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Bericht des Panzerkommandanten von A. Mayer im Pz.Rgt. 05 über dessen Verbleib

...Im April wurde ich dann vor Tobruk verwundet und lag 6 Wochen im Lazarett in Tripolis. Nach meiner Rückkehr zur Truppe bekam ich endlich Alfons in meinen Wagen. Die Gefechte führen wir nun zusammen. Immer war Alfons mit Herz und Seele dabei. Als die Nachricht vom Heldentod seiners Bruders eintraf, traf ihn diese Mitteilung schwer. Von diesem Zug musste Alfons fort. Einen tiefen Hass trug er in sich gegen alles was englisch war. Bei den schweren Kämpfen im Januar diesen Jahres wurden wir getrennt, weil wir schon am dritten Tage unseren Wagen im Angesicht des Feindes verlassen mussten. Er stieg in einen anderen Wagen und ich auch. Der Wagen von Alfons flog in die Luft und auch ich musste meinen weidwundgeschossenen Wagen stehen lassen. Für diese heldenhaften und harten Kämpfe erhielt Alfons das EK2 und ich das EK1. Das D.A.K. sammelte sich wieder und wir bekamen einen neuen Wagen in unserer Kompanie, indem Alfons und ich zusammen waren. Generaloberst Rommel holte am 21.1. diesen Jahres zum Gegenschlag aus.
Und so kam es am 23.1. zum Panzer- und Artilleriegefecht um ein kleines Wüstenfort. Im Angriff selbst merkte ich, dass mein schwerer Wagen das Ziel der feindlichen Artillerie war und sie sich auf den Wagen einschossen. Ich änderte dreimal meine Richtung und während der Fahrt bekam ich einen Artillerietreffer, der unter dem Wagen detonierte. Der Wagen blieb sofort stehen. Ich gab den Befehl zum Ausbooten. Der Fahrer, Alfons und ich blieben, wie durch ein Wunder, unverletzt. Der Funker starb den Heldentod und der Ladeschütze wurde schwer verwundet. Wir brachten den Schwerverwundeten zu einem anderen Wagen. In der Wüste ist das nun einmal so, dass es für jeden kein hinten und kein vorne gibt. Der Feind ist in diesem großen Raum überall.
Plötzlich wurden wir von 15 englischen Panzern gejagt. Wir hängten einen Wagen ab und fuhren im höchsten Tempo mit den anderen davon. Nach 6 km Fahrt beschloss der befehlende Leutnant den Wagen wieder zu bergen. Er und Alfons fuhren mit einem englischen PKW zurück zur Stellung und ich sollte mit dem Panzer folgen. Als wir auf 50m an "meinen" heran waren, sah ich, wie 2 engl. Panzer versuchen meinen Wagen abzuschleppen. Von diesem Augenblick an war der Leutnant, Alfons und der PKW verschollen. Vorsichtig arbeitete ich mich ganz nah an meinen Panzer heran und hörte ganz deutlich wie die Tommys fluchten. Im Hintergrund standen die anderen 13 engl. Panzer als Feuerschutz (Feige Bande). Da gehen ihnen Augenklappen auf, und sie sehen 5 m weg meinen Wagen und veranstalteten ein Scheibenschießen. Ich dachte, dass meine letzte Stunde geschlagen sei. Plötzlich machten die Tommys kehrt und zischten ab. Ich arbeitete mich an meinem Wagen heran und sprang herauf und suchte Alfred und meinen Leutnant. Die Briten hatten den Wagen geplündert. Alfred und mein Leutnant waren nicht mehr da. Ich fuhr dann zurück zur Einheit und am nächsten Tage traf die Meldung ein, das man unweit der Stelle wo mein Panzer stand das Grab des Leutnants gefunden hat. Ich nehme nun an, dass die beiden vom Feinde überrascht wurden. Der Leutnant starb den Heldentod und Alfred geriet in Gefangenschaft. Ihr Sohn war vollständig bekleidet und im übrigen glaube ich, das es Alfred wirklich gut geht...

Weitere Recherche des Autors:
Der oben zu lesende Bericht ist von dem Panzerkommandanten Erwin Luckow. Eine weitere Recherche ergab, dass es sich bei dem Leutnant um Karl Böker gehandelt hat, dieser gehörte der 6. Kompanie des Panzerregiments 05 an. Er ist, laut Unterlagen der WAST, am 24.01.1942 im Alter von 23 Jahren bei Antelat gefallen. Das bestätigt auch ein kleiner Bericht, der folgendes besagt:

Das ganze hat sich bei dem Wüstenfort Antelat abgespielt in 2-3 km Entfernung. Dieses Fort war ein deutscher Stützpunkt. Man hat von dort aus alles beobachten können, ohne den beiden schnell genug Hilfe leisten zu können. Nach einer waghalsigen Flucht vor 2 englischen Panzern in einem PKW, hat man gesehen, dass der Beifahrer (Alfons Mayer) aus dem Wagen gesprungen ist und von den Engländern aufgegriffen und mitgenommen wurde. Der Wagen hatte mehrere MG Treffer erhalten. Leutnant Böker wurde später tot über dem Steuer des Wagens von deutschen Soldaten aufgefunden.
Antelat
Wie auf der Karte zu erkennen ist, stieß die 21. Pz.Div.(ihr gehörte das Panzer-Regiment 05 an) in Richtung Bir Melezz vor und befand sich am 23.01 in der Höhe von Antelat.

Des weiteren konnte ermittelt werden, dass der Panzerkommandant, Hauptfeldwebel Erwin Luckow, am 09. Oktober 1942 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet wurde. Er erhielt es vermutlich aufgrund seines Einsatzes bei den El-Alamein-Schlachten (6 Tage Rennen).

Bemerkung des Autors:
So interessant wie dieser Bericht auch ist, zeigt er auf tragische Weise auch deutlich, wie nah Leben und Tod, Glück und Unglück im Krieg beieinander liegen. Mit Karl verlor die Familie ihren zweiten Sohn. Der Zwillingsbruder war bereits 1940 in Frankreich gefallen. Meiner Meinung nach kann man nicht genug betonen, wie wertvoll die Freiheit und der Frieden ist, in dem wir heute leben.