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Tagebuchauszug des Flakoffiziers Helmuth K. über den Einzug eines Geleitzuges

Bengasi, den 13. Mai 1942

Heute "rührte sich was" - wie der Soldat sich geheimnisvoll ausdrückt - in Bengasi. Um 5.00 Uhr früh war ein Geleitzug gemeldet, 80 km vor Bengasi. Und um 09.00 Uhr kam er in Sicht. Die Engländer schienen Ruch davon bekommen zu haben, denn es gab Fliegeralarm. Feindlicher Verband von Seeseite her! Und dann entwickelte sich folgerichtig ein schaurig-schönes Schauspiel. Vom Dach der "Banca di Roma" aus beobachtete ich alles.

Staubwolken vom Flugplatz Berca - deutsche Jäger starteten, einer hinter dem anderen. Auf den Hochständen der leichten Flak war es schon lange lebendig. Flugmeldeposten suchen den Himmel ab, der vor Tiefblau über zu fliessen schien. Die Jäger gewannen Höhe und schwirrten ab, dem Feind entgegen. Währenddessen waren die Rauchwolken am Horizont stärker geworden - der Geleitzug dampfte an, umschwirrt von Zerstörern. Deutsche Schnellboote liefen aus, ein Minenräumer machte Dampf auf, und 2 Seenotflugzeuge, weiss mit rotem Kreuz, lagen mit laufender Latte startbereit vor Anker. Auf dem Flugplatz stiegen weitere Zerstörer - Me 110 - auf. Ein Brummen, Rauschen und Surren erfüllte die Luft und half die Spannung noch zu erhöhen. In allen Höhen flogen sie, tief herabbrausend aufs Wasser, wieder hochziehend, U-Boote suchend. Die Schnellboote preschten übers Wasser, 2 Zerstörer des Geleitzuges benahmen sich wie aufgeregte Schäferhunde, und dazwischen qualmten emsig 3 schwere Pötte - unser Nachschub! Und dann - wir hatten noch nichts gesehen - ballerte die schwere Küstenartillerie los, irgendwohin aufs Meer. Ein U-Boot schien sie zu beschiessen. Bald mischte die schwere Flak sich ein. Zwei Punkte hoch am Himmel: mutig konnte der Tommy angesichts dieses Aufwandes nicht mehr sein. Da hingen sich die Jäger dran. Flak schweigt, ganz fernes Brausen klingt vom Luftkampf zu uns, entfernt sich immer mehr . Und dann eine Rauchfahne: Abschuss! Wer, wen? Die Spannung steigt. Die Schiffe laufen ein. Kein U-Boot, keine Mine (und sie hatten in der vergangenen Nacht eine ganze Menge gelegt!), alle kamen heil herein. Die Maschinen landeten, und nun wurde der Tommy mutig: er wollte sich wohl vergewissern, ob doch alles reingekommen ist. Zwei Burschen, mittelhoch. Ein unbeschreibliches Getöse, ein Trommelfeuer hub an. Deutsche schwere, deutsche leichte, ital. leichte, die Schiffsflak der eingelaufenen Einheiten, es klang wie im Krieg. Und einer kam herunter, nachdem 3 Fallschirme sich in der Nähe öffneten. Piloten und Maschine fielen ins Wasser. Hoffentlich hat sie einer herausgefischt.

Und noch 3 Tagesangriffe machte der auf das bitterste erzürnte Tommy. Ohne jeden Erfolg. Zuletzt in der Dämmerung. Und heute nacht kommt er wieder.

In Derna war gestern grosse Trauer und Aufregung. Von 13 Transport-Ju, jede mit 20 Soldaten besetzt, die von Malemes (Kreta) kamen, sind nur 6 angekommen. 3 ganz heil und eine beschädigt auf dem Flugplatz, 2 machten hart am Wasser noch eine Notlandung. Sie waren 30 englischen Jägern zur Beute geworden, die sang- und klanglos 7 davon abschoss. Eine Ju wehrte sich vortrefflich. Sie schoss, mit nur 2 MG bewaffnet, 3 begleitende Bristol-Beaufighter-Zerstörer hintereinander ab. Aber sonst ist die gute, langsame Ju fast wehrlos. Und brennt so schnell. Die Soldaten, die drin saßen, meist vom Heeres-Nachschub oder Rückurlauber - waren so verzweifelt, dass viele es vorzogen, lieber aus 50 m Höhe ins Meer zu springen, als in der brennenden Maschine zu bleiben. Andere konnten noch rechtzeitig auf dem Wasser aufsetzen. Unser Seenotdienst konnte, soviel ich hörte, 61 Mann retten. Aber 120 etwa waren es .... Ein Unteroffizier, dem ein Arm abgeschossen wurde, der Pilot, brachte seine Maschine bis zum Strand. Grauen bemächtigte sich unser, als diese Kunde zu uns kam.