Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Tagebücher und Erinnerungen » Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzerregimentes 5 Alfons Selmayr an das 6 Tage Rennen - die 2. El Alamein Schlacht

Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzeregimentes 5 Alfons Selmayr an das "6 Tage Rennen" 2. Schlacht um El Alamein

Es soll die engl. El Alameinstellung aufgerollt und nach Ägypten vorgestoßen werden. Wir schwärmen schon von Alexandrien und Kairo. ...
Wir wollen in den Minenfeldern vorstoßen und die engl. Stellungen dann von hinten aufrollen. Ganz geheimnisvoll werden die Bereitstellungen bezogen. Im Nachtmarsch geht nur immer eine Kompanie nach Süden und bereitet dann die Tarnstellungen für die nächste Kompanie vor. Die Panzer sind tief eingegraben und mit Tarnnetzen überzogen; bei Todesstrafe ist es verboten, tagsüber sich im Gelände zu bewegen. Letzte Besprechung beim Abteilungskommandeur: Sprit und Munition sparen. Wie soll das gut gehen, bei einem Angriff?
Im Nachtmarsch geht es los. Es geht über 2 Steilhänge und durch die Minengassen. Dabei werden wir gebombt. Der Divisionskommandeur fällt. Am Morgen Angriff gegen englische Panzer. Es passiert nicht viel, Gott sei Dank, denn die neuen Kompaniechefs haben ihre Haufen nicht gut beisammen, der Funk funktioniert überhaupt nicht. Ich beginne am guten Ausgang der Sache zu zweifeln. An einem Stützpunkt treffen wir auf überlegene englische Panzer. Wir kommen im Affentempo über einen Hügel, vor uns eine kleine Mulde und am gegenüberliegenden Hang der Feind. Die Biester sind wirklich bis zum Turm eingegraben. Uns empfängt ein wütendes Panzer-, Pak- und Flakfeuer. Bis wir uns umschauen, sind mehrere unserer Panzer erledigt. Ich erhalte einen Hilferuf von der 8. Kompanie, will gerade hinter der 7. Kompanie herumfahren, als mir meine linke Kette abgeschossen wird. Da alles zurücksetzt, ist vor mir nur mehr der Adjutant und der Abteilungskommandeur, muss ich ausbooten und den Panzer im Stich lassen. Meine Feldbluse über der Schulter, die beiden Sanitätstaschen in den Händen, wandere ich, gedeckt von einem zurücksetzenden Panzer, nach hinten. Das feindliche Feuer, nun auch noch Artillerie, ist ganz nett. Ein Wunder, dass nicht noch mehr passiert. Ich steige in den Panzer mit dem Schwerverwundeten. Der Panzerkommandant, ein Feldwebel, hat den Anschluss verpasst und sucht den Freund in der falschen Richtung. Ich setzte mich durch und glücklich finden wir unsere stark gerupfte Abteilung. So viel ich mich erinnern kann, haben wir 11 Panzer verloren. Ich steige um in den II/07. Und nun beginnt die englische Luftwaffe zu wirken. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Pausenlos ziehen sie in "Parteitag-Geschwader" über uns hinweg und wo nur einige Fahrzeuge näher beisammen sind, wird abgeladen. Mein Panzer bebt in allen Fugen. Direkt vor mir bekommt der Panzer eines Kompaniechefs einen Volltreffer auf den Turm. Chef und Ladeschütze schwer verwundet, sterben später beide. Richtschütze und Funker mittelschwer verwundet. Und ich habe außer einigen Verbandspäckchen kein Verbandszeug mehr. Meine Vorräte waren ja im Panzer geblieben und das Verbandszeug aus den Taschen hatte ich am Vormittag und während der Nacht für kleinere Verletzungen und Verwundungen verbraucht. Mit Tarnmaterial und Schaufeln schiene ich und schicke die Leute nach hinten.
Aber die Nacht überbot dann noch das bisherige Geschehen. Von abends 9 Uhr bis morgens 5 Uhr dauerte der Spaß. Ständig war alles durch Leuchtfallschirme taghell beleuchtet, die Bomber surrten wie giftige Hummeln herum und pausenlos fielen die Bomben. Überall brannten Fahrzeuge, ging Munition und Sprit in die Luft. Mein kleiner Panzer II wackelte richtig. Eine nervenzerstörende Lage. Zwei Männer vom Tross, die mit Verpflegung nach vorne gekommen waren und unter einem Panzer Schutz gesucht hatten, wurden schwer verwundet. Als ich den Ruf bekam, war mein erstes, zum KrKw zu gehen und zu schauen, ob er noch brauchbar ist. Aber wir hatten Glück gehabt und so erfolgte der Abtransport rasch. Die Offensive war gescheitert. Wir lagen ohne Betriebsstoff in der Wüste und waren den Bomben hilflos ausgesetzt. Langsam kam Benzin und wir setzten uns ab.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05