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Erinnerungen des Truppenarztes der II. Abteilung des Panzeregimentes 5 Alfons Selmayr zum Zeitpunkt Rommels zweiter Offensive

Der Feind hat die Cyrenaika geräumt. Wir rücken nach, um östlich von Derna in Ruhestellung zu gehen. Von Msus geht es nordwärts zur Via Balbia. ... Derna wird südlich auf der neuen Umgehungsstraße umgangen. Bei Kilometer 39 östlich Derna einige Kilometer nördlich der Straße beziehen wir Lager. Die Gegend ist wie üblich flach und steinig, im Süden der Dschebel mit dem Flugplatz Martuba. Die Abteilung regeneriert sich. Vorerst führt sie Oberleutnant Rocholl. Stabskompanie Leutnant Schorm, Nachrichtenoffizier Leutnant Wendorf, Adjutant Leutnant Schuhmann, Führer des leichten Zuges Leutnant Dohani, 6. Kompanie Oberleutnant Rocholl, 8. Kompanie Oberleutnant von Hülsen. ... Es steigt ein kleines Unternehmen. Unsere Pioniere legen bei Segnali Minen und wir sollen sie decken. Beide Abteilungen ziehen los, ich mit PKW und KrKw. Am Abend treffen wir auf alte Kampfstätten. In einem abgeschossen Panzer von uns sitzt noch der Fahrer, verkohlt und halb verwest, so wie er gefallen ist auf seinem Fahrersitz. Ein erschütterndes Bild. Wir müssen ihn in seinem Eisengrab lassen. ... Endlich treffen Zelte ein, wir erhalten ein großes Tropenzelt, bauen es etwas abseits der Abteilung auf, in seiner Nähe kommen unsere beiden Wagen. ... Der neue Regimentskommandeur, ein Oberst Müller, war vom Polenfeldzug her Unterarmamputiert. Zur 8. Kompanie kam noch ein Leutnant Gehring als Oberschenkelamputierter. Ich war restlos entsetzt darüber, und sagte ihm auch, dass ich ihn hier vollkommen fehl am Platze hielte, denn im Sommer beim Sandsturm, könne er seine Prothese nie und nimmer gebrauchen. Er nahm mir meine Meinung nicht übel, blieb aber. Dass ich später vollkommen recht behielt, sei bereits erwähnt. ... Großes Fest zur Einjahresfeier des Regimentes in Afrika. ... Meine schönsten Stunden sind die täglichen Unterrichtsstunden für meine Leute. Ich bin glücklich, nun Männer nach meinem Geiste zu schulen; die Leute sind auch wirklich gut und willig. Sonst der übliche Reviertrott mit Impfen usw. Ein nächtlicher Gewittersturm wirft unser Zelt fast um. Unteroffizier Werner und ich halten fast zwei Stunden die Zeltstangen, so dass wir wenigstens trocken blieben. So vergehen 4 Wochen, manchmal überfliegen uns Bomber, aber sie werfen nur auf den Flugplatz Martuba.
Wieder Aufbruch und Abmarsch über Martuba südlich in die Wüste. Doch bietet sie diesmal einen paradiesischen Anblick. Die Regengüsse haben es überall sprießen lassen und wir beziehen in einer schönen Wiese, voll von Margariten, Lager. Die 5. Kompanie ist einige Tage auf Vorposten. ... Auf Befehl soll das ganze Regiment auf Amöben untersucht werden. ... Rocholl und Hülsen bekommen das Deutsche Kreuz in Gold. Wir bekommen Alkohol, großes Besäufnis zuerst bei uns, dann weiter bei der Stabskompanie. ... Wir bekommen als neuen Abteilungskommandeur einen Major Martin. Unterricht der gesamten Abteilung, kompanieweise in erster Hilfe. Ich bin den ganzen Tag beschäftigt, aber es macht alles wirklich Freude und die Arbeit lohnt sich, wie ich später feststellen konnte. ... Die Vorbereitungen zum Angriff werden vervollständigt. Wir bekommen 2 neue Panzer IV mit Langrohr, was uns mächtig freut. Auch die 7. Kompanie kommt nun endlich vom Festland nach und bringt viel Sanitätsgerät mit.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05