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Tagebuchauszug des Flakoffiziers Helmuth K. als Batteriechef (Teil IV)

Feuerstellung, den 15.06.1942

Furchtbar sind die Nachrichten aus Köln! Folgende Sätze aus 2 Briefen aus Köln: "zu 2/3 ein Trümmerhaufen" ...., " eine einzige grosse Ruine". Was muss diese Stadt aushalten! Dieser Krieg ist unendlich hart. Wann kommt sein Ende? Der grösste Teil der Gefechtsbatterie ist vernichtet, alle Offziere schwer verwundet. Viele gefangen und mit dem Rest soll ich hier 2 Flugplätze verteidigen. Glückliches Kriegsende, wo bleibst du?

Feuerstellung, den 16.06.1942

Jetzt habe ich mir wieder ein Radio eingerichtet, aus einem Fu.G.2, mit Kopfhörer im Tropenhelm. Ich höre Athen ganz ausgezeichnet.

Das Schiessen heute nacht - es waren nur 2 Ziele, leider - war ausgezeichnet. Die Schüsse lagen dicht ums Ziel, bei indirektem Anrichten mit dem Funkmeßgerät. Der Kommandeur war heute morgen schon hier und hat der Batterie sein Lob ausgesprochen. Unsere intensive Arbeit wird also langsam belohnt. Hoffentlich kommt bald einer runter von den Burschen.

Gesundheitlich klappt es wieder mal nicht. Die Ruhr geht wieder um. Viele von der Batterie hat´s schon erwischt; ich komme immer einigermassen dran vorbei. Aber dieser wühlende Schmerz in den Gedärmen kann einen auf die Palme bringen. Unser General treibt sich seit einigen Tagen in der Wüste rum. Jetzt ist er zurückgekehrt. Denn er ist auf eine Mine gefahren. Es ging nochmal gut. Es geht ihm wie jedem, der vorne war: er hat die Schnauze voll. Flakregiment 135 bezeichnet sich selbst als das "Todesregiment". Die Schreiber des Restkommandos sind nur damit beschäftigt, in die Kriegsstammrollen einzutragen: gefalllen, verwundet, vermisst, gefangen. Heil kehrt diesmal keiner zurück....

Neuer Befehl! Stellungswechsel! 110 km vorverlegen nach Ain-el-Gazala. Rommel ist durchgebrochen bis Capuzzo, dort am Halfaya-Pass an der ägypthischen Grenze . Tobruk ist wieder eingeschlossen, hoffentlich gelingt es ihm, es zu nehmen. Morgen früh um 04.00 Uhr wird aufgestanden (vielleicht sind wir infolge des Alarm´s schon auf) und um 07.00 Uhr rollt die Batterie, nach Osten, dem Drang jedes Afrikaners. Wir wissen nicht, ob und wie hart es wird, aber alle sind guten Mutes und freudig.

Das sind wir der Heimat schuldig. Ich habe heute die Zeitungen aus Köln vom 31.05. bis 04.06.1942 gelesen. Ein furchtbares Schicksal hat Köln getroffen. Nur vergleichbar mit der Verwüstung Kartagos oder Magdeburgs im 30-jährigen Krieg, mit dem Brand Hamburgs im letzten Jahrhundert. Und stark und tapfer scheinen sich die Kölner zu halten - ich verzeihe ob diesem Unglück alles an ihnen, was sie mir einst unangenehm machte.

22.30 Uhr. Der erste Alarm ist vorüber. Viel Schlaf wird´s heute Nacht nicht geben.