Sie sind hier: Startseite » Zeitzeugen » Tagebücher und Erinnerungen » Tagebuchauszug des Flakoffiziers Helmuth K. als Batteriechef (Teil III)

Tagebuchauszug des Flakoffiziers Helmuth K. als Batteriechef (Teil III)

Feuerstellung, den 14.06.1942

Zu einem Glas Schnaps hat´s gereicht, da war der Tommy wieder da. Aber in Martuba, am Rand unseres Wirkungsbereiches. "Reine Nervensache" pflegen wir zu sagen. Die Nerven machen uns jetzt allgmein Schwierigkeiten. Wegen Kleinigkeiten gerät man scharf aneinander. Ein Gegenstand, der runterfällt, kann einen zur Weißglut treiben. Diese Dämmerungsangriffe mit Tiefangriffen auf die Batterie tun auch ihren Teil dazu....

Ein Offizier der Batterie wurde gestern schwer verwundet. Er fuhr mit 3 Mann in einem Lkw, als 9 englische Panzerspähwagen ankamen und mit ihren 2cm Kanonen schossen. Ihm wurde der linke Unterarm zerschmettert. Die anderen 3 mussten sich ergeben. Die Engländer benahmen sich sehr ordentlich. Sie verbanden den Oberleutnant, fragten vorher "Are you german?", denn die Italienier behandelten sie wesentlich schlechter, was auf Gegenseitigkeit beruht. Der engl. Offizier gab ihm noch eine Morphiumspritze und versprach, einen Arzt zu schicken. Er beliess dem Verwundeten einen Mann zur Betreuung, die anderen beiden nahm er mit. Der Gefreite fand einen ital. Wagen, damit fuhr er seinen verwundeten Oberleutnant zurück, bis der Sprit ausging. Es war inzwischen dunkel geworden, doch er machte sich unermüdlich mit Marschkompass auf den Weg nach Norden. nach 20 km Marsch durch stockdunkle Wüste hörte er Stimmen und entdeckte eine deutsche Vermittlung. Von da bekam er einen Wagen und fand - ein Wunder - den Verwundeten noch in der Nacht wieder. Jetzt ist er bereits mit der Sani-Ju auf den Weg nach Athen.

Vorgestern stürzte ein Unteroffizier in die Flugleitung unseres Flugplatzes mit dem Ruf: " Die Tommies sind da - es kommen noch mehr!" - Ein Offizier und ein Inspektor griffen sich Handgranaten und warfen sie gegen den bezeichneten LKW, der in der Nähe stand. Der Wagen war mit Sprit beladen und ging in die Luft. Einer war tot, 3 schnappten sie. Die übrigen entkamen.

Nun die Erzählung des Unteroffiziers:
Er ist seit November in englischer Gefangenschaft. Auf Umfrage erbot er sich, ein Sprengkommando durch die deutschen Linien zu den Flugplätzen zu fahren. 2 englische Offiziere und 10 Mannschaften bestiegen einen deutschen LKW (Opel-Blitz) und fuhren los. Sie hatten deutsche Waffen, deutsche Munition, deutsche Konserven usw., um nicht aufzufallen. Sie hatten englische Uniformen an, die aber im derzeitigen Dreck genaus so aussehen wie die deutschen. Sonst wären sie als Spione erschossen worden. (Anmerkung des Webmaster: Rommel erließ einen Befehl, der Erschießungen von Spionen oder engl. Truppen in deutschen Uniformen untersagte.) Nun kutschierte diese muntere Gesellschaft ungestört über unsere Flugplätze, die Offiziere machten sich Notizen. In der Nähe unserer Flugleitung täuschte der Fahrer Motordefekt vor und erklärte, Werkzeug holen zu wollen. So kam er in die Flugleitung. Den Herrn wurde es ungemütlich und bis auf 4 türmten sie. Diesen Burschen gelang es, Sprengkörper zu legen und sich trotz Entsendung von Posten und Suchkommandos zu verdrücken. Ihr Auftrag war, Munitionsstapel hochgehen zu lassen, Worauf um 0.30 ein Grossangriff aus der Luft und von See erfolgen sollte. Es erfolgte nichts, die Geschichte ging für den Tommy schief und für uns nochmal gut.

Ich bewache seitdem mein Funkmessgerät stark durch vorgeschobene Posten, denn das wäre ein beachtlicher Bissen. Die Offensive soll seit 2 Tagen prächtig rollen, vorwärts. Rommel scheint es trotz turmhoher Schwierigkeiten und misslichster Lage wieder zu schaffen. Morgen wird wohl die Sondermeldung in der Heimat kommen. Gerade sind unsere Truppen im Hafen von Tobruk.

Und ich bin so krank und liege in meinem Bunker, alles schmerzt. Ich versuche eine Gewaltkur mit Prontosil und Pyramidon.