebene westlich Medenine. Aus dem Berggelände von Matmata vorstoßend entwickelte sich die Angriffsfront in der Breite. Etwa in der Mitte dieses Angriffsstreifens rollte unsere Abteilung in ostwärtiger Richtung. Wir hatten bereits zehn bis fünfzehn Kilometer überbrückt und immer war noch kein Schuß gefallen. Kein Feindflieger ließ sich über uns sehen. Ein unheimliches Gefühl überkam uns, denn das war etwas Außergewöhnliches. Schließlich konnte dem Gegner eine so große Streitmacht nicht verborgen geblieben sein!
Als wir aber etwa bis auf 1.000 Meter auf der Ebene von Metameur herangekommen waren, brach die Hölle los. Der Gegner überschüttete uns mit einem Artilleriefeuer, wie ich es bis dahin noch nicht erlebt hatte. Plötzlich waren auch wieder die Jagdbomber da. Sie flitzten in niedriger Höhe über das Gefechtsfeld und richteten in unseren Reihen allerlei Unheil an. Ihre Raketenbomben dröhnten auf Stahl und zerrissen ihn wie Papier.
Unsere Kompanie hatte gerade ein etwas abfallendes Gelände erreicht, als auch die Feind-Pak in den Kampf eingriff. Voraus bei unserem Angriffsziel erkannte ich nun an den immer wieder aufbrennenden Abschußflammen, daß dort wenigstens zwölf Pak standen. Diese schossen sämtlich auf unsere Kompanie und nun kam es Schlag auf Schlag. Unteroffizier Volz, links neben mir, wurde abgeschossen. Der Panzer des Kompanieführers erhielt gleich danach einen Volltreffer. Der Fahrer unseres Chefs war sofort tot, wie man uns wenig später berichtete. Dann erhielt mein Wagen einen Treffer. Eine Kettenstützrolle flog weg. Der nächste Treffer hämmerte in den Motor hinein. Unsere Kiste stand!
Dennoch schossen wir weiter. Mein Richtschütze Gerd Hahn schoß gut und setzte drei Pak außer Gefecht. Doch dann waren wir ein drittesmal an der Reihe. Dieser Treffer ewischte uns auf der Stirnblende. Über Funk erreichte uns wenige Sekunden später der Befehl zum Absetzen, doch wir lagen fest und da hieß es nichts anderes als: weiter schießen, schießen, schießen! So viele Granaten in kürzester Zeit hat das Rohr unserer Kanone noch nie ausgespuckt. Dann ein weiterer Treffer, links in Höhe des Aufbaus. Kettenglieder. Reserverolle und Kettenabdeckung wurden von diesem Treffer weggeschleudert. Dann ein harter krachender Einschlag beim Fahrer. Die Luken flogen auf und dennoch drohten wir- zu ersticken, denn dicker Rauch quoll in den Kampfraum. Ich gab den Befehl zum Ausbooten. Blitzschnell waren drei Mann draußen und suchten seitlich vom Panzer Deckung. Wo aber blieben die anderen? Wo war der Funker? Es war ein ganz junger Bursche, der an diesem Tage seinen ersten Angriff fuhr. Gerd Hahn und ich kletterten an der rechten Panzerflanke hoch und fanden den Jungen. Er war schwer am Arm verwundet und kam nicht aus seinem Sitz heraus. Mit vereinten Kräften hoben wir ihn hinaus und legten ihn seitlich neben den Panzer in Deckung. Schon hämmerte abermals eine Pak-Granate gegen den Panzerstahl. Das konnte gefährlich für den Funker werden, deshalb nahmen Hahn und ich den Jungen in die Mitte und so versuchten wir, mit ihm nach rückwärts Gelände zu gewinnen. Sämtliche Panzer der Kompanie, die noch fahrbereit waren, hatten sich ungefähr 300 Meter weit abgesetzt, wo sie vor der Pak sicher waren. Von hier aus bekämpften sie erkannte Ziele an und auf der vor uns liegenden Höhe. Den Funker zwischen uns schleppend, erreichten wir durch den Granathagel eine leichte Vertiefung. Wir waren nun mit unserer Kraft am Ende und durch die Hektik des Rettungsversuches hatten wir unseren Fahrer Weber und den Ladeschützen Pfeffer verloren. Wir hofften aber, daß sie schon vor uns zurückgegangen und in Sicherheit waren. Leider war dies nicht der Fall und so mußte ich schweren Herzens zum Spieß gehen und zwei Vermisstenmeldungen machen. Nachdem wir Luft geschnappt hatten und wieder einigermaßen zu Kräften gekommen waren, mußten wir versuchen, aus dieser Hölle mit dem voll eingesetzten Artilleriefeuer herauszukommen. Nicht weniger als vierzig Feindgeschütze hatten sich auf unseren kleinen Abschnitt eingeschossen. Doch unser Funker wollte nicht mehr. Er war durch den Blutverlust geschwächt und konnte die Mulde einfach nicht mehr verlassen. Mit Gewalt zerrten wir ihn heraus und ihn teils tragend und teils schleifend erreichten wir etwas rückwärts im Gelände den Schützenpanzerwagen des Vorgeschobenen Beobachters der Artillerie, der uns für den Angriff zugeteilt worden war. Sie nahmen uns auf und wir waren vorerst wenigstens, wenn wir keinen Volltreffer erhielten, in Sicherheit. Nachdem ich dem Beobachter einige Ziele gezeigt und erklärt hatte, nutzten wir eine eintretende Feuerpause zum weiteren Absetzen aus, erreichten die Stellung der Nebelwerfer und gelangten wenig später in einem Wadi an, in welchem die Artillerie in Stellung gegangen war. Hier legten wir wieder eine Verschnaufpause ein. Hier erst sagte mir Gerd Hahn, der die 1.000 Meter auf Socken gelaufen war, weil seine Sandalen im Panzer geblieben waren, daß auch ich am Kopf verwundet sei. Ich wollte es nicht glauben, doch als ich dorthin griff, spürte ich Blut im Nacken. Hahn untersuchte meinen Kopf und fand einen erbsengroßen Splitter, der durch meine Feldmütze hindurch in die Kopfhaut eingedrungen und steckengeblieben war.
Wir versuchten nun, zu unserer Einheit zu finden, die doch irgendwo liegen mußte. Diese Absicht wurde sofort verwirklicht. Und zwar keinen Augenblick zu früh, denn als wir eben das Wadi verlassen hatten, griffen mehrere Jagdbomber die Batterie an. Mit Raketenbomben und MG-Feuer hämmerten sie in das Wadi hinein. Wir rannten seitlich ins Wadi zurück und suchten Deckung in den Spalten. Als der Angriff vorüber war, eilten wir weiter. Bei unserem Bemühen, möglichst schnell zurückzukommen, versuchten wir eine Abkürzung und gerieten in ein Minenfeld. Auf der Piste stehende LKW-Fahrer riefen uns an und machten uns darauf aufmerksam. Vorsichtig schlichen wir zurück und erreichten unverletzt die Piste.
Gegen Mittag erreichten wir beide den Verbandplatz. Nachdem wir versorgt waren, ging es zur Kompanie zurück, die sich am Ausgangspunkt des morgendlichen Angriffstages wieder sammelte. Es waren nur wenige Panzer zurückgekommen und am Abend erfuhren wir den ganzen Umfang dieser verlorenen Schlacht und immer wieder wurden Stimmen laut, dass dieser Angriff vorher verraten worden sei. Es war ja auch sehr merkwürdig, von welch einer starken feindlichen Abwehr wir empfangen wurden. Ganz so, als sei uns zu Ehren ein besonders großes Empfangskomitee aufgestellt worden. Wir hatten der 8. Armee einen schweren Schlag versetzen wollen und dabei selber einen solchen erhalten. Wir hatten die Hälfte unserer Panzer verloren und den übrigen drei Panzerdivisionen, die an dem Angriff beteiligt waren, erging es ebenso. Das Panzerregiment 5 wurde am nächsten Tage aus seinen Stellungen herausgezogen und in die Mareth-Linie eingegliedert.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05