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Tagebuchauszug des Flakoffiziers Helmuth K. als Batteriechef (Teil VIII)

FLUGPLATZ SIDI BARRANI, 26.06.1942 21.30 UHR

Todmüde. Den ganzen Tag Angriffe - viele Bomben, fast zuviel. Und kein Schlaf. Der General schläft in der Stellung. und ichhabe keine Luftmatratze und nichts. Aber gutes Essen haben wir. Hier viele Abschüsse, aber auch viele Verluste.

SIDI BARRANI, 27.06.42 12.00 UHR

Wir haben jeden Kontakt mit den Geschehnissen der Welt verloren. Wir sind nur noch müde, entsetzlich müde. Die Türkei soll deutschen Truppen den Durchmarsch erlaubt haben, dann werden wir uns wohl mit der Armee List in Port Said treffen. Das Unmögliche wird möglich! Wir stehen also immer noch vor Marsa Matruk. Das Nest hält sich noch zäh. Auch in der Luft wehrt sich der Engländer nach besten Kräften. Wir kriegen als frontnächster Flugplatz den ganzen Zunder. Meine 10 Beute LKWs hat der Schirrmeister jetzt alle wieder fahrbar gemacht. Aber mit Verpflegung wird es knapp. Bei Sollum ist eine halbgesprengte Serpentine, dei den Verkehr so aufhält, dass alles stockt. Und zurück kommt kein Fahrzeug, dem Strom kann niemand entgegen schwimmen. Dabei müssten wir die Verpflegung aus Tobruk heranschaffen. Es ist afrikanisch heiss, aber ich schaffe es noch. Viele fallen jetzt aus, die Ruhr krassiert sehr stark, Nierenkrankheiten kommen auf, alles mögliche - Hautausschläge, und vor allem die Mangelkrankheiten an Zähnen und Zahnfleisch, die mich auch schon plagen. Der General hat bei uns in der Stellung übernachtet. Er wurde gut bewirtet und schied zufrieden. Hoffentlich gehts morgen weiter, es wird nch 2 Tagen schon langweilig.

SIDI BARRANI, 28.06.42 19.00 UHR

Nun liegen wir schon seit 3 Tagen hier. Wir müssen uns noch immer mächtig unserer Haut wehren, denn der Tommy hat erkannt, dass wir von diesem Platz aus allerhand starten. Bis gestern abend lagen die Jäger da, seit gestern sind Zerstörer vom Horst-Wessel-Geschwader hier eingefallen, dann kommen gleich eine Masse JU 52, die SPrit, Munition und Wasser bringen und seit heute starten von hier die Stukas zum Einsatz.

In einigen 100 Meter führt die Strasse vorbei und mit wehmütigen Blicken sehen wir die Kolonnen vorbeirasseln, wir müssen noch hier bleiben und die Front, der wir angehören ist weit voraus, über Marsa Matruk hinaus. Marsa Matruk soll eingeschlossen sein und vor der Übergabe stehen. Ich habe ein Beute Kommando losgejagt, weil wir noch Fahrzeuge brauchen. Hoffentlich bringen sie etwas mit. Und hoffentlich geht´s bald wieder vorwärts. Hier ist der Boden so hart, wir können uns nicht eingraben und die Splitter pfeifen so lästig herum.

Seit Derna sind wir 400 km gerollt, bis Alexandria sind es noch 450 km. So jetzt wirds dunkel, gleich wird der Tommy da sein. Wir stehen bereit, gestern Nacht haben wir einen abgeschossen.

SIDI BARRANI, 29.06.42 08.00 UHR

Dieser Reihenwurf durch die Batterie hätte übel ausgehen können. Aber wider alles Erwarten - wir lagen sämtlich flach - gab es nur einen Verwundeten. Ausgerechnet ein Soldat, der gestern erst als Ersatz zu uns gekommen ist, er hat sich offenbar nicht schnell genug hingelegt.

Morgen steht wieder Stellungswechsel bevor. Vorwärts nach Osten! Nach Fuka soll es gehen, das in 55 km ostwärts Marsa Matruk bzw. 225 km ostwärts Sidi Barrani liegt. Damit sind wir auf 234 km an Alexandria herangerückt!

Marsa Matruk ist noch immer nicht gefallen, das hält sich offenbar kräftig. Unsere Stukas fliegen von hier aus täglich etliche Einsätze nach dort.