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Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzeregimentes 5 Alfons Selmayr über die Schlacht um die Gazala-Linie

Am 26. Mai geht es los. Wir machten in schneller Fahrt einen Bogen nach Süden. Ein phantastischer Anblick. Weit ausgeschwärmt das Panzerregiment 5, voraus die 3 mittleren Kompanien, dahinter die schwere, wieder etwas dahinter der Kommandeur und etwa in 150 m Abstand meine Wenigkeit. Hinter mir dann die anderen Wagen des leichten Zuges. In kurzem Abstand die Artillerie, deren Beobachtungswagen zwischen uns kreuzten, dann der Divisionsstab, die Infanterie und die Gefechtstrosse, bei denen sich auch ein leichter Zug der Sanitätskompanie befand. Auf den Flanken der Division fuhren die Panzerabwehrkompanien. In etwa dieser Aufstellung sind wir immer durch die Wüste gezogen, sowohl beim Angriff, wie auch beim Rückzug. ... Bei Bir Hamat stoßen wir dann auf die ersten englischen Panzer. Der Zusammenprall war blutig. Oberleutnant von Hülsen fiel gleich durch Kopfschuss. Der Kommandeur rammelte auf ein Geschütz und bekam eine verpasst. Er und der Adjutant tot. ...
Rocholl übernahm die Abteilung. Gleich zu Beginn der Schlacht hatte ein Wagen einen Treffer erhalten und ich wurde gerufen. Ich fuhr ran, raus aus meinem Wagen und im freien Felde die Leute verbunden (Verbrennungen). Dann etwas abgesetzt und die Verwundeten einem Panzer II zum Weitertransport übergeben und wieder nach vorne. Ich musste lange suchen, bis ich die Abteilung wiederfand. ...
Treffe nun auch meinen KrKw, voll beladen und vereinnahmt vom leichten Zug. Wir sind nämlich nach hinten abgeschnitten. Kein Sprit, kein Wasser, kein Munitionsnachschub, aber auch kein Abtransport der Verwundeten. Wir erbeuten einen englischen Brigadebefehl, dass keinem deutschen Gefangenen Wasser zu geben ist, bevor er nicht ausgesagt hat. Und dies bei 40 Grad im Schatten. Rommel befiehlt nun, dass die Wasserabgabe an die englischen Gefangenen sofort einzustellen ist, ~bis dieser Befehl widerrufen sei. Diese Herren, die die Menschlichkeit gepachtet zu haben scheinen, besinnen sich nun rasch eines Besseren. ... Die nächsten Tage wechseln mit kleineren Plänkeleien und stundenlangem Stehen in glühender Sonne. Man meint, der Schädel müsste einem in dem glühenden Eisenkasten zerspringen Einmal im Morgengrauen wollte uns der Tommy überraschen. Den Alarm fasste ich gar nicht so ernst auf und war deshalb richtig erschrocken, als ich, gerade mit dem Deckenzusammenlegen beschäftigt, feindliche Panzer im Anrücken sah. Doch die Unseren waren flinker und im Nu waren 35 Panzer abgeschossen. Wo man hinblickte lagen abgeschossene Panzer. Später schossen wir nochmals 3 Panzer ab und die Besatzungen, die hilflos durch die Gegend irrten, nahm ich auf meinen Panzer. Wir trafen auf einen englischen Mannschaftstransportwagen, der von einer Sprenggranate getroffen war. Ein schauerliches Bild. Schwerverwundete, abgerissene Gliedmaßen und Tote und dazwischen Konservendosen. Meine Leute jedoch nicht faul, fingen sofort an, die Dosen einzusammeln. Mir ekelte so stark dass ich es ihnen verbot und erklärte, ich würde von diesen Dosen nichts essen. Aber zwei Stunden später schmeckten mir Pfirsiche aus einer Dose sehr gut, erst hinterher sagten sie mir, woher die Dose stammte. ... Einen unserer Jüngsten fuhr ich mit schweren Verbrennungen aus dem Gefecht. Rührend war es, als er mir von seiner Großmutter und der Heimat erzählte, beide sah er nicht mehr wieder. ... Angriff auf Gambut. Eine tolle Schießerei, dann Halt vor einem Minenfeld, in das ein Panzer der I. Abteilung bereits gefahren war. Ich war gerade bei meinem Panzer beschäftigt, ein furchtbarer Knall, eine große Rauch- und Drecksäule und schon ertönt der Ruf "Arzt nach vorne!" Riepold und ein zweiter Offizier waren von Minensplittern getroffen. Riepolds Gesicht war übersät mit Splittern, einer etwa kleinfingernagelgroß hatte die Halsschlagader verletzt. Bis ich eingreifen konnte, war er tot. Wieder einer unserer Besten war tot, am Friedhof in Gambut begruben wir ihn.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05