Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Tagebücher und Erinnerungen » Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzerregimentes 5 Alfons Selmayr an die Ereignisse Mitte Juli 1942

Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzeregimentes 5 Alfons Selmayr an die Ereignisse Mitte Juli 1942

Mitte Juli sind so viele Panzer fertig, dass wir wieder eine Abteilung bilden. Rocholl geht zur Division, Hauptmann Grün übernimmt die II. Abteilung. ... Die Hitze wird immer stärker, besonders mittags ist sie unerträglich. Der Durst wird unerträglich, trotz Nichtstun in den Mittagsstunden und trotz Sonnensegel. Nur gut, dass wir viel Beutetee und -Kaffee haben. Und die größte Plage sind die Fliegen!! ...
Täglich melden sich etwa 80 Leute zur Behandlung. Meist handelt es sich um Durchfälle und um schlecht heilende Wunden, aber auch einige Fälle von Diphtherie treten auf. Ab 9 Uhr sind die Fliegen furchtbar. Die Verbände werden erst abgenommen, wenn die Leute vor mir stehen. Aber oft muss ich die Biester mit der Pinzette aus den Wunden nehmen, dann kriechen sie uns in die Augen und in die Mundwinkel, einfach ekelhaft. Beim Essen eines Brotes muss man sie immer erst vom Aufstrich fortjagen.
Natürlich bekomme ich auch Durchfall. Am Ende der Revierstunde bin ich immer restlos fertig. Die "Alten Afrikaner" unter uns klagen laufend über Druck in der Herzgegend und Herzbeschwerden. Mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln kann ich aber nichts finden, da ich jedoch weiß, dass es tadellose Leute sind, die mir wirklich nichts vormachen wollen, schicke ich einige Leute zum Internisten ins Feldlazarett Marsa Matruk. Postwendend kommen sie wieder zurück. Auch kein Befund. ... Ich selbst bekomme bei einem alltäglichen Besuch in den Nachmittagsstunden bei der Abteilung einen heftigen Schmerz in der Herzgegend, so dass ich nur mit Mühe noch zu meinem Zelt zurückkomme. ... Was war es? Meines Erachtens handelte es sich sowohl bei den Männern als auch bei mir um Koronarstörungen, hervorgerufen wohl durch die Hitze. Ich kann die Männer verstehen, aber im Grunde bin ich machtlos. Eine Therapie habe ich nicht, nach Hause schicken kann ich sie nicht. Die Leute sind sehr vernünftig, verstehen meine Lage und vertrauen mir. ...
Die Verpflegung wird miserabel. Als Mittagskost Bacon-Schinken (Beute), dazu Brot. Das Brot jedoch, gefasst für 3 Tage, war am 2. Tag bereits verschimmelt. Der Bacon-Schinken wäre herrlich, aber viel zu fett, um ihn bei 50 Grad essen zu können. Abends gab es dann Sauerkraut mit Trockenkartoffeln, Dörrgemüse oder Hülsenfrüchte. Letztere bekamen wir nie weich, d.h., wir legten sie vorschriftsmäßig am Abend in Wasser, morgens waren sie weich, aber beim Kochen werden sie wieder steinhart. ... Einmal sollte es Frischfleisch geben. Es handelte sich um einige mit trockenem zähen Fleischfetzen umgebene Knochen eines Schafes und eines Kameles, man konnte die Sachen nur durch den Fleischwolf drehen, um sie genießen zu können. Obst bekamen wir auch einmal, aber die Trauben waren durch den Transport von der Cyrenaika her verfault, nur die Melonen konnte man essen.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05