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Erinnerungen eines Kriegsteilnehmers an den Rückzug im Dezember 1941

Es erreicht uns der Funkspruch, dass die Lager in Bengasi freigegeben sind. Fahrzeuge aller Einheiten, soweit von den Kommandeuren genehmigt, fahren los. Es wird geladen, ja überladen: Büchsenfleisch, Butter, Fischkonserven, Büchsen mit Obst und Gemüse, Schokolade und Zigaretten, auch Säcke mit Zucker und Nudeln sind vorhanden. In einem Raum finden wir Frischfleisch und - welche Rarität - Kartoffeln. Böse Zungen behaupten, dass manche Fahrzeuge Rasierschaum und Zahnpflegemittel für Jahre an Bord hätten. Die Zahl der in die Lager einströmenden Italienier in Uniform und Zivil und die der Araber wird immer größer. Eine wilde Plünderei setzt ein. Viele schleppen soviel fort, dass sie unter der Last fast zusammenbrechen und nach einigen hundert Metern manches fortwerfen. Auf der Via Balbia herrscht ein heilloses Durcheinander. Mit Soldaten überladene italienische LKW und Panzer schieben sich zwischen Fahrzeuge, die mit ialienischen Männern, Frauen und Kindern, dazu mit Hausrat hochgetürmt sind. Warum die Siedler fliehen, ist nicht ganz klar. Eine britische Besatzung hatten sie ohne Nachteile bereits mitgemacht. Wer wird sie auf dem langen Weg nach Tripolis mit Sprit, Verpflegung und Wasser versorgen? Vermutlich die Kampftruppen. Man kann doch diese Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen. Bei Luftangriffen sind sie besonders gefährdet. Soldaten haben es gelernt, schnell in Deckung zu gehen, aber Mütter mit Kleinkindern? Der Flugzeugführer, der eine Kolonne angreift, vermag Militär- und Zivilfahrzeuge kaum zu unterscheiden.

Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte des Panzerregiment 05